Am Anfang war die Feder

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 Betreff des Beitrags: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 23. Sep 2011, 00:37 
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3ter teil....

Die Sonne hatte längst ihren Zenit überschritten, als Sesshoumaru den Geruch von Menschen wahrnahm. Es war nun nicht mehr weit. Schon konnte er die von Menschen geschaffene Lichtung ausmachen. Es schien wie ein eitriges Geschwür am Busen der Natur. Doch auch wenn er Menschen hasste, so musste er sehen, ob sich dieses Menschenpack gut um Rin kümmerte. Die Miko hatte es versprochen. Doch er wollte sich selbst überzeugen.
Innerlich schüttelte er über sich selbst den Kopf. Er hasste Menschen. Sie waren scheinbar völlig grundlos grausam zueinander, gingen schonungslos mit allem Lebendigen um und kannten kein Erbarmen, um die eigenen Interessen durchzusetzen.
Sesshoumaru hatte noch nie von einem anderen Geschöpf gehört, oder eines kennen gelernt, dass dermaßen falsch und tückisch war, wie eben diese Menschen. Zwar wusste er, dass es Ausnahmen gab, Rin war eine solche, aber das waren so wenige…
Schon war er am Dorfrand angekommen. Er hielt sich in den Kronen der umstehenden Bäume versteckt, und beobachtete die Dörfler die geschäftig ihren Arbeiten nachgingen. Nicht aus Furcht, aber er wollte Rin keiner Gefahr aussetzten und was würden diese Hirnlosen und ohne Vernunft begabten Wesen mit ihr anstellen, wenn sie wüssten, das unter ihnen ein Kind lebte, das in Kontakt zu einem Youkai stand? Er wollte keine Hexenjagd auslösen.
Außerhalb der Sicht der Dörfler prüfte der mächtige DaiYoukai die Luft. Wüssten diese erbärmlichen Kreaturen, dass er hier war, würden sie wahrscheinlich in Panik verfallen und schreiend umherlaufen.
Schließlich nahm er den gesuchten Geruch wahr. Kirschblüten. Er ging dem Geruch nach, immer darauf bedacht, für die Einwohner unsichtbar zu bleiben.
Der Geruch kam von einer der Hütten am Dorfrand. Hinter der Hütte sprang er lautlos zu Boden und näherte sich einem kleinen Fenster. Der Geruch wurde intensiver. Der Geruch der Miko war bei weitem nicht so unangenehm wie der der anderen Menschen.
„Was sind denn das für Gedanken?“ schalt sich der DaiYoukai selbst. „Sie ist eine von ihnen!“
Er blickte in das Innere der Hütte. Einige Kräuterbündel hingen von der Decke. Die Miko und Rin saßen auf dem Fußboden und Rin bereitete eine Salbe zu. Die Miko unterwies das kleine Mädchen in der Verarbeitung der Kräuter.
Sesshoumaru sah, dass es dem Kind augenscheinlich gut ging und wollte sich zurückziehen, als sein blick am Gesicht der Miko hängen blieb. Sie hatte ihn bemerkt, ließ sich aber nichts anmerken. Sie wandte sich langsam zu dem Fenster um und für einen kurzen Moment hatte sie das Gefühl, in den goldenen Augen des DaiYoukai zu versinken. Sie erhob sich geschmeidig, sagte zu dem Kind, sie müsse noch etwas holen und trat aus der Hütte hinaus.
Sesshoumaru musste sich ein Lächeln verkneifen, als er das kleine Mädchen so konzentriert sah.
Als er sich umsah, sah er in die dunklen Augen der Miko. Sie war so leise an ihn herangetreten, dass er sie nicht wahrgenommen hatte.
„Herr, gestattet mir, euch ein paar Minuten zu sprechen.“ bat sie.
„Was willst du?“ fragte er leise. Seine Stimme war ohne jegliche Emotion, kalt. Doch sie hatte wieder das Gefühl, in seinen Augen zu versinken. Sie fasste sich schnell und bedeutete ihm, ihr zu folgen, bis sie unter einem Baum standen, dessen schatten ihn verbarg.
Sein kalter Blick musterte sie.
„Herr,“ sie sah zu Boden, als würde es ungehörig sein, ihn anzusehen. „Rin vermisst euch sehr. Sie hat Albträume und ruft nach euch im Schlaf. Wollt ihr nicht mit hineinkommen, damit sie euch wieder sehen kann?“
Nun schaute sie auf. Musterte unauffällig seine groß gewachsene Gestalt. Er trug einen weißen Kimono mit roter Stickerei, ein hellblauer Obi um die Hüfte geschlungen, an dem zwei Katanas befestigt waren. Ein reinweißes Fell lag über seiner rechten Schulter, über der linken und der Brust trug er eine Rüstung. Sein Haar schimmerte im fahlen Licht wie flüssiges Silber. Ihm war ihre Musterung aufgefallen. Er zog eine Augenbraue nach oben.
„Ich muss dir nichts erklären. Ich bin nur gekommen, um zu sehen, wie es Rin geht. Aber ich denke nicht, dass es gut wäre, jetzt zu ihr zu gehen. Sie wird mich irgendwann überwinden.“
Seine stimme, so leise, nur ein Wispern. Und doch so kalt, dass die Miko anfing zu zittern.
„Er kann gar nicht so kalt sein, sonst wäre er nicht hier.“ Dachte sie.
„Ich werde immer mal wieder nach ihr sehen, aber ich möchte nicht, dass sie weiß, dass ich hier war. Du wirst also schweigen.“ Das war keine Bitte, eher eine Feststellung.
Lautlos, wie ein Schatten, entfernte er sich. Sie seufzte leise.
„Kommt wann immer ihr wollt. Ich werde ihr nichts sagen.“ Das hatte sie ganz leise gesagt, nicht damit rechnend, dass er es hören könnte. Doch er hatte zu gute Ohren. Sie zuckte kurz, als sie seine Stimme leise an ihrem Ohr vernahm: „Dann halte dich daran. Versuche nie wieder, mich zu überreden. Es wird dir nicht gelingen. Und es wäre besser, du nimmst etwas mit, bevor du wieder rein gehst. Ich komme wieder, dann kannst du mir wieder berichten.“ Und er drückte ihr einen kleinen teil seines Schulterfells in die Hand. Sie blickte verwundert auf das weiche Fell. „Wenn ihr beide in Gefahr seid, dann tropfe etwas von deinem Blut darauf, und ich werde wissen, wo ihr seid.“ Und die Dunkelheit der Schatten verschluckte den DaiYoukai.
