Am Anfang war die Feder

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 Betreff des Beitrags: Meine beste Freundin pflegt ab morgen meine beste Freundin!
BeitragVerfasst: 15. Jan 2012, 17:11 
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Thema der Woche 03 "Meine beste Freundin pflegt ab morgen meine beste Freundin!"
Liebe Zenon dein Thema ist somit eröffnet.


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 Betreff des Beitrags: Re: Meine beste Freundin pflegt ab morgen meine beste Freund
BeitragVerfasst: 15. Jan 2012, 20:56 
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Vor genau drei Jahren wurde bei ihr ein Gehirntumor entfernt dadurch ist sie jetzt in ihrem Gesamtbild sehr eingeschränkt, morgen kommt sie ins Pflegeheim derzeit ist sie in der Klinik weil sie unter sehr starken Störungen der Motorik leidet darum auch die Veranlassung.
Das Problem genau vor drei Jahren hat es zwischen uns ziemlich gekracht, ein Vorkommen dass für mich pers. nicht nachvollziehbar war so denke ich jedenfalls- verzeihen können?
Sie wusste zu dem Zeitpunkt noch nichts von der Krankheit der Tumor wurde kurz danach entdeckt.
Ich pers. weiß aus eigener Erfahrung, dass durch ein Krebsleiden sich auch die Einstellung (positiv) zu den weltlichen Dingen sehr stark verändert aber doch ist es nicht mehr wie es einst war.
Scheinbar von Mensch zu Mensch verschieden.?

Eure Gedanken dazu? lg

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 Betreff des Beitrags: Re: Meine beste Freundin pflegt ab morgen meine beste Freund
BeitragVerfasst: 15. Jan 2012, 23:59 
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hallo zenon,

danke für dein thema,
ja, ich denke schon, dass es da von mensch zu mensch verschieden ist...
ich würde gern etwas näheres darüber erfahren...
zb, auch, was das vergeben anbetrifft...
wie sieht es jetzt damit aus ?

und wie sieht es mit eurem kontakt aus und wie ab morgen ?

was macht dir dabei am meisten zu schaffen...
das mit dem vergeben ?
oder dass sie ins pflegeheim kommt ?
oder etwas anderes ?

liebe mitfühlgrüße,

mars.



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Und... ist Dein Tempel im Garten oder Dein Garten im Tempel ?


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 Betreff des Beitrags: Re: Meine beste Freundin pflegt ab morgen meine beste Freund
BeitragVerfasst: 16. Jan 2012, 10:45 
Zenon hat geschrieben:
Das Problem genau vor drei Jahren hat es zwischen uns ziemlich gekracht, ein Vorkommen dass für mich pers. nicht nachvollziehbar war so denke ich jedenfalls- verzeihen können?


Ich möchte da einmal etwas vom eigentlichen Thema abschweifen, und eine etwas provokante Frage stellen: Kann, soll, darf, muss ein Mensch einem anderen Menschen vezeihen?

In dem Moment, in dem ich das tue, stelle ich mich, als Art Richter über den anderen, befinde also, aus meiner subjektiven Sicht über seine "Schuld", verurteile ihn aus (m)einer (vermeintlich) höheren (Macht-)Position heraus, also definiere quasi erst seine Schuld, ihre Existenz, und erlasse sie ihm dann gnadenhalber. Spiele also in gewisser Weise, könnte man sagen, einem anderen gegenüber Gott, eine höhere Instanz. Ich habe, nehme mir das Recht heraus, dir zu vergeben.

Wem dient das? Der andere wird vielleicht noch kleiner, man selbst ob seiner "Gnade" noch größer? Oder derjenige wehrt sich, und das dann wohl mitunter zu recht, dagegen.

Oder noch radikaler gefragt: Braucht Vergebung Vergebung, Verzeihung Verzeihung?

In der Verzeihung steckt die Anzeige ebenso mit drin, also die Schuld, wie die Beschuldigung, aber auch das Aufzeigen, Hinweisen. Je nachdem, wie man es sich ansieht.

