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 Betreff des Beitrags: Zeitgeschehen...
BeitragVerfasst: 5. Apr 2012, 13:06 
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Meistermutant (10)
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(hat mich sehr angesprochen)

Zitat:
NORWEGEN

Der Buddha des Bösen & die Goldene Regel

Über die geistige Dimension der Norweger Morde und was sie mit uns und unserem Zeitalter zu tun hat.

Text und Foto-Bearbeitung: Sebastian Gronbach

Als der Norweger Anders Behring Breivik mitten in diesem regnerischen Juli das Blut von Monica Bøsei, Johannes Buø, Gunnar Linaker, Tore Eikeland und vierundsiebzig weiteren Menschen vergoss, tat er dies konzentriert und seelenruhig. Als die Polizei kam, legt er zügig, aber ohne Eile die Waffe nieder und ging entspannt auf die Polizei zu. Und als er im Polizeiwagen saß, zeigte er der Welt das zurückhaltende Lächeln eines Menschen, der ganz im inneren Frieden mit sich selbst zu sein scheint. Ein neues Bild im kollektiven Gedächtnis. Vor zehn Jahren hatte er sich diesen Tag und diese Tat als Ziel gesetzt und ging seitdem darauf zu. Nach allem was wir wissen, tat er dies diskret, willensstark und mit aufmerksamer Selbstbeobachtung. In seinem 1500 Seiten langen Manifest notierte er detailliert, wie er Jahre, Monate, Wochen und Tage auf dieses Blutvergießen hingelebt hat.

Für viele mag Breivik nur ein Irrer und sein Manifest bloß das schauerliche Ergebnis eines kranken Hirns sein, das keinerlei Be-, und höchstens Verachtung verdient. Ich sehe das anders und ich gebe zu, dass mich etwas fasziniert an diesem Mann – nicht an seinen Taten. Und es macht mir auch Angst. Es ist nicht das Fremde und nicht das Monströse. Es ist das das Bekannte und das Normale – und damit meine ich nicht normale menschliche Gefühle wie Zorn oder Hass und ich meine nicht bekannte dunkle Fantasien oder tierische Instinkte. Ich meine etwas, was speziell Menschen auf einem geistigen Schulungsweg bekannt und normal vorkommen kann – ja muss.

DIE GOLDENE REGEL UND DAS NEUE ZEITALTER

Als ich früher Rudolf Steiners Warnungen las, dass jeder geistige und so auch der anthroposophische Schulungsweg zu krassem Egoismus führen könne und voller todbringender Gefahren sei, da kamen mir diese Hinweise reichlich übertrieben, bestenfalls düster-poetisch vor. Auch Steiners andauerndes Beharren auf der „Goldene Regel“ hatte in meinen Augen eher etwas Romantisches: „Und diese goldene Regel ist: wenn du einen Schritt vorwärts zu machen versuchst in der Erkenntnis geheimer Wahrheiten, so mache zugleich drei vorwärts in der Vervollkommnung deines Charakters zum Guten.“.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich ziehe keine einzige Parallele zwischen jemanden, der auf einem spirituellen Weg ist und einem Massenmörder. Aber ich glaube, sowohl an Breivik als auch an der Reaktion der Norweger etwas zu entdecken was unsere höchste Aufmerksamkeit verlangt – weil es jeden von uns betrifft. Unser ganzes Zeitalter.

Ähnlich wie andere Weisheitstraditionen formuliert auch die Anthroposophie bestimmte Charakteristika für bestimmte Zeitspannen. Wir leben gerade – so nennt Rudolf Steiner es – im Zeitalter der „Bewusstseinsseele“. Ein wesentliches Merkmal dieser Epoche ist eine bestimmte seelische Grundstruktur des Menschen – teilweise angeboren, teilweise kulturell konditioniert und teilweise bewusst antrainiert. Was sich theoretisch kompliziert anhört, ist praktisch sehr einfach. Erst die komplizierte Theorie: Wir sind zunehmend in der Lage, unsere Gefühle, Empfindungen und inneren Regungen von unserem Denken und intellektuellen Reflexionen zu trennen und darüber hinaus unsere Taten, unseren Willen und auch die praktische Lebensweise von Fühlen und Denken zu separieren. Jetzt die einfache Praxis: Sehr freundliche Jugendliche, mit einem durchaus normalen geistigen Horizont, sind in der Lage, einen Obdachlosen stundenlang zu foltern und schließlich zu töten, um die Tat später glaubhaft damit zu begründen, dass es sie „einfach mal interessiert hat, wie das ist, wenn man einen Menschen umbringt.“