Während die Miko das Fell in ihrer Bluse verbarg und mit Kräutern aus dem Garten in die Hütte ging, schoss der nun sehr nachdenkliche Herr des Westens durch die Luft, in Richtung des väterlichen Anwesens.
Er konnte über sich selbst nur den Kopf schütteln. Er verstand sich selbst nicht. Wieso brachten ihn diese Miko und die Kleine nur so regelmäßig aus der Bahn? Was war nur los mit ihm? In ihm war ein Chaos ausgebrochen. Nach außen beherrscht wie immer, musste er sich eingestehen, dass es ihn zur Weißglut trieb, wenn er sich vorstellte, dass diesen beiden schwachen und eigentlich nutzlosen Menschen etwas zustoßen könnte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 23. Sep 2011, 19:16 
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Schließlich war er an seinem Ziel angekommen. Die Wachen und Bediensteten senkten ehrfürchtig den Blick und verneigten sich vor ihm, während er schnell durch die Gänge zu seinem Arbeitszimmer ging.
Der Verwalter, ein alter, zuverlässiger Dämon, der schon seinem Vater ein getreuer Gefolgsmann war, schaute fragend von einem Stapel Papiere auf. Als er sah, wer da vor ihm stand, erhob er sich ächzend und verneigte sich, so es eben ging, vor seinem jungen Herrn.
„Herr, ich habe nicht mit euch gerechnet, verzeiht bitte. Ich werde schleunigst eure Gemächer herrichten lassen. Wollt ihr meine Arbeit in der Zwischenzeit begutachten?“ Der Alte blieb ruhig. Er war einer der wenigen, die den Herrn nicht fürchteten. Er wusste, dass der DaiYoukai ihm vertraute. Warum sonst war er der Verwalter geworden?
Sesshoumaru nickte nur und der Verwalter entfernte sich, so schnell er eben mit seinen alten Kriegsverletzungen konnte und humpelte durch die Tür. Während sich diese schloss, überflog Sesshoumaru die Papiere. Sein Verwalter war ein kluger, erfahrener Hundedämon.
Loyal war er, und gerecht. Er schützte die Grenzen, sorgte sich für alle Belange, die die Führung eines großen Landes mit sich brachten.
Der junge Herr stellte fest, dass alles in guten Händen war und ließ sich auf dem Stuhl vor dem Tisch kurz nieder. Mit unbewegter Miene studierte er die Papiere auf dem Schreibtisch genauer. Ja, der Verwalter machte gute Arbeit.
In der Zwischenzeit war nun auch Jaken in dem Schloss eingetroffen. Er begab sich auf den weg zu dem Arbeitszimmer, nachdem ihm einer der Bediensteten mitteilte, dass der Herr sich dort aufhielt. Noch immer machte Jaken sich Gedanken. Souunga. Ausgerechnet! Das verfluchte Schwert hätte niemals geschmiedet werden dürfen! Es hätte auch nie einen so mächtigen Willen entwickeln dürfen. Wenn auch nur die Hälfte der Geschichten um dieses Schwert stimmten, war es besser, es dort zu belassen, wo auch immer das war. Nach etwas so grauenvollem sollte man nicht suchen. Man sollte froh sein, wenn es niemals wieder auftauchen würde!
Sesshoumaru spürte, dass es Jaken war, der vor der Tür stand.
„Jaken“, seine stimme, kalt und ohne Regung, ließ den kleinen Krötendämon zusammenzucken. Der Herr hob noch nicht einmal den Blick, als sein Diener leise eintrat.
„Lass mir alle Dokumente über Souunga bringen. Ich werde dich rufen, wenn ich dich wieder brauche.“
Der Krötendämon verneigte sich und schloss die Tür wieder.
Kurze Zeit später stapelten sich auf dem Tisch Bücher und Pergamentrollen. Sesshoumaru zog eine Augenbraue hoch. Das sich so viele Schriften finden würden über Souunga, hatte er nicht gedacht. Jede einzelne würde er prüfen müssen. Und das würde länger dauern, als er geplant hatte.
Und während er sich dem ganzen Informationsmaterial widmete, stahl sich ein einzelner Sonnenstrahl durch das Fenster auf die Bücher. Sesshoumaru nahm das beschienene Buch in die Hand und trat an das Fenster, öffnete es und sog die Luft ein. Und stutzte. Da war ein Geruch in der Luft… Ein bekannter Geruch. Nicht nur der Geruch, der von der sonnengewärmten Erde, Gras und Wildblumen, von der Würze des entfernten Waldes und Honig, sondern von seinem Halbbruder!? Was wollte der Narr hier, in diesem Land? In der Nähe von Sesshoumarus Stammsitz? War der Hanyou verrückt geworden? Ärgerlich prüfte der DaiYoukai noch einmal die Luft und stellte fest, dass die Witterung stärker wurde. Mit einem Knurren ging Sesshoumaru zur Tür, rief einen seiner Diener heran und stellte so sicher, dass niemand das Arbeitszimmer zu betreten hatte. Dann erst ging er, er musste wissen, wieso sein Halbbruder so dumm war und hierher gekommen war. Ob er wirklich derartige Todessehnsüchte hatte?
In der kühler werdenden Abendluft nahm Sesshoumaru nun noch mehr Gerüche wahr. Rauch, Blut, den Hanyou. Der Witterung folgend, erreichte der Herr dieser Lande den Waldrand. Und er wurde zornig. Zornig auf seinen Bruder und dessen Dreistigkeit. Er hatte ihn gewarnt, ihm nicht in die Quere zu kommen und nun musste er seine Zeit mit dem Jüngeren vertrödeln.