Und löst Vergebung den anscheinend ja dennoch dazu geführt habenden, wenn auch vielleicht nur einseitig so empfundenen Konflikt von damals? Klärt sie etwas, mach sie die Situation nachvollziehbarer, verständlicher, oder deckt sie um des lieben vermeintlich so - allerdings ebenso einseitig wiederhergestellten - Friedens willen ohne weitere Klärung alles zu?

Wäre die Frage nicht viel eher, warum dieser Mensch so handelte? Was tat dem dermaßen weh, was schluckte er anscheinend einmal zu viel runter, und ließ es dann, eben weil es bereits viel zu viel war, vielleicht sogar dem Falschen gegenüber endlich mal raus? Oder kam zu viel auf einmal raus? Geschient oft, wenn sich diejenigen, die sonst immer alles brav runterschlucken, irgendwann einmal doch wehren, dass die Dosis zur Überdosis wird, das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden mag. Hat man ja auch nir gelernt, damit umzugehen, durfte man ja nicht, also knallt dann erstmal alles raus. Kann zumindest passieren.

Krebs frisst einen von Innen her auf, zerstört den Wirt, einen selbst. Nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil derjenige viel zu viel nie rausgelassen hat, es in sich ließ, wie wir das alle viel zu oft lernen. Drücke nicht aus, was du empfindest, was dir wehtut, was dich stört, sondern opfere dich, spiele mit, leide, irgendwann an dir selbst, damit es anderen besser geht, nur dir nicht. Soziale "Verantwortung", Rücksichtnahme auf Kosten der eigenen Wahrheit? Und genau dadurch wird die Gesellschaft, die diese so einfordert, erst recht kranker und kranker, erkrankt an dem, das sie nicht zulässt, dem sie verbietet, ausgedrückt zu werden. Das dann auch noch als böse, negativ, schlecht bewertet wird. Verleugne dich selbst, deine Wahrheit, im Grunde genommen. Auch Aggression, Wut oder sogar Hass kann Wahrheit sein, und solange sie sich nicht ausdrücken kann, nicht raus kann, wird sie mehr und mehr werden. Unvermeidlich, die löst sich nicht in Luft auf, oder wird durch positives Denken was anderes. Die will ja eine Form bekommen, sich manifestieren.
Fragt sich, welche, und vor allem, wie bekommt man so etwas in ein nicht wiederum destruktives Fahrwasser, sondern in Richtung einer Lösung, Klärung?

Gefährlich wird es bei uns vor allem deshalb, weil wir mit derartigen Konflikten kaum umgehen können, unsere Gesellschaft hat keine tatsächlich funktionierende Konflikt- und Streitkultur, noch viel weniger Lösungen für Derartiges parat. Also bleibt an der Oberfläche oft genug die (schein-)heil(ig)e Welt, und darunter kocht und brodelt alles.

Vielleicht braucht es gar keine Vergebung, nur ein Gespräch? Etwas Aufmerksamkeit, Interesse, Verständnis, zumindest den Versuch dazu. Warum warst du so zu mir? Was tat dir so weh, womit tat ich dir weh, dass du glaubtest, so reagieren zu müssen?

Schließlich sind (beste) Freunde ja auch dazu da, jemandem die Dinge zu sagen, die man vielleicht selbst gar nicht so gerne hören möchte. Also stünde auch die Frage im Raum, habe ich bei mir etwas übersehen, was meine Freundin eben dennoch sah? Dann ginge es vielleicht gar nicht um Vergebung, sondern darum, ihr dankbar für den Hinweis zu sein? Und manchmal trennen sich auf Grund derartiger Vorfälle, Erlebnisse eben auch die Wege. Wenn einer, oder beide voneinander doch zu enttäuscht sind. Oder danach eben keine Verständigung mehr möglich ist.

Die damalige Situation kenne ich nicht. Aber ähnliche, auch von mir selber, und manchmal liegen die Probleme tatsächlich ganz woanders als man erstmal glauben mag. Auch die Lösungen mitunter.

