Am Anfang war die Feder

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 25. Jul 2012, 14:10 
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Die dunkle Gestalt hatte die beiden Brüder anscheinend fort getragen. Anders konnte sich Sesshoumaru den plötzlichen Ortswechsel nicht erklären. Allerdings hatte er nichts gespürt. Er versuchte sich zu orientieren und setze dafür alle seine Sinne ein. Doch er nahm nichts wahr. Was war das hier? Um ihn herum nur Schwärze. Nur Dunkelheit, die so endlos zu sein schien, wie das Universum.
Er nahm die Präsenz seines Bruders an seiner Seite wahr, doch sonst schien hier nichts zu sein.
Außer dem Tod selbst. Den dessen Gestalt konnte er verschwommen vor sich ausmachen.
„Wo sind wir hier?“ Fragte denn auch der HanYou in die Schwärze hinein.
Und Sesshoumaru nahm mit Verwunderung zur Kenntnis, dass sein Bruder sich noch dichter neben ihn stellte.
„Dies ist mein Habitat. Mein Reich. Hier gilt die Zeit nicht, die bei Euch, in eurer Dimension stetig vergeht, nicht. Hier existiert keine Zeit. Deswegen brachte ich euch hierher. Hier kann ich an eurem Problem arbeiten. Und vielleicht eine Lösung finden.“ Hinter der Kapuzengestalt erschien ein kleines Licht, dass es möglich machte, zumindest die Konturen des Todes besser zu erkennen und auch InuYasha anzusehen.
Mit einer Handbewegung, so schnell und fließend wie ein gewaltiger Strom, ließ der Tod seine ihm eigene Energie durch den leeren Raum peitschen. Innerhalb eines Wimpernschlags wurde es hell um die beiden ungleichen Brüder und nun konnten sie die Gestalt des Todes wahrhaftig ansichtig werden.
Ein schmaler, junger Mann schien er zu sein, das Haar jedoch weiß, durchsetzt mit schwarzen Strähnen, lang floss es ihm um den Körper, der noch immer von dem dunklen Umhang bedeckt wurde. Doch das Gesicht, makellos und zeitlos schön, strahlte zugleich eine ungeheure Autorität aus. Die Augen, die lidlos auf die beiden Gäste seines Reiches sahen, hatten die Farbe des Lichtes in all seinen Facetten. Sein Blick durchdrang jeden der beiden bis auf den Grund ihrer Seelen.
„Nichts bleibt vor mir, dem Tod, verborgen. Ich sehe eure geheimsten Wünsche, Ängste, all eure Schwächen. Mich kann man nicht anlügen. Und es ist auch nicht nötig. Denn ich kenne jedes Lebewesen der sterblichen Welt, sobald es das Licht dieser Welt erblickte. Ich habe eurem Vater gesagt, dass ich euch helfen werde. Also werdet ihr tun, was ich euch sage. Gleich wie ihr dazu steht. Ihr werdet meinem Befehl folge leisten. Denn solltet ihr euch widersetzen, seit ihr unrettbar verloren.“
Sesshoumarus Augen verengten sich unwesentlich. Er hasste es, Befehle empfangen zu müssen. Und auch InuYasha konnte ein kurzes Aufknurren nicht unterdrücken.
„Wer sagt uns, dass wir dir trauen können?“ Kam auch gleich die Frage des HanYou.
„Niemand. Aber es ist auch nicht notwendig, dass ihr mir traut. Aber traut ihr eurem eigenen Vater nicht? Denn aufgrund seiner Bitte bin ich hier. Und er weiß in der Regel genau, was er tut, nicht?“
Sesshoumaru, der stolze Fürst, grausamer Gegner in Kämpfen und immer beherrscht, sah seinen Halbbruder an und sein Blick schien diesem zu sagen: Bleib ruhig. Was anderes können wir sowieso derzeit nicht tun.
InuYasha nickte seinem Bruder zu.
„Um euch von dem Fluch des Auflösens zu heilen, müsst ihr zu der Quelle der Zeit gelangen. Den Weg findet ihr hier in meinem Reich. Denn ohne die Zeit, gäbe es auch keinen Tod und umgekehrt. Dort werdet ihr eine Aufgabe gestellt bekommen. Von der Zeit selbst. Denn wie ich ist sie eine personifizierte Entität. Wir sind diejenigen, die alles beobachten. Es ist mir schleierhaft, wieso die Zeit es überhaupt zugelassen hat, dass mit ihr ein solches Spiel getrieben wird…“
Damit wandte der Tod sich um und ging ein paar Schritte von den beiden weg. „Folgt mir, ich werde euch eine zeitlang führen.“
Und so gingen die beiden Brüder in das Ungewisse.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 25. Jul 2012, 19:59 
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An einem Ort, fern der Realität, zwischen Leben und Tod. Fern aller, die sie einst liebte. Fern aller Hoffnung. Allein mit ihrem Feind.
Mit dem Feind.
Die junge Miko sah auf. Direkt in die Augen des HanYous vor sich, der ihr so nahe war, wie noch nie in ihrem Leben. Er hielt sie in seinen Armen. Die so warm waren.
Beinahe gab sie sich dieser sanften Berührung hin. Beinahe vergas sie alles, was er ihr und ihren Freunden angetan hatte.
Doch die Bilder des letzten aufeinander Treffens waren unauslöschlich in ihrer Seele eingebrannt.
„Naraku…. Was willst du von mir?“
Ihre Stimme, leise zwar, aber keineswegs unsicher.
Er betrachtete die junge Frau in seinen Armen.
In einer anderen Zeit, an einem anderen Ort… Wäre vielleicht nicht sie zu einem seiner Feinde geworden. Vielleicht….
„Was willst du, dass ich sage? Was willst du von mir hören, Miko?“
Seine Stimme, sanft wie die Abenddämmerung.
„Die Wahrheit.“
Noch immer sah er in ihr Gesicht, sah die Anspannung, die tief in ihr war. Beinahe zärtlich strich er mit seiner Linken über ihren Rücken, umfasste mit der Rechten ihre Wange.
„Ich will das, was alle wollen. Ich will leben….“
Und sie sah in seinen Augen, dass er sie diesmal nicht anlog.
„Was machst du hier? Was willst du hier?“
Und er verstand. Sie hatte sich noch weiter vom Nichts wegbewegt. Und würde dem Nichts sicher nicht wieder nahe kommen, wenn ihm nicht schleunigst etwas einfiel.
„Du erinnerst mich so sehr an sie…. Du weißt, wen ich meine, nicht wahr? Ich habe deine Kraft gespürt. Deine Liebe…. Die du zu jedem Geschöpf empfindest. Deine Gnade. Deine Güte. Du bist ihr so ähnlich…“
Schweigend musterte sie ihn. Lies ihn weiter sprechen.
„Ich sehne mich nach dem, was ich nicht haben kann. Ich sehne mich nach den Dingen, die jeder andere so einfach von dir bekommen kann. So selbstverständlich…. Wenn du mich ansiehst, siehst du das Ungeheuer in mir. Doch das bin ich nicht. Ich bin mehr als das. Lass es mich dir zeigen. Erlaube mir, mich dir so zu zeigen, wie ich eigentlich bin.“ Er war ihr so nahe. Er konnte spüren, welche Wärme von ihr ausging, nahm den Duft ihrer reinen Seele noch präziser wahr.
Sie muss loslassen! Sie muss mich leben lassen!
Noch einmal verstärkte er seine Bemühungen, die Miko in seinen Armen einzulullen.
„Bitte, Kagome, bitte gib auch mir deine Liebe. Gib mir dein Licht…“ Diese Worte waren nur noch ein Wispern und sie hatte Mühe sie zu verstehen. Zumal er sich noch näher an sie schmiegte und seinen Kopf langsam zu ihr neigte.
Und auf der einen Seite glaubte sie ihm seine Worte aus tiefsten Herzen. Sie glaubte an seine Einsamkeit, an seine Bitterkeit, die mit den Jahren gekommen war. Sie glaubte ihm, dass er unter dem Verlust seiner Liebe gelitten hatte. Und doch gab es noch einen kleinen Funken in ihr, der aufbegehrte, der sich sträubte.
Sie spürte seinen Atem auf ihrem Gesicht, spürte seine Hand in ihrem Rücken, an ihrer Wange. Das alles lies sie schwach werden, sie fühlte es. Doch wurde all das verdrängt, als sie seine Lippen an ihren spürte. Warm und sanft, weich und zart. Solche Gefühle sollte keinesfalls ein Feind auslösen können.
Und dennoch schmolz ihr innerer Widerstand weiter zusammen.
Der Gedanke, ihm nachzugeben war verlockend. Doch in ihrem Herzen regte sich etwas. Zögerlich brachte sie etwas Abstand zwischen sich und dem HanYou.
„Ich gehöre nicht hierher….“ Ihr Stimme, ebenso leise, wie seine es gewesen war.
Wieder sah sie ihm in die Augen. Und unter seinem flehenden Blick spürte sie, dass sie weich wurde.
„Lass mich nicht allein in der Dunkelheit. Ich bitte dich, schenke mir etwas Licht! Lass mich nicht sterben…..“
Als sie die Augen schloss, die Worte in sich sacken ließ, wähnte er sich fast am Ziel.
Er barg sein Gesicht in ihrem dichten Haar. In seinen Augen trat ein boshafter Glanz. Nur noch ein wenig, und sie würde dennoch loslassen. Dann….