Rasch folgte der DaiYoukai dem stärker werdenden Geruch. Er merkte, dass dieser ihn in die Richtung des Dorfes führte, in dem nun Rin lebte. Was war nur los? Hatte dieser unterbelichtete Halbdämon etwa das Dorf angegriffen? Wenn er das gewagt haben sollte, so war das sein Todesurteil! Der Fürst lief nun in unglaublicher Geschwindigkeit. Schon konnte er eine Rauchsäule ausmachen, die sich über die Baumkronen erhob. Noch einmal beschleunigte Sesshoumaru bis er den Dorfrand erreicht hatte.
Unwillkürlich stockte ihm der Atem. Der Boden war mit Blut getränkt, überall lagen die nun leblosen Dorfbewohner und dort, wo einmal die Hütte der Miko gestanden hatte, konnte er nur mehr Trümmer ausmachen. Was war geschehen? Wo war das kleine Menschenmädchen? Wo war Rin? Seine goldenen Augen verengten sich, er rannte zu der Hütte. Und dann hörte er seinen Bruder.
„Naraku, du Schwein! Hör auf, dich hinter der Kleinen zu verstecken und kämpfe!“
Sesshoumaru konnte den Zorn seines Bruders spüren, aber auch Verachtung.
Naraku war hier? Was wollte dieser Abschaum, dieser dreckige Hanyou hier?

„InuYasha, sag, warum sollte ich meinen Trumpf gehen lassen? Wegen ihr bin ich doch erst gekommen! Und nun störe mich nicht mehr!“ Diese Stimme triefte vor Arroganz. Sesshoumaru hatte nun den Kampfplatz erreicht.
Sein Halbbruder stand da, Tessaiga in der Hand, hinter ihm seine Gefährten, die sich schützend vor die Miko gestellt hatten. Diese lag verwundet am Boden. Blut floss aus einer großen Wunde an ihrem Rücken, sie war offensichtlich bewusstlos. Dann bemerkte er Naraku. Der hielt die kleine Rin im Arm, die weinte und zwappelte, sie versuchte von ihrem Peiniger fort zu kommen. Doch dieser berührte mit der Hand nur ihre Schläfe und das Kind in seinen Armen erschlaffte. Schloss die Augen und rührte sich nicht mehr.
„Lass sie los!“ brüllte InuYasha. Das Menschenmädchen, das ihn begleitete, zielte mit ihrem Pfeil auf den arroganten Halbdämon Naraku, schoss jedoch nicht. Er hielt Rin wie einen Schild vor sich. In weniger als einer Sekunde war Sesshoumaru hinter ihm und holte mit seinem Katana aus und hieb ihm den drohend erhobenen Arm ab.
„Ah, der Herr des Westens beehrt uns mit seiner Anwesenheit“, die Stimme Narakus troff vor Ironie, noch immer hielt er Rin fest.
„Lass das Kind runter, Naraku.“ Sesshoumarus Stimme war um einiges kälter als gewöhnlich, schneidend und eisig wie ein Schneesturm.
„Auf dich wollte ich treffen, es hat also geklappt.“ Naraku schien noch nicht einmal Schmerzen zu verspüren, obwohl ihm nun der rechte arm fehlte. Achtlos lies er Rin fallen. Sesshoumarus Augen verengten sich. Ohne ein weiteres Wort holte er mit seinem Katana aus und hieb auf den Hanyou ein. Aus den Augenwinkeln sah er, wie InuYasha schnell Rin aus der Gefahrenzone brachte und seinen Gefährten gab. Das Menschenmädchen mit dem Bogen zielte und ihr Pfeil traf Naraku in den Rücken, während nun auch InuYasha zum Schlag ausholte. Gemeinsam kämpften nun Sesshoumaru und sein Halbbruder gegen den Hanyou Naraku. Dieser wich immer wieder geschmeidig aus, parierte ihre Schläge mit dem eigenen Katana und sonderte Giftwolken aus seinem Atem auf die beiden Brüder.
Er lachte verächtlich und sein eigener Gegenangriff traf InuYasha, der kurz zu Boden ging.
Sesshoumaru duckte sich unter dem nächsten Schlag durch, sprang vor seinen Bruder und bedrängte den Angreifer nun seinerseits mit heftigen Attacken. Noch ein Pfeil traf Naraku, diesmal in den linken Arm.
„Sesshoumaru“, rief er, „ich brauche deinen Körper, ich brauche deine Kraft!“ und mit einem Lachen lösten sich Tentakeln aus Narakus Rücken und versuchten, Sesshoumaru zu fassen.
Doch nun hieb InuYasha auf eben diese ein.
Verbissen kämpften die Kontrahenten, die Brüder landeten viele Treffer, mussten ebenso welche einstecken. Doch langsam wurde Naraku schwächer, seine Bewegungen weniger fließend. Der DaiYoukai knurrte. Und dann verwandelte er sich. Seine Wut war grenzenlos, sein Hass abgrundtief auf diesen dreisten Angreifer. Und während seine Augen rot wurden, wuchs sein Körper, veränderte sich in den eines riesigen weißen Hundes. Mit seinen großen Fängen verbiss er sich in Narakus linker Schulter, schüttelte diesen, als sei er ein alter Lappen.
Doch dieser schien wahnsinnig zu sein.
„Endlich zeigst du dich in deiner wahren Gestalt!“ Mit diesen Worten bohrte Naraku plötzlich seine verbliebenen Tentakel in Sesshoumarus Körper. Der hingegen ließ nicht locker, verstärkte nur den Druck seiner Kiefer. Zermalmte das Fleisch und die Knochen, Blut lief an seinen Leftzen in das weiße Fell und tropfte zu Boden.
„Sesshoumaru!“ Die stimme von InuYasha klang klar über die Geräusche des Kampfes hinweg. Und der Herr des Westens ließ tatsächlich los und funkelte seinen Gegner aus roten Augen an.
„Kaze No Kizu!“ brüllte InuYasha, holte mit Tessaiga aus und Blitze zuckten auf Naraku zu, ein überirdischer Wind unterstütze die Attacke. Er wurde frontal getroffen. Überrascht riss er die Augen aus und sackte schließlich zusammen. Sesshoumaru schnaubte verächtlich, fiel aber ebenso zu Boden. Der Blutverlust der vielen Wunden machte sich bemerkbar. Und während ihn die Dunkelheit umhüllte, hörte er jemanden seinen Namen rufen. Dann glitt er in die Schwärze der Bewusstlosigkeit.