Deshalb hiermit einfach ein paar "andere" Gedanken zu dem Bereich. Jetzt durchaus nicht nur auf diese Situation bezogen, von der ich natürlich auch zu wenig weiß, in die ich mich auch nicht einmischen will, aber so gesehen, diese zum Anlass nehmend um ein bisschen was dazu zu reflektieren, aus meiner Sicht.

Ich schrieb dazu mal was, nur zum Nachdenken:

Kriegsende

Vergeben kann man
erst nach dem Krieg.
Wenn nichts mehr
außer der eigenen Erschöpfung
übrig geblieben ist.

Davor
wird sie
selbst wieder
zum Krieg.




"Es ist was es ist,
sagt die Liebe"

schrieb Erich Fried mal, und wurde damit wohl durchaus oft vermutlich missverstanden.

Denn dann ist die Wut, der Zorn, der Ärger des Anderen eben auch die Wut, der Zorn, der Ärger das Anderen, der erstmal da ist, ernstgenommen, gesehen werden will. Zumindest aus meiner Sicht. Jedenfalls wäre es keine Schuld, die vergeben werden müsste.

Nichts geschieht ohne Grund. Auch nicht der Umstand, dass man jemanden anderen für schuldig halten mag...


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 Betreff des Beitrags: Re: Meine beste Freundin pflegt ab morgen meine beste Freund
BeitragVerfasst: 16. Jan 2012, 11:44 
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Zitat:
Oder noch radikaler gefragt: Braucht Vergebung Vergebung, Verzeihung Verzeihung?


Das hab ich mich auch gefragt, denn gerade bei besten Freunden besteht eine größere Emotion, als bei nur Freunden. Je größer die Liebe zu dem anderen ist, desto tiefer fallen die Verletzungen aus. Ich sehe es so, eine kleine Welle wird zum Tsunami und zerstört wahllos was verbunden hat.
Ich kann dir nicht sagen ob es wieder so werden kann, wie es war, denn die Angst vor neuen Verletzungen hat ein Mißtrauen geschaffen.
Der Verstand sagt zwar, vergessen wir es, Schwamm drüber, aber das Herz hat diese Wunde abbekommen und ob sie heilen kann, ist eigentlich nur die Frage, wie groß die Liebe zu diesem Menschen ist. Vielleicht schafft sie es diese Brücke zu bauen und können es beide.


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 Betreff des Beitrags: Re: Meine beste Freundin pflegt ab morgen meine beste Freund
BeitragVerfasst: 16. Jan 2012, 16:52 
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Faydit hat geschrieben:

Krebs frisst einen von Innen her auf, zerstört den Wirt, einen selbst. Nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil derjenige viel zu viel nie rausgelassen hat, es in sich ließ, wie wir das alle viel zu oft lernen. Drücke nicht aus, was du empfindest, was dir wehtut, was dich stört, sondern opfere dich, spiele mit, leide, irgendwann an dir selbst, damit es anderen besser geht, nur dir nicht. Soziale "Verantwortung", Rücksichtnahme auf Kosten der eigenen Wahrheit? Und genau dadurch wird die Gesellschaft, die diese so einfordert, erst recht kranker und kranker, erkrankt an dem, das sie nicht zulässt, dem sie verbietet, ausgedrückt zu werden. Das dann auch noch als böse, negativ, schlecht bewertet wird. Verleugne dich selbst, deine Wahrheit, im Grunde genommen. Auch Aggression, Wut oder sogar Hass kann Wahrheit sein, und solange sie sich nicht ausdrücken kann, nicht raus kann, wird sie mehr und mehr werden.