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 28. Jul 2012, 00:55 
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Hier kniete er also, der große Kriegerfürst, Inu no Taishu, vor dem schlichten, provisorischen Lager der Menschenfrau. Jener Frau, die es zustande gebracht hatte, dass das einst so kalte Herz seines Sohnes nunmehr eher einem Vulkan unter einer trügerisch ruhigen Oberfläche glich. Und sie schien immer mehr dem Tode sich zu nähern. Obwohl sein Sohn so viele Mühen und Gefahren auf sich genommen hatte.
Doch er, der Vater dieses Mannes, der sonst immer eiskalt gewesen war, er konnte dies nicht zulassen. Für sie war sein Sohn, ausgerechnet der, von dem er es nie gedacht hätte, durch die Zeit gereist, hatte alles auf sich genommen, dem Tod kalt ins Auge gespuckt.
Doch er selbst wusste nichts Genaues von dieser Frau. Nun, da er seine Hände an ihre Schläfen gelegt hatte, würde er Antworten bekommen. Wahrscheinlich würde sie sein Eindringen in ihre Gedankenwelt noch nicht einmal wahrnehmen….
Hier war es sehr dunkel. Ungewöhnlich für einen Menschen. Es war nahezu kalt in ihren Gedanken, in ihrem Fühlen. Er nahm nichts wahr. Nur Leere. Dies erschreckte selbst ihn. Er hatte seine telepatischen Fähigkeiten an vielen Wesen erprobt. Auch an anderen Menschen. Und immer waren deren Gedanken wie flirrende Lichtreflexe um seinen Geist geströmt, die Gefühle wie aufleuchtende Glühwürmchen, die die Gedanken immer begleiteten.
Doch hier, in dem Inneren dieser Frau, sah er nur Leere.
Und er hörte nichts!
Er drang weiter vor. Wobei die Richtung anscheinend nicht wichtig war. Denn er hatte keinen Anhaltspunkt. Die Schwärze in ihrem Inneren schien vollkommen zu sein.
Doch halt…. Was war das? Ein kleines schwaches Licht, es schien wie am anderen Ende einer Galaxie zu sein. Und er bewegte sich darauf zu. Einen anderen Punkt hatte er nicht, an dem er sich orientieren konnte.
Und dann, nach einer schier endlosen Zeit, nahm er zwei Präsenzen wahr. Die eine warm, weich, freundlich, rein und gut…. So schön, wie der erste Sonnenstrahl nach einem frostigen Winter.
Doch die andere…. Sie gehörte nicht zu diesem Körper. Sie war fremd. Ein Eindringling! Die Präsenz schien die Dunkelheit auszuströmen, zu lenken und zu beeinflussen. Diese Präsenz schien so abgrundtief Böse, so unsagbar schlecht zu sein, dass er unbewusst fröstelte, auch wenn er in diesen gedanklichen Sphären keinen Körper hatte.
Er wagte sich vorsichtig näher an die beiden Präsenzen in ihrem Selbst heran. Und dann vernahm er die Stimmen. Das seltsamste Gespräch, dem er je in seinem langen Leben teilhaftig geworden wahr, schien direkt vor ihm seine Quelle zu haben.
„Naraku…. Was willst du von mir?“
„Was willst du, dass ich sage? Was willst du von mir hören, Miko?“
Eine weibliche Stimme, so sanft wie eine Briese im Sommer, so zart…. Der Kriegerfürst Widerstand dem Drang, vor zu preschen und diese Stimme, diese warme Präsenz an sich zu reißen. Aber die andere Stimme, wenn auch warm und einschmeicheln, in ihr schwang die Bosheit mit….
Der nächste Wortwechsel war sehr leise, selbst für seine geübten Ohren und er verstand nicht ein Wort. Aber das was er dann hörte, ließ ihn wütend werden.
„Du erinnerst mich so sehr an sie…. Du weißt, wen ich meine, nicht wahr? Ich habe deine Kraft gespürt. Deine Liebe…. Die du zu jedem Geschöpf empfindest. Deine Gnade. Deine Güte. Du bist ihr so ähnlich…“
Die Frau schwieg. Wieso sagte sie nichts?
„Ich sehne mich nach dem, was ich nicht haben kann. Ich sehne mich nach den Dingen, die jeder andere so einfach von dir bekommen kann. So selbstverständlich…. Wenn du mich ansiehst, siehst du das Ungeheuer in mir. Doch das bin ich nicht. Ich bin mehr als das. Lass es mich dir zeigen. Erlaube mir, mich dir so zu zeigen, wie ich eigentlich bin.“
Der Böse, wer auch immer er war, er versuchte diese reine Frau zu verführen!
Ihm wurde schlecht, als er an das Leid dachte, was seinem Sohn daraus widerfahren würde.
„Bitte, Kagome, bitte gib auch mir deine Liebe. Gib mir dein Licht…“
„Ich gehöre nicht hierher….“
„Lass mich nicht allein in der Dunkelheit. Ich bitte dich, schenke mir etwas Licht! Lass mich nicht sterben…..“
Nun sah der InuYoukai etwas klarer. Diese Präsenz, die er als Böse empfand, war eine Seele ohne Körper. Hier wollte etwas die Frau seines Sohnes übernehmen.
Er spürte, wie die Wut und der Ekel in ihm hochstiegen. Dies war das allerletzte! Einen anderen gegen dessen Willen zu vereinnahmen war schon widerlich. Aber den anderen nun auch noch willentlich und bewusst so zu manipulieren, dass der andere schwach wurde … Etwas so Reines auf solch perfide Art und Weise zu zerstören! Nicht im Traum hätte der Youkai gedacht, dass er einmal Zeuge einer solchen Tat werden würde!
In ihm ballte sich die Wut zusammen, die Abscheu, der Hass auf dieses Individuum. Er spürte, wie sein Youki anstieg. Und nur mühsam unterdrückte er es. Er war hier in einem reinen Körper, er durfte diesen nicht noch mehr schädigen. Er musste besonnen und klug vorgehen.
Und er musste schnell handeln. Denn ihre Seele, die wer weiß wie lange schon mit dem anderen hier eingesperrt war, schien kaum noch Kraft zu haben.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 28. Jul 2012, 18:52 
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Der Hanyou beobachtete den vor sich her schreitenden, größeren Youkai. Er hatte langsam verstanden, dass sein Auftauchen hier in der schon einmal gelebten Vergangenheit alles durcheinander gebracht hatte. Er hatte verstanden, dass er ihr Leben dadurch in Gefahr gebracht hatte. Aber schlimmer traf ihn die Erkenntnis, seine eigene Familie verlassen zu haben. Seine Kinder, die nun nicht mehr existierten. Er hatte sich bemüht, seine eigene Verzweiflung sich nicht anmerken zu lassen. Sein Bruder hatte genug andere Probleme und Kagome…. Kagome schien trotz allem dem Tod so nahe zu sein.
Als er sie gesehen hatte, als er ihre Stimme wieder gehört hatte…. Er war ihr immer nur freundschaftlich verbunden gewesen und über all die Jahrhunderte hatte er sie irgendwann schlichtweg in seinen Gedanken verdrängt. Denn ihr Tod, den er damals als so sinnloses Opfer gesehen hatte, ihr Fehlen in seinem Leben, all das hatte ihn nur noch mehr verletzt. Und dann war sein Bruder, derjenige, dem er irgendwie immer nachgeeifert war, auch noch gegangen. Der einzige, dessen Anerkennung er sich so verzweifelt ersehnt hatte. Und nun… nachdem nun alles wieder in eine Katastrophe hinaus zu laufen schien… war er seinem Bruder innerlich wieder weiter weg gerückt. Wie konnte er dem großen, überlegten Sesshoumaru eigentlich noch in die Augen sehen? Er fühlte sich schlecht. Nutzlos. Unfähig. So schlecht, wie schon lange nicht mehr. Er selbst hatte alles aufgegeben, um dem Bruder zu helfen, hatte alles weggeschmissen. Ohne einmal zu zögern. Und was hatte es gebracht? Nichts. Er war so dumm gewesen. Wie hatte er sich einbilden können, diesem erfahrenen Kämpfer eine Hilfe sein zu können?
Und nun hatte er selbst keinen Platz mehr, an den er gehen konnte.
Er hatte es sich nicht anmerken lassen. Aber er selbst hatte begonnen, sein Schicksal zu akzeptieren. Hatte begonnen, zu verstehen, dass das Auflösen vielleicht das Beste sein könnte. Denn er selbst war es nicht wert, länger zu existieren.
Er fokussierte seinen Blick wieder auf den Rücken des Bruders. Was dieser wohl dachte? Was er wohl empfand? Hass auf seinen jüngeren Halbbruder, der wieder einmal völlig unüberlegt gehandelt hatte und nun sie beide einem Schicksal ausgeliefert zu haben schien, dass weit schlimmer war als alles andere?
Seinen Überlegungen folgend, nahm er nicht wahr, dass der Ältere kurz stehen geblieben war. Bis er unsanft in dessen Rücken lief und zurück taumelte.
„Was ist los?
Sesshoumaru zog prüfend die Luft in die empfindliche Nase, sagte aber noch nichts. Er witterte. Alles in ihm sträubte sich. Er roch Gefahr.
„Ich werde euch jetzt allein lassen. Folgt diesem Pfad weiter. Dann werdet ihr in die Region der Zeit gelangen. Ab hier… seit ihr auf euch selbst gestellt!“
Damit verschwand der Tod einfach, der sie bislang geführt hatte. Ließ sie allein in der Dunkelheit. Doch tatsächlich konnte Sesshoumaru einen kleinen Trampelpfad erkennen, der durch die Dunkelheit zu führen schien. Dennoch. Alles in ihm sträubte sich. Er roch Gefahr, allerdings war es nicht greifbar, was auch immer hier die Gefahr ausmachte.
„InuYasha…“
Der genannte zuckte kurz zusammen. Es war das erste mal seit sie losgegangen waren, dass der Ältere das Wort an ihn richtete.
„Bleib aufmerksam. Eine Ablenkung können wir uns hier nicht leisten. Ich wittere Gefahr!“
Mit diesen Worten schickte sich der DaiYoukai an, weiter zu gehen.
„Warte.“
Halb drehte sich Sesshoumaru zu seinem jüngeren Halbbruder um. Betrachtete eingehend dessen Gesicht.
„Was?“
„Wenn wir das hier überleben…. Was passiert dann?“
Verwundert zog der Angesprochene eine Augenbraue nach oben. Was sollte diese Frage?
„Was passiert dann zwischen uns?“
Die leise gestellte Frage in der eine Hoffnungslosigkeit mitschwang, die der Größere bislang nur sehr selten bei seinem ewig optimistischen Halbbruder wahrgenommen hatte, erreichte dennoch die Ohren des Dämonen.
„Wir werden sehen. Machst du dir etwa Vorwürfe?“
Das Schweigen war dem Youkai Antwort genug. Er wandte sich dem Jüngeren nun vollends zu. Schweigend musterte er den Jüngeren. Den Halbdämonen. Dessen Hälfte menschlich war. Dessen Gefühle für ihn auch nach all diesen Jahren manchmal noch unergründlich und unfassbar waren.
„Ich mache dir keinen Vorwurf. Du hast menschlich gehandelt.“ Sagte er darum nur. Er wollte sich anschicken, dem Pfad weiter zu folgen. Als er den Geruch wahrnahm. Salz und Feuchtigkeit.
Wieder sah er seinen jüngeren Bruder an.
„Was ist?“ Er bekam keine Antwort. Der HanYou starrte nur stumm auf den Boden. Innerlich schüttelte Sesshoumaru darüber den Kopf. Auch dies war wieder so eine emotionale Sache.
Unschlüssig, was er nun tun sollte, trat er einen Schritt zu seinem Bruder. Er hatte ihn schätzen gelernt. Hatte gelernt, ihn zu respektieren. Hatte gelernt, wenn auch langsam und zögerlich, dem Jüngeren zu vertrauen. Und er hatte ihm immer nur alles Gute dieser seltsamen Welt gewünscht. Doch dieser hatte einfach alles, wirklich alles aufgegeben, um ihm doch irgendwie zu helfen. Etwas, was sicherlich sonst niemand getan hätte. Er hatte dies festgestellt, wahrgenommen und wenn auch verwundert, so doch aber halb bewundernd diese Reaktion seines einst so gehassten Halbbruders zur Kenntnis genommen.
War das nicht genug?
Eine Träne fiel zu Boden.
Noch immer sah der HanYou ihn nicht an. Er machte noch einen Schritt auf dessen Gestalt zu, einen weiteren. Was sollte er in einer solchen Situation tun? Sein Gesicht selbst verriet nichts von seinen Gedankengängen. Wie war das immer mit Rin gewesen? Wie machte man, dass ein Weinender mit dieser sinnlosen Energieverschwendung aufhörte? Er war sich unsicher. Also kam er noch etwas näher an die Gestalt des anderen heran, hob seine Hand und berührte die Stirn des Halbdämonen. Eine Geste, mehr nicht. Er selbst mochte es nicht, von jemanden berührt zu werden. Vielleicht mit einer ganz speziellen Ausnahme. Aber er wollte auch nicht, dass sein Bruder weiter hier herum stand und sich in welch unerquicklichen Gedankengängen auch immer verlor.
„Ich verzeihe dir dein unüberlegtes Handeln, HanYou. Ich verzeihe dir, dass du nicht auf mich gehört hast. InuYasha. Du bist mein Bruder. Ich sage es nicht noch einmal. Ich habe dich längst respektiert. Was hast du also für einen Grund, hier Tränen zu vergießen?“
Der Jüngere hob langsam den Kopf. Verzweiflung und Leid waren in seinem Gesicht geschrieben. Hilflosigkeit und die Erkenntnis, dass nun alles anders sein würde. Er hatte nun keine Familie mehr. Sesshoumaru wusste das.
InuYasha hatte sein Schicksal in dem Augenblick unterschrieben, als er ihm durch die Zeit gefolgt war.
Und nun stand eben dieser hier und schien es erst jetzt in seiner ganzen Tragweite zu begreifen. Er hatte keine Frau mehr, seine Kinder würden so wahrscheinlich niemals geboren werden. Er war allein.
Sesshoumaru sah in die goldenen Augen, die seinen eigenen so ähnlich waren. Es tat ihm leid, tief in sich verspürte er den Wunsch, dem Bruder zu helfen. Doch wie?
Er hob langsam seine Arme. Und war sich selbst sicher, dass er eine solche Geste niemals wieder durchführen würde. Er zog seinen weinenden Bruder in die Arme. Gab diesem Halt, der sich nun an ihm festklammerte, als könnte nichts sonst ihn mehr halten, ihn mehr stehen lassen. Die Tränen schienen nicht enden zu wollen. Und Sesshoumaru gestand sich ein, dass er seinen kleinen Bruder so noch nie gesehen hatte. Noch nie hatte er eine solche Verzweiflung bei diesem erlebt.
Sich sicher, dass niemand je etwas von diesem Moment erfahren würde, strich er sanft über die bebenden Schultern des anderen. Ließ ihm die Zeit, die er brauchte. Ließ ihn weinen.
Und er war sich in diesem Augenblick sicher, dass auch noch niemals ein anderer den sonst so hoffnungsvollen und starken HanYou je so gesehen hatte.
Immer wieder strich er über die Schultern des Bruders, ließ zu, dass dieser sich an ihm festkrallte. Versuchte ihm einfach durch seinen Halt Zuversicht zu geben.
Resignierend schloss der Youkai die Augen. Es war fast so, als sei der Jüngere ein Kind und er musste dieses Kind trösten.
„InuYasha.“ Die Stimme des DaiYoukai klang nicht so kalt, wie der HanYou es erwartet hatte. Nein, sie klang ungewohnt warm.
„InuYasha, beruhige dich nun. Ich weiß um deinen Schmerz. Um deine Angst. Ich sehe sie in deinen Augen. Aber sei dir sicher, Bruder, du bist nicht allein. Ich bin hier. Ich lasse dich nicht fallen.“
Zögerlich erst sah InuYasha seinem Bruder in die Augen. Und in ihnen sah er keine Abscheu, keinen Hass, keine Verachtung. Nein. Da war Wärme.
Sie waren noch immer Brüder.
Diese Erkenntnis gab ihm Kraft.
„Ich werde meine Kinder niemals sehen.“
Die leise Stimme des HanYou war noch immer voller Schmerz.
„Wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Du hast sie aufwachsen sehen. Du trägst sie in deinem Herzen.“
„Sesshoumaru….“ Der Name, wenn auch nur gewispert, erreichte dennoch seine Ohren.
„Was?“
„Danke.“
Beiden war klar, dass sich eine solche Szene, sollten sie die Chance auf Rettung haben, nicht wiederholen würde. Deswegen war sie umso wertvoller für den HanYou. Das erste Mal in seinem Leben war ihm sein Bruder so nahe gekommen. Beinahe liebevoll. So, wie er es sich von seinem Bruder immer erhofft hatte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 29. Jul 2012, 00:09 
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Er versuchte, die Seele dieser Frau zu stärken. Er hatte beobachtet, dass es noch einen Schimmer Hoffnung gab, hatte ein schwaches Licht ausgemacht. Nun konzentrierte er seine Energie auf dieses Licht. Sie musste es sehen und es spüren können. Denn sie wandte sich dem zu. Auch wenn der Eindringling noch immer sie hielt, sie nicht frei geben wollte. Noch immer ihr süße Worte sagte, noch immer bestrebt war, sie zu verführen, los zu lassen.
Doch sie hatte kaum noch Kraft. Konnte sich kaum gegen die Worte wehren, geschweige denn, den anderen abschütteln und aus der Umklammerung ausbrechen.
Die Geduld des Kriegers wurde auf eine Zerreißprobe gestellt. Und er nahm ihre Hoffnungslosigkeit mit einem Mal ganz deutlich wahr. Er musste einschreiten. Sonst war sie verloren.
Also trat er näher, unbemerkt von dem Eindringling. Unbemerkt von der Frau. Bis er schließlich vor diesen ungleichen Gestalten stand. Und er erkennen konnte, was genau dieser Eindringling war. Nur das Gesicht war menschlich. Doch der Körper…. Aneinander gefügte Bruchstücke, so wie es schien. Und dieser Widerling hielt diese reine Seele fest in einer Umarmung.
Ihre Augen schienen nichts fokussieren zu können. Schlossen sich fast.
„Schluss damit!“
Die gebieterische Stimme ließ den HanYou mit Namen Naraku aufsehen.
Während der Fremde ihn nun ärgerlich ansah, reagierte die Seele der Frau überhaupt nicht.
Es schien, als könne sie ihn nicht wahrnehmen, nicht hören.
„Lass sie los!“
„Wohl kaum.“ Die Stimme des Fremden, der die Frau hielt, klang spöttisch.
„Sie kann dich nicht hören. Sie kann dich nicht sehen. Für sie bist du nicht hier. Und ich werde sie nicht los lassen. Sie wird aufgeben. Kannst du es nicht fühlen? Du kommst zu spät!“
„Das letzte Wort dazu ist noch nicht gesprochen! Mach dich bereit!“
Damit schnellte der Arm des Kriegers vor, packte die Frau an deren langen Haar und zog sie so langsam aus der Umklammerung. Er sah, wie der Schmerz in ihren Augen aufflackerte. Doch noch immer ließ der andere nicht von ihr ab.
„Nein, du bekommst sie nicht!“
Mit einem wütenden Aufschrei schnellten Tentakel zu dem Krieger vor, die er jedoch nur mit seinen Klauen abwehrte und zerriss.
Vor Wut glitzernde Augen schienen ihn regelrecht aufspießen zu wollen.
Doch der Inu no Taisho, der mächtigste Dämonenlord, der je gelebt hatte, gab nicht nach. Immer weiter zog er die Seele der Frau zu sich. Und je mehr er sie aus der Umklammerung zog, desto wacher schien sie zu werden. Gut so.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 29. Jul 2012, 23:03 
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Ein diffuses Licht nahm nun immer mehr zu und verdrängte nach und nach die Dunkelheit, durch die zwei Gestalten wanderten, den Pfad immer weiter folgend.
Sesshoumaru blieb plötzlich witternd stehen. Seine goldenen Augen suchten das Dämmern zu durchdringen.
Irgendetwas war da, in diesem trüben Licht. Etwas, was er nicht einordnen konnte. Allerdings rechnete der DaiYoukai nicht mit Freundschaftsbekundungen seitens der hiesigen Bewohner dieser Sphäre. Doch solange er nicht angegriffen werden würde, war es müßig, sich darüber Gedanken zu machen. Wachsamkeit war nun das Gebot der Stunde. Aus den Augenwinkeln sah er kurz zu seinem Halbbruder. Dieser schien noch nichts Außergewöhnliches Wahrgenommen zu haben.
Innerlich seufzend mahnte er den Jüngeren nun also doch, wachsam zu sein.
Entsprechend vorsichtig bewegten sich die beiden Gestalten weiter. Doch es ließ sich nichts ausmachen. Nur das Licht veränderte sich zusehends. Es wurde heller, fast schon schmerzhaft. Und dann, als hätten die beiden eine Barriere übertreten, änderten sich die Lichtverhältnisse abrupt.
Es schien eine Sonne zu geben, die an einem Himmel stand. Doch die Strahlen dieser Sonne wärmten nicht, verbreiteten nur rotes, kaltes Licht. Felsen schienen den Pfad zu säumen. Hier gab es nichts, was das monotone Grau der Steine unterbrach, die rot angestrahlt wurden und teilweise in einem kränkelnden Rosé-Ton schimmerten. Ein dumpfes Geräusch ließ die Körper und die Steine vibrieren und es kostete Überwindung, auch nur einen Schritt weiter zu machen anstatt einfach umzukehren. Denn dieser Tob setzte seine Wirkung in allen Organen fort, das vibrieren ließ die Herzen fast aus dem Takt geraten. InuYasha hob versuchsweise seine Hände an die Ohren, um nur festzustellen, dass der Ton dennoch ungehindert in ihn eindrang. Sie waren dem machtlos ausgeliefert.
Sesshoumaru kratzte all seine Selbstbeherrschung zusammen. Dieser Ton brachte ihn innerhalb von Sekunden an sein persönliches Limit. Dennoch setzte er einen Fuß vor den anderen. Er begriff, dass ihnen nur die so genannte Flucht nach Vorne offen stand. Ein Rückzug war einfach nicht möglich. Denn letzten Endes mussten sie nur diese Ebene der Steine und unangenehmer Töne hinter sich lassen. Er war sich sicher, dass es noch eine weitere Barriere gab. Denn hier, in diesem Umfeld würde wahrscheinlich nicht einmal die Zeit selbst hausen. Das war denn doch wahrscheinlich zu stillos.
Eine fast unmerkliche Bewegung machte die beiden Halbbrüder noch wachsamer. Es schien als würde sich ein dunkler Schatten zwischen den Steinen bewegen. Und das sogar ziemlich schnell. Doch es schien nichts zu geben, was einen solchen Schatten werfen könnte. Immer wieder sahen sie aufmerksam zwischen die Steine. Denn der Schatten bewegte sich zielstrebig auf sie zu. Was war das? Beide versuchten eine Witterung aufzunehmen, doch es roch einfach nur nach Staub und Steinen. Auch ein Anstieg an Youki war nicht auszumachen. Dennoch wanderte die Hand Sesshoumarus zu seinem Gürtel, an dem seine Katanas befestigt waren. Die andere griff in eine verborgene Tasche seiner Kleidung. Er entnahm dieser zwei Wurfsterne und schien gedankenlos mit diesen zu spielen. InuYasha beobachtete dieses Gebaren. Auch seine Hand war zum Schwertgriff gesunken. Doch so schnell wie sein Bruder nun die Wurfsterne von sich schleuderte, konnte er dennoch nicht sein Schwert ziehen. Ein lang gezogener, gurgelnder Laut ließ darauf schließen, dass der Youkai etwas getroffen hatte. Doch anscheinend hatte er nicht das Bedürfnis, was auch immer dieser Schatten einmal war. Er ging einfach auf dem Pfad weiter. InuYasha blieb nichts anderes übrig, als dem anderen zu folgen. Es schien auch für ihn selbst fraglich, ob es gesund sein mochte, eben diesen Pfad zu verlassen.
Allerdings nahmen sie beide nun verstärkt diesen nervenden vibrierenden Ton wahr. Es schien fast so, als hätte er sich verstärkt, also war diese Sache hier noch nicht ausgestanden.
Diese Vermutung wurde bestätigt, als sich vor ihnen plötzlich Schatten auf dem Pfad selbst ihnen in den Weg zu stellen schienen. Unsichtbare Wesen, die einen Schatten werfen konnten. Interessant. Sesshoumaru zog unbeeindruckt ein Katana und sein Bruder tat es ihm gleich. Mit den gezückten Schwertern in den Händen gingen sie stur weiter. Als eine scheinbar körperlose Stimme direkt vor ihnen erklang, blieben sie endlich doch stehen. Wahrscheinlich wären sie sonst in irgendetwas hineingelaufen.
„Du Abschaum hast meinen Freund und Gefährten auf dem Gewissen!“ Der Hintergundton wurde mit einem mal regelrecht schrill und noch unangenehmer als der vibrierende Ton es war.
„Wen nennst du hier Abschaum, und wagst es noch nicht einmal dich zu zeigen?“ knurrte der HanYou hitzig auf.
„Ruhig!“ InuYasha nahm die stimme seines Bruders leise wahr. Und auch wenn es ihm zunehmend schwer zu falle schien, versuchte er sich zu beherrschen.
„Ich werde das hier regeln….“
Sesshoumaru ging nicht auf die Beleidigung seines Gegenübers ein, sondern fixierte mit kaltem Blick den Schatten auf dem Pfad vor sich.
„Wenn du es wünschst, werde ich es dir ermöglichen, deinem Gefährten zu folgen.“
„Du? Du scheinst dich aufzulösen, oder täusche ich mich da? Und du wagst es, mir zu drohen?! Das wirst du bereuen! Ich lasse euch nicht weiter gehen. Freue dich, Youkai, ich werde dir meine wahre Kraft demonstrieren!“
Unmittelbar nach diesen Worten schien eine enorme Schall- und Druckwelle auf den sonst so beherrschten InuYoukai nieder zu gehen, die ihn fast in die Knie zwang. Fast. Aber Sesshoumaru ergab sich dem nicht einfach so. Er holte blitzschnell mit dem Schwert aus und traf irgendetwas, was er nicht sehen konnte. Nur der Schatten am Boden zeigte an, dass das Katana einen Körper zerteilt hatte. Doch anstatt reglos liegen zu bleiben, fügte sich das Wesen, welches den Schatten warf, anscheinend wieder zusammen.
„Dein Schwert kann mich nicht töten, Erbärmlicher. Ich bin der Schall selbst! So einfach lasse ich mich nicht besiegen!“
Ein weiterer misstönender Laut drang an die empfindlichen Ohren der Brüder. InuYasha musste sich auf sein Katana stützen, um nicht in die Knie gehen zu müssen. Und er erkannte an der gekrümmten Gestalt seines Bruders, dass es auch diesem nicht wesentlich besser ging.
Ungeachtet der Schmerzen, die diese Töne auslösten, schritt der HanYou an seinem Bruder vorbei, stellte sich beschützend vor diesen, hob das Schwert und funkeltet die anscheinend leere Luft vor sich an. Dann hob er das Schwert und holte aus. Es bildete sich die nur allzu bekannte Windnarbe, die auf das Wesen zuraste. Doch anstatt damit etwas auszurichten, kam der Angriff zurück. Doch InuYasha dachte nicht daran, zu weichen. Er würde seinen Bruder mit seinem Leben schützen, dem bereits Blut aus den Ohren lief. Auch er selbst spürte ein kleines Rinnsal Blut an seinen Ohren herab laufen. Die Töne schadeten ihren Trommelfellen. Er musste das hier schnell beenden. Sie mussten weg von den Tönen.
Bevor ihn die Kraft des Kaze no Kizu erreichen konnte, schickte er einen neuen Angriff los. Das Bakuryuuha nahm die Energie auf und zerschnitt das Wesen vor ihnen anscheinend mühelos, denn auch der Schatten teilte sich. Zerfaserte und schien unentschlossen schwebend zu verharren. Daraufhin schickte der Halbdämon eine erneute Attacke auf die zerfaserten Schatten und ließ dabei die Wahl derselben dem Schwert selbst. Dieses stieß ein pulsieren aus und schickte ein gewaltiges Kongousouha aus. Dies schien auch die kleinsten Schattenteile zu pulverisieren.
Wortlos wandte sich der HanYou zu dem Älteren um, der scheinbar unbeteiligt dem Kampf des Bruders zugesehen hatte. Doch hinter der Stirn arbeiteten die Gedanken, analysierten den eben stattgefundenen Kampf. Es war kein Blut geflossen. Nichts ließ darauf schließen, dass das Wesen, was auch immer es war, ein atmendes, lebendes Geschöpf sein konnte. Und dies war keinesfalls beruhigend.
„Dies sind keine Wesen aus Fleisch und Blut, InuYasha“, teilte er dem Jüngeren mit „Wir müssen weiterhin vorsichtig sein.“
Der Angesprochene nickte nur und ließ dem Bruder wieder den Vortritt und folgte diesem schweigend. Der Ton, jeglicher Laut, hatte aufgehört. Und die Stille war unnatürlich drückend.
Was mochte wohl als nächstes passieren?