So gerne wir diesen Tätern Verwahrlosung oder Verblödung vorwerfen würden, die psychologischen Untersuchungen erlauben diesen einfachen Schluss nicht. Im Gegenteil: Das nüchterne Töten, das bewusste Vernichten, das seelenruhige Morden beschreiben Kriminologen als ein neues Phänomen, welches in diesem Maße früher unbekannt war. Normale Menschen – aus unserer Mitte – nehmen sich vor, das Böse zu tun, ohne dabei wie Tiere nur ihrem unbewussten Instinkt zu folgen. Wir glauben immer noch gerne an die Monster des Bösen: Ein durch und durch gehässiges Wesen, welches nur seinen dunklen Trieben folgt und zwanghaft um sich kratzt und beisst. Aber wir müssen spätestens seit Norwegen sehen, dass es zunehmend Menschen gibt, die sehr bewusst und mit einer – bitte erlauben Sie sich kurz diesen unfassbaren Gedanken – großen inneren Freiheit Blut vergießen. Keine Monster des Bösen. Eher Buddhas des Bösen. Und tatsächlich gehört laut Steiner die Konfrontation mit der Möglichkeit böser, abscheulicher Taten, die in so bisher nicht vorstellbarer Weise heute in allen Menschen unbewusst veranlagt sind, zum Geheimnis des Zeitalters der Bewusstseinsseele und zum Geheimnis der Freiheit.

DIE TRENNUNG VON DENKEN, FÜHLEN UND HANDELN

Vor dem Zeitalter der Bewusstseinsseele waren das Denken, das Fühlen und das Handeln unzertrennbar verflochten – um nicht zu sagen: total verworren. Eine Gedanke ging nahtlos und unreflektiert in ein Gefühl über – oder umgekehrt – und eine Tat folgte nahezu instinktiv. Taten ließen bestimmte Gefühle aufkommen, die wiederum bestimmte Gedankenmuster kreierten. Eher kollektiv, als individuell. Handeln, Fühlen und Denken waren ein großer Kuddelmuddel. Im Zeitalter der Bewusstseinsseele beginnt sich dieser Kuddelmuddel langsam aufzudröseln – in drei verschiedene und grundsätzlich getrennte Phänomene: Denken, Fühlen, Handeln.

Und das ist auch gut so. Rudolf Steiner sah darin die wichtigste Voraussetzung für inneres Wachstum, für eine neue Kultur des Geistes und den freien Menschen. Er gab Übungen und Anleitungen, wie man bewusst etwas denken kann – ohne ein Gefühl dazu zu entwickeln. Er beschrieb, wie man ganz in das Gefühl eintauchen solle – ohne mit Gedankenurteilen dazwischenzufunken. Auch die vom Denken und von Gefühlen abgetrennte Stärkung des Willens gehört zur Grundlagen der Anthroposophie.

Wir dürfen uns diese innere Freiheit und die Arbeit an dem Seeleninhalt nicht kleinlich vorstellen. Denn am Ende hat dieses Aufräumen unseres Innenraumes nichts weniger zur Folge als eine bewusste Leere. Steiner: „Man löscht ja nichts Geringeres aus als den Inhalt seines Seelenlebens selbst.“ Die so erworbene Freiheit ist der Beginn des schöpferischen Menschen – oder eben der totalen Zerstörung. Der Unterschied liegt am Ende nur in der „Goldenen Regel.“

TU WAS DU WILLST

Innere Freiheit hört sich ja zunächst nur gut an. Das kann aber eben auch Schattenseite haben, die ebenfalls jeder spirituelle Schüler kennen mag: Denn damit geht erst einmal auch jeglicher, kollektiv erworbener Zusammenhang zwischen einer Tat und dem gefühlten, gedachten oder tradierten Urteil über diese Tat verloren. Man weiß an einer bestimmten Stelle des Schulungsweges nicht mehr, was falsch und was richtig, was im traditionellen Sinne gut und böse ist. Man schwebt orientierungslos im luftleeren Raum und ist dennoch bei klarem und reflexivem Verstand.