hallo Faydit

kann sein, daß es leute gibt, auf die das zutrifft
aber nicht bei allen, das möchte ich zum punkto "krebs", sagen.
meine schwester ist vor 2 jahren an lymphomkrebs gestorben und nichts davon traf auf sie zu. sie war 23 und
sie musste nichts verstecken, durfte ihre gefühle zeigen und ich auch.
wir mußten uns auch nicht verleugnen oder sowas.
sie hatte auch kein grund zum hass oder so, aber die ärzte sagten, dass ihre ganzen operationen, die sie vorher hatte, den krebs bei ihr ausgelöst haben könnten, sagten was von den narkosemitteln oder gegen thrombose oder so, ganau weiß ich das nicht.
und auf der onkologie liegen auch so kleine krebs-patientchen, auf die mit sicherheit sowas auch nicht zutreffen kann, weil babys oder kleine kinder wohl kaum hassen und wenn sie schreien, dann sind sie auch nicht aggressiv und haben nicht deswegen krebs bekommen.
dann könnte ich sagen, alle, die krebs haben, sind aggressiv, hassen und ärgern sich und lassen nichts raus.
dann wär der krebs der richter von menschen, du bist so, dann bekommst du dafür krebs.

will nur sagen, dass sich das so entschieden für mich anhört, dass krebskrankheit eine strafe gottes ist.

gruß, kingsheart.

ach ja, die ärzte sagten noch was von ihren genen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Meine beste Freundin pflegt ab morgen meine beste Freund
BeitragVerfasst: 16. Jan 2012, 21:01 
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Faydit hat geschrieben:
Zenon hat geschrieben:
Das Problem genau vor drei Jahren hat es zwischen uns ziemlich gekracht, ein Vorkommen dass für mich pers. nicht nachvollziehbar war so denke ich jedenfalls- verzeihen können?


Ich möchte da einmal etwas vom eigentlichen Thema abschweifen, und eine etwas provokante Frage stellen: Kann, soll, darf, muss ein Mensch einem anderen Menschen vezeihen?

In dem Moment, in dem ich das tue, stelle ich mich, als Art Richter über den anderen, befinde also, aus meiner subjektiven Sicht über seine "Schuld", verurteile ihn aus (m)einer (vermeintlich) höheren (Macht-)Position heraus, also definiere quasi erst seine Schuld, ihre Existenz, und erlasse sie ihm dann gnadenhalber. Spiele also in gewisser Weise, könnte man sagen, einem anderen gegenüber Gott, eine höhere Instanz. Ich habe, nehme mir das Recht heraus, dir zu vergeben.

Wem dient das? Der andere wird vielleicht noch kleiner, man selbst ob seiner "Gnade" noch größer? Oder derjenige wehrt sich, und das dann wohl mitunter zu recht, dagegen.

In einem Dinge stimme ich dir, bei deiner Sichtweise dem zu. Aber wenn ich jemandem verzeihe geht es eher darum, dass der andere Mist gebaut hat. Ich kann aber nur ernsthaft verzeihen, wenn der andere darum bittet. Nicht ob "über- oder Untergeordnet". Ansonsten würde ja jeder Buddhist o.Ä. sich "erhobener" fühlen. Es gibt nämlich Menschen, die dir "verzeihen", wenn du ihnen sogar ins Gesicht schlagen solltest. Erbaut auf den Satz: "Vergib Ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun". Es geht um "Schuld" und nicht Schuld. Sie erkennen deine Schuld, nehmen sie von deinen Schultern OHNE dass sie sich besser fühlen. Einmal für sich selber, dass diese Energie in ins positive umgewandelt werden kann und einmal für den anderen. Ich verzeihe niemals meinetwegen, sondern für den anderen, dass ich seine Seelenlast verringer oder eine der kleinen Narben schließen kann. Genau bitte ich niemals um entschuldigung für andere oder verlange eine Verzeihung ohne die notwendige Einsicht.

Daher kommt auch das "EntSCHULDidgung". Ich kann mich nur entschuldigten, wenn ich mir bewusst bin, was ich getan habe, was entweder mir selber oder jemandem anderen Schaden zugefügt hat oder ihnen einen Nachteil brachte.

