Am Anfang war die Feder

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 Betreff des Beitrags: Gibt es die tendenzielle Stimme einer Nation?
BeitragVerfasst: 30. Mai 2011, 13:18 
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Hallo zusammen

Vorhin war ich in einem Laden, dort läuft Radio, da ist mir bei einem Lied so ein Gedanke gekommen.

Ist es möglich, dass je nach Land, die Stimmen (organisch jetzt) der Einheimischen tendenziell ähnlich sind bzw. ähnliche Eigenschaften haben?

So in dem Sinne von, dass z.B. die Engländer tendenziell eher hohe, durchdringende Stimmen zu haben scheinen, während es z.B. viele finnische Sänger gibt, die eine eher ruhige, tiefere Stimme haben. Das sind die zwei, die mir jetzt grad "aufgefallen" sind und mich auf die Idee gebracht haben... haltet ihr so etwas für möglich?

Ich meine, bestimmt gibt es auch finnische Opernsänger und englische - ich sag mal z.B. - Gothictypen, die ganz tief singen. Aber einfach so als mögliche Mehrheitserscheinung?

Vielleicht ist das aber auch totaler Quatsch und ich nehme das nur so wahr, weil ich mich unbewusst entsprechend konzentriere.

Was meint ihr?

LG
Stormy

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 Betreff des Beitrags: Re: Gibt es die tendenzielle Stimme einer Nation?
BeitragVerfasst: 30. Mai 2011, 14:01 
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Es fängt ja schon im Kleinen beim Dialekt an, dass sich die Sprachmelodie in einem Land ändert. Nun denke ich, bzw. habe ich auch so erfahren, dass es je nach Land (oder Region?-> sprich mehrere Länder) nicht nur die Sprache anders ist, sondern auch die ganze Sprachmelodie. Schweden hat für meine Mama eher son Sing-Sang, in dem die einzelnen Wörter schwer rauszuhören sind. Von den Deutschen heißt es, dass die Sprache "hart und aggressiv" klingt, was ich selber garnicht so nicht zustimme. Und viele weitere Beispiele, wie Chinesen, Japaner, Afrikaner mit Ki-Swaheli (Das "w" wird wie "u" ausgesprochen).

Einmal stand ich bei uns im Flur, war ganz verträumt und mein kleiner Bruder hörte Musik. Habe überlegt, welche Sprache das wäre, denn die "hätte" ich nie vorher gehört, habe ich gedacht. So ne in meinen Ohren schönklingende harmonische Sprache hätte ich nie gehört. Konnte kein Wort verstehen und wüsste auch nicht, wie was davon was aufschreiben hätte können. Ich war fasziniert. Nach zehn Sekunden bemerkte ich, dass es Deutsch war und der Zauber war vorbei. Jetzt klingt es wieder stets sooo langweilig, wie eh und je :D Und das Schlimmste, das war damals eines meiner Lieblings-Punk-Lieder ^^

Aber nun zurück zum Thema. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Sprache der jeweiligen Region der Geschichte nach sich entwickelt hat. Was für Völker waren da (friedlich, barbarisch, oder was?) und wie ihre Geschichte von welchen Gefühlen bestimmt wurde. Denn die Stimmung bzw. Emotionen beeinflussen die Stimmlage und die Tonart, also die ganze Sprachmelodie. Diese sich jeweils entwickelte Sprachmelodie hat sich dann "durchgesetzt" und von Generation zu Generation in ihrer Art weitergetragen worden. Denn selbst jetzt, wenn die Sprachmelodie gefestigt ist, ändert die sich Schlagartig, wenn eine andere Emotion, wie normal hochkommt...

Die Kinder bzw. Babys lernen von den Eltern bzw. den Leuten um sich herum, indem sie die Laute imitieren und nachmachen um zu sprechen.

Deshalb ändert sich, meiner Meinung nach, nicht viel, auch wenn pro Generation mal ein paar Slang-Wörter neu dazukommen, sind diese meist doch mit der eigenen Sprachmelodie versetzt. Jugendsprache ist oft im Auge der Erwachsenen ein Dorn, obwohl es kaum Unterschiede gibt...

lieben Gruß, der Tobie

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 Betreff des Beitrags: Re: Gibt es die tendenzielle Stimme einer Nation?
BeitragVerfasst: 30. Mai 2011, 14:42 
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Danke, Tobie! smilies/smilie_love_031.gif

Das hast du so schön gesagt. Total spannend auch, das mit der Sprachmelodie und der These, dass die kulturell-emotionale kollektive Geschichte eines Landes diese beeinflusst. Und da du das sagst, kommt mir etwas in den Sinn: Nordische Sprachen empfinden wir ja sehr oft als sehr angenehm (zumindest ich und die Leute, mit denen ich bisher darüber gesprochen habe) und tatsächlich waren in Skandinavien, später auch Nordkanada und Island, die Völker stets friedlich, naturverbunden und offen. Seit der Entdeckung dieser Gebiete basierte ihre Lebensweise auf gegenseitigem Respekt. Kann mir schon vorstellen, dass das den allgemeinen Klang einer Sprache beeinflusst.