„Wird Sesshoumaru wieder…?“
Dumpf drangen Stimmen an das Ohr des DaiYoukai, der zudem noch das Rauschen seines Blutes hörte. Er konnte die stimmen nicht wirklich bestimmten Personen zuordnen. Und das machte ihn leicht ärgerlich. Auch die bleierne Schwere seiner Glieder trug nicht zu einer Verbesserung seines Gemützustandes bei.
Er hasste es schwach zu sein. Er wollte die Augen öffnen. Warum klappte das nicht? Wieso war ihm so schwindelig?
„Ich weiß es nicht. Er hat viel Blut verloren und einige wirklich tiefe Wunden.“ Eine weiter Stimme, männlich allem Anschein nach, fand ihren Weg in seinen Gehörgang.
„Aber das Mädchen ist nicht wirklich verletzt, sie schläft jetzt. Die Miko atmet auch wieder gleichmäßiger.“
„Gut“, dachte Sesshoumaru. Aber was war mit diesem elendigen Idioten Naraku?
„Aber was ist mit meinem Bruder? Kann ich etwas tun?“ InuYashas Stimme, besorgt und aufgeregt…. Wegen ihm?
„Nein“, eine weibliche, sanfte Stimme, wie flüssiger Honig. „Wir können nur abwarten, wie die nächsten Stunden vergehen. Er muss es jetzt selbst schaffen.“
„Ich werde es schaffen, egal was!“ Sesshoumaru dachte nach. Sollten diese törichten Wesen etwa an ihm und seiner Stärke und Selbstheilungskraft zweifeln? Und genau bei diesen Gedanken meldeten sich die Schmerzen mit voller Wucht wieder. Unwillkürlich keuchte er auf. Es brannte. Er bemühte sich, die Augen zu öffnen, aber sein Körper verweigerte ihm beharrlich den Dienst.
„Sesshoumaru hat viel von Narakus Gift abbekommen. Wir können nur warten, dass es sich jetzt mit dem Gegenmittel langsam abbaut….“ Wieder die Stimme wie Honig.
Und er bemerkte, wie die Dunkelheit abermals nach ihm griff und fort trug.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 28. Sep 2011, 12:32 
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InuYasha hatte seinen Bruder noch nie so gesehen. So verletzlich, so schwach, so nah… Er versuchte vergeblich die Tränen zurückzuhalten. Wie oft hatte er sich nach dessen Anerkennung gesehnt, hatte gehofft, Seite an Seite mit ihm zu kämpfen, statt gegeneinander. Nun hatten sie gemeinsam gegen einen Feind gekämpft. Es war ihm so vorgekommen, als wären sie ein eingespieltes Team. Sie hatten sich nicht groß verständigen müssen, geschweige denn können. Es war ihm, als seien seine Wünsche in Erfüllung gegangen. Sie hatten sich perfekt ergänzt. Sollte nun alles vorbei sein? Durch einen Tränenschleier sah er in das blasse Antlitz seines Bruders. „Halte durch.“ Mehr brachte er nicht heraus.
Seine Reisegefährten konnten ihn nicht trösten, konnten ihn nicht dazu bewegen sich auszuruhen. Und so wachte der Hanyou über seinem Bruder, während die Tränen unaufhörlich wie ein heißer Strom über seine Wangen liefen.
Nass….Etwas nasses lief auf seinem Gesicht herunter. Was war das? Warum war es nass? Sesshoumaru versuchte die Augen zu öffnen. Er mochte keine Nässe im Gesicht. Er drehte den Kopf zur Seite. Selbst diese kleine Bewegung schmerzte. Sein Atem entwich scharf aus seinen Lungen. Er sah… Dunkelheit. Sesshoumaru wusste, dass seine Augen offen waren, doch es blieb immer noch alles dunkel. Warum? Er spürte einen Druck auf sich, leicht, aber der Druck war da. Was war das? Dann vernahm er unterdrücktes Schluchzen. Fragend wandte er sein Gesicht zu dem Geräusch. Der Schein einer Kerze hinterließ flackernde Schatten auf dem Gesicht seines Halbbruders, der mit geschlossenen Augen neben ihm saß. Tränen rannen über dessen Gesicht. Sesshoumaru zog eine Augenbraue hoch, blickte an sich hinab zu der stelle auf seiner Brust, an der er den Druck empfand. Es war die Hand des Bruders.



Nachdenklich musterte Sesshoumaru seinen Bruder, der da im flackernden Kerzenlicht neben ihm saß. Bislang hatte er aus seiner Verachtung dem Jüngeren gegenüber nie ein Hehl gemacht. Allerdings, wäre eben jener nicht in dem Dorf gewesen, als Naraku auftauchte, wäre Rin vermutlich zu Schaden gekommen oder entführt worden.
Dennoch, der DaiYoukai war sich sicher, dass er den Hanyou auch ebenso gut alleine hätte besiegen können. Aber etwas anderes bohrte sich in seine Gedanken. Was meinte Naraku damit, dass er seinen Körper brauchte? Zwar war Sesshoumaru durchaus bekannt, dass der Körper Narakus aus diversen Dämonen bestand, die er sich nach und nach einverleibt hatte, aber wozu brauchte er nun seinen eigenen? Zwar hätte er nie zugegeben, dass dies ihm Sorgen bereitete, aber dennoch war dem so. Was wollte dieser Abschaum?
Dann, eine plötzliche Erkenntnis traf ihn mit der Wucht eines Schlages einer Axt: Was wenn der verhasste Hanyou hinter etwas bestimmten hinterher war? Etwas, was er allein nicht bekommen könnte? Souunga. Das Schwert…. Konnte es sein?
Sesshoumaru versuchte sich aufzusetzen. Gesunden konnte er auch in seinem Schloss, er musste das jetzt nachprüfen. War da nicht mal in einer Schriftrolle erwähnt worden, dass einzig InuTaishu, sein Vater, dieses Schwert bändigen konnte? Und stand da nicht auch was von wegen Blut? Wie war das noch? Es fiel ihm nicht ein.