Ich könnte auch sagen, dass es mir leid tut, was genau so aussagekräftig ist, aber den gegenüber nicht mit einspannt. Zum Beispiel, wenn es meine Tat war, aber nicht meine Schuld, dass etwas Schlimmes passiert ist oder im Endeffekt zwar weh tat, aber das Resultat gut ist. Ich ordne mich nicht unter, wenn ich um verzeihung bitte oder mich "entschuldige". Ich will dem anderen nur mitteilen, dass ich einen Fehler getan habe und es "bereue" oder es mir "leid" tut. Da der Gegenüber aber in der Schuld mit eingebunden ist, wünsche ich mir, dass er mir verzeiht. Der Richter bin ich in dem Fall selber. Immer der, der um "Verzeihung" bittet ist der Richter über sich selber und seinen Taten (Selbstreflexion)...

Es geht darum, dass man sich selber seiner Taten bewusst ist und wo man nicht der "goldenen" Regel lebte und dies ohne Dualitätendenken wieder ins Reine bringen will. Bei mehreren Seiten sollten alle miteingeplant werden...


Oder noch radikaler gefragt: Braucht Vergebung Vergebung, Verzeihung Verzeihung?

Ob Vergebung Vergebung braucht? Nein, aber eine Verzeihung braucht Vergebung, wie Vergebung eine Verzeihung braucht. In vielerei Hinsicht. Es ist wie ein Kreis, in dem niemand den Anfang kennt, wie mancher damit anfängt dir zu vergeben, damit du nicht mehr nach "Verzeihung bitten musst oder damit du selber verzeihen kannst. Meistens dir selber...

In der Verzeihung steckt die Anzeige ebenso mit drin, also die Schuld, wie die Beschuldigung, aber auch das Aufzeigen, Hinweisen. Je nachdem, wie man es sich ansieht.

Und löst Vergebung den anscheinend ja dennoch dazu geführt habenden, wenn auch vielleicht nur einseitig so empfundenen Konflikt von damals? Klärt sie etwas, mach sie die Situation nachvollziehbarer, verständlicher, oder deckt sie um des lieben vermeintlich so - allerdings ebenso einseitig wiederhergestellten - Friedens willen ohne weitere Klärung alles zu?

Wäre die Frage nicht viel eher, warum dieser Mensch so handelte? Was tat dem dermaßen weh, was schluckte er anscheinend einmal zu viel runter, und ließ es dann, eben weil es bereits viel zu viel war, vielleicht sogar dem Falschen gegenüber endlich mal raus? Oder kam zu viel auf einmal raus? Geschient oft, wenn sich diejenigen, die sonst immer alles brav runterschlucken, irgendwann einmal doch wehren, dass die Dosis zur Überdosis wird, das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden mag. Hat man ja auch nir gelernt, damit umzugehen, durfte man ja nicht, also knallt dann erstmal alles raus. Kann zumindest passieren.

Du meinst eine "Zeitbombe" oder halt der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Ja, ein Thema, da kann man sich lange lange drüber unterhalten, aber das gerne in einem anderen Thema

Krebs frisst einen von Innen her auf, zerstört den Wirt, einen selbst. Nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil derjenige viel zu viel nie rausgelassen hat, es in sich ließ, wie wir das alle viel zu oft lernen. Drücke nicht aus, was du empfindest, was dir wehtut, was dich stört, sondern opfere dich, spiele mit, leide, irgendwann an dir selbst, damit es anderen besser geht, nur dir nicht. Soziale "Verantwortung", Rücksichtnahme auf Kosten der eigenen Wahrheit? Und genau dadurch wird die Gesellschaft, die diese so einfordert, erst recht kranker und kranker, erkrankt an dem, das sie nicht zulässt, dem sie verbietet, ausgedrückt zu werden. Das dann auch noch als böse, negativ, schlecht bewertet wird. Verleugne dich selbst, deine Wahrheit, im Grunde genommen. Auch Aggression, Wut oder sogar Hass kann Wahrheit sein, und solange sie sich nicht ausdrücken kann, nicht raus kann, wird sie mehr und mehr werden. Unvermeidlich, die löst sich nicht in Luft auf, oder wird durch positives Denken was anderes. Die will ja eine Form bekommen, sich manifestieren.
Fragt sich, welche, und vor allem, wie bekommt man so etwas in ein nicht wiederum destruktives Fahrwasser, sondern in Richtung einer Lösung, Klärung?

