Am Anfang war die Feder

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 Betreff des Beitrags: Peter, ehemals Gefährte der Rumtreiber, der Feigling, Wurmsc
BeitragVerfasst: 17. Dez 2012, 02:56 
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….
Die Luft riecht nach Schnee, nach Frost. Die Kälte greift in sein Innerstes und entzieht ihm jegliche Wärme, lässt ihn zurück, als sei er nur aus Eis.
Er wollte so viel erreichen, wollte so viel schaffen, hatte sich vorgenommen, den Erwartungen gerecht zu werden, die man an ihn richtete. Und er hatte längst bemerkt, dass er das nicht schaffen konnte.
Mit Tränen in den Augen, die ihm nun die Sicht nahmen, sah er blicklos und unfokussiert über die Ebene. So viele waren aus der Schlacht nicht zurückgekehrt, so viele hatten ihr Leben gelassen. Und er hatte immer Angst gehabt. Hatte sich von der Angst lähmen lassen. Und sich in altbekannte Muster geflüchtet. Andere würden es Feigheit nennen, dennoch war es der reine Wille zu überleben, der ihn geleitet, verleitet hatte. Und nun waren sie alle tot. Auch seine ehemaligen Freunde. Alle. Ohne Ausnahme. Und er selbst hatte sich angepasst. Hatte begonnen, sich selbst zu verraten, seine eigenen Ideale zu hintergehen, nur um weiter leben und atmen zu können..
Aber zu welchem Preis?
Die Sinnlosigkeit seines Lebens raubte ihm den Atem, sein Schluchzen verhallte ungehört.
Die Kälte schien weiter zuzunehmen.
Zerfraß ihn innerlich.
Erdachte an seine ehemaligen Freunde. An die schönen Tage, die sie alle gehabt hatten. Nichts war geblieben. Nur die Erinnerungen, die ihn nunmehr quälten.
Wie hatte es nur soweit kommen können? Hätte er etwas tun können? Sicherlich. Aber er hatte nicht den Mut gehabt, hatte sich von seinen niederen Instinkten leiten lassen. Hatte eingesehen, dass sein eigenes Überleben ihm wichtiger war, als alle Treueeide und Schwüre zusammen. Und so war er weiter gegangen, auf dem Pfad in die Dunkelheit. In sein eigenes Verderben.
Letzten Endes würde er nun hier sterben. Er war sich dessen sehr bewusst. Sah es ganz klar vor sich. Es fehlte nicht mehr viel. Die Kälte hatte ihn längst gelähmt, äußerlich, wie auch innerlich.
Er hatte sich dem Stärkeren zugewandt. Was blieb ihm auch anderes übrig? Wollte er überleben so musste er sich dem Starten anschließen, der Seite, die wahrscheinlich eine Zukunft hatte. Und er hatte gelernt, sich nicht ganz so offensichtlich in die Karten sehen zu lassen.
Die Tränen, voller Bitterkeit und Bedauern, schienen eine eisige Spur auf seinen Wangen zu hinterlassen. Wandelten sich in Eiskristalle, die durch seine Haut stachen, ebenso wie der Stachel des Gewissens, dass er noch immer nicht abgelegt hatte, nicht hatte ablegen können. Einst war er ein guter Schüler gewesen, einer der niemals auffiel. Doch jetzt? War er nur eine weitere gescheiterte Existenz.
Verzichtbar.
Ersetzbar.
Und der Schmerz setzte wieder ein. Er ruft schon wieder alle seine Gefolgsleute zu sich. Er müsste einfach nur hier bleiben. Einfach nicht reagieren und sich verweigern. Doch dann würde bald der Tod ihn holen. Und sterben wollte er auch nicht. Eine Zwickmühle, innerlich, der er nicht entkommen konnte.
Der Schmerz nahm an Intensität zu. Das Mal brannte unter seiner Haut. Es war Zeit, er musste gehen.
Noch einmal sehen die ehemals so warmen, schüchternen braunen Augen des Mannes über die Ebene. Dann, mit einem leisen Seufzen, hält er seinen Stab an den Unterarm, disappariert, verschwindet. Hin zu demjenigen, der ihn völlig in seiner Gewalt hat. Dem er gehorchen muss, auf Gedeih und Verderb. Und er weiß, seine Tage sind längst gezählt. Ein Zurück gibt es nicht mehr. Nicht für ihn, nicht für Peter…..
Zurück bleibt eine leere Ebene, über die der Frost zieht und alles mit Raureif überdeckt.
Unter den endlos fernen Sternen bleibt nichts zurück, was auf dieses gescheiterte Leben hindeuten könnte. Ein Leben, dessen Zeit längst abgelaufen ist.
Das Leben des Dieners, des Untergebenen, des Sklaven. Peter, Wurmschwanz.
Mann ohne Namen. Verräter, Mörder, auch wenn er sie nicht selbst getötet hatte, so klebte auch an seinen Händen ihr Blut.
Auch wenn er weiß, dass er keine Vergebung verdient, hofft er doch, dass er nicht zu hart gerichtet werden wird, wenn er tot ist.
„Es tut mir leid….“
Das letzte was er denkt, bevor er seine Gedanken verschließt, bevor er IHM gegenüber tritt und wieder seine Rolle spielt, die des Dieners, der unfähig ist, etwas anderes zu tun.
Vielleicht kann ihn jemand eines Tages aus dieser, seiner persönlichen Hölle retten….
Eines fernen Tages vielleicht….

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Dringend empfohlen....schöne Musik für schöne Schreibgeschichten ;-)


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 Betreff des Beitrags: Re: Peter, ehemals Gefährte der Rumtreiber, der Feigling, Wurmsc
BeitragVerfasst: 19. Dez 2012, 08:51 
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ich frage mich gerade, ob dies auf die meisten menschen zutrifft oder auf die wenigsten... :boys_0222:

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