Dass es aber nicht die Stimme des einzelnen als solche, sondern die Art und Weise zu sprechen/etwas auszusprechen sein könnte, daran habe ich so noch nicht gedacht. Klingt aber auch logisch, jetzt wo du es sagst. :)

Das ist faszinierend. Ich könnte z.B. den Finnen stundenlang zuhören, selbst wenn sie Finnisch reden und ich kein Wort verstehe. Aber auch wenn sie z.B. Englisch reden, dieser Akzent ist einfach so lieblich irgendwie.

Und dann gibt es ja die Spanier, die ja ein eher "hitziges" Volk sind. Und auch eine eher "bissigere" Sprache haben, nicht im negativen Sinne, einfach temperantmentvoll, gut zum Fluchen oder Lieben. ;) Und wenn man deren Geschichte anschaut...

Dass Deutsch für Anderssprachige aggressiv klingt, glaube ich sofort. Wir (also die Schweizer kann man da glaube ich miteinbeziehen) sind ja irgendwie auch ein bisschen ruppig teilweise - vor allem, sieh mal, von wem wir abstammen: Germanen, Sachsen, usw. Alles Kriegsvölker.

Und dann, was ich auch total interessant finde ist, wie Altenglisch viel schnörkeliger ist als unser modernes Englisch. Altenglisch stammt ja komplett vom Keltischen ab, während das moderne Englisch dann mit dem Latein vermischt wurde. Und prompt, im Altenglisch sind die Wörter komplizierter und die Sätze länger.

Mann, deine Theorie ist super, da können wir uns jetzt seitenweise drüber auslassen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Gibt es die tendenzielle Stimme einer Nation?
BeitragVerfasst: 30. Mai 2011, 17:23 
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Genauso, wie ich finde, dass es Sprachen gibt, die relativ leicht zu erlernen sind und man nur die Vokabeln drauf haben sollte. In Amerika hat man geglaubt, dass wir aus Nord-Pennsylvanien kämen, da wir deren Dialekt hätten. Hintergrund: In Pennsylvania wird Englisch, sowie Deutsch gesprochen, welches der eigenen Sprachmelodie dann halt am Nächsten ist um Englisch zu sprechen.

Dagegen Französisch würde ich niemals so beherrschen können, wie ein Franzose (habe ich auch nicht gelernt oder lernen wollen ^^ ), obwohl das Land direkt an Deutschland grenzt. Spanisch hingegen ist relativ einfach zu erlernen, welches ich auch bisschen mal konnte. Nur im direkten Norden, könnte ich mit dem Spanisch Nichts anfangen, da diese sich voll abgekapselt haben und der Rest von Spanien von ihnen als Ausland gesehen wird. Diese Teile Spaniens liefen früher, meines Wissens nach, auch wenige Jahre als Anarchie, bis sie gezwungen wurden, dies aufzugeben...

Desto weiter die Länder jedoch auseinander sind, desto mehr verwäscht und verändert sich die Sprachmelodie, bis man selber kaum noch in der Lage ist, die Sprache zu sprechen. Also mir ergeht es so. So als sollte man vom Auto aufs Motorrad steigen. Da sind Kupplung, Gas und Gangschaltung absolut verschieden und das Fahren sowieso. Man kann es lernen, sind beides Fortbewegungsmittel, aber beide haben Nichts miteinander zu tun.

Jemand mit einem Auto, kann aber schnell nen Träcker fahren, doch bekommt mit einem Anhänger wieder Schwierigkeiten beim Rückwärts fahren.

Genauso sehe ich es mit der Sprache. Alle sprechen sie, aber jeder mit einer anderen Musikrichtung und verschiedenen Instrumenten...

Ich spiele bisschen Gitarre, aber setz mich vors Schlagzeug oder gar einem Klavier... Ups... Das wäre dann Nichts...