InuYasha vernahm das knurren seines Bruders, nahm hastig seine Hand weg und sah mit Erstaunen und Entsetzten, dass dieser Anstalten machte, aufzustehen.
„Nicht, leg dich wieder hin, das Gift ist noch in dir, du bist noch zu angeschlagen!“
Innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde hatte der DaiYoukai eine Hand an des Jüngeren Hals gelegt.
„Sag mir nie wieder so etwas ins Gesicht! Ich komme klar!“ Der Druck am Hals verstärkte sich. Kalt musterte er seinen Halbbruder, der röchelnd in der Luft hing. Aber er konnte ihn nicht töten, nicht jetzt. Denn er war da gewesen… bei Rin.
„Es war gut, dass du in der Nähe warst, aber maß es dir nicht an, über mich entscheiden zu können. Dazu bist du nicht in der richtigen Position.“ Die Stimme des Herrn des Westens war leise, aber die Drohung war dennoch nicht zu überhören.
Er wandte sich von seinem Bruder ab. Ließ locker und der Jüngere rutschte Atem holend auf den Boden.
„Was wolltest du hier in meinem Land?“
„Wir waren der spur Narakus gefolgt“, berichtete der Hanyou. „Wir verfolgen ihn schon seit geraumer Zeit, immer entkommt er oder entsendet nur seine Diener gegen uns.“ Seine stimme klang enttäuscht und doch kampfeslustig. Sesshoumaru musterte den Jüngeren kalt.
„Weswegen verfolgst du ihn?“
„Weil er mir etwas genommen hat. Weil er mich zerstören wollte, deswegen. Es ist mir egal, wo er sich aufhält, aber ich werde ihn finden und zur Strecke bringen!“
Innerlich musste sich Sesshoumaru eingestehen, etwas neugierig zu sein. Ein wenig nur. Äußerlich ließ er sich nicht die kleinste Regung anmerken. Und dann war ja auch noch Rin. Und die Miko. Rin schien diese gern zu haben.
„Hör zu, InuYasha. Naraku kämpft in einer anderen Liga als du. Wenn du wieder gegen ihn antrittst, wird er sich nicht so schnell zurückziehen.“ Mit seinem kalten Blick brannte er sich geradezu in die Augen und Seele des Halbbruders.
„Aber…“ InuYasha war gereizt und verwirrt. Noch nie hatte er so lange mit seinem Bruder geredet. Eher waren sie sich immer gleich an die Kehle gegangen. Hing diese Gesprächsbereitschaft mit der Verletzung Sesshoumarus zusammen? Er bekam nicht die Gelegenheit weiter darüber nachzudenken.
„Ich muss jetzt gehen. Bringe Rin und die Miko in mein Schloss. Ich werde dort auf euch warten.“ War alles was Sesshoumaru noch sagte. Weiter Worte würde er nicht mehr an seinen Halbbruder richten. Und damit erhob er sich vollends und stand nun, mit einer ausdruckslosen Mine neben dem Jüngeren. Atmete noch einmal durch und ging, ließ, den Jüngeren verwirrt zurück. Dieser war noch nie in dem Schloss seines älteren Bruders gewesen, was auch das Schloss seines Vaters war, den er nie kennen lernen konnte. Er sah dem Älteren hinterher, unfähig sich zu bewegen, bis es endlich in ihm dämmerte. Er sollte ebenfalls dorthin kommen?!

….

Der Herr der westlichen Lande hatte gar keine andere Wahl gehabt. Sein Halbbruder, auch wenn es nur ein Hanyou war, war der einzige Schutz, den Rin jetzt hatte. Er selbst war tatsächlich noch zu angeschlagen, um das Mädchen schützen zu können.
Er knurrte. Es behagte ihm überhaupt nicht, dass er jetzt Hilfe brauchte. Aber die Wunden waren noch längst nicht verheilt und das Gift Narakus pulsierte mit seinem Blut noch in seinen Adern. Dieser hinterhältige, arrogante … „Baka!“
Sesshoumaru hatte sich in einen schnellen Lauf gesteigert, kaum, dass er aus der Hütte hinaus getreten war. Immer noch schneller als die meisten Youkais lief er in die Richtung seines Anwesens. Er musste dringend die Aufzeichnungen studieren! Er musste überprüfen, ob sein Verdacht begründet war. Sollte es der Fall sein, müsste er als Erster handeln. Wenn Naraku tatsächlich nach dem dritten Schwert InuTaishu strebte, musste er ihm zuvor kommen. Aber bislang war das nur ein Verdacht. Sollte er sich aber erhärten, dann hatte er, der DaiYoukai selbst, ein ernstes Problem.
Während er nachdachte, meldeten sich die Schmerzen vehement zurück. Sein Kopf dröhnte und lies den stolzen Sesshoumaru aufkeuchen. Die Sicht fing an zu verschwimmen. Er wurde langsamer, vergewisserte sich, dass niemand in seiner Nähe war und als er an eine Lichtung kam, stoppte er seinen Lauf gänzlich. Prüfend zog er die Waldluft ein. Er roch keinen anderen Dämon, keinen Menschen. Nur die Waldtiere…. Er erlaubte seinem lädierten Körper die dringend benötigte Rast. Lautlos ließ er sich an einem Stamm zu Boden gleiten, lehnte sich gegen den Baum und schloss die Augen. Ihm wurde schwindelig, alles drehte sich. Er hätte es wohl doch ruhiger angehen lassen sollen. Wieder entfuhr ihm ein Seufzer. Er hasste diese Schwäche, hasste diese Verletzlichkeit seines Körpers, die ihn nun zwang, sich auszuruhen. Menschen waren schwach, viele Dämonen ebenfalls und nicht umsonst galt er selbst als einer der härtesten und grausamsten DaiYoukai überhaupt. Niemand kam auf die Idee, sich mit ihm anzulegen. Es sei denn, der betreffende hing nicht an seinem Leben. Oder war einfach nur zu dumm, um zu wissen, wenn er da vor sich hatte. Und nun saß er hier, auf dieser Lichtung, und konnte sich nicht wirklich rühren. Es war zum verrückt werden.