Blutiges, praktisches Beispiel, wie es von Kriminologen immer wieder geschildert wird: Ein Mann tötet – aber seine durchaus existenten Gefühle greifen nicht dazwischen und sein Denken fällt kein Urteil. Es wird alles einfach so erlebt, wie es aus einer objektiven Zeugenposition erscheint: „Baseballschläger trifft auf Schädel, Blut spritzt, Mann fällt um, mit Gesicht auf Asphalt, der ein paar Risse hat und ein paar weiße Flecken von ausgespucktem Kaugummi.“ Es ist sogar so, dass die Täter – so wie es Breivik in seinem Tagebuch schrieb – sehr genau ihr Gefühlsleben beobachten und beschreiben können. Auch ihre Ängste und Schwächen. Ja, sie haben alle Gefühle, aber sie identifizieren sich nicht damit und trennen zwischen ihrem einen Ziel und ihren vielen Gefühlen.

Wir sagen dann, der Täter sei „eiskalt“ gewesen. Aber ich denke, dieses Urteil trifft nur auf einen kleineren Teil der Täter zu, einen Teil, den es immer schon gegeben hat.

Das neue Täterprofil sieht so aus wie das von Breivik und es ist sehr einfach: Es ist von der Freiheit und dem Willen zur Tat geprägt. Man könnte sagen, dass das Zeitalter der Bewusstseinsseele dieses Tor zur Freiheit aufgestoßen hat. Und ob jemand eine „Killermaschine“ oder ein „Krieger des Lichts“ wird, darüber entscheidet nur die ernsthafte Praxis der „Goldenen Regel.“

Michael Endes Romanfigur Bastian Balthasar Bux war nicht der Erste und nicht der Letzte, der an diesem „Tu was Du willst“ fast zerbrochen wäre. Er war vollkommen fasziniert von einer tiefen Erkenntnis: Diese Erkenntnis, dass wir nicht Gefangene unserer Gefühle und Gedanken sind, nicht Gefangene genetischer Systeme und bürgerlicher Gesetze, keine höheren Automaten, in die man oben moralische Gesetze einwirft und unten kommen dann ethische Taten hervor – nein: Das Zeitalter der Bewusstseinsseele schenkt uns diese Erkenntnis: Wir sind frei. Und ich wette, der Mörder aus Norwegen hatte diese Erkenntnis.

DAS ALLUMFASSENDE GUTE

Und das ist es, was mich fasziniert. Und das ist es, was mir Angst macht und schlagartig alle Warnungen und Regeln Steiners ins Gewissen ruft: „Und diese goldene Regel ist: wenn du einen Schritt vorwärts zu machen versuchst in der Erkenntnis geheimer Wahrheiten, so mache zugleich drei vorwärts in der Vervollkommnung deines Charakters zum Guten.“ Dieses „Gute“ ist aber nicht wieder irgendein moralisches Gutes, welches in dieser Kultur so und in jener Kultur anders verstanden und dann doch wieder automatisiert wird. Es ist DAS GUTE. Es ist die Gutheit. Es ist eins mit dem Leben, eins mit dem Göttlichen, eins mit dem Geist, eins mit Bewusstheit, eins mit Liebe. Und zu eben diesem allumfassenden Guten soll sich der Charakter desjenigen vervollkommnen, der sich auf dem Schulungsweg befindet und seinem höchsten Ziel folgt.

Diese Ziele selber müssen nicht in einem engen moralischen Sinne gute Ziele sein. Nicht die Ziele sind gut, sondern der Mensch, der handelt. Das macht ihn frei. Es ist ein Handeln aus seiner charakterlichen Gutheit heraus und diese Gutheit ist darum gut, weil sie aus der Einheit mit allem erwächst. Das ist ein faszinierender Vorgang: Wir können nun einfach das tun, was für uns im individuellen Falle zu tun ist, weil wir aus der Einheit heraus handeln. Wir sind als einzelne Menschen ganz frei und einzigartig in unseren Taten und gleichzeitig kommt unser Handeln aus dem ganzen kosmischen Zusammenhang heraus. Nicht anders hat es Steiner als Ideal in seiner Philosophie der Freiheit beschrieben.