Auch eine Ukkulele hätte eigene Kniffe, da die Saiten genau anders rum gestimmt sind, als bei der Gitarre (Gitarre: E-A-D-G-B-e; Ukkulele: G-D-A-E, wie eine Geige) und diese nur vier Saiten hat, wie eine Bass-Gitarre, obwohl man die Saiten einfach auf der Ukkulele neu aufziehen könnte, wie auf der Bass-Gitarre mit vier Saiten (Ukkulele-Bass-Gitarre: E-A-D-G). Was ist das dann sprachlich? Das Resultat das Gleiche, eine (Sprach-)Melodie, aber stets absolut anders aufgebaut für das gleiche Wort...

Nene, mir ist das alles viel zu kompliziert...
Ich hatte schon mit Deutsch so meine argen Probleme und bin froh wenigstens diese Sprache zu können ^^ Obwohl Schwäbisch auch deutsch sein soll, aber kaum ein Wort von mir verstanden wird, ich wiederum aber Plattdeutsch verstehe, aber nicht schnacken kann...

Nebenbei, einer der in meinen Ohren schönsten Dialekte, die ich bisher hören durfte und ich dachte stets, das wäre ein Klischee, ist deutsch gesprochen von einer Französin... :D

lieben Gruß, der Tobie

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 Betreff des Beitrags: Re: Gibt es die tendenzielle Stimme einer Nation?
BeitragVerfasst: 31. Mai 2011, 10:14 
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Ich würde sagen, da kann man dann nur noch zustimmen. Und es kommt auch nicht gut, wenn einer der - um die Musikmetapher zu nehmen - immer Gitarre gespielt hat ein Leben lang, plötzlich versucht, Klavier zu spielen. Ohne Erklärung und Einführung von einem Experten. Und selbst dann ist es doch noch eher bemüht und wirkt nur halb authentisch...

Gleich ist es doch, wenn man neue Sprachen lernen will. Es ist sicher eine tolle Sache, nichts dagegen, man wird es nie schaffen, genauso zu sprechen, wie der Muttersprachige. Ich habe in meinem Buch gestern so ein paar Finnen gehabt, und versucht, in deren Akzent zu lesen. Klingt aber niemals so fliessend und schön, wie wenn ein Finne finnisch redet oder finnische Namen ausspricht. Obwohl ich die Betonungsregeln an sich eigentlich ein bisschen kenne. Das ist lustig.

Wo ich nicht ganz zustimme, ist bei der Distanz. Ich denke die Sprachmelodie kann auch zwischen zwei Nachbarländern erzunterschiedlich sein. Schau mal Schweizerdeutsch und Italienisch an, z.B. oder höre mal einem Finnen zu und dann einem Norweger. Was zwar ähnlich ist, ist eine gewisse Grundstimmung (hehe, "stimmung" smilies/lachen.gif ), aber der Rhythmus der Sprachen ist ganz unterschiedlich.

Und die Sprachmelodie ist ja auch nicht einfach nur gleichmässig, es ist wie bei einem Lied. Hat einen Rhythmus und einen Takt und ein Tempo und eine Atmosphäre. Oder?

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 Betreff des Beitrags: Re: Gibt es die tendenzielle Stimme einer Nation?
BeitragVerfasst: 31. Mai 2011, 14:28 
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Ja, hast recht, bei dem mit der Entfernung habe ich wohl eher daneben gegriffen ^^ Denn das eine Land kann auch in das andere eingefallen sein, dass die Sprachmelodie bzw. die Stimmung vollkommen anders ist...

Denn die Geschichte bzw. die dazugehörigen Emotionen sind ja nicht an Distanzen gebunden, sondern von dem Menschen und deren Entwicklung mit verschiedenen Situation umzugehen abhängig, die der Mensch durchlebt hat...

Und die Sprachmelodie ist ja auch nicht einfach nur gleichmässig, es ist wie bei einem Lied. Hat einen Rhythmus und einen Takt und ein Tempo und eine Atmosphäre. Oder?

Ja, all das macht Musik generell aus. Am Anfang sei anscheinend vor der Sprachverwirrung ja eine Sprache vorhanden gewesen. Eine Sprache der Seele? Und Musik ist ja die Sprache der Seele, so heißt es und bestätige ich. Und demnach ist in meinem Auge jede Sprache an deren Liedern und Musikstücken angelehnt, da dies in dem Fall dem Menschen im Unterbewusstsein verankert ist...

Eine Erinnerung der Art und Weise der gemeinsamen Sprache, auch wenn vergessen und nun die Suche auf den Weg zurück.

So als würde ich vergessen, wie man ein gewisses Instrument benutzt, aber es ist da und in meinem "Besitz". Mit genügend Zeit lerne ich damit wieder zu spielen, wenn ich übe. Auch, wenn eine ganz andere Richtung oder Art und Weise entsteht...

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