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 30. Jul 2012, 01:38 
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Der Fremde, den der InuYoukai als das ultimative Böse nun erkannte, ließ noch immer nicht locker. Er versuchte noch immer, die Seele der Menschenfrau an sich zu ziehen, an sich zu binden. Und auch wenn die junge Seele immer wacher zu werden schien, so wollte der Youkai ihr weitere Schmerzen gerne ersparen. Denn mit dem Bewusstsein kam auch der Schmerz einher. Und sie musste sich zerrissen fühlen. Doch kein Laut kam über ihre Lippen.
Mit all seiner Kraft zog er noch immer an ihrem Haar, fasste mit der anderen Hand nach ihrer Schulter. Doch nun konnte er die auf sich zuschießenden Tentakel nicht abwehren. Also musste er wieder umfassen, griff beherzt um die schmale Figur der jungen Seele und ließ seine Klaue auf die widerwärtigen Fortsetzte des anderen nieder schlagen.
„Du wirst sie nicht bekommen. Ich werde das nicht zulassen.“
„Als ob du mir gefährlich werden könntest!“ Naraku höhnte den anderen, versuchte ihn zu einer unbedachten Handlung, einen unüberlegten Angriff zu provozieren. Doch bislang ohne Erfolg.
„Was verbindet dich mit der Miko?“ Fragte er daher.
„Mein Sohn“, die kalte Erwiderung.
Wie sollte das möglich sein? Naraku wusste von seinen Vertrauten und aus alten Schriften, dass der alte Inu no Taisho schon lange im Reich der Toten weilte. Und bislang hatte er keine weitere Seele in der jungen Frau spüren können.
Seine Unsicherheit ließ sich der HanYou nicht anmerken.
Doch nun musste er seine Aufmerksamkeit auch Kagome wieder zuwenden, die immer mehr zu Bewusstsein kam. Und mit ihrem Erwachen, schnellten auch ihre Kräfte in die Höhe.
Auch der Kriegerfürst bemerkte, dass sich etwas in der Aura der Frau änderte. Sie wurde immer kräftiger. Er musste wohl nicht mehr lange warten, und sie war vollständig wieder erwacht. Aber bis dahin musste er den anderen davon abhalten, ihr zu nahe zu kommen.
Danach würde sich die Frau vielleicht selbst schützen können, wenn sie ihre reine Seele endlich entfesseln würde.
Noch während er den Bösen abwehrte erwachte die junge Frau aus ihrer Starre, sah den HanYou vor sich an, nahm wahr, dass ein starker Arm sie hielt.
„Sesshoumaru…?“ Die leise Frage, unschuldig wie ein Blatt im Wind.
„Nein. Aber ich werde dir helfen.“
Die Stimme hinter ihr, der warme Körper, der sie an sich presste und die harten Muskeln in ihrem Rücken. Aber am überwältigsten der Geruch, der von dem Mann hinter ihr ausging. Er erinnerte an die absolute Freiheit, an Wälder und Erde. Rau, würzig, und warm. Fast wie der von Sesshoumaru und InuYasha. Aber eben nur fast. Es gab Unterschiede in den Nuancen.
Doch sie spürte, dass der Mann hinter ihr wirklich half. Also richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihren Gegner Naraku.
„Naraku…. Du sagtest, ich erinnere dich an sie.“
Sie spürte, wie sich der Mann hinter ihr kaum merklich versteifte. Und auch der HanYou sah sie nun an. Allerdings waren seine Augen nicht lesbar für sie. Also fuhr sie fort:
„Wenn sie wüsste, was du hier tust, wenn sie wüsste, was du getan hast, meinst du, sie würde dir dann noch Güte oder Gnade zuteil werden lassen?“
Die Augen der jungen Priesterin drückten Entschlossenheit aus. Dann, ohne dass sie der Krieger hindern konnte, nahm sie dessen Arm von sich. Ihre Aura verdichtete sich langsam aber stetig, loderte rein und warm zwischen ihnen auf.
„Naraku…. Denkst du wirklich, dass sie das hier zugelassen hätte?“ Sie trat einen Schritt vor. Eine Tentakel wollte sie umschlingen, aber sie löste sich wenige Augenblicke auf. War geläutert worden.
„Naraku, sieh mich an und sag mir, was du denkst. Glaubst du, ich lasse es noch einmal zu, dass du mich umgarnst?“
Noch einen Schritt.
Der HanYou sah ihr in die braunen Augen und die Entschlossenheit aber auch das Mitleid sprachen eine eigene Sprache.
„Ich werde dir geben, was du verlangst. Ich gebe dir Liebe und Mitgefühl.“
„Was machst du, du …“ Der Krieger hatte seine Worte nicht unter Kontrolle gehabt, hatte da er ihr nicht in das Gesicht sehen konnte, einen Moment lang geglaubt, sie würde wieder wanken und schwinden. Doch sie hob nur die Hand, eine Barriere umgab ihn, ein Bannkreis.
„Ich danke dir. Aber dies werde ich allein zu Ende führen. Dir wird nichts geschehen.“
Und er wusste, solange sie es nicht wollte, würde er nicht noch einmal einschreiten können.


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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 2. Aug 2012, 20:54 
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Der verwunderte Youkai in ihrer Seele nahm zur Kenntnis, wie sie ihre volle Aufmerksamkeit nun wieder dem HanYou vor sich widmete.
„Ich gebe dir Liebe und Mitgefühl….“ In ihrer Stimme schwang so viel Gefühl mit, dass Naraku nur die Augen schließen konnte. Diese Stimme fesselte ihn. Ausgerechnet ihn, der doch der Herr ihrer Albträume war. Sein Wille war kraftvoll. Er wollte sich nicht fesseln lassen und begehrte auf. Doch ihre zarte Hand hatte ihn an der Stirn berührt und zu seinem Entsetzen spürte er die pulsierende Kraft, die in ihr schlummerte. Hatte er sie etwa erweckt? Nein. Das war alles nur die Schuld dieses Hundes!
Seine Augen blitzten rot und versprachen unsagbare Qualen, als er den HundeYoukai fixierte. Doch abermals fesselte ihn ihre Stimme und handlungsunfähig registrierte er, dass ihre Worte ihm tatsächlich Fesseln umgelegt hatten, ihre Hand noch immer an seiner Stirn zwang ihn zur Bewegungslosigkeit.
Mit aller Macht konzentrierte er sich, seine Gedanken beieinander zu halten. Er wusste, er hatte auf lange Sicht keine Chance gegen die an sich mächtige Miko. Und er spürte, wie sich die Kraft ihrer Seele zusammenballte. Er hatte nicht mehr viel Zeit, um sich aus dieser an sich auswegslosen Lage zu retten. Liebe, Mitgefühl. Ihre Worte hallten in ihm wieder. Und dann lächelte er. Es war ein diabolisches Lächeln. Er wusste, dass sie gar keine andere Wahl haben würde, als ihn zu lieben! Die Idee, so schnell sie gekommen war, so schnell beeinflusste sie sein handeln.
Der Youkai, der die Veränderungen in dem Gesicht des HanYou beobachtet hatte, wollte die Hand nach der Miko ausstrecken, sie warnen und zurück ziehen, doch es war schon zu spät.
Vor seinen Augen schrumpfte die Gestalt des Bösen zusammen, ballte sich und das Licht, dass dabei ausgesendet wurde, schien alles andere verglühen zu wollen. Kagome, die die Augen die ganze Zeit geschlossen hatte, nahm nur den schwindenden Druck gegen ihre Hand war, dann war auch schon alles vorbei. Der Schrei des Youkai hinter ihr ließ sie zusammen fahren.
„Nein! Du Verfluchter! Was hast du getan?“
Erschrocken sah sie auf. Sah in das entsetzte Gesicht des Youkaikriegers, sah, dass sich der HanYou scheinbar in Luft aufgelöst hatte und wollte schon erleichtert Atem schöpfen, als ein dumpfer Schmerz in ihrem Unterleib sie zusammen sacken ließ. Was war geschehen?
„Naraku?“ Ihre Stimme so tonlos voller Entsetzten, als ihr bewusst wurde, dass dieser Schmerz nicht sein durfte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 2. Aug 2012, 21:31 
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In einer anderen Dimension, fernab der Zeit und den Geschehnissen im Lager seiner Soldaten, spürte Sesshoumaru plötzlich und unerklärlich eine wachsende Unruhe in seinem Innersten und dann einen heftigen Schmerz, der aus seinem Herzen zu kommen schien. Mit zusammen gekniffenen Augen sank er zu Boden, vor den entsetzten Augen des Bruders, der erst fassungslos dabei stand, dann ebenfalls zu Boden ging und an die Stirn des Älteren fasste.
„Bruder, was hast du?“
„Wir müssen uns beeilen! Etwas ist geschehen! Schnell!“
Die Worte, die gepresst die Lippen des Youkailords verlassen hatten, bescherten dem HanYou eine Gänsehaut. So hatte er seinen Bruder noch nie erlebt. Aber er gab ihm Recht. Sie musste sich so oder so beeilen, wollten sie aus dieser Situation des Schwindens entkommen. Und so fasste er seinem Bruder unter die Arme und stützte diesen, der noch immer Schmerzen zu haben schien.
So taumelten sie mehr, als sie gingen. Immer weiter auf der Suche nach der Zeit selbst.
Doch kaum, dass sie die nächste Barriere überwunden hatten und der DaiYoukai selbst wieder Laufen konnte, stellte sich ihnen wieder ein Wesen entgegen. Doch dieses schien sie nicht angreifen zu wollen. Flammende Schwingen schienen den Leib zu verbergen und eine tiefe Stimme hallte in ihren Köpfen wieder.
„Was suchen ein Youkai und ein HanYou in den heiligen Gefilden der Flammen? Erdreistet ihr euch, dieses Land zu entweihen?“
Die Worte, ruhig und doch drohend. Die Hitze, die sie umgab, schien sich langsam bis zu ihren Knochen fressen zu wollen und es schien den beiden als stünde ihr Fleisch in Flammen.
Kein Laut kam von den Lippen des Dämons. Doch sein Halbbruder schien in die Knie zu gehen ob der unerträglichen Hitze.
„Wir suchen die Zeit selbst. Wir haben nicht vor, dieses Land zu entweihen. Wir brauchen Hilfe.“ Seine eigene Stimme kam Sesshoumaru fremd vor. Doch die Hitze nahm ab, wurde fast erträglich. Das Wesen vor ihm schien nach zu denken.
„Ich werde euch zu ihr bringen, doch sollte sich heraus stellen, dass ihr eine Gefahr seid, dass ihr keinen Respekt in euren Knochen habt, seid ihr des Todes!“
Das seltsame Flügelwesen war nun erkennbar, denn die Hitze und damit auch die Flammen waren weniger geworden, so dass dessen Gestalt zu sehen war. Es war ein Menschenähnlicher Körper, ein ebensolches Gesicht. Absolut vollkommen. Flammendes Haar bedeckte den Leib. Die Augen, glühend wie das Innere eines Schmelzofens. Kein Ausdruck auf den makellosen Zügen. Und dann wandte es sich um und die beiden Brüder konnten nur folgen.
Sie scheinen nun schon seit Tagen ununterbrochen gelaufen zu sein. So erschien es den beiden. Und dennoch schien der Pfad kein Ende zu haben. So langsam machte sich die Erschöpfung immer mehr bemerkbar. Zumal da noch immer die unerklärlichen Schmerzen waren, die im Inneren des Youkais tobten. Immer wieder hatte er sich, wenn er sich unbeobachtet gefühlt hatte, an den Unterleib gefasst und an den Kopf. Er wusste nicht, was geschah. Nur dass es nicht mit seinem eigenen Körper zusammen hing konnte er mit Gewissheit sagen.
Die Hitze nahm weiterhin ab. Und endlich erreichten sie eine Gegend, durchzogen von erstarrten Lavaflüssen, voller Asche und Russ. Nebelschwaden glitten über den Boden und ließen den Pfad fast nicht mehr erkennen.
Das Wesen führte noch immer unbeirrt durch diese unwirkliche Gegend, in der es nichts Lebendes mehr zu geben schien, in dem jegliche Hoffnung verloren schien. Hier, in der Endlichkeit und Erstarrung nahm der sonst so mächtige Youkai seine eigene Verletzlichkeit das erste Mal wirklich wahr.
Er fühlte sich leer gebrannt, hohl, und unsagbar schwer fiel ihm der nächste Schritt, und der darauf folgende. Es schien, als würde etwas seine Lebenskraft aus ihm saugen. Und er schloss wieder einmal die Augen, wie schon so oft.
Der Schmerz, der ihn nun die ganze Zeit umgab, wie eine zweite Haut, wurde nicht schwächer, nahm aber auch nicht mehr zu, sondern pulsierte gleichmäßig.
Es war die Stimme seines Bruders, der das Wesen nun ansprach:
„Wie weit ist es noch bis zu der Zeit? Bitte, mein Bruder ist erschöpft, wie ich. Und unsere eigene Zeit läuft ab. Bitte, wir müssen zu der Zeit. Gibt es nicht einen Weg, der schneller ist?“
Das Wesen wandte nun erstmals wieder den Kopf zu den beiden Brüdern. Die Stimme, wieder so hallend. „Es ist nicht weit, wenn ihr aufrichtig seid. Weswegen sucht ihr meine Schwester? Denn ich bin die Zerstörung allen Lebens. Und der Tod ist mein Bruder. Was habt ihr an euch, das ausgerechnet er euch hierher brachte?“
„Wir benötigen Hilfe. Wir hatten einen Kampf gegen einen gemeinsamen Feind. Doch dieser schickte eine Freundin von uns in den Tod. Viele Jahrhunderte vergingen. Aber mein Bruder konnte sie nicht vergessen.“ Entschuldigend sah InuYasha zu seinem Bruder, der wieder die Augen geschlossen hatte.
„Er fand einen Weg zurück. Und ich bin ihm gefolgt, da ich ihm helfen wollte. Aber dadurch können wir nicht mehr zurück. Und nun lösen wir uns auf, denn unser jüngeres Ich ist auch in dieser Zeit. Wir sind gefangen und können nichts tun. Bevor wir uns auflösten, rief mein Bruder nach Hilfe. Und so begegneten wir auch dem Tod selbst. Doch wir müssen einen Weg finden. Mein Bruder hat so viel erduldet, so viel erlitten und doch immer wieder gekämpft. Ich würde gern mein Leben geben, damit wenigstens er eine Zukunft hat.“
Sesshoumaru sah überrascht seinen Bruder an. Dann legte er ihm die Hand auf die Schulter.
„Du wirst nicht gehen. Und dein Leben für mich lassen. Du ist mein Bruder.“
Seine stimme war leise gewesen, dennoch verständlich.
Nun sah er dem Wesen in die glühenden Augen.
„Wir brauchen gemeinsam Hilfe, die nur die Zeit selbst uns geben kann. Deswegen machten wir uns auf den Weg. Und ich werde nicht akzeptieren, dass das Leben meines Bruders auf dem Spiel steht. Entweder wir leben beide, oder nur er.“
Das Wesen musterte die beiden Gestalte vor sich, der eine ein HanYou, ein Mischblut, der andere ein Krieger, ein Youkai und ein mächtiger dazu.
Langsam nickte es.
„Ich nehme keine Lüge in euch wahr. Nun denn.“
Hinter dem Wesen erschien ein Tor. Schillernde Farben in der Ödnis, ein Regenbogen, funkelnd wie ein Hoffnungsschimmer.
„Hinter diesem Tor findet ihr, was ihr benötigt. Ich werde euch nun verlassen, dann das Gefilde der Zeit kann ich nicht betreten.“
Mit einer einladenden Geste wies es auf das Tor. Schimmerndes Licht schien der Torflügel zu sein. Und als die beiden Brüder näher traten, spürten sie eine Sanftheit, eine angenehme Wärme, kein alles verbrennendes Feuer mehr. Der Atem ging leichter, und als sie durch das Tor traten, schien es als würden alle Plagen, alle Mühsal von ihnen abfallen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 2. Aug 2012, 21:37 
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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 2. Aug 2012, 21:49 
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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 2. Aug 2012, 22:10 
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Danke schön!
Hier gehts auch schon weiter:

….