So ein Mensch ist weder von flüchtigen Gefühlen, noch von hinderlichen Gedanken, weder von Unlust oder Trägheit abhängig und kann tun und lassen was er will – als jemand, der das Gute ist. Das Gute in seiner Essenz. Das Gute als das Ganze. Das Gute als eine Ich-Präsenz mit goldenem Glanz. Dahin zielt die „Goldene Regel“ – und sie könnte das Credo dieses Zeitalters werden. Damit das leere Herz des Buddhas nicht mit Bösem gefüllt werden kann.

DAS SPIRITUELLE NORWEGEN

Zum Schluss noch etwas Versöhnliches: Das Zeitalter der Bewusstseinsseele verlangt von uns, dass wir uns bewusst für diese spezifischen Veränderungen öffnen und sie gezielt unterstützen. Norwegen darf als ein Land gelten, welches sich wie kaum ein anderes für diese Spiritualisierung des Lebens engagiert. Die starken anthroposophischen Initiativen und die (abgesehen von Lichtenstein) meisten Waldorfschulen pro Einwohner auf der Welt hat, sind nur einer von vielen Indikator dafür. Auch Ministerpräsident Jens Stoltenberg, der in diesen schweren Tagen so beeindruckend über sich selbst und das übliche Format eines Politikers hinausgewachsen ist, hat übrigens eine Waldorfschule besucht.

Und so scheint sicher, dass viele Menschen in Norwegen sich nicht nur unbewusst in diesem Zeitalter der Bewusstseinsseele befinden und nicht nur passiv die Verwandlung über sich ergehen lassen. Wir dürfen annehmen, dass in kaum einem anderen Land der Welt, sich die Menschen so aktiv und so bewusst auf diesem inneren Schulungsweg befinden. So gesehen, hat sich das Morden in einem Land ereignet, welches vielleicht von allen Ländern auf der Welt innerlich am intensivsten auf diese Prüfung der Seele vorbereitet war.

Genau ab dem Moment, als der Norweger Anders Behring Breivik mitten in diesem regnerischen Juli das Blut von Monica Bøsei, Johannes Buø, Gunnar Linaker, Tore Eikeland und vierundsiebzig weiteren Menschen vergoss – seelenruhig und konzentriert – da bewies das norwegische Volk, dass es keinen Automatismus mehr gibt, wo auf eine böse Tat die Rache folgen muss. Kein zwanghaftes Denken in Kategorien, die noch mehr staatliche Überwachung fordern. Keine kurzschlüssigen Verdächtigungen konservativer oder rechtsgerichteter Meinungen. Norwegen zeigt, dass die Trennung von Fühlen, Denken und Handeln zu den großen seelischen Errungenschaften unserer Zeit gehört und uns hilft, gesünder zu leben. Norwegen zeigt, dass eine bewusste Seele zu jedem Schmerz fähig ist, ohne in Hass, Rachsucht und Verhärtung zu fliehen. Norwegen zeigte, dass ein trauerndes Herz sich nicht verschließen muss und dass man auch in tiefer Trauer den Willen aufrecht halten kann, für das zu stehen, was wir uns als geistige Kulturleistung errungen haben: Bewusste Menschlichkeit. Ein Mörder kann heute morden wie immer, vielleicht sogar noch aus einer neuen Bosheit heraus. Aber er muss damit rechnen, dass die Menschen in dieser Prüfung der Seele nicht hinter ihre Entwicklung zurückfallen, sondern über sich hinauswachsen. Einer hat versagt, aber viele haben bestanden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Zeitgeschehen...
BeitragVerfasst: 5. Apr 2012, 18:15 
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Spricht mich auch an - aber ich frage mich, was ist DAS GUTE?
Wer legt das fest? Gut für wen?

Das Phänomen, das Breivik verkörpert, halte ich allerdings keinesfalls für neu. So wie er, geht jeder Wissenschaftler vor, der "untersucht", wie zB Versuchstiere auf Schmerz reagieren. Oder auch Versuchsmenschen.
Die Folterer aller Zeiten dürften ebenfalls ähnlich gestrickt sein.
Es ist die Unfähigkeit mitzufühlen, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen, die solche Taten ermöglicht.
Kann man wohl erst, wenn man selber schon Schmerz über den Tod von Angehörigen oder Freunden, Verwundung und Verlust gefühlt hat.....


Zitat:
Norwegen zeigt, dass die Trennung von Fühlen, Denken und Handeln zu den großen seelischen Errungenschaften unserer Zeit gehört und uns hilft, gesünder zu leben.