Sesshoumaru blickte hoch zum Himmel. Wolken zogen zäh über ihm dahin. Es musste schon spät geworden sein, die Sonne sandte noch einmal goldene Strahlen gegen die Wolkendecke und ließ sich zart aufleuchten.
Er bemerkte noch, dass es kühler wurde, die Luft noch intensiver roch und dann holte ihn die Dunkelheit ein. Sein Körper war überstrapaziert und er wusste dass er nicht die Chance hatte, jetzt weiter zu gehen.



Durch die Dunkelheit irrte der Geist Sesshoumarus, ein kleines Licht, ein schwacher Stern in der vollkommenen Schwärze.
Er suchte einen Weg, zurück. Aber warum? Sein Geist wusste es nicht. Was sollte er hier? Keine Antwort. Warum war er hier? Stille brandete um ihn wie die Wogen des Ozeans.
Nur er war hier. Allein.
Das Leuchten des Sterns, welcher Sesshoumaru selbst war, taumelte in der unendlichen Dunkelheit.
Dort, ein anderes, noch schwaches Licht…. Der Stern begann, dorthin zu schweben, wo es Helligkeit gab. Es war das einzige, was noch neben ihm in dieser Unendlichkeit existierte.
Langsam glitt er darauf zu. Das Leuchten vor ihm wurde intensiver, nahm an Größe zu.
Was ist das? Der Stern fragte ohne Stimme.
Das Leuchten nahm nun sein ganzes Blickfeld ein, schien sich bis in die Unendlichkeit zu erstrecken.
Der Stern versuchte näher an das Leuchten zu kommen. Doch was war das? Da war etwas vor ihm, er konnte es nicht sehen… ein Energiefeld, eine Barriere. Der Stern war dieser ganz nah, konnte sehen, wie blaue Blitze über die Oberfläche der Barriere züngelten und sich ebenso wieder in ihr entluden.
Was war hier los? Warum gab es hier eine Barriere?
Der Stern welcher Sesshoumarus Selbst war, empfand in der Nähe dieses Lichtes… Frieden und Wärme. Da war nichts bedrohliches, trotz der Barriere.
Ein Flimmern ließ den kleinen Stern wieder aufmerksamer werden. Das Licht flimmerte in allen Farben des Spektrums. Gesichter tauchten in dem Licht auf und zerplatzten, wie Seifenblasen.
Der Stern schaute dem zu und empfand noch immer nichts.
Ein weiteres Gesicht formte sich, wurde größer. Das des Vaters….streng und doch ein warmes Lächeln, bis auch dieses wieder zerplatzte und eins wurde mit dem flimmernden Licht. Dann das Gesicht des Halbbruders, der mit großen Augen umherschaute, das der Mutter, wunderschön und ebenmäßig die Gesichtszüge, ein kleines Lächeln auf den Lippen, danach das Gesicht des kleinen Menschenmädchens. Rin.
Rin. Und ein warmes Gefühl machte sich in dem Stern breit. Der Stern wusste, er musste wieder zu dem Kind. Er hatte die Verantwortung für dieses Mädchen und musste es schützen. Warum? Wovor? Bilder tauchten aus dem Leuchten auf, zeigten die Schrecknisse die das Kind gesehen hatte, Naraku.
„Du musst dich vor ihm in Acht nehmen.“
„Wer bist du“ fragte der Stern.
„Ich bin alles“ kam die Antwort.
„Was ist alles?“
„Ich bin die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft, ich bin die Zeit selbst, ich bin alles.“
Der Stern fragte mit kalter Stimme: „Was mache ich hier?“
„Ich zeige dir, was passieren kann, wenn Naraku zu seinem Ziel gelangt.“
Und Bilder tauchten wieder aus dem Licht auf.
Naraku, der seine Hände nach der gesamten Welt ausstreckte, nach der Unendlichkeit selbst strebte, mächtiger wurde und schließlich alle anderen Wesen, gleich ob Mensch, Dämon oder Tier, tötete. Das Blut, was aus den Toten floss wurde vor dem Stern zu einem Fluss, dann zu einem See und schließlich zu einem Meer. Es drohte aus der Barriere heraus zu fließen. Doch diese verhinderte es.
„Wie will Naraku das schaffen, die Welt in eine solche Finsternis stürzen?“ Der Stern war nun doch etwas geschockt. Wie konnte ein Halbdämon derart Böse sein? Noch nicht einmal ein vollwertiger Youkai hatte derartige Ambitionen….
„Er braucht dafür dein Blut. Und ein bestimmtes Schwert….“
„Etwa Souunga…?“
„Ja, genau das.“
„Und wofür braucht der Hanyou mein Blut?“ Der Stern wurde langsam wütend.
„Weil durch deine Adern das Blut deines Vaters fließt….“


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BeitragVerfasst: 29. Sep 2011, 22:19 
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Der Herr des Westens kam wieder zu sich. Irritiert sah er sich um, erkannte, dass die Sonne ihn hier auf der Lichtung beschien, ihn wärmte.
Wie war das? Der Hanyou brauchte sein Blut? Für Souunga? Es wurde Zeit, dass er endlich Antworten bekam. Ungewissheit war Schwäche, war etwas für Menschen. Aber nicht für einen DaiYoukai.
Langsam stand Sesshoumaru auf, spürte wie das Gefühl in seine Gliedmassen zurückkehrte und begann wieder zu laufen. Diesmal ließ er es allerdings etwas ruhiger angehen, einen erneuten Ohnmachtsanfall konnte er sich nicht erlauben. Alleine der Gedanke daran ließ ihn schaudern. War er denn wirklich so schwach? Nach außen hatte er noch immer die eiskalte Maske aufgesetzt, während es in seinem Inneren tobte. Wut, Verwirrtheit, Hass auf seine Schwäche, dass alles wirbelte in seinem Kopf umher. Und die Sorge wegen dem Menschenmädchen. Er gestand sich selbst ein, dass sie wie eine kleine Tochter für ihn war, auch wenn sie nur ein Mensch war. Aber trotz ihres jungen Alters hatte sie immer alles ohne ein Wort der Klage mitgemacht. War immer mit ihm mitgegangen, nie von seiner Seite gewichen, immer ihm gefolgt. Und er hatte sie immer wieder vor allem möglichen beschützt. Im Laufe der Zeit hatte er gemerkt, wie er begann sie gern zu haben. Und letzten Endes hatte er sich dazu entschlossen, sie bei Menschen zu lassen, eben weil sie selbst ein Mensch war und bei ihm, einem Dämon, immer in Gefahr war. Er musste sich eingestehen, er hatte sie wirklich in sein sonst so kaltes Herz geschlossen. Und nun war sie nur knapp einer Entführung entkommen, weil so ein verdammter, dreckiger Hanyou es wagte, seine Hände an sie zu legen, um Ihn zu bekommen.