Plötzlich war er wieder in seinem eigenen Körper. Der Ausstoß seiner Seele aus der inneren Welt der Miko war schmerzhaft. Doch er hatte keine Zeit, sich dem hinzugeben, noch würde er jemals zugeben, dass er wegen dieser Frau Schmerzen litt.
Er hatte die Hände von ihren Schläfen genommen, sah sie nun einfach nur an, wie sie da lag und langsam wieder zu Bewusstsein kam. Schon konnte seine empfindliche Nase einen anderen Geruch an ihr wahrnehmen. Wie hatte es nur so weit kommen können? Was konnte er nun noch tun? Und was würde sein Sohn sagen, wenn er die Wahrheit erführe?
Als sich ihre Lieder flatternd bewegten, sprach er sie leise an. Doch sie reagierte noch nicht, wälzte sich nur unruhig hin und her. Ihre Hände krallten sich in ihr Gewand, das ihm so fremdartig erschien. Er konnte ihre weißen Handknöchel sehen. Vorsichtig löste er die verkrampften Hände aus dem Stoff, hielt sie fest. Und dann, als er ihr ins Gesicht sah, traf ihn der Blick aus warmen, braunen, verzweifelten Augen. Tränen sammelten sich in ihnen und liefen lautlos über ihre Haut.
„Sag, dass es nur ein Traum war….“ Ihre Stimme, noch immer so leise, dass er sie kaum hörte. Doch der Schmerz in ihren Worten traf ihn in aller Deutlichkeit.
Er schüttelte den Kopf. „Es ist wahr. Ich hätte dir mehr helfen müssen, auch wenn ich dann deine Seele verunreinigt hätte. Es wäre besser gewesen als dieses Schicksal…“
Ihr Aufschluchzen ging ihm unter die Haut. Die Verzweiflung an ihr überrollte nun auch ihn.
„Ich weiß nicht, was mein Sohn tun wird, wenn er erfährt, was dir geschehen ist, Frau. Doch du bist nicht allein. Ich werde auf dich aufpassen.“
Sie schluchzte auf. In dieser Epoche galt sie nun als entehrt. Niemand würde sie mehr aufnehmen. Niemand würde sich um ihr Schicksal kümmern. Denn sie wusste, was da in ihr war. Und wie sollte sie so InuYasha oder schlimmer noch, Sesshoumaru unter die Augen treten?
„Es ist nicht deine Schuld, Frau.“
Der Krieger, den sie erst jetzt richtig sah, erinnerte sie an die beiden Brüder. Er hatte eine machtvolle Aura, die jedem Unbedarften den Tod versprach. Doch er nahm sie sanft in die Arme, versuchte sie zu trösten.
„Sesshoumaru ist mein Sohn, ebenso wie InuYasha. Doch ich glaube fast, dieses Ereignis wird eine fast zu große Probe für meine Söhne werden.“
Lange dämpfte er mit seiner Umarmung ihr Weinen. Doch dann löste sie sich zaghaft, bemüht auch ihn nicht anzusehen.
„Was soll ich jetzt tun? Was kann ich tun?“
Ihre Stimme, kraftlos. Ihre Gedanken gingen wirr durcheinander, er spürte das. Und er roch ihre Angst.
„Was auch immer du tust, du tust es nicht allein. Ich werde dich begleiten, wohin dich dein Weg auch führt. Das bin ich meinem Sohn schuldig, der dich mir anvertraut hat.“ Seine warme, entschlossene Stimme ließ sie aufschauen. In seinen Augen sah sie Mitgefühl.
Doch was sollte sie nun tun? Sie sah das Gesicht des DaiYoukai vor sich, sah dessen goldene Augen. Sein silbernes Haar. Nie wieder konnte sie ihm unter die Augen treten. Sie fühlte sich beschmutzt, unwürdig, seine Gegenwart genießen zu dürfen, auch wenn ihr Herz verzweifelt nach ihm schrie. Alles in ihr drängte sie zur Flucht. Alles in ihr ballte sich zusammen und sie verkrampfte wieder. Sie musste hier weg. Weg von allem. Sie hatte es nicht verdient, dass sich dieser Youkai, dem sie ihr Herz geschenkt hatte, so fand und sie bei sich gar aufnahm.
Der Ausdruck in ihren verzweifelten Augen ließ auch den Youkaifürsten frösteln. Den Schmerz konnte er ihr nicht nehmen, ebenso wenig seinem Sohn. Der nun, nach all den Jahren endlich die Liebe gefunden hatte, auch wenn er das nie so gezeigt hatte. Er war dessen Vater und hatte durchaus den Ausdruck in dessen Augen gesehen und sie in dessen Gedanken. Sie die all sein Handeln bestimmte.
Und nun saß er hier. Der Vater, der nun endlich, nach den Jahren seines Todes, seine Söhne sehen konnte. Und er brachte es nicht über sich, diese Frau allein zu lassen. Aber er wusste auch, dass sie nun, da sie ein Kind in sich trug, gezeugt durch den verfluchten HanYou in ihrer Seele nicht mehr rein, nicht mehr unberührt galt. Auch wenn sie nichts dazu getan hatte, dass es nun so war.
Er konnte sie nicht allein ihrem Schicksal überlassen. Und er erkannte, dass sie alles zur Flucht vor dem Sohn drängte. Nicht wissend, wie dieser reagiere würde.
Nun, auch ihm war es nicht schlüssig, was sein Sohn tun würde.
„Weißt du, was du machen willst, Miko?“
„Ich muss hier weg!“ Ihre Stimme, voller Angst. Einer Angst, die er nicht von ihr nehmen konnte.
Zögerlich erhob sie sich, unsicher, ob die eigenen Beine sie tragen würden. Dann wandte sie sich um, suchte ihren Bogen und die Pfeile. Die Soldaten im Lager beachtete sie gar nicht erst.
Langsam führten ihre Schritte sie aus dem Lager, immer weiter. Nur fort von hier.
Der Inu no Taisho folgte ihr langsam, nahm sich aber die Zeit, noch einem der Soldaten etwas zuzuflüstern, bevor auch er aus dem Lager verschwand und ihrer Spur folgte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 3. Aug 2012, 00:35 
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Hinter dem Tor aus schimmerndem Licht erwartete die beiden Brüder ein Anblick, den sie nach den letzten durchquerten Einöden so nicht erwartet hatten. Ein Fluss trug sein Wasser träge in seinem Bett an ihnen vorüber, die Ufer voll Binsen und Sumpfliebenden Blumen. Libellen, groß wie ihre Hände sirrten durch die laue Luft, Weiden standen in der Nähe und senkten ihre Zweige tief in das fließende Wasser. Der Pfad wand sich schlängelnd am Ufer entlang und verschwand schließlich unter den Zweigen einiger Bäume. Dem Weg weiter folgend kamen sie in einen lichten Auenwald. Erlen, Birken und Pappeln gaben Schatten, immer wieder wuchsen hier Binsen und Moorgräser. Die Luft roch angenehm würzig und war warm. Weiter gingen sie, tiefer in den Wald. Dann, als ihnen jegliches Zeitgefühl abhanden gekommen war, gelangten sie an eine Lichtung in diesem wundervoll friedlichen Wald. Hier entsprang eine Quelle und das Wasser, gleich einem pulsierenden Herzschlag quoll munter aus Tiefen der Erde, die noch nie gesehen wurden.
Hier saß eine Gestalt, einen Krug in der Hand. Eine Frau augenscheinlich. Blondes Haar floss in dicken Strähnen über den schmalen Rücken, der den Brüdern zugewandt war. Ihr Gewand, in einem hellen Blau, schien so leicht zu sein, dass selbst die kleinste Brise ausreichen mochte, es zu bewegen.
Doch noch bevor die beiden Neuankömmlinge etwas sagen konnten, hielt sie ihre andere Hand hoch. In dieser hielt sie zwei Stundengläser.
„Ich weiß, wer ihr seid. Ich weiß, was euer Anliegen ist.“
Die glockenhelle Stimme der Frau, wenn auch leise, so doch faszinierend, gebot den Brüdern näher zu treten. Und nun konnten sie der Frau auch in das Gesicht sehen. Ebenmäßig, als hätte ein Künstler sie geschaffen. Aber alles in ihm warnte Sesshoumaru. Diese Frau war nicht so harmlos, wie sie noch wirken mochte.
Blaue Augen sahen in zwei Paar goldene Iriden.
Und es schien als hätte sie den beiden auf den Grund ihrer Seelen gesehen.
„Bruder Tod, komm zu uns!“ Ihre Stimme war nun um einiges machtvoller. Und kurz darauf erschien aus dem Nichts die Kapuzengestalt des Todes.
„Schwester, was rufst du mich?“
InuYasha und Sesshoumaru wechselten nicht einen Blick. Verwundert betrachtete der HanYou die Geschwister vor sich.
Und es war Sesshoumaru der zu seiner eigenen Verwunderung nun die Bitte aussprach, dass die Zeit ihnen doch helfen sollte. „Ich gebe dir alles, was du willst.“
„Das Wort ist bindend, dass weißt du, nicht wahr, großer Hunde-Dämon?“
„Dessen bin ich mir bewusst.“
Abschätzend sahen Tod und Zeit den Youkai an. Dann schienen sie sich über die Blicke, die sie sich zuwarfen, untereinander zu verständigen.
Die Zeit richtete ihr Wort an den Älteren der Brüder.
„Ich werde auf das Wort zu gegebner Zeit zurückkommen Siehst du diese Stundengläser? Es sind eure. Dies ist eure Zeit, die euch zum Leben gegeben wurde. Doch ihr habt etwas getan, was vorher noch nie getan wurde: Ihr habt die Zeitfolgen durcheinander gebracht. Ich habe die Macht, euch zu helfen. Das ist wohl war. Nun, HanYou, was bekomme ich von dir als Gegenleistung? Dein Bruder wird sein Wort einlösen, dessen bin ich mir sicher. Doch was bietest du mir?“
InuYasha sah die Frau verwundert an.
„Was willst du dafür?“
„Ein ebensolches Wort, wie das deines Bruders genügt mir. Und wenn es soweit ist, werde ich zu dir kommen.“
Leichthin zuckte der Halbdämon die Schultern. „Gut. Dann hast du mein Wort.“
Wieder sah die Zeit zum Tod. Wieder schienen sie nur über die Blicke zu sprechen.
Dieser sprach nun die beiden an.
„Das Wort allein genügt nicht. Darum werdet ihr es auch mit eurem Blut besiegeln.“ Damit reichte er ein Messer an Sesshoumaru, der es ohne zu zögern annahm.
„Ich gebe dir mein Wort und mein Blut, das du von mir bekommst, um was du mich bittest.“ Damit zog er das Messer, ohne mit der Wimper zu zucken durch seine Handinnenfläche. Ein dünnes Rinnsal Blut färbte den Boden schnell rot.
Er reichte das Messer seinem jüngeren Bruder. Der wiederholte die Worte, zog das Messer ebenso durch seine Handinnenfläche. Auch er zuckte nicht, als der Lebenssaft austrat und sich zu dem Blut des Bruders auf den Boden gesellte.
Zeit und Tod nickten.
Die Frau hielt die Stundengläser vor sich, blauer Nebel umhüllte diese. Als sie aus dem Nebel wieder sichtbar waren, befand sich mehr Sand in der oberen Hälfte als in der unteren, und das in beiden Gläsern.
„Ich gebe euch eure Zeit in der alten Epoche zurück. Ihr werdet noch vieles sehen und erleben….“
Dann sah sie auffordernd zum Tod. Dieser zuckte nur mit den Schultern. Dann fasste er in seinen Mantel. Als er seine Hand wieder hervor holte, hielt er zwei Reiskörner in der Hand.
„Wenn ihr eines Tages in Gefahr seid, aus der ihr selbst nicht entkommen könnt, nutzt diese und ich werde euch helfen.“
Er gab jedem ein Korn. Und Sesshoumaru bemerkte die Kraft in diesem kleinen Stück, was für andere vielleicht Nahrung sein mochte.
„Wenn ihr zurückkommt, wird etwas auf euch warten. Eine Nachricht, die nicht euren Vorstellungen entspricht.“
Doch noch bevor InuYasha fragen konnte, was die Frau meinte, zog der Tod ihn auch schon mit sich. Zog beide aus dem Wald und fasste nun ihre Hände. Und schon hatten beide das Gefühl, als würde etwas an ihnen zerren.
Kurz darauf fanden sie sich in dem Lager der Soldaten wieder.
Und sie stellten schnell fest, dass ihre jüngeren Erscheinungen nicht mehr da waren. Sie waren nun wieder komplett, hatten eine Zeitlinie, der sie folgen konnten. Sie hatten es geschafft. Ihr Leben ging weiter.
Ohne sich nach seinem Halbbruder umzusehen, ging Sesshoumaru auch schon zu der Stelle, an der er seinen Vater roch. Ihn und Kagome.
Jetzt endlich, nach all diesen Jahrhunderten, konnte er sie endlich wieder sehen, ihr in die Augen sehen.
Er hoffte, dass sein Vater es geschafft hatte und die Frau aus ihrem Schlaf holen konnte.
Doch er war nicht auf die Nachricht vorbereitet, die ein junger Soldat ihm nun zu flüsterte.
Schnell sprang der Soldat von seinem Herrn davon, als dieser vollkommen unerwartet aufheulte. Sein anschließendes Knurren durchdrang das ganze Lager, hallte im Wald wider.
InuYasha sah verstört zu dem DaiYoukai. So hatte ihn noch niemand gesehen. Der sonst so beherrschte Mann stand da, Wut umgab ihn, Ärger färbte seine Augen rot. Die Hände zu Fäusten geballt, stand er da. Einen Augenblick ganz reglos. Doch dann ruckte sein Kopf herum.
„InuYasha, führe die Soldaten nach Hause.“
„Was, wieso? Wo ist Kagome und wo ist Vater? Was hast du denn?“
„Folge meinen Anweisungen. Komm mir nicht nach. Diesmal nicht!“
Und damit erhob er sich und ließ sich von seiner ureigenen Energie wegtragen. Immer der Fährte nach, die er von seinem Vater ausmachen konnte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 3. Aug 2012, 23:59 
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Der Halbdämon stand noch immer unschlüssig an der Stelle, an der sein Bruder mit einem Mal so plötzlich verschwunden war. Noch konnte er die enorme Wut des Bruders riechen. Doch auch leichte, sich verflüchtigende andere Gerüche…. Kagome, Kirschblüten im leichten Spätfrühlingswind, Tränen, Angst, Verzweiflung…. Seinen Vater, würzige Erde, der Geruch nach Freiheit, Ärger, Ratlosigkeit, Entschlossenheit.
Was war hier nur geschehen, während sie weg waren?
Doch er hatte auch bemerkt, dass es jetzt gesünder für ihn selbst war, den Rat des Bruders zu befolgen und ihm nicht nach zu rennen.
Seufzend wandte sich der HanYou um, Bruder des jetzigen DaiYoukai, Sohn des großen Inu no Taisho. Und als seine Stimme über das Lager schallte, wagte niemand diesem noch jungen Mann zu widersprechen.
„Wir brechen auf! Sammelt die Verwundeten und Toten auf, wir gehen nach Hause!“
Er selbst nahm gleich einen der Verwundeten vorsichtig auf seine Arme.
„Wir werden au unserem Weg sicher auch die Heiler treffen. Lasst uns keine Zeit verlieren. Die Verschnaufpause für euch ist erst einmal beendet!“
Schnell hatten die anderen das Lager abgebaut und sich die Gefährten geschnappt.
Nach Hause. Ausruhen. Das war es, was sie antrieb. Nach Hause, in Sicherheit!
Und so zog der Tross los, immer weiter Richtung Westen.

…..

Sesshoumaru hatte die Tränen der jungen Miko gerochen, ihre Verzweiflung, ihre Angst. Angst. Vor ihm? Er wusste es noch nicht. Sein Vater hatte ihm ausrichten lassen, dass er mit der Miko gegangen war. Doch die Gerüche sprachen eine beredete Sprache. Angst, Unsicherheit, Verzweiflung und dann Entschlossenheit.
Angst! Warum? Was war schief gegangen? Irgendetwas musste passiert sein. Die Miko war nicht vor dem Kampf gegen ihren Feind zurückgeschreckt. Was war also geschehen?
Was auch immer es gewesen sein mochte, er würde es nicht zulassen, dass ihn etwas von dieser Frau trennte. Dazu hatte er zuviel investiert, zu viel gewagt, zu viel Zeit verloren in den vergangen Jahrhunderten ohne sie. Auch wenn diese Jahrhunderte nur noch eine schmerzliche Erinnerung sein mochten.
Er würde es nicht zulassen, dass ihr etwas geschah.
Wohin waren die beiden also unterwegs? Warum waren sie nicht im Lager geblieben? Was war geschehen?
Und immer wieder kam ihm der Geruch ihrer Angst und ihrer Tränen in den Sinn.
Der Entschluss stand fest: Er würde sie zurückholen. Sie finden und beschützen.
Das war alles, was jetzt noch zählte.

….

Der Inu no Taisho hatte die fahrigen Bewegungen der jungen Frau beobachtet. Immer wieder war sie den Tränen nahe, verdrängte diese, ließ die Angst und Verzweiflung erst einmal nicht mehr überhand nehmen. Er folgte ihr. Sie hatte die Richtung nach Osten, zur aufgehenden Sonne, eingeschlagen. Doch sie hatte kein Wort verlauten lassen, was ihr Ziel sein mochte.
Und als sie wieder einmal taumelte, da sie gestolpert war, schnellte er zu ihr vor, fasste ihren Arm.
„Wenn du so blind weiter gehst, wirst du stürzen. Wohin willst du gehen, Frau?“
Seine Stimme und seine warme Hand an ihrem Arm brachten sie dazu, zusammen zu zucken.
Nähe. Genau das ertrug sie gerade nicht. Sie schreckte zurück, wie ein scheues Tier. Sah den Krieger mit geweiteten Augen an.
„Ich habe nur eine Möglichkeit. Ich muss zurück….“
Obwohl sie leise gesprochen hatte, waren ihre Worte zu ihm durchgedrungen, rissen ihn aus seinen eigenen Überlegungen.
„Zurück?“
„Ich muss durch den Brunnen gehen. Vielleicht gibt es eine Lösung in meiner eigenen Zeit?“
In ihrer Zeit? „Was redest du da, Miko? Erkläre.“
Die kurzen Sätze, die das Maximum an Informationen forderten, erinnerten Kagome schmerzhaft an den Sohn ihres Weggefährten. Sie schloss kurz die Augen. Nein, sie würde jetzt nicht weinen. Das war nur Schwäche. Sie würde sehen, dass sie in der Zukunft, ihrer eigenen Zeit, eine Lösung fand. Wenn das der Fall sein sollte, konnte sie immer noch zurück. Und wenn nicht…. Würde sie Sesshoumaru die Schande ersparen. Es war noch Zeit. Sicherlich fielen den Ärzten ihrer Zeit etwas ein, wie man das Unglaubliche … ungeschehen machen konnte.
„Ich muss in den Osten. Weit in einem Wald steht ein Brunnen. Dieser verbindet meine Heimat mit dieser Zeit. Ich muss zurück.“
„Was lässt dich vermuten, dort Hilfe zu bekommen?“
Sein Blick ließ sie erzittern. Diesen Blick hatte sie oft auch an Sesshoumaru gesehen.
„Ich muss gehen….“
Schweigend musterte der Fürst die Frau. Er sah schnell, dass er sie nicht zum Bleiben überreden konnte. Nun, er würde sie begleiten. Aber es erschien ihm fraglich, ob es etwas, oder jemanden gab, der ihr in dieser Situation wirklich helfen konnte. Das Kind, das in ihr heranwuchs, war nichts weiter als ein durch Magie herbeigerufener Fötus, ein Dämon würde in ihr heranwachsen. Und soweit er es wusste, gab es nichts, was dieses verhindern würde. Sie war diesem Schicksal ausgeliefert, auf Gedeih und Verderb.
Aber wenn ihr ein räumlicher Abstand erst mal Beruhigung verschaffte, würde er sie überall hin begleiten. Er musste. Sein eigenes Versagen hatte er immer vor Augen, wenn er sie ansah. Und er spürte es an ihrer Aura. Sie war nicht mehr so rein, wie zuvor. Denn die Aura des HanYou Naraku, schien sie regelrecht zu vergiften.
Er konnte es spüren.
„Ich werde dich nicht allein lassen, Miko.“
Damit nahm er die zitternde junge Frau in die Arme, versuchte ihr Trost zu spenden.
„Nicht…. Nicht anfassen. Ich will das nicht. Zu nah…“
Ihre Stimme brach und nun konnte sie die Tränen nicht zurück halten.
Er war im ersten Moment verdutzt in der Bewegung erstarrt. Doch dann verstand er. Sie fühlte sich, auch wenn sie keinerlei Schuld daran hatte, schmutzig. Wertlos womöglich. Unrein.
So liess er sie los und folgte ihr, als sie sich wieder in Bewegung setzte. Gedankenverloren betrachtete er ihr Schwarzes, Blau schimmerndes Haar, den schmalen Rücken und die gänzlich unpassende Kleidung, die sie trug.
„Miko. Im nächsten Ort wirst du dir andere Kleidung beschaffen. Ich werde sie mit dir aussuchen. Und du wirst nun lernen, Waffen zu tragen.“
Erstaunt sah sie sich zu ihm um. Doch sein Gesicht blieb reglos. Wie der Vater, so der Sohn, dachte sie bitter. Doch sie nickte.
„Ich werde dir zeigen, wie du dich verteidigen kannst. Dein Bogen ist eine Fernwaffe. Wenn du den aber nicht einsetzten kannst, bist du im Augenblick hilflos.“
Wieder ein nicken.
Sie musste schnell lernen. Er wusste, sollte sie das Monstrum erst gebären, dann war ihre Frist abgelaufen. Denn dieses Kind in ihr war kein normales Kind. Es war das Böse! Und sie durfte dieses Böse nicht lieben. Auch nicht, während sie es unter ihrem Herzen trug. Sonst wäre sie wahrscheinlich verloren.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 5. Aug 2012, 11:21 
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Muss ich mir jetzt Sorgen machen, dass ich schon
süchtig bin nach deinen Geschichten?
Denn ich kann es jedesmal gar nicht erwarten, deine Fortsetzung
zu lesen....grins
Ich danke dir, du machst mir so viel Freude
Mit deinen spannenden Geschichten
Alles Liebe von noney