Ich halte es keineswegs für gesünder, wenn man das trennt - kenne genug Menschen, die es trennen und gegen ihr Gefühl und ihre Vernunft handeln. Das kann man ja nur, wenn man es trennen kann.
Es führt letztendlich zum Zusammenbruch, körperlich, seelisch oder geistig.
Hab selber mein Handeln mein Leben lang nicht mit dem Gefühlten abgestimmt und dadurch meine Ressourcen erschöpft.
Nun ja, aus Erfahrung wird man klug - irgendwann mal!

Ach ja, mit Steiner hab ich mich auch mal eine Weile befasst - auch mit anderen Schulungswegen.
Bin für mich selbst zu der Erkenntnis gekommen, dass das blödsinnig bis gemeingefährlich ist!
Wir sind Menschen und so, wie wir sind, mit allen Licht- und Schattenseiten. Machen wir einen "geistigen" Schulungsweg, sitzen wir bereits einem fundamentalen Irrtum auf - nämlich, dass wir geschult werden müssen. Müssen wir aber nicht - wie alle Lebewesen wachsen wir ganz von selbst, wenn die Bedingungen günstig sind.
Wenn die Bedingungen heutzutage für Massenmörder und Gefühlsdistanz günstig sind, sollten wir uns überlegen, ob wir diese Bedingungen wirklich wollen!


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 Betreff des Beitrags: Re: Zeitgeschehen...
BeitragVerfasst: 6. Apr 2012, 13:02 
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Federvieh hat geschrieben:
Spricht mich auch an - aber ich frage mich, was ist DAS GUTE?
Wer legt das fest? Gut für wen?

Das Phänomen, das Breivik verkörpert, halte ich allerdings keinesfalls für neu. So wie er, geht jeder Wissenschaftler vor, der "untersucht", wie zB Versuchstiere auf Schmerz reagieren. Oder auch Versuchsmenschen.
Die Folterer aller Zeiten dürften ebenfalls ähnlich gestrickt sein.
Es ist die Unfähigkeit mitzufühlen, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen, die solche Taten ermöglicht.
Kann man wohl erst, wenn man selber schon Schmerz über den Tod von Angehörigen oder Freunden, Verwundung und Verlust gefühlt hat.....


Zitat:
Norwegen zeigt, dass die Trennung von Fühlen, Denken und Handeln zu den großen seelischen Errungenschaften unserer Zeit gehört und uns hilft, gesünder zu leben.


Ich halte es keineswegs für gesünder, wenn man das trennt - kenne genug Menschen, die es trennen und gegen ihr Gefühl und ihre Vernunft handeln. Das kann man ja nur, wenn man es trennen kann.
Es führt letztendlich zum Zusammenbruch, körperlich, seelisch oder geistig.
Hab selber mein Handeln mein Leben lang nicht mit dem Gefühlten abgestimmt und dadurch meine Ressourcen erschöpft.
Nun ja, aus Erfahrung wird man klug - irgendwann mal!

Ach ja, mit Steiner hab ich mich auch mal eine Weile befasst - auch mit anderen Schulungswegen.
Bin für mich selbst zu der Erkenntnis gekommen, dass das blödsinnig bis gemeingefährlich ist!
Wir sind Menschen und so, wie wir sind, mit allen Licht- und Schattenseiten. Machen wir einen "geistigen" Schulungsweg, sitzen wir bereits einem fundamentalen Irrtum auf - nämlich, dass wir geschult werden müssen. Müssen wir aber nicht - wie alle Lebewesen wachsen wir ganz von selbst, wenn die Bedingungen günstig sind.
Wenn die Bedingungen heutzutage für Massenmörder und Gefühlsdistanz günstig sind, sollten wir uns überlegen, ob wir diese Bedingungen wirklich wollen!


es geht hier nicht um die trennung sonern eher um die ifferenzierung und bewusstwerdung der einzelnen schichten !

die dreigliederung von "fühlen" "denken" "handeln" ist wesentlicher bestandteil des anthroposophischen philosophiesystems. diese einteilung gilt nicht nur für den menschen sondern für alle organismen egal ob einzelwesen, biotop oder soziales system. ich sagte ir bereits an anderer stelle das es zb sinnvoll wäre bei der aueinandersetzung mit neuen eindrücken wie texten oder menschen erstmal in sich zu fühlen was dort in mir eigentlich ausgelöst wird bevor ich denke oder gar handel .......
wer hier meint das eh alles eins ist und es zwischen handeln und fühlen keine unterschiede gibt läuft in der gefahr genau das zu tun was hier oben geschildert wurde !