Sesshoumaru knurrte. Das war zuviel, was Naraku sich geleistet hatte. Er wollte also Souunga? Niemals würde er es bekommen, das würde er nicht zulassen!
Das Knurren wurde zu einem Grollen.
Es wurde wirklich Zeit für Antworten! Er wurde nun wieder schneller und flog nur so durch die Schatten der Bäume. Schließlich hatte er den Waldrand erreicht und sah schon das Anwesen. Noch einmal beschleunigte er und kümmerte sich nicht darum, durch das Tor zu treten. Mit einem Satz war er über der Mauer, rannte direkt zu dem Fenster seines Arbeitszimmers und bemerkte, dass es offen stand. Schon stand er im Zimmer, rief einen Diener und ließ seinen Blick über die vielen Bücher und Schriftrollen schweifen. Das würde wirklich zu lange brauchen.
Der Diener erschien, mit einem blassen Gesicht, als stünde ein Geist vor ihm. Der Herr war einfach so erschienen, ohne dass jemand ihn bemerkt hatte…
„Bring mir Totosai, den Schmied!“
Der Diener verbeugte sich und rannte schnell von dannen. Unverzüglich wurde ein Bote ausgesandt, um den Schmied der Youkais zu holen. Doch dieser lebte im östlichen Gebirge, in einem Vulkankrater. Es würde mindestens drei Tage brauchen, ehe er im Schloss eintraf. Sesshoumaru wusste das und schaute wieder auf die Bücherstapel.
Er seufzte. Er würde so weit es ging sich mit diesen Texten beschäftigen, auf Rin warten und sich vielleicht etwas Ruhe gönnen. Für den kommenden Wettlauf gegen Naraku musste er wirklich gesund sein, dass wusste er. Und ein Wettlauf würde es werden. Um Souunga.



InuYasha konnte es nicht glauben: Vor ihm lag das Anwesen seines Vaters in dem nun sein Bruder residierte. Und er war hier, war noch nicht angegriffen worden. Blieb Unbehelligt.
Rin und die Miko Kaede, seine Reisegefährten, sie alle waren nun hier willkommen.
InuYasha freute sich. Endlich konnte er sehen, wo und wie sein Vater gelebt hatte, konnte mit seinem Bruder vielleicht auch einmal über den Vater reden, der ihm so unbekannt war, nichts weiter als eine nebulöse Gestalt, die einen großen Schatten auf ihn und sein Leben warf.
Als er vor dem Tor stand, ließen die Wachen ihn hindurch treten. Gleich kam ein Diener gelaufen und bat die Gruppe, ihm zu folgen. In der imposanten Eingangshalle musste der HanYou schlucken. Einen solchen Prunk hatte er noch nicht gesehen. Alles war hell und freundlich gehalten, überall sah man goldene Verzierungen, Stuckarbeiten an der Decke imitierten Blüten, Leuchter aus Kristall hingen herab und brachen das einfallende Licht in viele kleine Regenbogentropfen. Der Diener räusperte sich unauffällig und bedeutete dem bunten Haufen vor ihm, weiter zu gehen.
Nach unzähligen Treppen, Gängen und Räumen kamen sie in den Gästetrakt. Hier wurde die Reisegruppe untergebracht, jeder bekam ein eigenes Zimmer, ein Diener wartete in jedem Zimmer, um die Wünsche der Gäste entgegen zu nehmen.
„Herr, der Gebieter der westlichen Lande erwartet euch, bitte folgt mir. Auch die kleine Hime möge bitte mit uns kommen.“
InuYasha spürte die kleine Hand von Rin in seiner eigenen und so folgte er dem Diener weiter, Hand in Hand mit dem kleinen Menschenmädchen, dass nun fröhlich neben ihm herging, ein Lächeln im kleinen Gesicht.
Wieder ging es durch Gänge, eine Treppe hinauf, den nächsten gang, zwei Treppen hinunter….Es war wie das Innere eines Labyrinthes und InuYasha musste sich eingestehen, dass er schon längst die Orientierung verloren hatte.
Schließlich blieben sie vor einer großen Tür stehen. Der Diener klopfte an. Sesshoumarus Stimme erklang hinter der Tür, der Diener öffnete und InuYasha und Rin sahen in einen Raum, der einen großen Schreibtisch aufwies, dahinter mehrere Regale voller Bücher und Pergamentrollen, die sich allerdings auch auf dem Schreibtisch und Fußboden ausgebreitet hatten. Zwei Stühle standen an dem Schreibstich, in einer Ecke des Raumes konnte InuYasha zwei Sessel und einen kleinen Tisch ausmachen, ebenso einen Kamin. Dem Gegenüber war ein großes Fenster in die Wand eingelassen, dass bis zum Boden ging. Ein Fensterflügel stand offen, die sonne sandte vorwitzige Strahlen hindurch und ein lauer Wind brachte den Geruch des Gartens, Blumen und den des entfernten Waldes in den Raum. Am Fenster stand der DaiYoukai, sein älterer Halbbruder und starrte nachdenklich auf eine vergilbte Schriftrolle. Er schien von den beiden Besuchern noch keine sonderliche Notiz genommen zu haben, obwohl er wissen musste, wer sich nun hier befand, hatte er doch eine feine Nase und musste die Witterung des Jüngeren und des Mädchens zur Kenntnis genommen haben. Ohne sich aber umzudrehen, befahl er dem Diener, Speisen und Getränke für die Besucher zu bringen. Als der Diener die Tür geschlossen hatte, wandte sich Sesshoumaru erst um. Rin ließ die Hand von InuYasha los und lief auf ihn zu und umarmte den stolzen Youkai. InuYasha hielt erstaunt die Luft an, als er sah, wie sein unnahbarer Bruder das Haar des Kindes streichelte.