Gefährlich wird es bei uns vor allem deshalb, weil wir mit derartigen Konflikten kaum umgehen können, unsere Gesellschaft hat keine tatsächlich funktionierende Konflikt- und Streitkultur, noch viel weniger Lösungen für Derartiges parat. Also bleibt an der Oberfläche oft genug die (schein-)heil(ig)e Welt, und darunter kocht und brodelt alles.

Vielleicht braucht es gar keine Vergebung, nur ein Gespräch? Etwas Aufmerksamkeit, Interesse, Verständnis, zumindest den Versuch dazu. Warum warst du so zu mir? Was tat dir so weh, womit tat ich dir weh, dass du glaubtest, so reagieren zu müssen?

Für so ein Gespräch muss man auch vergeben und verzeihen können und wenn es erstmals bei einem selber ist. Egal welche Partei...

Schließlich sind (beste) Freunde ja auch dazu da, jemandem die Dinge zu sagen, die man vielleicht selbst gar nicht so gerne hören möchte. Also stünde auch die Frage im Raum, habe ich bei mir etwas übersehen, was meine Freundin eben dennoch sah? Dann ginge es vielleicht gar nicht um Vergebung, sondern darum, ihr dankbar für den Hinweis zu sein? Und manchmal trennen sich auf Grund derartiger Vorfälle, Erlebnisse eben auch die Wege. Wenn einer, oder beide voneinander doch zu enttäuscht sind. Oder danach eben keine Verständigung mehr möglich ist.

Die damalige Situation kenne ich nicht. Aber ähnliche, auch von mir selber, und manchmal liegen die Probleme tatsächlich ganz woanders als man erstmal glauben mag. Auch die Lösungen mitunter.

Deshalb hiermit einfach ein paar "andere" Gedanken zu dem Bereich. Jetzt durchaus nicht nur auf diese Situation bezogen, von der ich natürlich auch zu wenig weiß, in die ich mich auch nicht einmischen will, aber so gesehen, diese zum Anlass nehmend um ein bisschen was dazu zu reflektieren, aus meiner Sicht.

Ich schrieb dazu mal was, nur zum Nachdenken:

Kriegsende

Vergeben kann man
erst nach dem Krieg.
Wenn nichts mehr
außer der eigenen Erschöpfung
übrig geblieben ist.

Davor
wird sie
selbst wieder
zum Krieg.


Vergebung ist der erste Schritt. Verzeihe dir selbst.

Ein altes japanisches Sprichwort: Willst Du über andere siegen, dann besieg Dich erst selbst. Willst Du andere beurteilen, dann beurteil Dich erst selbst. Willst Du andere erkennen, dann erkenn Dich erst selbst.


"Es ist was es ist,
sagt die Liebe"

schrieb Erich Fried mal, und wurde damit wohl durchaus oft vermutlich missverstanden.

Denn dann ist die Wut, der Zorn, der Ärger des Anderen eben auch die Wut, der Zorn, der Ärger das Anderen, der erstmal da ist, ernstgenommen, gesehen werden will. Zumindest aus meiner Sicht. Jedenfalls wäre es keine Schuld, die vergeben werden müsste.

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Es geht nicht darum, ob du andere für schuldigt hälst, sondern immer was du selber von dir hälst. "Prüfe dich im Angesicht deiner Freunde." Das Schwierigste und einfachste Zugleich ist es, sich selber ehrlich zu vergeben und zu verzeihen...

Brauchst du dafür jemanden anderen, der dir verzeiht, dass du dir selber verzeihen kannst? Dann bitte darum...

Denn im Grunde sind wir alle "eins", auch wenn es sich in meinen Ohren immer noch, ich sage einfach "scheiße" anhört, ist genau dies unser Käfig, dass wir Glauben getrennt zu sein...