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 Betreff des Beitrags: Re: Zeitgeschehen...
BeitragVerfasst: 7. Apr 2012, 08:10 
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EarlGrey hat geschrieben:
es geht hier nicht um die trennung sonern eher um die ifferenzierung und bewusstwerdung der einzelnen schichten !

die dreigliederung von "fühlen" "denken" "handeln" ist wesentlicher bestandteil des anthroposophischen philosophiesystems. diese einteilung gilt nicht nur für den menschen sondern für alle organismen egal ob einzelwesen, biotop oder soziales system. ich sagte ir bereits an anderer stelle das es zb sinnvoll wäre bei der aueinandersetzung mit neuen eindrücken wie texten oder menschen erstmal in sich zu fühlen was dort in mir eigentlich ausgelöst wird bevor ich denke oder gar handel .......
wer hier meint das eh alles eins ist und es zwischen handeln und fühlen keine unterschiede gibt läuft in der gefahr genau das zu tun was hier oben geschildert wurde !



Na ja - ich verlasse mich auf das, was ich wahrnehme. Und ich nehme wahr, dass weder Fühlen noch Denken bei mir zum Handeln führt, sondern es bedarf immer einer Entscheidung.
ZB kann ich das Gefühl haben, dass es mal wieder nötig wäre, die Fenster zu putzen oder ich denke es oder auch beides gleichzeitig, aber deshalb tu ich 's noch lange nicht.
Es dürfte ziemlich wenige Menschen geben, bei denen sich ein Gefühl oder ein Gedanke immer und sofort in eine Handlung umsetzt.
Ich gehe davon aus, dass der Wille zu so einer Tat wie die Breiviks sehr langer "Vorbereitungszeit" bedarf. Da muss einer lange brüten, bis es soweit ist.
Man kann ja im Zorn auch sich vorstellen, dass man jemanden an die Wand klatscht, ohrfeigt, tritt oder Schlimmeres. Solange man sich nicht entscheidet es zu tun, passiert gar nichts.
Ausnahme, man handelt im Affekt. Dann ist aber entweder der Körper der Auffassung, er sei wirklich bedroht oder man hat so lange angestaut, dass sich der Zorn in einer Handlung Bahn bricht. Das passiert dann, wenn man ihn über sehr lange Zeit missachtet hat und nicht das geändert hat, was ihn auslöst.
Im Übrigen bin ich mir recht sicher, dass sehr viele Menschen nicht bewusst reflektieren, was in ihnen gedanklich oder gefühlsmäßig vorgeht. Die handeln aber auch nicht direkt aus Gefühl oder Gedanke, sonst wären die alle wie Brummkreisel! : big laughing :
Damit meine ich, wenn jedes Gefühl und jeder Gedanke sich sofort in Handlung umsetzen würde, kämen wir überhaupt nicht nach, denn es fühlt und denkt sich ja viel schneller, als es sich handelt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Zeitgeschehen...
BeitragVerfasst: 7. Apr 2012, 09:52 
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Was ich noch loswerden möchte: Breivik wirkt auf mich überhaupt nicht wie ein Buddha, sondern feist und selbstgefällig.

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Mit einem Buddha verbinde ich Gelöstheit und wirklichen inneren Frieden mit MITGEFÜHL. Etwa so, wie der hier:

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 Betreff des Beitrags: Re: Zeitgeschehen...
BeitragVerfasst: 25. Mai 2012, 09:35 
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EarlGrey hat geschrieben:
es geht hier nicht um die trennung sonern eher um die differenzierung und bewusstwerdung der einzelnen schichten !

die dreigliederung von "fühlen" "denken" "handeln" ist wesentlicher bestandteil des anthroposophischen philosophiesystems. diese einteilung gilt nicht nur für den menschen sondern für alle organismen egal ob einzelwesen, biotop oder soziales system. ich sagte ir bereits an anderer stelle das es zb sinnvoll wäre bei der aueinandersetzung mit neuen eindrücken wie texten oder menschen erstmal in sich zu fühlen was dort in mir eigentlich ausgelöst wird bevor ich denke oder gar handel .......
wer hier meint das eh alles eins ist und es zwischen handeln und fühlen keine unterschiede gibt läuft in der gefahr genau das zu tun was hier oben geschildert wurde !