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 12. Jan 2013, 02:03 
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Der Wind war kalt, der ihm entgegenkam. Kalt und voller leichtem Regen, der sein Gesicht benetzte und seine ganze Gestalt umhüllte. Ungeweinte Tränen… Tränen seiner Seele und auch ihrer. Er wusste, dass sie litt, nur nicht weshalb. Aber er gab sich keiner Illusion hin. Es musste gravierend sein, wenn auch der verstorbene und wiedergekehrte Hundedämon mit ihr gegangen war.
Immer wieder überprüfte er ihre Spur, die sich bereits verflüchtigte. Es schien geradezu so, als wollte sein eigener Vater nicht, dass er sie fand. Was war nur geschehen? Hatte sie es nicht schaffen können? Hatte sie ihren Kampf in ihrem Inneren verloren? Der Gedanke ließ ihn erschaudern, auch wenn er dies nicht zeigte, nicht einmal vor sich selbst. Es durfte nicht sein. Er hatte so viel auf sich genommen, ihr wieder nahe zu sein, hatte so viel riskiert. Sie musste es überstanden haben! Alles andere war unakzeptabel.
….
Die junge Frau wurde in dem Dorf seltsam angesehen. Reserviert musterte man sie und nur wiederwillig gab man ihr Auskunft. Doch schließlich hatte sie es bis zu der alten Schneiderin geschafft. Sie nahm es den Menschen nicht übel. Sie war alleine gekommen, ihre Kleidung war gewöhnungsbedürftig für diese Zeit und das was sie sich unter zweckdienlicher Kleidung vorstellte, ebenso. Doch der Inu no Taisho hatte ihre Gedanken geteilt und die Schneiderin hatte sie zwar irritiert angesehen, sich dann aber kopfschüttelnd an die Arbeit gemacht.
Und seit nunmehr fast sieben Tagen war sie nun Gast dieser alten Dame, die die ganze Zeit flink und ausdauernd mit Nadel und Faden hantierte, immer wieder Maß nahm und in ihrer Arbeit fortfuhr.
Doch in dieser konzentrierten Stille konnte sie selbst zur Ruhe kommen, zumindest etwas. Es tat ihrer Seele gut, die Frau zu beobachten, die stumm ihrer Tätigkeit nachging und sie nicht lauernd ansah, sie nicht mit Fragen bombardierte. Die sie einfach nur da sein ließ.
Immer wieder horchte die junge Miko in sich hinein, nahm mit Entsetzen und Unfähigkeit, etwas zu ändern, zur Kenntnis, wie der Dämon in ihr wuchs. Sie hatte Angst. Große Angst sogar. Doch sie konnte hier mit niemanden sprechen, konnte hier nichts gegen die, innerlich schüttelte es sie vor Ekel, Schwangerschaft tun. Denn alle in dieser Zeit gängigen Methoden bargen ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Für ihr eigenes Leben. Und auch, dass sie dann vielleicht nie wieder ein Leben gebären könnte. Das war ihr zu hoch. Sie wollte Leben. Und sie wollte es selbst bestimmen und nicht bestimmen lassen, oder Mittel zum Zweck sein.
Sie fühlte weiter in sich hinein. Da war auch Wut, Unverständnis für diese Tat Narakus und immer wieder Angst.
Sie musste stärker werden, unbedingt. Doch nicht nur körperlich, auch innerlich musste sie sich wieder fangen. Sie wusste das. Denn wenn sie weiterhin in diesen wenig produktiven Gefühlen hängen blieb, würde sie nur weiter in das Loch, den Sumpf der Verzweiflung, gefangen sein.
Dann würde sie niemals wieder lachen können, niemals wieder hoffen können, würde ihre eigene Mitte nicht mehr finden können. In Gedanken ging sie noch mal ihre Möglichkeiten durch. Sie sah nur die Chance in ihrer Zeitlinie. Dort gab es Mittel und Wege, die ganze „Sache“ zu beenden. Und bis dahin…. Sie musste stärker werden.
Die Bewegungen der alten Frau waren hypnotisierend, in ihrer Gleichförmigkeit und Regelmäßigkeit. Kagome ließ sich davon einhüllen. Von dem Gefühl des Normalen, welche diese Arbeit der Frau in ihr auslöste. Sie ließ sich komplett darin fallen und ließ alles, was ihr passiert war, einen Moment lang los. Ihr Blick richtete sich ohne dass sie es bemerkte, in ihr Innerstes. Sie sah ein pulsierendes Licht, rein und klar. Warm und hell, freundlich direkt. Immer näher kam sie diesem Licht, spürte eine lang vermisste Leichtigkeit. Sie ließ sich davon ganz umhüllen, spürte wieder einen Willen in sich, wieder eine Kraft. Sie würde es schaffen, irgendwie. Irgendwie würde sie diesen Albtraum beenden und überstehen.
„Yuuki-san, die Kleidung ist fertig.“ Die Stimme, die an altes Leinen erinnerte, ließ die junge Frau wieder in die Realität finden. „Bitte, probiere sie an und lass mich sehen….“
Yuuki, das war der Name, den sie der Alten genannt hatte. Es war fremd und ungewohnt, darauf zu reagieren, doch die Miko ließ sich nichts anmerken. Lächeln erhob sie sich und ging mit der Kleidung in einen abgeteilten Bereich des Zimmers. Denn die Behausung der Alten hatte nur eben dieses eine Zimmer vorzuweisen.
Der Stoff war von erlesener Qualität, kühlend in der Sonne, dennoch wärmend im Schatten. Die Eigenschaften der Seide waren immer wieder erstaunlich, fand Kagome. Schnell hatte sie sich die neuen Sachen angezogen und kam wieder zu der alten Frau, die lächelnd die Jüngere betrachtete.
„Die Haare, Yuuki-san. Was sollen wir damit machen? So fällt es doch zu sehr auf.“ Ja. Das stimmte, Kagome wollte in der für Frauen unüblichen Kleidung nicht schon wieder so auffallen. Versonnen hielt sie eine Strähne ihres langen Haares in der Hand.
„Wenn du so herumlaufen willst, dann musst du dir etwas überlegen. Komm, setz dich. Ich erinnere mich an meinen Sohn, vor langer Zeit….“ Der Blick der Frau verschleierte sich und schien durch Kagome hindurch zu gehen. Dennoch kam sie der Aufforderung nach.
„Vertrau mir, auch wenn es dir schwer fällt.“ Stumm nickte Kagome. Sie schloss die Augen, spürte die Hände der Frau in ihrem Haar, fühlte, wie diese plötzlich gekämmt wurden.
„Ich werde sie etwas kürzen müssen. Kein junger Krieger trägt sein Haar so lang. Es wäre nur im Weg wenn ein Kampf ausbricht…. Ich werde es etwas schneiden müssen und es hochbinden.“
Mit einem Nicken gab die junge Frau ihre Zustimmung. Und dann hörte sie das Geräusch eines Messers, dass Haar schnitt. Sie fühlte, wie eine Träne sich aus ihren geschlossenen Augen löste, wischte diese weg und registrierte eine ungewohnte Leichtigkeit im Nacken. Es schien, als würden unsagbar viele Kilos von ihren Muskeln fallen.
Wider Erwarten fühlte es sich gut an? Auch wenn sie keine andere Wahl hatte, als sich optisch anzupassen, auch wenn es nur Haare waren, es war auch ein Lebensabschnitt, der fiel. Und dennoch, es fühlte sich richtig an. Sie hatte beschlossen zu kämpfen und nicht länger Passiv dem Grauen in ihr selbst gegenüber zu stehen. Da passte auch ein neuer Haarschnitt.
Sie fühlte, wie die Frau das gekürzte Haar zu einem hohen Pferdeschwanz band. War das Haar so kurz, dass es ihr nicht mal an die Schultern reichte? Anscheinend, Kagome fühlte nur Luft an ihrem Hals, nicht mehr das bekannte Schwere und Warme.
„Jetzt schau in das Wasser dort im Eimer, aber erschreck nicht.“
Sie kam der Bitte nach, öffnete die Augen und vermied es dabei, sich umzudrehen. Sie wollte nicht sehen, wie viel Haar sie gerade verloren hatte. Langsam ging sie zu dem Eimer, sah langsam hinein und sah ein ihr fremdes Gesicht zurück schauen, Die Haare fielen nur auf Höhe der Ohren an ihrem Kopf vorbei, wenn sie ihn drehte. Es war mehr als Gewöhnungsbedürftig. Mit dem Pferdeschwanz ging ihr Haar ihr nur bis knapp über die Ohrläppchen. Also wenn der auf wäre, dann nur bis zu den Schultern… Die vorderen Haare und ihr Pony fielen ihr ins Gesicht, ließen einen weichen Eindruck zurück, doch die Augen, die ihr entgegen sahen, wiedersprachen dem. Sie schluckte. Es schien, als sähe ein junger Mann ihr entgegen….
Immer noch schweigend sah sie sich zu der alten Frau um. Und bemerkte, wie diese blass wurde. „Du siehst aus, wie mein Sohn…“ leise war die Stimme gewesen. Leise und gebrechlich. Kagome ging schnell vor der Frau auf die Knie und umarmte diese fest.
„Danke“ war alles, was sie der Frau sagte. Doch es ließ bei dieser einen Damm brechen. Tränen flossen und wollten so schnell nicht aufhören.
Die Miko wusste, heute würde sie gehen. Wenn die Alte schlief. Sie konnte noch mehr Tränen nicht ertragen.
Und so setzte sie ihren Plan auch in die Tat um. Zwar hatte sie der Frau gesagt, wie würde erst am nächsten Morgen wieder aufbrechen, aber mit dem Fortschreiten der Nacht machte sie sich auf den Weg. Sie ließ eine alte Frau zurück, die neben ihrem Schlafplatz am nächsten Morgen einen kleinen Beutel Gold finden würde. Mehr als genug, um ohne Sorgen den Lebensabend verbringen zu können.
Yuuki ließ sie hinter sich, ebenso Kagome. Sie würde nun neu beginnen. Auch mit dem wachsenden Übel unter ihrem Herzen.
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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 12. Jan 2013, 07:54 
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das Video ist geil smilies/smilie_love_031.gif smilies/danke.gif


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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 12. Jan 2013, 09:38 
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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 12. Jan 2013, 13:34 
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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 12. Jan 2013, 17:47 
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Der alte Fürst hatte den Geruch der jungen Frau wahrgenommen, seit sie das Dorf der Sterblichen verlassen hatte. Er wartete auf sie im Schatten alter Bäume, verschmolzen mit dem Schatten, lauerte gespannt wie ein Jäger seiner Beute auflauert. Er war nicht wirklich neugierig. Mit solchen profanen Empfindungen gab er sich nicht ab. Aber er wollte wissen, wie sie seine Vorstellungen bezüglich einer praktischen Kleidung umgesetzt hatte. Und er war etwas verwundert, als er einen jungen Krieger sah, der nun vor den Bäumen stand. Er besah sich die Gestalt genauer. Junge Schultern, nicht breit wie bei einem Mann, eher schmal, kleiner als ein Mann, aber nicht mehr zerbrechlich wirkend, eine schmale Taille, um die ein lederner Gürtel geschnürt war. Pfeile und Bogen verrieten ihm schließlich, dass diese fremde Erscheinung tatsächlich die Miko sein musste. Er schluckte unbewusst. Sie hatte das Haar abgeschnitten, trug es nun kurz wie ein Mann, wie ein Krieger. Alles an ihrer Haltung schien darauf hinzudeuten, dass sie nicht mehr als schwach angesehen werden wollte. Ein kurzes Zucken seiner Mundwinkel war alles, was er an Gefühlsregung zuließ. Ja, sein Sohn hatte sich eine Kämpferin gesucht. Und hier stand sie, bereit von ihm unterwiesen zu werden.
Lautlos trat er aus den Schatten, die ihn bis eben verborgen hatten. Doch sie zuckte noch nicht einmal zusammen als er vor ihr stand. In ihren Augen, die er trotz der Nacht sehen konnte, sah er eine Entschlossenheit, die sie in den letzten Tagen nicht hatte. Er nickte. Ja, sie war bereit, den Kampf aufzunehmen. Gegen sich selbst, gegen das Wesen in ihrem Inneren und gegen das Schicksal selbst, dass ihr so übel mitgespielt hatte.
Ohne ein weiteres Wort wandte er sich ab und registrierte dass sie ihm folgte. Er würde sie führen, würde sie nicht allein lassen auf ihrem Weg, würde sie nicht verlassen. Denn er hatte vor, seinem Sohn noch einmal in die Augen zu sehen. Ein Versagen oder Scheitern, gleich welcher Art ließen weder sein Stolz noch sein Ehrgefühl zu.
….
Tage vergingen, zogen an ihm vorbei. Noch immer war er auf der Suche nach ihr, nach seinem Vater, der sie begleitete. Noch immer schlug sein Herz, obwohl er schon Zweifel hatte, wie er weiter kommen sollte. Er hatte nicht vor, sie noch einmal zu verlieren. Sein Puls raste. Etwas, was sonst niemals der Fall gewesen war, niemals in all den Jahren, die er nun schon auf diesem Planeten zugebracht hatte.
Immer wieder hörte er Menschen von einer Frau sprechen, die ihren Weg gekreuzt hatte. Die anscheinend großes Leid erfahren hatte und wie ein Geist durch diese Welt wandelte. Gerüchte über dieses Geistwesen verbreiteten sich schnell. Und dann, als er nicht damit rechnete, riss die Spur ab. Wut, das altbekannte Gefühl in ihm, baute sich auf. Er hatte ihre Spur verloren! Wie konnte das passieren? Noch einmal ging er auf seinem Pfad zurück. Hörte im Verborgenen den Menschen der Gegend zu, wenn sie sich unterhielten, nur um einen Hinweis zu bekommen. Selbst mit ihnen in Kontakt zu treten kam nicht in Frage, er hatte bei seinem ersten und letzten Versuch nur Angst geschürt und keinerlei Informationen bekommen können.
Wieder näherte sich eine Gruppe Frauen. Und wieder verschmolz er mit seiner Umgebung und verfolgte ihr Gespräch. Sie sprachen von der Dorfältesten, die so schöne Kleider machen konnte. Er seufzte lautlos. Eitelkeit…. Doch dann:
„Weißt du eigentlich, dass sie nun nicht mehr so viel arbeitet? Und dennoch hat sie Geld. Wo kann das herkommen?“
„Was redest du da? Sie wird es gespart haben, denke ich. Sie war früher doch sogar beim Daimyo beschäftigt, oder hast du das vergessen?“
„Nein, natürlich nicht, aber seitdem ihr Sohn damals starb, hatte sie keinerlei Einkünfte mehr. Wenn sie noch was hatte, muss sie es damals ausgegeben haben….“
„Ich glaube, du bist Neidisch… zumindest klingt es so.“
„Neidisch? Bin ich nicht!“ Jetzt klang die Stimme mehr als entrüstet.
„Aber dennoch, ich sage dir, dass hängt mit dieser seltsamen Person zusammen, die neulich bei ihr war. Du hast doch auch mitbekommen, dass die Frau so lange bei ihr wohnte. Sieben Tage, wenn ich mich nicht irre. Und dann war sie einfach verschwunden. Und die Schneiderin ist seitdem nicht wieder zu erkennen. Immer so in sich gekehrt…. Irgendetwas stimmt da nicht, ich sag es dir!“
Die andere Frau lachte. „Du siehst Gespenster! Lass die Alte in Ruhe und kümmere dich nicht darum. Immerhin passt sie jetzt auch hin und wieder auf unsere Kinder auf. Das konnte sie früher nicht. Also lass dir eines gesagt sein, “ die Stimme wurde ernst. „Hör auf, solch wilde Geschichten zu verbreiten.“
Die Stimmen der beiden Frauen wurden leiser.
Resigniert schloss der Dämon die Augen. Die erste Spur seit Tagen. Er musste diesen Frauen wohl oder übel folgen, wenn er sichergehen wollte, dass er mit seiner Vermutung richtig lag. Wachsam sah er sich um, witterte. Kein anderer Geruch, kein störender Laut nichts zu sehen. Er folgte in sicherer Entfernung den Menschenweibern, die immer noch tratschend ihrer Wege gingen und hoffte im Stillen, sie würden etwas schneller gehen.
Mit unterdrückter Ungeduld ob der Langsamkeit dieser tratschenden Dorfweiber bemerkte er, dass sie sich einer Ansammlung ärmlich wirkender Hütten näherten.
Es wurde Zeit, dass er sich wieder in die Schatten zurückzog. Er musste sehen, dass er die Alte fand. Er war sich ziemlich sicher, dass er von ihr mehr Informationen bekam. Sorgfältig kundschaftete er die Hütten aus der Ferne aus. Eine war besonders heruntergekommen. Ärmlich. Erbärmlich.
Dort musste die Alte leben. Denn, alte Menschen waren auf das angewiesen, was die Gemeinschaft ihnen gab. Meist waren sie nicht mehr in der Lage, selbst etwas wirklich Nützliches für die Gemeinschaft zu tun. Sie waren ein Klotz am Bein. Er hatte es in allen Jahrhunderten erlebt. Hatte immer wieder gesehen, wie die Menschen die Alten auf die eine oder andere Weise abschoben. Es hatte ihn immer wieder verwundert, wie man so mit den Alten umging. Eigentlich wartete doch jeder nur noch auf ihren Tod…
Die Dämmerung nahm zu, der Tag schwand. Die Nacht kam. Die Schatten wurden länger, und er nutze diese. Immer näher kam er der alten Hütte, die aus der Nähe noch erbärmlicher wirkte. Ja, er war sich sicher, dass er hier fündig werden würde.
Leise schlich er um das verwitterte Holzgebäude. Prüfend sah er sich noch einmal um. Dann stand er vor der Tür, die nur durch eine Bambusmatte geschlossen wurde.
Im Inneren hörte er leise gemurmelte Worte, die er trotz seines ausgeprägten Gehörs nicht verstand. Alles in ihm drängte dazu, sich von diesem Ort zu entfernen. Aber er brauchte einen Beweis das sie noch lebte, dass sie hier gewesen war. Das er immer noch ihr folgen konnte. Also schlug er die Matte zur Seite. Seine goldenen Augen durchdrangen mühelos das dämmerige Zwielicht im Inneren. Er sah eine alte Frau, im Schein einer Talglampe über einen Stoff gebeugt, an dem sie nähte.
Sie sah nicht auf, als der Luftzug sie traf. Auch nicht, als er lautlos wie immer näher kam.
„Ich arbeite noch daran, kommt zur vereinbarten Zeit wieder…“
Ihre Stimme, altem Pergament nicht unähnlich, drang zu ihm. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen. Sie konnte unmöglich erkennen, was sie da tat. Das Licht reichte nicht aus. Stumm setzte er sich vor die Frau. Endlich blickte sie hoch. Und erschrak. Vor ihr saß ein junger Krieger, in seltsamer Kleidung mit silbernen Haar und goldenen Augen, spitze Ohren ließen sich unter dem dichten Haar ausmachen. Die Augen strahlten Kälte und Entschlossenheit aus. Nein, dass hier war kein Mensch, das wusste sie instinktiv. Doch sie blieb ruhig. Ein falsches Wort, es wäre ihr Tod. Dessen war sie sich sicher.
In ihren Augen sah er Angst, die Furcht sprang ihn regelrecht an.
Seine Stimme ließ die alte Frau zusammen fahren, auch wenn er leise sprach:
„Für wen hast du als letztes gearbeitet?“
Seine Stimme zwang sie zur Antwort.
„Eine junge Frau…“
„Wann?“
„Vor nicht einmal 14 Tagen….“
„Was hast du ihr erarbeitet?“
Seine Augen schienen sie zu durchbohren.
„Sie wollte andere Kleidung. Sie wollte etwas, dass ihr bessere Dienste leisten würde, als die alten Kleider…“
„Hast du ihre Kleider noch?“
Stumm zeigte sie in eine Ecke des Raumes, in dem sich Stoffe stapelten. Schnell erkannte er darunter auch jenen, indem er sie das letzte Mal gesehen hatte. Aber das war noch kein ausreichender Beweis.
„Was wollte sie noch?“
Zitternd stand die Alte auf, ging zu einem kleinen Regal an der Wand. Sie reichte ihm einen Beutel. Während er die Frau nicht aus den Augen ließ, nahm er den Beutel an sich. Schon jetzt konnte er ihren unverkennbaren Geruch wahrnehmen. Eine Augenbraue glitt elegant nach oben, als er den Beutel öffnete. Haare. Ihr Haar.
„Was sollte das?“
„Es war ihr hinderlich. Ich musste es abschneiden. Aber ich brachte es nicht über mich, die Haare zu verbrennen. Sie ist eine kraftvolle Frau, sicher eine Miko. Es ist ein Sakrileg, etwas von einer Miko vor ihrem Tod zu verbrennen….“
Die Alte war wieder auf die Knie gesunken.
Schweigend schloss er den Beutel. Doch anstatt ihn der Alten wieder zu geben, steckte er in sich selbst in eine Tasche.
„Bitte, Herr, tut ihr nichts.“
Verwundert sah er die Alte an.
„Die Frau ist jung, aber ich spürte ihre Trauer. Tut ihr nicht weh…“
Sein Blick schien ihr Antwort genug. Stumm senkte die Alte den Blick. Und ohne dass sie etwas hören konnte, erhob sich der Krieger und ging. Schnell, wie ein Schatten….
Als sie dorthin sah, wo eben noch der Mann gesessen hatte, sah sie einige Münzen.
Sie hatte die Begegnung überlebt.
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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 12. Jan 2013, 22:37 
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ich bin jedesmal begeistert....
und gefesselt ...von der ersten bis zur letzten zeile...
da darf mich niemand anreden oder stören, wenn ich deine geschichten lese...
ist wirklich so....

schön, dass du uns wieder mal "lesefutter" dagelassen hast....

aber ich saug das so schnell auf, dass ich schon wieder hunger hab....grins...

nöööö, will dich nicht bedrängen....aber ich möchte dir nur gerne immer wieder sagen, wie toll ich deine geschichten und deine art zu schreiben finde!

alles, alles liebe
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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 13. Jan 2013, 12:12 
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ja, liebe le, mir geht es da ähnlich, wie noney...

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Bist du in einem Tempel oder ist ein Tempel in dir ?
Und wenn... ist es ein Tempel oder ein Basar ?
Und... ist Dein Tempel im Garten oder Dein Garten im Tempel ?


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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 13. Jan 2013, 23:43 
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Immer wieder hatte er an ihrem abgeschnittenen Haar gerochen, hatte sich den Geruch immer mehr eingeprägt, bis es ihn vollkommen ausfüllte. Dann erst hatte er die Umgebung mit all seinen Sinnen abgetastet. Aber es war ihm nicht möglich, auch nur eine Spur von ihr mehr auszumachen. Immerhin wusste er durch die Erzählung der Alten aus dem Dorf, dass sie noch am Leben war. Und wieso konnte er seinen Vater nicht wahrnehmen? Er spürte wie sich sein sonst so messerscharfer Verstand in Wohlgefallen auflöste und es schien ihm, als wäre an dessen Stelle nur mehr eine klebrige, unnütze Substanz geblieben. Er knurrte entnervt. Wohin war sie unterwegs? Bislang war er im Zickzack-Kurs ihrer Spur gefolgt, doch nun hatte diese abrupt geendet und er stand vor einem innerlichen Abgrund und wusste nicht weiter. Zwar war ihm aufgefallen, das die Grundtendenz dieses Weges, den sie gegangen war, östlich sein musste, doch er konnte sich nicht wirklich einen Reim darauf machen. Warum war sie gegangen? Wieso hatte sie ihn verlassen? Weshalb hatte er Angst und Verzweiflung wahrgenommen?
Bitter schloss er die Augen und knurrte noch einmal, diesmal lauter. Es war ihm gleich, wer ihn wahrnahm, als seine Kraft und Energie über ihm hochschlug wie das Feuer in einem Hochofen.
Angestrengt versuchte er dann doch sich zu beruhigen. Es war nicht hilfreich, wenn die Wut und Enttäuschung, die Verzweiflung und die unerfüllte Liebe ihn zu einem wirren Wesen werden ließen. Wer konnte ihm jetzt helfen? Wer kannte seine Miko besser, als er selbst? Wer wusste, was im Osten war? Die Erkenntnis traf ihn wie einen Faustschlag in sein Gesicht. Sein Bruder! Dieser hatte Jahrelang mit der hübschen Frau zusammen das Land bereist, hatte sie kennen lernen können. Etwas, wozu ihm keine Zeit vergönnt gewesen war. Er verfluchte sich für seine eigene Dummheit und konzentrierte sich auf seine ihm eigene Ruhe. Er musste mehr Informationen bekommen. Doch der Weg in sein eignes Schloss schien ihm zu lang. Wie gut war sein Bruder wohl, wenn es darum ging, Informationen nur durch die Kraft des Geistes zu übertragen? Er seufzte. Ihm wurde bewusst, dass er auch das nicht wirklich wusste. Und ehe er sich beherrschen konnte, hatte er seine Faust in einem neben ihm stehenden Baum gerammt. Der Schmerz ließ ihn kurz die Augen schließen, ermöglichte es aber, wieder klar denken zu können. Bevor er weiterhin sinnlos hin und her rannte, brauchte er Ruhe. Und einen geschützten Ort. Er musste die Informationen schnell bekommen. Doch gerade für das bevorstehende brauchte er Zeit. Er verzog unbewusst sein Gesicht. Ein Dilemma…. Aber er musste wohl oder übel einen Schritt nach dem anderen gehen.