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 Betreff des Beitrags: Re: Meine beste Freundin pflegt ab morgen meine beste Freund
BeitragVerfasst: 16. Jan 2012, 21:19 
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Zenon hat geschrieben:
Vor genau drei Jahren wurde bei ihr ein Gehirntumor entfernt dadurch ist sie jetzt in ihrem Gesamtbild sehr eingeschränkt, morgen kommt sie ins Pflegeheim derzeit ist sie in der Klinik weil sie unter sehr starken Störungen der Motorik leidet darum auch die Veranlassung.
Das Problem genau vor drei Jahren hat es zwischen uns ziemlich gekracht, ein Vorkommen dass für mich pers. nicht nachvollziehbar war so denke ich jedenfalls- verzeihen können?
Sie wusste zu dem Zeitpunkt noch nichts von der Krankheit der Tumor wurde kurz danach entdeckt.
Ich pers. weiß aus eigener Erfahrung, dass durch ein Krebsleiden sich auch die Einstellung (positiv) zu den weltlichen Dingen sehr stark verändert aber doch ist es nicht mehr wie es einst war.
Scheinbar von Mensch zu Mensch verschieden.?

Eure Gedanken dazu? lg


Es kommt immer drauf an, "wo" im Gehirn dies passiert. Im "Frontallappen", der größte Teil unseres Gehirns und zugleich Jüngster, ist unsere Persönlichkeit ist. Ein Arbeiter bekam ein Teil dieses Gehirns bei einer Explosion zerstört. Keiner glaubte, dass er dies überleben würde und doch tat er es. Da Ding: Seine Persönlichkeit veränderte sich von einem Tag auf den Anderen (Ins Schlechtere, also ein "Negativbeispiel"). Ich fasse mich hierbei kurz, nur um meinen Gedanken voran zu bringen. Im Gehirn ist unsere Schaltzentrale. Das was wir gelernt haben in dem Jetzigen Leben, die auch die Kontrolle über unseren Körper. Der Mensch ist in der Lage umzudisponieren, dass andere Teile die Funktionen der kaputten übernimmt, aber das dauert.

Auf jeden Fall ist so ein Tumor eine Angelegenheit, die bei jedem anders läuft. Und so bewandert bin ich nicht. In mancher Hinsicht würde ich mich mal weit aus dem Fenster lehnen und sagen, dass nur die "bekannte" DNA des Menschen, die etwa 3%, die für unsere Art als Mensch vollkommen ausreicht um uns so zu machen wie wir sind, mutieren kann (zum Tumor), nach manchen kuriosen Schriften, die ich las, da die 97% "Junk-DNA" resistent gegenüber Therapie sein sollen. (Ein gewagter Umkehrschluss, zumal sich langsam herausstellen soll, wozu diese "Junk-DNA" gut sei und welche FUnktion diese für den menschlichen Körper hat. Manch Andere reden von Außerirdischer DNA, andere von einer Nachrichtensequenz und allgemein ist der Mensch an sich eine Mutation. Es ist bekannt, dass der Mensch immer schneller mutiert...) Je nachdem. Stoßen die 3% sich selber ab (wenn die Zahl überhaupt stimmt) oder wird sie abgestoßen vom Rest. Oder ist es ein einfacher Zufall?

Es tut mir leid, wenn ich trocken rüber komme, aber so ist es nicht. Hast du dich der Person wieder annähern können? Mit ihr sprechen und euch, wenn nötig verzeihen können? Der beste Fall ist ja, egal was passiert, dass man sich nur in die Arme fällt, wenn man sich wieder findet...

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 Betreff des Beitrags: Re: Meine beste Freundin pflegt ab morgen meine beste Freund
BeitragVerfasst: 17. Jan 2012, 12:32 
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Brauch man doch gar nicht drüber nachdenken,einfach sich umarmen
und Worte hierbei überflüssig sind.
Verzeihen,vergessen und heute ist eben heute,gibts ein Zauberwort,
es heisst LIEBE.....

Liebe ist die grösste Macht,sie den Tag heute zum Glücklichsten
macht,denn hab ich nicht 1Minute an Gestern gedacht....was
morgen kommt,na da hab ich noch nicht drüber nachgedacht,
warum?
Weil nur heute zählt,ein Tag,in Liebe gewählt...

in Liebe,Unicorn


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