Am Anfang war die Feder

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 Betreff des Beitrags: Gedichte
BeitragVerfasst: 27. Jan 2012, 18:31 
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Der Lattenzaun

(Autor unbekannt)

Ich hab 'ne wunderschöne Gadde,
eingezäunt mit lauter Ladde.
Die Ladde hör'n uff übern Bodde,
damit se nit faul wern und verrodde.
Mar kann von draußen kaum eins entdecke,
un sich daher ganz gut verstecke.


Weil ich noch Brombeer zu pflücke hadde,
war ich noch neulich in mei Gadde.
Un wie ich zufällig durch die Ladde gucke,
kimmt einer gelaufen, als wär er meschugge,
kimmt immer näher, ich denk nanu,
der kimmt ja direkt auf mei Laddezaun zu.


Dann war er am Zaun, guckt runner und ruff,
ich stand mucksmäuschenstill - un denk, jetzt pass uff!
Dass ich nicht blind worden bin, das is noch e Wunner,
er, der Kerl, macht grad die Hose runner.
Dann tut er sich bedächtig bügge,
um sich e Mordsding aus dem Kreiz zu drücke.


Da die Sache kam von obbe,
hab ich mei Schippe unnern Zaun durchgeschobbe.
Ich hab dann gestaunt un es Lache verbisse,
Dieweil er hat drauße auf meine Schippe geschisse.
Doch als der Schippenstil sich hat gebogge,
hab' ich mei Schippe schnell weggezogge.


Es kam wie ich's dann auch gedacht,
der Schisser wollt gucken, was er gemacht.
Er dreht sich rum, tut Auge aufreiße
un guckt ganz entgeistert, wo ist denn mei Scheiße?
Erscht guckt er ins Gras un dan uff de Schuh
und denkt, das geht doch nicht mit rechten Dinge zu.


Er hat nix gesehe un nix geroche.
Dann issen der Angstschweiß ausgebroche;
die Knie, die warn ihm schon ganz lasch,
er fasst sich an den Kopp und dann an den Arsch.
Und wie er sich de Finger hat beschmiert,
da weiß er, hier is e Wunder passiert.


Er kimmt nimmer raus aus de Staune un Stutze.
Vor Schreck vergisst 'r de Arsch abzuputze.
Rafft sich de Hos hoch und rennt dann fort
voll Angst und Graus vor dem unheimlichen Ort.


Doch ich konnt kei Brombeere mehr flügge,
ich konnt mich vor Lache nich regge un bügge.
Den ganzen Tag hab ich noch gelacht,
weil ich mit mei Schippchen e Wunder Vollbracht.
Dem Kerl aber hab ich noch nachgeruffe:
Hab Dank, du ruchloser Kagger,
Die Schippe hat grad noch gefehlt uff mei Agger!


Ein paar Tage später bin ich wieder in mei Gadde,
da seh ich doch an mei Zaun e Schadde.
Ich geh hin un bin von de Sogge,
da tut der Scheißer doch wieder hocke.
Pass uff, denk i, den will i mal necken,
un schon bin ich hinter die Brombeerhecken.


Dann lauf ich schnell, wo de Hühner sitze,
um mir vom Neste e Ei zu stibitze.
Dann nehm ich mei Schippe un schleich off de Sogge,
zurück zum Zaun, wo der Kacker tut hocke.

Er sucht grad Papier, um den Hinnern zu putze,
ich denk, pass uff, die Zeit musst du nutze.
Schnell hab ich ihm, dos ist nicht gelogen,
mit de Schippe unnern Hinnern de Scheiß weggezogen.
Das Ei aber leg ich ganz leise un sacht
an die Stelle, wo er vorher sei Haufe gemacht.


Es kam dann genau so wie ich mir's gedacht:
der Scheißer wollt gugge, was er wohl gemacht.
Er dreht sich rum un tut de Auge aufreiße
un denkt ganz entgeistert, das is doch kein Scheiße,
das is doch e Ei, wie's de Hühner tun lege.

Er kann's gar nicht fasse, doch tut er sich rege;
schnell mit sei Ei zu sei Frau tut er laufe,
un schreit: "Frau, mir brauche kei Ei mehr zu kaufe!"
Un dann erklärt er ihr klipp un klar,
wie's beim Scheiße am Gaddezaun war.
Sei Frau meint, das muss er erst mal beweise -
e Mensch kann doch kei Ei net scheiße.

Da sagt der Mann: "Na gut, na schön,
beim nächsten Kacke kannste's ja sehn.
Doch musste mal warte bis morge,
denn heute kann ich's dir net mehr besorge."