Ähnliche Gedanken, wenn auch weniger konfus, leiteten den großen Inu no Taisho. Er sah sich nach seiner Begleitung um, die immer noch wortlos etwas hinter ihm herging. Sie waren an diesem Tag weit gekommen und der Fürst hatte zu seiner Zufriedenheit bemerkt, dass die junge Frau ein gewisses Maß an Kondition hatte. Sehr schön. Der Unterricht konnte beginnen. Also musste auch er einen sicheren Ort finden. Einen Ort, der weder von Menschen noch Dämonen aufgesucht werden würde. Ein Ort, an dem sie in Ruhe üben konnten. Sowohl physisch und auch psychisch musste die junge Frau gewappnet sein, wenn sich nicht etwas anderes ergeben sollte, um den in ihr heranwachsenden Schrecken vorher unschädlich zu machen.
Er seufzte. Er war noch nicht lange wieder in dieser Welt. Und nun musste er sie wieder verlassen. Er wusste nicht, ob es später eine Möglichkeit geben würde, dass er noch einmal zu seinen Söhnen konnte. Es war alles so verdreht.
Sein Blick fiel wieder auf die junge Frau, die nun wie ein junger Mann aussah. Er beobachtete ihren Gang, ihre Gesten. Sie gab sich alle Mühe, die Rolle anzunehmen, die sie spielen musste. Ihr Gang war noch immer geschmeidig, aber die Schritte griffen weiter aus, das Becken bewegte sich nicht mehr so. Sie gab sich alle Mühe einen unbeteiligten Gesichtsausdruck zu tragen und der Hundedämon glaubte zu wissen, wer dafür Vorbild gewesen war. Die Kälte in ihren Augen, die nun dort vorherrschte, erinnerte ihn sehr an seinen Ältesten.

Sesshoumaru untersuchte die Höhle, die er gefunden hatte. Verborgen hinter halb verdorrten Büschen und abgestorbenen Bäumen. Trostlos. Kalt. Grau…. Aber für seine Zwecke mehr als ausreichend. Wenn er sich in das Dunkel zurückziehen würde, und keinen Laut von sich geben würde, so schien es ausgeschlossen, dass irgendjemand seine Anwesenheit bemerken würde.
Fast wiederwillig öffnet sich die samtene Schwärze der Trance für den ungewöhnlich unruhigen Lord. Fast wütend stößt er in sie hinab und schickt seinen Geist auf die Reise, hin zu seinem Bruder, in der Hoffnung, dass dieser den fernen Ruf vernimmt und entsprechend handelt.

Die Miko, versunken in ihren eigenen Gedanken, bemerkt, dass der Vater der beiden unterschiedlichen Brüder, die sie beide so sehr schätzt und liebt, stehengeblieben ist. Sie sieht auf, direkt in dessen goldenen Augen in denen sie … Was? Verständnis? Aufmerksamkeit? Was war das, was für einen winzigen Sekundenbruchteil in seinen Augen stand? Sie kann es nicht mehr benennen. Seine Stimme reißt sie aus ihren wirren Gedanken.
„Komm her.“
Seine Stimme klingt ganz so, wie die seines Sohnes…. Und sie denkt nicht an ihren langjährigen Reisegefährten. Sie denkt an dessen Bruder. Sein Bild schiebt sich unaufhaltsam vor ihre Augen und beinahe hätte sie laut geseufzt. Die Zukunft erschien ihr so dunkel und ungewiss, es wollte ihr die Luft zum Atmen rauben. Doch schon verscheucht sie die Gedanken, blickt den hochgewachsenen Mann an und strafft die Schultern. Ja, sie vertraut dem Älteren. Auch wenn sie ihn eigentlich nicht kennt. Aber sie vertraut ihm. Hat er nicht selbst eine Sterbliche geliebt, seinerzeit?
Ihre braunen Augen fixieren das Gold. Sie tritt an ihn heran, lässt sich von seiner Präsenz einhüllen. Spürt seine Arme um ihrer Taille, den festen Griff seiner Hände. Für einen Außenstehenden steht hier ein amouröses Pärchen, dass sich in den Augen des Gegenübers zu verlieren scheint. Doch solche Gefühle verbinden die beiden nicht mit dieser Berührung.
Seine Stärke gibt ihr Halt. Seine Nähe Gewissheit, dass egal, was die Zukunft bereithält, er hinter ihr stehen wird. Ebenso wie ein andere….
Und für diesen Anderen will sie alles geben. Will ihr Leben verteidigen. Denn sie spürt mit jedem Atemzug, wie das Kind, das in ihr entsteht, mit den kleinen Händen gnadenlos an ihrer Seele zerrt.
….

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 14. Jan 2013, 23:40 
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Hey,
btw: Danke schön!
Leider sind mir ein paar Rechtschreibfehler untergekommen, aber naja. Wer sie findet, darf sie gern behalten *zwinker*
Das passiert eben, wenn man nachts so vor sich hinschreibt und die
Tasten nicht mehr erkennt....

LG und Biba!

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 22. Jan 2013, 20:50 
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….
Mit der Intensität eines Orkans wurde der noch vergleichsweise junge HanYou aus seinen Gedanken gerissen. Ein drängendes Gefühl, dass in ihm tobte und schrie, als würde ein wildes Tier an seinen Ketten zerren, erfasste ihn. Er unterbrach die allesamt gut gemeinten Ratschläge seiner Freunde und der Berater, eilte ohne ein weiteres Wort aus dem Besprechungsraum, verringerte seine Geschwindigkeit auch nicht, als er am Ende des Ganges das Fenster in sein Visier nahm. Mit einer Leichtigkeit und Eleganz, die man nur selten von ihm gesehen hatte, sprang er durch das Glas und landete kurz danach in weichem Gras. Er brauchte jetzt absolute Abgeschiedenheit, Ruhe. Und er hatte so eine Ahnung, wo er die finden würde. Jedenfalls nicht hier in dem Palast des Westens, der unter anderem auch angefüllt zu sein schien mit Speichelleckenden Höflingen, die nun um seine Gunst buhlten. Er verstand seinen Bruder immer mehr, dass dieser sich immer wieder auf Wanderungen begeben hatte. Sicherlich war ihm dieses kriecherische Verhalten mancher ebenso zu wieder wie ihm selbst. Und nun nahm er den Ruf des Bruders noch deutlicher wahr, als vorhin. Als noch die Stimmen anderer einen Teil seiner Aufmerksamkeit haben wollten. Hier, in der Ruhe des Waldes war er zumindest vor diesen Stimmen sicher. Er steuerte zielsicher einen See an, den er erst in den letzten Tagen entdeckt hatte. Schnell vergewisserte sich der Silberhaarige, das außer ihm kein Wesen da war, abgesehen von den Tieren des Waldes. Dann erst ließ er es zu, dass sein Geist sich beruhigte, sanft und beinahe liebevoll tauchte er ein in die samtene Schwärze, die er schon so oft heimlich bereist hatte. Der Ruf des Bruders nahm an Intensität zu, schien regelrecht lauter zu werden. Und er folgte ihm, kam ihm entgegen und schickte seinerseits einen Ruf aus, der dem anderen den Weg weisen würde, sich in der Sphäre der Seelen zu orientieren.
Sesshoumaru nahm erleichtert zur Kenntnis, dass der Jüngere seinen Ruf nicht nur vernommen sondern auch beantwortet hatte. Dessen sanft klingende Seelenstimme antwortete, half ihm, sich zu orientieren und auch wenn es ihm nicht schnell genug ging, war er doch innerhalb eines Wimpernschlags bei ihm.
‚Was ist los, Bruder? Weswegen schreist du nach mir? ‘
‚InuYasha… Was ist im Osten, dass Kagome in diese Richtung geht? Was ist es, weswegen sie vor mir flieht? ‘
‚Im Osten, in meinem Wald, ist der Zeitenbaum und der knochenfressende Brunnen. Er ist eher eine Pforte. Auf der anderen Seite ist ihre Zeit, ihre Familie…. ‘
‚Und weiter?‘ Die Ungeduld fraß sich wie Säure in die Worte des Älteren.
‚Früher ging sie, um ihre Familie zu sehen, manchmal auch wenn wir uns gestritten hatten… Oder wenn es nicht anders ging, weil die Situation hier zu gefährlich wurde, ich ihr nicht helfen konnte….‘ InuYasha war nachdenklich. Wenn die Miko tatsächlich wieder in ihre Zeit gehen wollte, dann musste etwas sie sehr erschüttert haben.
‚Ich habe mich nicht mit ihr gestritten, habe sie nicht einmal sehen können! ‘ Der Ältere schien sehr aufgebracht.
‚Sesshoumaru, vielleicht gibt es etwas, was sie nur in ihrer Zeit bekommen kann. Sie war doch lange ohne Bewusstsein… Außerdem kann ihr nichts passieren. Oder? Vater ist bei ihr…‘
‚Ja, ich weiß. Ich habe versucht, ihn zu erreichen, wie dich, aber er antwortet nicht. Wie komme ich zu dem Brunnen? ‘ Der Ältere schaffte es sogar, dem HanYou Bilder zu übermitteln, in welcher Gegend er sich befand.
InuYasha konzentrierte sich nun noch mehr und übermittelte nun ebenfalls Bilder, die den schnellsten Weg zum Brunnen zeigten. Er wusste, mehr konnte er nicht tun. Noch einmal nahm er seine Kraft zusammen und versuchte dem Älteren etwas Zuversicht zu übertragen. Diese Art des Austausches zehrte langsam an ihm.
Ein leises Danke kam zurück, die Verbindung wurde gekappt und der Geist des HanYou zurück in dessen Körper katapultiert.
Wie gerne würde er seinem Bruder beistehen, ihm mehr helfen. Aber er wusste ebenso gut, dass er hier gebraucht wurde. Dass er das Reich weiterführen musste, um es dem Bruder wieder übergeben zu können, wenn der Zeitpunkt da war. Seufzend erhob er sich leicht schwankend. Er hatte zu viel seiner geistigen Kraft verbraucht. Heute war nicht mehr an Besprechungen und Beratungen zu denken, dass wusste er. Und ebenso wenig hatte er Lust, sich den Fragen der Freunde zu stellen. Also ging er weiter auf den See zu. Ohne sich die Mühe zu machen, sich zu entkleiden, stieg er in das Nass und tauchte alsbald unter.
In der Höhle, weit entfernt, „erwachte“ auch der Lord des Westens und seine goldenen Augen sahen stur geradeaus, als wollte er die Wand mit seinen Blicken durchbohren. Was gab es in ihrer Zeit, dass sie hier nicht bekommen konnte? Wieso hatte sie Angst? Das drängende Gefühl in seinem Inneren, dass ihn dazu anhielt, ihr schnell wieder zu folgen, ihr beizustehen, liess ihn aus der Höhle schreiten, im Freien an Geschwindigkeit zunehmen und immer weiter Richtung Brunnen rasen. Die Welt zerfloss um ihn herum zu undeutlichen Schemen. Er holte aus seinem Körper alle Kraftreserven heraus. Er musste zu ihr! Alles was zählte, war sie!

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 23. Jan 2013, 09:37 
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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 24. Jan 2013, 23:38 
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Alles schmerzte… Jeder Muskel, von denen sie die wenigsten jemals gespürt hatte, schrie geradezu… Es raubte den Atem, ihr Herz schien aus dem Takt gekommen zu sein.
Sie hatte gewusst, dass es hart werden würde. Hatte gewusst, dass ihr Gegenüber nicht zimperlich mit ihr umgehen würde. Aber nichts, absolut gar nichts hatte sie auf eine solche Tortur vorbereitet.
Immer wieder griff er an, immer wieder zeigte er ihr ihre Schwachpunkte. Ohne Gnade, ohne Erbarmen und ohne Rücksicht. Ihre Aufgabe war simpel: Sie sollte ihn abwehren. Aber ganz gleich, was sie tat, er schaffte es jedes Mal sie zu Fall zu bringen. Wie auch jetzt gerade geschehen. Sie lag wieder im Dreck.
Es beschämte sie. Das sie ihm keine Paroli geben konnte, dass er sie immer wieder eiskalt erwischte. Auch wenn sie sehniger und zäher geworden war, auch wenn sie gewandter wurde und nun schon sehr schnell reagieren konnte, er war schneller. Stärker. Unnachgiebig wie Felsen.
Wie oft war sie innerlich am Verzweifeln. Wie oft hatte sie sich gefragt, ob sie den ganzen Aufwand überhaupt wert war. Und dann hatte er sie immer wieder wissend aus goldenen Augen angesehen. Und immer wieder daran erinnert, dass sie diese Tortur nicht nur für sich selbst durchlitt, sondern auch, um am Leben zu bleiben für seinen Sohn.
Und eben diese goldenen Augen beobachteten die Frau nun wieder einmal. Sie hatte zwar das Äußere eines jungen Kriegers angenommen und ja, sie hatte schnell Fortschritte gemacht. Sie erwies sich als erstaunlich gelehrig. Dennoch. Es würde nicht ausreichen.
„Gibst du schon auf?“ Seine betont kalte und teilnahmslose Stimme peitschte an ihre Ohren.
Sie schluckte.
Keine Antwort. Weshalb auch? Er wusste es doch schon.
Nach Außen gab sie die ruhige und beherrschte Frau, doch ihr Innerstes war aufgewühlt. Weswegen kämpfte sie noch? Warum ließ sie sich nicht einfach fallen? Fallen in die Dunkelheit, die sie immer mehr in sich verspürte.
Unwillkürlich zuckte sie mit den Schultern. Weil sie es nicht erlauben durfte…. Sagte wer noch mal?
In ihren Augen sah der Fürst immer wieder die drohende Leere, die immer mehr von ihr Besitz ergreifen wollte. Wenn sie dem nachgab, wäre sie nur noch eine seelenlose Hülle, dazu Verdammt, dieses unnatürliche Leben in sich auszutragen und dann zu sterben. Er musste ihren Kampfgeist wecken, ihr Vertrauen in das Gute wieder erwecken. Doch er hatte nicht den Hauch einer Ahnung, wie er das tun sollte. Er war überzeugt, dass nur sie das selbst tun konnte. Doch anscheinend fehlte ihr inzwischen ein Anstoß?
Langsam kam er der jungen Frau näher, die noch immer am Boden lag, den Blick zum Himmel gerichtet, der hier in einem unnatürlichen Rot erstrahlte. Ihre Brust hob und senkte sich noch immer schnell. Er hatte sie ziemlich gefordert, hatte nicht gezögert, deine dämonische Kraft einzusetzen, um sie noch mehr zu fordern.
Sie spürte, wie sich ein warmer Körper neben sie setzte. Spürte eine warme Hand auf ihrer schweißnassen Stirn, die das Haar fortschob. Spürte, wie starke Arme sie aufrichteten. Wie eine Hand ihr Kinn fasste und in eine Richtung zog. Bis sie wieder in die goldenen Iriden sah. Golden und seltsam warm, mitfühlend fast war der Blick, dem sie begegnete.
„Sag mir, weswegen wir das hier machen.“ Ihre Stimme so leise, dass ein Mensch sie nicht gehört hätte. Aber er sehr wohl.
„Damit du dich wehren kannst, wenn der Tag kommt.“ Seine Stimme, leise und doch bestimmt.
Mit jedem Tag, den er mit ihr verbracht hatte, hatte er immer mehr verstehen können, wieso sich sein Sohn zu dieser Frau hingezogen fühlte. Ja, er verstand ihn sogar sehr gut. Und schon längst war ihm klar, dass das, was er selbst an sich beobachtet hatte, nicht gut war. Nicht gut sein konnte. Doch auch er war ein Dämon, getrieben bisweilen von nichts als seinen Instinkten, auch wenn er diese immer gut unter Kontrolle hatte. Aber es gab eben auch Situationen, in denen er die Kontrolle fast verlor.
Und ihre Hilflosigkeit, die er nun verspürte, machte es ihm nicht leichter. Stillschweigend nahm er die kleine Frau in seine Arme und hielt sie einfach fest. Nur festhalten, nichts weiter. Kraft und Halt geben, nichts weiter. Seine Gedanken…. Und doch schien es, als würde sein Inneres Tier ihn verhöhnen. Vor seinen Augen wandelte sie sich, er sah seine längst verstorbene Liebe. Auch sie war menschlich gewesen. Sanft, schwach. Und doch….
Unwillig schüttelte er den Kopf. Nein! Das hier war Kagome, die Frau für die sein Sohn so viel schon auf sich genommen hatte. Hart stellte er sie auf die eigenen Füße, trat zurück und wieder war die Kälte in seinem Blick. „Weiter!“
Sein Befehl ließ sie zusammen fahren. Dann straffte sie ihre Schultern und ging in Abwehrhaltung. Fest fixierte ihn ihr Blick, die dunkeln Augen brannten sich in seine und versuchten in ihnen zu lesen, was er als Nächstes machen würde.
Und wieder begann ihr Kampf. Und ungefragt auch sein eigner. Gegen sich selbst und gegen seine Instinkte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 27. Jan 2013, 16:35 
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Unbarmherzig schienen die Strahlen der Sonne auf den abgekämpft wirkenden Fremden. Wie er da am Rand der Lichtung stand und mit starrem Blick den unscheinbaren Brunnen fixierte. Seine ehemals so selbstsichere Erscheinung schien verflogen. Derjenige, der hier stand, erschien eher wie ein gebrochener Mann, der in seinem Leben zu viele Kämpfe bestritten hatte. Und anscheinend waren die letzten für ihn nicht zum Guten ausgegangen. Den Eindruck hatte zumindest die andere Person, die in den Schatten der Bäume stand. Lange hatte sie den großen Mann gemustert, das unnatürliche silberne Haar bemerkt. Die Ebenmäßigkeit seiner Züge bewundert und die Verzweiflung in ihnen gesehen.
Was auch immer dieser Mann gesehen hatte, es war zu viel geworden.
Mitleid überschwemmte die Gefühlswelt der heimlichen Beobachterin. Mitleid mit einem Dämon! Wie dumm sie doch war, schalt sie sich im Inneren. Und doch. Alles in ihr Schrie danach, dem schweigsamen Mann zu helfen.
Er hatte sie nicht bemerkt, und wenn doch, so ließ er sie dennoch näher kommen. Zaghaft setzte die Frau einen Fuß vor den anderen. Bis sie schließlich fast vor ihm stand. Und dennoch ging sein Blick durch sie hindurch, war immer noch auf den Brunnen gerichtet. Aber der war doch ausgetrocknet. Weswegen fixierte er ihn mit seinen goldenen Augen? Die Frau wusste es nicht. Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen, verbeugte sich und sprach den Mann an, der ihr Mitleid ohne Worte geweckt hatte.
„Herr,“ eine sanfte Stimme, weiblich, drang an seine Ohren. Noch immer wollte er den Blick nicht von der hölzernen Konstruktion nehmen, aber er nahm sich zusammen und kalt musterte er die Menschenfrau vor sich, die sich noch immer verneigt hielt.
Als sie sicher war, seine Aufmerksamkeit zu haben, sprach sie erst weiter.
„Herr, verzeiht, dass ich Euch störe. Kann ich Euch helfen? Was möchtet Ihr hier?“ Im selben Augenblick bereute sie ihre Worte auch schon, als sie seine kalte Hand an ihrer Schulter spürte, die sie in eine aufrechte Position zwang, so dass sie nun in die Augen und das Antlitz des anderen sehen musste.
„Was geht es dich an?“
Seine Stimme, ein Peitschenhieb nicht unähnlich.
„Herr….“
Er sah auf die Menschenfrau und nahm sie nun mit all seinen Sinnen wahr. Eine weitere erbärmliche Existenz in dieser kriegerischen Zeit. Auch wenn sie nach den Maßstäben der Menschen sicher reizvoll schien, er sah es nicht. Seine Gedanken waren noch immer bei seiner Liebe, die er nicht erreichen konnte. Ihr Geruch war nicht hier, nirgends in dieser Gegend. Wieder versuchte er sich auf die Person vor sich zu konzentrieren.
„Ist hier eine Frau durchgekommen? Eine Fremde?“
Die Frau schüttelte verwirrt den Kopf.
„Nein, Ihr seid der erste Fremde seit langem hier….“
Ein Nicken seine Antwort.
Wieder starrte er auf den Brunnen, als könne er ihn zum Reden bringen, wenn er ihn nur weiter anstarrte.
„Herr, kann ich Euch etwas bringen? Benötigt Ihr irgendetwas?“
Die fast schwarzen Augen schienen nun keine Furcht mehr zu haben ihn anzusehen. Und in ihren Worten hörte er das Mitleid. Wieso hatte die Frau Mitleid? War er denn nicht mehr Angsteinflößend genug? Sah sie sein Leid etwa?
Ein unwillkürliches Kopfschütteln. Nein, er brauchte sich nicht mehr zu verstellen. Es war egal. Er hatte sie verloren, wieder einmal. Wenigstens schien seine Liebe noch am Leben zu sein…. So hoffte er zumindest. Und er wollte warten. Warten, bis sie hierher kommen würde. Denn hier war ja ihr Durchgang in ihre Zeit, oder nicht?
Ruhig sah er die Frau vor sich an. Dann, als sie schon nicht mehr mit einer Antwort rechnete, drang seine Stimme zu ihr.
„Du kannst mir nicht helfen, kannst mir nicht bringen, was ich brauche. Du solltest Furcht haben vor einem Dämon, wenn er vor dir steht. Wieso hast du keine Furcht?“
Sie schluckte. Er gab zu, ein Dämon zu sein? Welch seltsames Verhalten für jemanden seiner Rasse…
„Herr, kommt mit mir. Ihr scheint der Ruhe zu bedürfen. Ich werde kochen und Ohr könnt Euch stärken. Dann könnt Ihr weiter suchen. Erlaubt mir, dass ich Euch diesen Dienst erweise.“
Der großgewachsene Mann ließ keine Regung erkennen. Schwieg wieder.
Als sie schon dachte, der seltsame Dämon würde gar nicht mehr reden wollen, drang seine Stimme leise zu ihr.
„Ich werde nicht mit dir gehen. Tu, was immer du willst, aber ich werde hier bleiben. Wenn du andere Menschen siehst, sage ihnen, dass ich hier bin. Das mich niemand stören soll. Ich werde nicht zögern, Eindringlinge zu töten. Ich will niemanden an diesem Ort sehen. Weder Mensch noch Dämon wird diese Lichtung betreten.“
Starr sah er die Frau an. Seine Haltung erschien mit einem Schlag ungemein bedrohlich. Doch der Griff nach ihr war sanft, als wolle er ihr nicht wehtun, was sie verwirrte.
„Wenn du wiederkehren solltest, so komme allein. Ich werde deinen Geruch erkennen. Täusche mich und ich werde dich töten.“
Und sie wusste, er meinte jedes Wort, wie er es sagte.
Schnell nickte sie, als Zeichen dass sie verstanden hatte.
„Aber Herr, wo wollt Ihr schlafen? Unter dem freien Himmel?“
Der Fremde zog eine Augenbraue hoch.
„Dies sind meine Angelegenheiten. Machst du dir tatsächlich Sorgen um einen Dämon, törichte Frau?“
Und damit wand der Fremde sich um, innerhalb weniger Augenblicke war er mit den Schatten der Bäume verschmolzen, verschwunden und ließ eine unsichere junge Frau zurück, die sich fragte, ob sie wirklich so töricht war, einem Dämon Mitleid entgegen zu bringen.
Sesshoumaru war sich so sicher gewesen, hier an dem Zeitenverbindenden Brunnen auf Kagome zu stoßen. Doch nirgends hatte er ihre Witterung wahrnehmen können. Weder ihre noch die seines Vaters. Verzweiflung wollte ihn übermannen doch noch hielt er sich aufrecht. Dass diese Frau ihn angesprochen hatte, verwirrte ihn umso mehr. Hatten die Menschen in dieser Gegend alle keine Angst vor Dämonen? Waren sie an deren Anwesenheit so gewöhnt? Hing dass mit seinem jüngeren Bruder zusammen? Hatte sich dieser in seiner Jugend und seinem Leichtsinn sooft den Menschen gezeigt?
Eigentlich konnte ihm das egal sein. Aber er hatte wenig Interesse daran, hier jemanden zu töten, nur weil dieser zu Neugierig war, oder gar zu dreist. Sesshoumaru hatte in seinem Leben unter den Menschen einige zu schätzen gelernt, auch als er seine Firmen gründete. Hatte ihren Einfallsreichtum kennen gelernt, ihre Anpassungsfähigkeit. Aber hier und jetzt hatte er keinerlei Bedürfnis, sich mit diesen Menschen näher als Nötig auseinander zu setzten. Alles was wirklich zählte, alles was seine Gedanken beherrschte, war Kagome. Sie war die einzige Ausnahme unter den Menschen, der sein uneingeschränktes Interesse galt. Sie konnte und wollte er nicht verlieren. Und doch hatte er das Gefühl, als sei sie ihm schon wieder entglitten. Der Schmerz, der sich in ihm ausbreitete, nahm ihm die Luft zum Atmen, ließ ihn zu Boden sinken. Nässe auf seinem Gesicht, Tränen. Er der so lange nicht geweint hatte, konnte seine Gefühle nicht mehr beherrschen. Sein Schrei ließ alle Tiere verstummen und jeder, der ihn hörte, erschauderte, kündete der unbekannte Laut doch von einem Schmerz, den niemand ja erfahren wollte.
Auch die junge Frau hörte den Schrei. Und entgegen all seiner Worte, drehte sie um, ohne zu denken, rannte in die Richtung, aus der der Schrei kam. Der Fremde brauchte Hilfe! Alles was für sie zählte, war, dem Dämon zu helfen, ob er wollte oder nicht. Einen solchen Schmerz sollte niemand spüren.
….