Ja sinnvoll wäre es auf alle Fälle, nur gerade wenn Emotionen hochschwappen, setzt der Verstand oft aus und wer ist schon in der Lage so kontrolliert vorzugehen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Zeitgeschehen...
BeitragVerfasst: 26. Mai 2012, 17:17 
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Muse hat geschrieben:
EarlGrey hat geschrieben:
es geht hier nicht um die trennung sonern eher um die differenzierung und bewusstwerdung der einzelnen schichten !

die dreigliederung von "fühlen" "denken" "handeln" ist wesentlicher bestandteil des anthroposophischen philosophiesystems. diese einteilung gilt nicht nur für den menschen sondern für alle organismen egal ob einzelwesen, biotop oder soziales system. ich sagte ir bereits an anderer stelle das es zb sinnvoll wäre bei der aueinandersetzung mit neuen eindrücken wie texten oder menschen erstmal in sich zu fühlen was dort in mir eigentlich ausgelöst wird bevor ich denke oder gar handel .......
wer hier meint das eh alles eins ist und es zwischen handeln und fühlen keine unterschiede gibt läuft in der gefahr genau das zu tun was hier oben geschildert wurde !

Ja sinnvoll wäre es auf alle Fälle, nur gerade wenn Emotionen hochschwappen, setzt der Verstand oft aus und wer ist schon in der Lage so kontrolliert vorzugehen?


Ich kenne da Einige in meinem Alter...
Und meine Signatur sagt eventuell Einiges aus, wie ich heute dazu stehe bzw. wie meine eigenen Erfahrungen sind. Auch wenn dies ein Ergebnis von schon ziemlich Extremen bzw. Situationen ist, in denen ich ruhig die Lage halten musste ohne meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen...

Da schaffe ich es heutzutage auch (hatte ich letztenz... :twisted: ) mit Gedanken, die so stark wären, dass ich diese mit Hochgenuss durchgeführt hätte... :boys_0222: Aber ist ne eigene Sache :blumifurdich:

Jedoch habe ich es geschafft diesen Gedanken nieder zu halten, obwohl dieser mich immer noch verfolgt... *vergessen wirs hier* :kaffeee: Dies muss man sich selber verbieten zu tun... smilies/smilie_wut_037.gif Denn es würde einem selber die tiefsten und aber auch dunkelsten Wünsche erfüllen...

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Musik ist die Sprache des Herzens

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 Betreff des Beitrags: Re: Zeitgeschehen...
BeitragVerfasst: 26. Mai 2012, 21:18 
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auch im falle breivik, sehe ich nur wieder so für mich bestätigt, dass die freiheit nicht darin besteht, alles zu machen, was man will, sondern darin, nicht alles machen zu müssen...
gedanken kommen und gehen und entweder gebe ich ihnen raum oder nicht...
ich kann nachsinnen oder in grübeleien verfallen und so tief einsinken, dass ich drin stecken bleib...
oder sie annehmen und wieder loslassen, so ähnlich, wie beim atmen, einmal einatmen und wieder ausatmen, so bleibe ich darin nicht verhaftet...
und verhaftet, bedeutet doch alles andere, als frei zu sein...
:kaffeee:

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Und wenn... ist es ein Tempel oder ein Basar ?
Und... ist Dein Tempel im Garten oder Dein Garten im Tempel ?


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 Betreff des Beitrags: Re: Zeitgeschehen...
BeitragVerfasst: 27. Mai 2012, 19:13 
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marsianer78 hat geschrieben:
auch im falle breivik, sehe ich nur wieder so für mich bestätigt, dass die freiheit nicht darin besteht, alles zu machen, was man will, sondern darin, nicht alles machen zu müssen...
gedanken kommen und gehen und entweder gebe ich ihnen raum oder nicht...
ich kann nachsinnen oder in grübeleien verfallen und so tief einsinken, dass ich drin stecken bleib...
oder sie annehmen und wieder loslassen, so ähnlich, wie beim atmen, einmal einatmen und wieder ausatmen, so bleibe ich darin nicht verhaftet...
und verhaftet, bedeutet doch alles andere, als frei zu sein...
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