Am annern Tage da war's dann soweit.
"Frau," ruft der Mann, "ich bin jetzt bereit.
Komm schnell mit dei Hut un halt ihn drunner,
sonst falle die Eier so harte herunner."
Die Frau kommt gelaufe, so schnell sie nur kann.
Er hockt schon am Bodde un fängt schon an.


Sei Arsch tut krache, wie'n Gewitter im Mai,
doch was dabei rauskommt is alles ann're als e Ei.
Sei Frau guckt in'n Hut un fängt an zu schimme,
dann tut se wie wild in de Gegend rum renne,
sie tritt ihn in'n Hinnern un schreit voller Wut:
"Mich hast'e beschisse un a noch mei Hut."


Ich kann Euch nur sage, denn ich muss es ja wisse,
an mei Laddezaun hat er nie mehr geschisse.


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 Betreff des Beitrags: Re: Gedichte
BeitragVerfasst: 27. Jan 2012, 18:48 
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 Betreff des Beitrags: Re: Gedichte
BeitragVerfasst: 27. Jan 2012, 22:50 
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herzlich gegrüßt
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 Betreff des Beitrags: Re: Gedichte
BeitragVerfasst: 28. Jan 2012, 08:06 
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 Betreff des Beitrags: Re: Gedichte
BeitragVerfasst: 18. Feb 2012, 17:32 
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Kritik des Herzens

Da kommt mir eben so ein Freund
Mit einem großen Zwicker.
Ei, ruft er, Freundchen, wie mir scheint,
Sie werden immer dicker.

Ja, ja, man weiß oft selbst nicht wie,
So kommt man in die Jahre;
Pardon, mein Schatz, hier haben Sie
Schon eins, zwei graue Haare! -

Hinaus, verdammter Kritikus,
Sonst schmeiß ich dich in Scherben.
Du Schlingel willst mir den Genuß
Der Gegenwart verderben!

Wilhelm Busch


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 Betreff des Beitrags: Re: Gedichte
BeitragVerfasst: 4. Apr 2012, 10:07 
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Der Philosoph

Ein Philosoph von ernster Art,
Der sprach und strich sich seinen Bart:

Ich lache nie. Ich lieb es nicht,
Mein ehrenwertes Angesicht
Durch Zähnefletschen zu entstellen
Und närrisch wie ein Hund zu bellen;
Ich lieb es nicht durch ein Gemecker
Zu zeigen, daß ich Witzentdecker.
Ich brauche nicht durch Wertvergleichen
Mit andern mich herauszustreichen,
Um zu ermessen, was ich bin,
Denn dieses weiß ich ohnehin.

Das Lachen will ich überlassen
Den minder hochbegabten Klassen.
Ist einer ohne Selbstvertraun
In Gegenwart von schönen Fraun,
So daß sie ihn als faden Gecken
Abfahren lassen oder necken,
Und fühlt er drob geheimen Groll
Und weiß nicht, was er sagen soll,
Dann schwebt mit Recht auf seinen Zügen
Ein unaussprechliches Vergnügen.

Und hat er Kursverlust erlitten,
Ist er moralisch ausgeglitten,
So gibt es Leute, die doch immer
Noch dümmer sind als er und schlimmer,
Und hat er etwa krumme Beine,
So gibt's noch krümmere als seine.

Er tröstet sich und lacht darüber
Und denkt: Da bin ich mir doch lieber.
Den Teufel laß ich aus dem Spiele.
Auch sonst noch lachen ihrer viele,
Besonders jene ewig Heitern,
Die unbewußt den Mund erweitern,
Die, sozusagen, auserkoren
Zum Lachen bis an beide Ohren.
Sie freuen sich mit Weib und Kind,
Schon bloß, weil sie vorhanden sind.

Ich dahingegen, der ich sitze
Auf der Betrachtung höchster Spitze,
Weit über allem Was und Wie,
Ich bin für mich und lache nie.

Wilhelm Busch


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 Betreff des Beitrags: Re: Gedichte
BeitragVerfasst: 11. Nov 2012, 10:41 
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Kassandra.

Freude war in Trojas Hallen,
Eh die hohe Feste fiel;
Jubelhymnen hört man schallen
In der Saiten goldnes Spiel;
Alle Hände ruhen müde
Von dem thränenvollen Streit,
Weil der herrliche Pelide
Priams schöne Tochter freit.

Und geschmückt mit Lorberreisern,
Festlich wallet Schaar auf Schaar
Nach der Götter heil'gen Häusern,
Zu des Thymbriers Altar.
Dumpf erbrausend durch die Gassen
Wälzt sich die bacchant'sche Lust,
Und in ihrem Schmerz verlassen
War nur eine traur'ge Brust.