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 27. Jan 2013, 16:59 
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Und... ist Dein Tempel im Garten oder Dein Garten im Tempel ?


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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 27. Jan 2013, 17:32 
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Kann gar nicht aufhören zu lesen, ist in der Tat unheimlich spannend. smilies/smilie-gross_312.gif


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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 29. Jan 2013, 15:46 
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Danke euch!
Geht auch schon weiter....

….
Keine Zeit, um mit dem Schicksal zu hadern! Keine Zeit, um sich selbst zu bemitleiden! Keine Zeit um zu denken! Immer wieder parierte ihr Körper die Schläge des anderen beinahe automatisch, jegliches Gefühl schien verstummt zu sein. Außer ihren Muskeln und dem gelegentlichen Zittern ihrer Beine nahm sie nichts mehr wahr. Immer härter prasselten seine Schläge und Tritte auf sie ein und immer härter stellte sie sich dem entgegen.
Ob er es wollte oder nicht: Er musste dieser zierlichen Frau, nein, dieser Kriegerin Respekt zollen. Sie hatte sich gewandelt. Und auch wenn sie noch lange nicht am Ziel ihrer Entwicklung war, so wusste er doch auch, dass sie den Rest sicher schaffen würde. Er hatte sie alles gelehrt, was für ihr Überleben wichtig wäre.
Die Kämpfer sprangen wie auf ein verabredetes Zeichen hin auseinander. Schnell ging der Atem bei beiden, füllte die schmerzenden Lungen mit dem dringend benötigten Sauerstoff. Ja, sie war fertig. Endlich! Schon sah man den leichten Bauch der jungen Frau, in dem ein Ungeheuer sondergleichen heranwuchs.
Still verneigten sie sich voreinander. In ihren Augen sah er eine Kälte, die zuvor dort niemals zu finden gewesen war. Ja. Er hatte sie ausgebildet. Nach den Standards eines Youkai. Doch zu welchem Preis? Hatte sie nun ihre Menschlichkeit verloren? Er wusste es nicht. Schon lange konnte er nicht mehr in ihr lesen, wie zu Anfang. Als sie die Waffen elegant wieder verstaute, letztendlich sich von ihm abwandte, um wie sonst auch ihre Wunden zu versorgen, spürte er einen bitteren Geschmack auf der Zunge. Sie würde nun gehen. Es war soweit, sie ziehen zu lassen. Alles was er getan hatte, war dazu da, sie weiter zu bringen. Alles, was er konnte, hatte er ihr beigebracht. Ja, sie war ein Mensch. Aber nun hatte sie das Rüstzeug seiner Rasse von ihm erlernt. Sie würde ihn nicht mehr benötigen. Es war an der Zeit, Abschied zu nehmen. Denn er konnte im Gegensatz zu ihr, diesen Ort nicht mehr verlassen. Im Grunde genommen hätte er nie zurück zu den Lebenden gehen können. Nur die Bitte, der Ruf seines Sohnes war dazu in der Lage gewesen, die Fesseln des Todes kurzfristig abzustreifen. Und nun…. War es an der Zeit, los zu lassen. Er wusste das. Warum nur fiel es ihm dann so schwer?
Wieder glitten seine goldenen Augen zu der Frau, die doch so viel mehr geworden war, als nur die Auserwählte seines Sohnes. Und er kam nicht umhin, sich selbst einzugestehen, dass sie auch ihn in ihren Bann gezogen hatte.
Ohne das sie sich dessen bewusst war. Ohne das sie es forciert hätte. Er wusste das. Es war ihm klar, dass es nur seine eigenen Wünsche waren. Sie zu halten, bei sich selbst zu behalten. Innerlich schlug er sich wegen dieser vermessenen Wünsche, die so fehl am Platze waren, wie die Ausgeburt der Hölle, die sie in sich trug.
Als sie zu ihm blickte, schien es ihm, als würde die Zeit endgültig still stehen. Und sie… schien verwundert, legte fragend den Kopf schief, doch er konnte nicht sprechen. Seine Stimme versagte. Und hätte er es gekonnt, hätte er sie aufgehalten.
So schüttelte er den Kopf, wandte sich ab und setze sich wieder einmal, wie so oft in den letzten Tagen, auf die Knochen eines anderen Youkai. Denn hier, auf dem Friedhof der Dämonen, dem einzigen Ort, an dem die Zeit anders verging, als in der Welt der Sterblichen, nur hier hatten sie beide die Zuflucht gefunden, die sie vor allem so dringend gebraucht hatte.
Und ihm war klar gewesen, dass, wenn er hierher kam, hier bleiben musste. Abgeschnitten von der Welt der Lebenden. Ein Gefangener des Todes selbst. Seine Aufgabe war vollendet.
Er nahm nicht war, dass seine Schülerin sich neben ihn gesetzt hatte. Nahm nicht wahr, wie sie ihn beobachtete. Gefangen in seinen Gedanken nahm er nichts mehr um sich herum wahr, als ihm endlich bewusst wurde, was sie für ihn war, was sie ihm geschenkt hatte. Vertrauen, Akzeptanz. Und was er für sie empfand. Erst als er ihre Hand auf seinem Arm spürte, kehrte er aus seinen finsteren Gedanken zurück.
„Du bist nun fertig. Ich habe dich alles gelehrt, was du brauchst. Das Tor wird sich bald wieder für dich öffnen. Was dann geschieht, liegt allein bei dir.“ Seine Stimme, rauer als sonst, ließ ihr eine Gänsehaut zurück.
Er sah die Frage in ihren Augen. Und ehe sie diese stellte, antwortete er schon.
„Ich werde hier bleiben.“
Schweigen folgte. Es war keineswegs angenehm.
Noch immer musterte sie ihn. Er spürte ihre Blicke wie Feuer. Doch wenn er sie jetzt ansehen würde…. Wenn er sie jetzt berühren würde… Er würde sie nie mehr gehen lassen können. Dessen war er sich sicher. Also schwieg er. Und hoffte, dass sie einfach gehen würde.
Doch sie tat nichts dergleichen. Sie ging nicht. Blieb sitzen. Schien in ihren eigenen Gedanken gefangen zu sein. Und so schwieg auch er. Beide wussten, es war an der Zeit, Abschied zu nehmen. Und doch, auch sie konnte sich nicht rühren. Irgendetwas hatte sich verändert. War er zu Beginn immer ihr Lehrer gewesen, hatte sich da etwas entwickelt, was so nicht sein konnte. Sie bewunderte den DaiYoukai neben sich im geheimen. Immer war er so beherrscht. So selbstsicher. Fordernd. Kraftvoll. Sie wusste nun woher sein Sohn die Eleganz herhatte. Und die Beherrschtheit.
Er rührte sich noch immer nicht. Also beließ sie es dabei. Strich ihm noch einmal über die Hand, dankte ihm stumm. Denn sie wusste, ihre Stimme würde kläglich versagen, wenn sie ihm jetzt „Lebe wohl“ sagen würde.
Leise wie ein Windhauch ging sie. Mit nichts weiter bei sich, als den Dingen, die sie am Leibe trug. Kein unnötiges Gepäck.
Sie wandte sich nicht um. Und er war froh darüber. Er hätte sonst seine Tränen nicht erklären können. Er verdammte sich selbst dafür. Und er war sich sicher, dass er nichts besseres, als die Einsamkeit dieses unwirklichen Ortes verdient hatte. Denn er hatte sich verliebt. In diejenige, für die sein eigener Sohn ebenso empfand. Innerlich schollt er sich einen alten Narren. Und doch: er konnte seine eigenen Gefühle nicht kontrollieren. Er fühlte sich wie ein Verräter an seinem eigen Fleisch und Blut.
….

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 30. Jan 2013, 14:50 
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Wie hier zum Beispiel...freue mich auf Fortsetzung

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unicorn


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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 31. Jan 2013, 15:32 
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Deine Videos kann man spüren,hören,sehen..in jedem Wort..deiner
Worte..die lebendig werden,in einer wunderbaren Wortmelodie...

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013, 00:29 
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Immer weiter liefen die Tränen, salzige Spuren zeichnend auf ein ebenmäßiges Gesicht, in dem nun so viel Schmerz geschrieben stand. Sein Blick, zum Himmel gerichtet und dennoch war er nicht in der Lage zu sehen. Wann hatte er das letzte Mal wirklich geweint? Es muss in einem anderen Leben gewesen sein.
Lautlos sackte er weiter in sich zusammen. So lange… so lange hatte er gebraucht, so lange gewartet, so viel gegeben um sie wieder zu sehen, um endlich ihr sagen zu können, was sein Herz für sie empfand. Und dann… war sie wieder fort. Weg. Unauffindbar.
Die Leere in ihm schien ihn zu erdrücken. Und eine leise Stimme in ihm warnte ihn, dass er an der Schwelle stand, des Wahnsinns fette Beute zu werden. Er war angreifbar! Verdammt! Verletzlich! Jeder konnte ihn nun töten! Er musste sich zusammen reißen. Es musste noch einen Weg geben, sie wieder zu finden. Ihm musste doch noch etwas einfallen!
Eine fremde Präsenz näherte sich ihm, er konnte es trotz seines desolaten Zustandes fühlen. Und seine Instinkte übernahmen die Kontrolle. Schneller als ein Wimpernschlag hatte er sich zu seiner vollen Größe wieder aufgerichtet, sich umgedreht, demjenigen entgegen, der ungefragt in seine Privatsphäre eingedrungen war. Niemandem verzieh er dieses respektlose Verhalten! Schon gar nicht jetzt. Erst recht nicht jetzt, wo er so verletzlich gewesen war. Sein Knurren hallte durch den Wald, sein Blick dunstig Rot verschleiert, seine Nase und seine anderen Sinne übernahmen die Führung. Und er reagierte nur noch. Packte das Wesen einfach, drückte mit einer Hand dessen Kehle zusammen, vernahm das röchelnde Luftholen. Doch noch hatte er sich im Griff. Er wollte nicht töten.
„Was willst du?“ Seine Stimme schien aus unergründlichen Tiefen zu kommen, direkt aus der Unterwelt, seine ganze Erscheinung ließen ihn wirken wie einen Gesandten des Todes. Rote Augen, die Pupillen klein, die Lippen beinahe blutleer, die blasse Farbe der doch so weichen Haut, das silberne Haar, in dem sich die Sterne selbst zu spiegeln schienen, auch wenn noch Tag war. Hochgewachsen, Muskeln, die sich auch durch den Seidenstoff der Kleidung erahnen ließen und die Aura von Kraft, Gewalt, und etwas, was so gar nicht dazu zu passen schien: Trauer….
Sein Blick klarte langsam etwas auf, das Wesen hing immer noch in seinem Griff. Er erkannte, dass es die fremde Frau war, die ihn doch erst angesprochen hatte. Doch er ließ nicht wirklich locker.
„Ich habe dich gewarnt, Frau. Was willst du jetzt noch von mir?“
„Verzeiht….“ Brachte sich mühsam hervor.
„Ich… hörte einen Schrei. .. Musste wissen, ob es Euch gut geht…“
Schweigen, welches dennoch lauter schien als ein Donnerhall.
Die Luft schien immer weiter abzukühlen. Doch nur um dann an Hitze zu gewinnen. Die Hitze des Zorns!
Sie spürte es an seinem Griff, auch wenn er lockerer wurde. Sie sah, dass er sich überwinden musste, sie nicht gleich zu töten. Dass sie noch eine Chance bekam, mit dem Leben davon zu kommen. Und doch… Ein Blick in dieses Gesicht, auf diesen Dämon… Sie wusste, sie würde nicht gehen können. Innerhalb weniger Augenblicke war sie seine Sklavin geworden, ohne dass er es wollte, ohne dass sie es verhindern konnte. Egal, was er befehlen würde, sie würde es tun…
„Ich brauche dich nicht, Frau. Du verschwendest meine Zeit, und spiest mit deinem Leben. Ich brauche deine Sorge nicht. Geh zurück zu deinesgleichen!“ Er brachte die Worte leise, fast heiser hervor, lockerte den Griff weiter, bis die Frau wie ein nasser Sack zu Boden ging. Doch sie sah ihn an. Und hatte keinerlei Anzeichen von Furcht an sich. Himmel. Was war nur los mit dieser Frau?
„Geh!“
Seine Haltung, sein Tonfall, alles an ihm schien ihr entgegen zu brüllen, sie verscheuchen zu wollen, fast als sei sie ein lästiges Insekt, unterstrich er seine Aufforderung mit einer lässigen Handbewegung.
Doch noch immer rührte sie sich nicht. Unhörbar seufzte er auf. Versuchte seine Instinkte unter Kontrolle zu bringen, den Drang, etwas zu zerreißen war schon so lange nicht mehr aufgetreten. Doch irgendetwas an der Frau ließ ihn diesen Drang wieder spüren. Ihre unterwürfige Art vielleicht?
„Herr….“ Sie wollte etwas sagen, doch er sah sie nur an, und sie verstummte. Zittrig raffte sie sich auf. Als es schien, dass ihre Beine sie wieder tragen würden, wandte er sich ab und wollte gehen, weg von der Frau, bevor sie ihn mit ihrer Art zu etwas verleitete, was weder in seinem, noch in ihrem, schon gar nicht in ihrem, Interesse stand… Er brauchte Abstand. Musste seine Gedanken wieder zusammen bekommen. Logisch denken.
Doch sie war noch immer da, hatte sich nicht bewegt…
„Worauf wartetest du noch Frau? Spielst du gern mit deinem Leben? Geh! Jetzt!“
„Herr, verzeiht, ich kann nicht…“ fast tonlos erschien ihm ihre Stimme.
Es regte ihn noch mehr auf.
Das Tier in ihm brüllte und zerrte an den Ketten, die es noch hielten, die ihm nur sein eigener Verstand angelegt hatte. Noch hielten sie. Aber auch wenn er wusste, dass die Frau nichts Schlechtes wollte, sie regte ihn auf, hob mit ihrer Art seine eigenen Unzulänglichkeiten hervor.
Wieder entfloh ihm ein Knurren. Er warf den Kopf in den Nacken. Innerlich verzweifelte er fast. Er konnte gegen zahlreiche Gegner kämpfen, Firmen hatte er gleitet in der Zukunft, hatte so viel erreicht und sich vielen Gefahren gestellt, immer überlegend und berechnend, Doch die Art dieser Menschenfrau, die mit ihrer nachgiebigen Art ihm bewusst machte, was er nicht hatte, nämlich die Aussicht seine Liebe zu finden, ihr beizustehen, machte ihn fast verrückt.
„Frau, geh oder ich töte dich!“
Er sagte es ihr, einfach so. Sie stand da, wie vom Donner gerührt. Mit großen Augen sah sie ihn an, und schließlich bewegte sie sich. Aber nicht von ihm weg, sondern auf ihn zu! Ja war die Frau denn völlig Wahnsinnig?
Doch nun handelte sie aus ihren Instinkten heraus. Denn sie konnte nicht gehen. Alles hätte er sagen können, alles auftragen können, doch sie spürte es in sich: Sie konnte nicht gehen. Er brauchte sie. Dessen war sie sich sicher. Denn sie spürte mehr als alles andere, dass seine Seele litt. Sie wollte helfen, auch wenn er sie bedrohte. Und doch: Die glaubte nicht, dass er sie töten würde. Verletzten vielleicht, aber nicht töten. Sie musste diesem Engel der Gefallenen helfen. Denn so sah sie ihn.
Und so ging sie behutsam noch näher. Streckte langsam eine Hand nach ihm aus. Und er knurrte wieder, diesmal weit bedrohlicher als zuvor.
„Mach dich nicht zur Beute…“ warnte er. Doch sie hörte nicht auf ihn. Kam nur immer näher.
Mühsam versuchte er sein inneres Tier zu halten, es nicht los zu lassen. Doch er wusste, auf lange Sicht konnte das nicht gut gehen. Doch auch er konnte sich nicht allzu weit von dem Brunnen entfernen, zu groß war die Möglichkeit, dann sie zu verpassen… Und hierbleiben konnte er auch nicht. Dann würde er die Frau irgendwann verletzten. Oh, warum ging sie nicht einfach?
Immer näher kam sie, mit kleinen Schritten und schließlich berührte sie seine Hand, die Hand, die sie eben noch gewürgt hatte, die ihr eben noch fast das Leben genommen hatte und die nun unmerklich zitterte. Sanft berührte die Frau ihn nun am Arm, kam noch näher und als er sich fast nicht mehr beherrschen konnte, nahm sie ihn in ihre Arme. Sein Zittern wurde stärker, seine Hände schlossen sich um ihre Arme, seine Klauen bohrten sich schmerzhaft in ihr Fleisch, doch kein Laut kam über ihre blass gewordenen Lippen. Er spürte, dass sie ihm über den Rücken strich, federleicht. Und der Damm in ihm brach erneut, doch diesmal flossen keine Tränen….

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013, 13:54 
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so berührt
von deiner Geschichte
liebe Le
kann ich es wie immer
gar nicht erwarten
bis du wieder weiterschreibst
gebannt lese ich jede Zeile
fast schon halte ich die Luft an
geht sich zum Glück immer aus
um dann wieder rechtzeitig zu atmen
puuuuuhhhhh

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bitte wieder bald weiterschreiben
danke alles Liebe noney

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Liebe lebt, weil sie liebt. Die Liebe lebt, weil sie gibt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013, 14:04 
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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 7. Mai 2013, 23:04 
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Rot….Rot war alles was er sah. Wärme, die langsam der Kälte wich. Kälte die aus den Tiefen seiner Seele empor zu steigen schien. Sein Blick klarte zunehmend wieder auf. Und er erkannte…. Das Grauen in den weit aufgerissenen Augen der Menschenfrau, die ihn nur anstarrte und sich vergeblich bemühte, die klaffende Wunde an ihrem Bauch zuzuhalten. Das Blut tränkte ihre Kleidung, der metallische Geruch stach ihm in die Nase und ließ seine immer noch unter der Oberfläche seines Seins brodelnden Instinkte geradezu kochen.
Er hatte es getan! Er hatte diese Frau verletzt, womöglich sogar tödlich! An seinen Händen klebte ihr Blut. Ebenso wie an seinem Haori. Selbst in seinen Haaren klebte Blut. Was hatte er nur getan? Ausgerechnet er hatte so dermaßen die Kontrolle verloren….
Die Frau sackte zusammen, kniete nun vor ihm, ihr Blick immer noch auf ihn gerichtet, noch immer floss Blut aus ihrer Wunde. Wie hatte das nur geschehen können?
Er sah auf sie herab. Sah den Schrecken, den Schmerz, die nackte Angst. Grob nahm er ihre Hände in seine, zerrte sie von der Wunde. Und er erkannte durch seine Erfahrung, dass sie nicht überleben würde. Er hatte sie zum Tode verurteilt, weil er nicht imstande gewesen war, sich zu beherrschen. Auch wenn er sie gewarnt hatte. An seinen Klauen klebte nun ihr Blut. Das Blut einer Unschuldigen, die in seinen Augen irregeleitet ihm hatte helfen wollen.
Und ihm blieb nur noch eines. Er konnte sie leiden lassen und langsam verblutend ihrem Schicksal überlassen oder aber ihr den letzten Respekt, die letzte Hilfe zuteilwerden lassen, die er ihr jetzt noch geben konnte…. Er ließ ihre Hände los, die sie sich gleich wieder auf ihre Wunde presste. Noch einmal sah er ihr in die Augen. Strich beinahe zärtlich über ihr Gesicht, beinahe sanft fasste er in ihr Haar. Dann beugte er sich zu ihr hinunter.
„Es tut mir Leid….“ Seine Stimme, seine Lippen ganz nah an ihrem Ohr, ließen sie erschauern.
Dann ein Ruck und ihr Leib erschlaffte vor ihm, fiel zu Boden und in einer anmutigen Haltung blieb sie liegen und rührte sich nicht mehr. Er hatte ihr den schnellen und vergleichsweise gnädigen Tod gegeben. Nachdenklich sah er auf sie, dann schloss er ihre Augen, die noch immer offen waren.
„Es tut mir Leid….“ Seine Worte verklangen in der nächtlichen Stille des Waldes.
Und da nahm er es wahr, das sanfte pulsieren seines Katanas. Tensaiga! Er konnte die Dämonen des Todes beobachten, wie sie nach der Seele der Frau greifen wollten. Und ohne weiter darüber nachzudenken, führte er es gegen die finsteren Gestalten, die sich um den Leichnam drängten. Nun da er endlich wusste, wie er es handhaben musste und konnte. Nun holte er sie zurück. Zurück in das Leben.
Er setzte sich neben die Frau, deren Atem er nun wieder vernehmen konnte.
Schließlich öffnete sie die Augen wieder, schien irritiert zu sein, versuchte sich zu orientieren, erinnerte sich und versteifte sich augenblicklich, als sie ihn neben sich wahrnahm. Seine goldenen Augen sahen kalt auf ihre Gestalt. Sein Blick fixierte ihren eigenen. Und seine Stimme war wieder kalt.
„Ich habe dich vom Tod zurückgeholt. Du wirst jetzt gehen, Frau und niemals einem anderen hiervon erzählen. Und noch etwas: Wenn man dich auffordert zu gehen, wirst du es ohne zu Zögern tun. Vor allem komm mir niemals wieder zu nahe. Denk dran: Du hast dich freiwillig zu meiner Beute gemacht. Ich bin ein Dämon, du nur ein Mensch. Und jetzt geh!“
In ihren Augen sah er die Furcht, aber da war noch etwas. Verständnis….
„Ich werde Eurem Befehl Folge leisten Herr. Niemand wird hiervon erfahren. Ich werde gehen, wie Ihr es wünscht. Aber ich wünschte Ohr hättet mich nicht zurückgeholt.“ Sie senkte ihren Blick. Was wollte sie denn noch?
Als sie diesmal ihren Blick wieder hob, sah er ein weiteres Gefühl in den Spiegeln ihrer Seele: Liebe…
Oh nein!
„Lebt wohl, Herr. Ich hoffe, Ihr findet, was Ihr sucht…“ Damit erhob sie sich, erst zögerlich und unsicher wurden ihre Schritte dann sicherer und fester. Sie wandte sich nicht noch einmal zu ihm um. Doch ihre Tränen roch er trotzdem noch lange, als sie zwischen den Bäumen verschwunden war.

….

Kagome hatte nicht einen Blick zurückgeworfen, war einfach nur immer weiter gegangen. Weg von ihm, dem Vater von Sesshoumaru. Sie hatte gespürt, dass da etwas war, das ihn belastet hatte, aber sie war sich sicher gewesen, dass er es ihr nicht hatte sagen wollen, selbst wenn sie gefragt hätte. Und nun stand sie hier, am Waldrand. Dem Wald, in dem ihr Ziel lag. Sie musste den Brunnen erreichen. Für einen Blick zurück war es zu spät. Der große Inu no Taisho hatte es gewusst. Er hatte gewusst, dass er den Friedhof der Dämonen nicht verlassen konnte. Und eigentlich war er ja schon tot. Also wieso war ihr Herz so schwer?
Sie ging weiter. Ihre Schritte waren selbstbewusster als vor so scheinbar endlos langer Zeit. Sie hatte sich verändert. Doch nur weil sie dazu gezwungen wurde. Nur weil dieses Ding in ihr wuchs. Sie musste es loswerden. Ihr blieb keine andere Wahl.
Immer weiter führte sie ihr Weg in den Wald hinein. Immer weiter von Sesshoumaru fort. Fort von ihren Freunden, fort von dem Leben, das sie sich doch so sehr gewünscht hatte. Wenn alles nach ihren Plänen verlaufen sollte, würde sie vielleicht wieder kommen. Auch wenn die Schande an ihr nagte. Es war nicht durch ihre Schuld entstanden. Sie trug keine Schuld daran, dass dieses Monster in ihr war.
Ihr Weg führte sie immer tiefer in den Wald, immer tiefer in seine tröstende Dunkelheit und seine nächtlichen Stimmen, die sie umfingen und ihre Seele zu streicheln schienen.

….

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 8. Mai 2013, 14:47 
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Danke,liebe Le,wieder so wunderschön,einfach einen mitreißt.. smilies/smilie_love_031.gif smilies/smilie_love_031.gif

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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 8. Mai 2013, 19:48 
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 Betreff des Beitrags: Re: Sesshoumarus Reise II
BeitragVerfasst: 10. Mai 2013, 00:34 
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Der Richtung der sie folgte, war noch immer die der aufgehenden Sonne. Selbst jetzt, im Dunkel des Waldes mit seinen vielen Stimmen, die im Blätterdach wisperten, kannte sie ihren Weg.
Unvermittelt stand sie an einer Lichtung inmitten des schützenden Waldes. Eine einzelne Hütte stand an deren Rand, drum herum einige Meiler, aus denen Rauch quoll. Da der Wind den Qualm von ihr wegwehte, hatte sie ihn nicht wahrnehmen können. Zikaden zirpten, Holz knackte in den Meilern. Hier wurde Holzkohle gewonnen. Sie ging weiter, den Schatten der Bäume nutzend. Sie konnte sich einen Zeitverlust gleich welcher Art nicht leisten. Doch die junge Frau in der Aufmachung eines Kriegers hatte Pech: Wachhunde schlugen an, ihr Bellen und Knurren weckte anscheinend die Köhlerfamilie. Ein breitschultriger Mann trat aus der Tür, der Lichtschein des Hauses hinter ihm ließ nur seine Silhouette erkennen.
„Wer ist da?“ Die Stimme klang kräftig, markant. „Zeig dich!“
Eine Gestalt trat in den Lichtschein des Hauses. Der Eigentümer der Meiler sah einen jungen Mann aus den Schatten der Bäume treten, das Haar zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden und in dem spärlichen Licht bläulich-violett-schwarz schimmernd. Die schlanke Gestalt sagte nicht viel aus, allerdings trug der junge Mann an seiner Hüfte ein Katana, an der anderen Seite einen Köcher voller Pfeile und auf dem Rücken einen Langbogen. Armschienen aus Leder schützten die Unterarme, die Kleidung war nicht geschmückt, allerdings aus edlen Materialien. Das Gesicht des jungen Mannes erschien dem Köhler hart und dennoch… auf eine seltsame Art sanft. Dunkle Augen sahen ihn aufmerksam an.
„Wer bist du, Fremder? Was machst du so spät noch in den Wäldern? Weisst du nicht, dass hier Dämonen umher laufen?“
Der junge Mann sah den Köhler ruhig an. Dann:
„Ich brauche mich vor Dämonen nicht zu fürchten, ich kann auf mich aufpassen. Wer ich bin, ist nicht von Interesse. Und nun, lass mich weiterziehen, ich habe keinerlei Bedürfnis noch Veranlassung, mich hier weiter aufzuhalten.“
Die Stimme des jungen Mannes klang sehr jung, fand der Mann. Und doch…. Er hatte keine Zweifel, dass dieser sich wehren konnte.
„Dennoch, es ist spät. Ich biete dir für diese Nacht meine Hütte als Quartier an. Du musst nicht in der Finsternis wandeln. Komm rein, meine Tochter hat eine Misosuppe zubereitet. Sie kann sie dir erwärmen.“ Damit trat er zur Seite und wies einladend in das Innere der Hütte.
Der Fremde warf noch einen Blick gen Osten, sah zu den Sternen, und trat dann näher.
„Du hast Recht, es ist spät. Ich nehme deine Einladung an.“
Wenig später saß der Fremde neben dem Köhler, an dessen Herdfeuer die Tochter des Mannes die Suppe erwärmte und immer wieder verstohlene und schüchterne Blicke zum Fremden warf. Dieser bewegte sich sehr anmutig für einen Mann und dennoch strahlte er eine Kraft aus, die sie so noch nicht gesehen hatte. Auch waren ihr die Waffen des Mannes aufgefallen. Ein Krieger, kein Zweifel. Jemand, der sich zur Wehr setzen konnte. Und anscheinend auch ohne jegliche Furcht. Schließlich war er ja durch die halbe Nacht gewandert.
Als sie ihm die Suppe reichte, sah sie dem Fremden heimlich durch ihre langen Haare ins Gesicht. Dunkle Augen sah sie. Einerseits im Ausdruck kalt und unbeeindruckt, dennoch mit einer Spur Wärme darin. Dann die schmale Nase, der hübsch geschwungene Mund. Die blasse Haut, die weich zu sein schien. Und dann die Hände, die nach der Schale griffen. Warm, sanft, als sie ihre Finger streiften. Schnell geriet das junge Mädchen ins Schwärmen. Insgeheim fragte sie sich, wer dieser Mann sei, woher er kam, was sein Ziel sein könnte. In diesem Wald gab es nichts Interessantes. Abgesehen vielleicht von dem Dorf weiter östlich und noch weiter der alte Brunnen, um den sich die verschiedensten Geschichten rankten. Aber sonst war ihr nichts bekannt.
Als der Fremde die Schüssel geleert hatte, gab er sie ihr zurück. Und mit einer leisen, melodischen Stimme fragte er, wo er schlafen könne. Das Mädchen beeilte sich, die Futons herzurichten.
In dieser Nacht fand sie keine Ruhe. Während sie sich von einer Seite auf die andere drehte, schlief ihr Vater den Schlaf der Gerechten und neben diesem lag der junge Krieger. Doch im Gegensatz zu ihrem Vater schlief dieser lautlos. Zu gerne hätte sie gefragt, wie der Krieger denn hieße. Doch sie wollte nicht aufdringlich sein. Irgendwann in der Nacht dämmerte sie doch in das Land der Träume, in denen der junge Fremde eine maßgebliche Rolle spielte.
Früh am nächsten Morgen erwachte das Mädchen, der Vater schlief noch immer. Gerade als sie nach dem Fremden sehen wollte, nahm sie eine Bewegung an der Tür wahr. Der Fremde hatte sich bereits zum Aufbruch gerüstet.
„Bitte wartet, Ihr habt noch nicht gefrühstückt, mein Herr.“ Hörte sie sich selbst sagen und schollt sich innerlich eine Närrin, den Fremden einfach so anzusprechen. Dieser drehte sich halb zu ihr um, der Blick von ihm erschien ihr warm und freundlich, dennoch distanziert.
„Ich werde nicht länger die Gastfreundschaft deines Vaters ausnutzen. Der Tag beginnt und ich werde nun gehen. Ich danke euch beiden für eure freundliche Aufnahme.“
Die Stimme war sanft, leise und warm.
„Dann lasst mich Euch wenigstens ein Bento zubereiten, damit Ihr eine Wegzehrung habt, mein Herr. Bitte, erlaubt mir wenigstens das für Euch zu tun.“
Nun drehte sich der Fremde völlig zu ihr um. „Wenn du unbedingt etwas für mich tun möchtest, dann koch einen Tee, das genügt völlig. Ich werde kurz hinausgehen. Ich bin bald wieder zurück, also lass dir Zeit.“ Damit ging der Fremde hinaus. Was er da tat, wusste sie nicht, aber sie leistete seinem Wunsch schnell Folge, setzte Wasser auf, nachdem sie das Feuer wieder entzündet hatte und bereitete ihrem Vater ein Frühstück vor. Sicher würde auch er bald erwachen. Dabei kreisten ihre Gedanken immer wieder um den Fremden.
Dieser kehrte tatsächlich schnell wieder, in seiner Hand einen Hasen, den er offensichtlich erjagt hatte. Schweigend legte er diesen vor ihr ab.
„Ich habe eure Suppe gegessen, aber kein Geld bei mir. Deswegen nimm den Hasen und bereite euch daraus etwas zu.“ Dann setzte er sich und nahm den Tee entgegen. In schnellen Zügen trank er ihn. Währenddessen fand das Mädchen ihren Mut wieder. „Bitte Herr, nennt mir euren Namen, damit ich meinem Vater sagen kann, wem wir das Fleisch zu verdanken haben.“
„Mein Name ist nicht von Interesse. Wenn du mich benennen musst, so sage deinem Vater, dass der Hase von Akito ist. Als Dank für seine Großzügigkeit.“
Akito, dachte sie, kleiner Teufel. War dieser Fremde ein Dämon oder ein HanYou?
Der Fremde schien ihre Überlegungen zu sehen. Er seufzte leise. „Ich weiß, was du denkst, aber sei versichert, ich bin ein Mensch wie du. Aber da du unbedingt einen Namen brauchtest, nenne mich Akito. Und nun, es wird Zeit für mich aufzubrechen.“ Damit erhob er sich geschmeidig.
Sie tat es ihm gleich, begleitet ihn zur Tür hinaus und bis zum Rand der Lichtung. Die Sonne war gerade aufgegangen, die Vögel sangen in den Ästen und es versprach ein schöner Tag zu werden.
In diesem Licht erschien ihr der Fremde noch anziehender als in dem dämmerigen Zwielicht der Hütte. Er strahlte etwas Erhabenes aus, etwas, was sie innerlich schaudern ließ. Sie verbeugte sich. Schweigend bedeutete er ihr, sich wieder aufzurichten, sah sie noch einmal an und wandte sich dann um.
Langs noch stand sie da, in ihren Gedanken sah sie den Fremden noch immer vor sich. Auch wenn er nur ein paar Stunden bei ihnen zu Gast gewesen war, so wusste sie doch, dass sie ihr Herz an den Unbekannten verloren hatte, an denjenigen der sich Akito nannte. Kleiner Teufel. Ja. Irgendwie schien ihr der Name doch passend. Er hatte einfach so ihr Herz mit sich genommen. Ohne es anscheinend zu bemerken. Ihre Tränen der Erkenntnis liefen über ihr junges Gesicht, während sie sich umwandte, um den Vater zu wecken, der anscheinend noch immer schlief.
Im Schatten der Bäume lief eine einsame Gestalt immer weiter gen Osten, immer weiter auf ihr Ziel zu. Unwissend, dass sie ein Herz gebrochen hatte. Das Herz eines Mädchens, innerhalb so kurzer Zeit.
….

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