Freudlos in der Freude Fülle,
Ungesellig und allein,
Wandelte Kassandra stille
In Apollos Lorbeerhain.
In des Waldes tiefste Gründe
Flüchtete die Seherin,
Und sie warf die Priesterbinde
Zu der Erde zürnend hin:

»Alles ist der Freude offen,
Alle Herzen sind beglückt,
Und die alten Eltern hoffen,
Und die Schwester steht geschmückt.
Ich allein muß einsam trauern,
Denn mich flieht der süße Wahn,
Und geflügelt diesen Mauern
Seh' ich das Verderben an.

»Eine Fackel seh' ich glühen,
Aber nicht in Hymens Hand;
Nach den Wolken seh' ich ziehen,
Aber nicht wie Opferbrand.
Feste seh' ich froh bereiten,
Doch im ahnungsvollen Geist
Hör' ich schon des Gottes Schreiten,
Der sie jammervoll zerreißt.

»Und sie schelten meine Klagen,
Und sie höhnen meinen Schmerz.
Einsam in die Wüste tragen
Muß ich mein gequältes Herz,
Von den Glücklichen gemieden
Und den Fröhlichen ein Spott!
Schweres hast du mir beschieden,
Pythischer, du arger Gott!

»Dein Orakel zu verkünden,
Warum warfest du mich hin
In die Stadt der ewig Blinden
Mit dem aufgeschloßnen Sinn?
Warum gabst du mir zu sehen,
Was ich doch nicht wenden kann?
Das Verhängte muß geschehen,
Das Gefürchtete muß nahn.

»Frommt's, den Schleier aufzuheben,
Wo das nahe Schreckniß droht?
Nur der Irrthum ist das Leben,
Und das Wissen ist der Tod.
Nimm, o nimm die traur'ge Klarheit,
Mir vom Aug den blut'gen Schein!
Schrecklich ist es, deiner Wahrheit
Sterbliches Gefäß zu sein.

»Meine Blindheit gib mir wieder
Und den fröhlich dunklen Sinn!
Nimmer sang ich freud'ge Lieder,
Seit ich deine Stimme bin.
Zukunft hast du mir gegeben,
Doch du nahmst den Augenblick,
Nahmst der Stunde fröhlich Leben –
Nimm dein falsch Geschenk zurück!

»Nimmer mit dem Schmuck der Bräute,
Kränzt' ich mir das duft'ge Haar,
Seit ich deinem Dienst mich weihte
An dem traurigen Altar.
Meine Jugend war nur Weinen,
Und ich kannte nur den Schmerz,
Jede herbe Noth der Meinen
Schlug an mein empfindend Herz.

»Fröhlich seh' ich die Gespielen,
Alles um mich lebt und liebt
In der Jugend Lustgefühlen,
Mir nur ist das Herz getrübt.
Mir erscheint der Lenz vergebens,
Der die Erde festlich schmückt;
Wer erfreute sich des Lebens,
Der in seine Tiefen blickt!

»Selig preis' ich Polyxenen
In des Herzens trunknem Wahn,
Denn den Besten der Hellenen
Hofft sie bräutlich zu umfahn.
Stolz ist ihre Brust gehoben,
Ihre Wonne faßt sie kaum,
Nicht euch, Himmlische dort oben,
Neidet sie in ihrem Traum.

»Und auch ich hab' ihn gesehen,
Den das Herz verlangend wählt!
Seine schönen Blicke flehen,
Von der Liebe Gluth beseelt.
Gerne möcht' ich mit dem Gatten
In die heim'sche Wohnung ziehn;
Doch es tritt ein styg'scher Schatten
Nächtlich zwischen mich und ihn.

»Ihre bleichen Larven alle
Sendet mir Proserpina;
Wo ich wandre, wo ich walle,
Stehen mir die Geister da.
In der Jugend frohe Spiele
Drängen sie sich grausend ein,
Ein entsetzliches Gewühle!
Nimmer kann ich fröhlich sein.

»Und den Mordstahl seh' ich blinken
Und das Mörderauge glühn;
Nicht zur Rechten, nicht zur Linken
Kann ich vor dem Schreckniß fliehn;
Nicht die Blicke darf ich wenden,
Wissend, schauend, unverwandt
Muß ich mein Geschick vollenden
Fallend in dem fremden Land« –

Und noch hallen ihre Worte –
Horch! da dringt verworrner Ton
Fernher aus des Tempels Pforte,
Todt lag Thetis' großer Sohn!
Eris schüttelt ihre Schlangen,
Alle Götter fliehn davon,
Und des Donners Wolken hangen
Schwer herab auf Ilion.

Friedrich Schiller


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