Dann wandten sich dessen Augen zu dem Jüngeren.
„So, du hast sie hergebracht. Setz dich. Wir haben noch etwas zu besprechen.“ Er wies auf einen der Sessel.
Der HanYou gehorchte und musterte seinen älteren Halbbruder neugierig. Rin hingegen wurde nun ruhiger und setzte sich auf den anderen Sessel, lies die Beine baumeln und entspannte sich zusehends. Obwohl sie noch nie hier gewesen war, war es für sie schon beruhigend, dass Sesshoumaru in der Nähe war. Dieser beobachtete das Mädchen, reichte ihr schließlich Stifte und Pergament und ließ sie malen. Die Kleine quietschte vor Freude.
Abermals klopfte es an die Tür und der Diener, welcher den HanYou geleitet hatte, brachte auf einem Tablett Tee und Kuchen, stellte dieses auf den Tisch zwischen den Sesseln und zog sich wieder zurück.
Nun, da niemand mehr stören würde, ergriff der DaiYoukai das Wort.
„Was weißt du von unserem ehrenwerten Vater, InuYasha?“ Der Angesprochene zuckte nervös mit den Ohren.
„Nicht viel“ gestand er, „Nur das, was Myoga, der Flohyoukai, mir erzählt hat, und das was meine Mutter berichtete…“
„InuYasha, unser Vater war zu Lebzeiten einer der größten Youkais, die lebten. Er war ein gefürchteter Kämpfer und Stratege. Bevor er damals zu Tode kam, als er versuchte dich und deine menschliche Mutter zu beschützen, gab es niemanden, der es mit ihm aufnehmen konnte. Bevor er sich für euch einsetzte, hatte er bereits einen anderen Kampf ausgefochten, aus der er, wenn auch verletzt, als Sieger hervorging. Bei diesem Kampf hatte er auch Gebrauch von seinen drei Schwertern gemacht. Was weißt du über diese? Was weißt du über dein Tessaiga?“
InuYasha wurde leicht rot. Irgendwie hatte er sich die Unterhaltung mit seinem Bruder anders vorgestellt.
„Ich weiß, das Tessaiga viele Attacken hat, ich kann derzeit allerdings nur das Kaze No Kizu beherrschen. Ich hab es ja noch nicht solange, wie du ja weißt. Aber es schützt mich vor meinem Dämonenblut, ich verfalle nicht in eine blinde Raserei, wenn ich kämpfe. Warum fragst du?“
Sesshoumaru hatte leise aufgeseufzt. Er musste also wirklich ganz von vorne anfangen und seinem Bruder erklären, wozu das Schwert in der Lage war, ebenso, was die anderen konnten…
Das würde wahrscheinlich doch länger dauern, als er gedacht hatte. Er hatte angenommen, dass der Jüngere wenigstens etwas über das Katana wüsste, aber so rein gar nichts?
„Gut, ich werde dir erklären, was es mit den Schwertern unseres Vaters auf sich hat. Du wirst mich nicht unterbrechen. Im Übrigen habe ich nach Totosai geschickt, der in drei Tagen hier sein wird, auch er wird zu den Schwertern noch einiges zu sagen haben. Ich erwarte von dir, dass du, während du hier bist, mit deinem Schwert trainieren wirst.“
Der Herr des Westens betrachtete InuYasha mit teilnahmslosem Blick und schenkte sich selbst Tee in eine Tasse, nahm einen Schluck und setzte sich an seinen Schreibtisch.
„Unser Vater hatte zu Beginn Tessaiga und Tensaiga. Beide Schwerter sind aus einem Reißzahn unseres Vaters geschmiedet worden, von Totosai, dem Waffenschmied.
Tensaiga kann vor allem hundert Leben vor dem Jenseits erretten, kann die Dämonen der Unterwelt bannen. Mit Tensaiga kann man nicht kämpfen im eigentlichen Sinne, da es diesseitige Wesen nicht tötet. Tessaiga hingegen kann, hat es seine volle Macht erreicht, hundert Dämonen vernichten. Es kann verschiedene Attacken entwickeln, je nach dem, gegen wen du es einsetzt. Es übernimmt sozusagen die stärksten Attacken deiner Gegner und macht sie zu der eigenen. Tensaiga und Tessaiga wiederum zusammen ermöglichten es unserem Vater, ein drittes Katana, Souunga, zu bändigen.
Man sagt, Tessaiga sei das Schwert der Menschenwelt, Tensaiga das des Himmels und das dritte, Souunga, das der Unterwelt.“
Sesshoumaru nippte an seinem Tee, stellte die Tasse auf den Tisch und erhob sich. Er ging zum Fenster, sah nach draußen, die Haare wurden von einer leichten Briese bewegt und schimmerten wie flüssiges Mondlicht auf.
Als er sich seinem Halbbruder wieder zuwandte, sah er in dessen ebenso goldenen Augen. Es war eben nicht zu leugnen: sie hatten denselben Vater. Der HanYou registrierte den musternden Blick des Bruders, sagte aber nichts, wartete, dass dieser in seiner Erzählung fortfuhr.
„Du bist der Sohn des InuTaishu, vergiss das niemals.“
Verwundert über diese Aussage, lehnte sich InuYasha in seinem Sessel nach vorne.
„Was willst du mir sagen?“
„Das du stolz auf unseren Vater sein kannst. Was er erreichte in seinem Leben schaffte zuvor niemand!“
Sesshoumaru musterte seinen Halbbruder mit einem kalten Blick.
Dann wendete er sich ab und setzte sich wieder auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch und fuhr fort.
„Unser Vater hat mit Tessaiga und Tensaiga das schreckliche Souunga bezwungen und gezähmt. Souunga hat einen eigenen Willen. Es sucht beständig nach einem willigen Körper, den es dann für sich nutzt. Souunga strebt vor allem anderen nach Weltherrschaft. Diesen Wunsch überträgt es auf denjenigen, der es führen will.“
InuYasha stutzte. Ein Schwert konnte tatsächlich einen solchen Willen entwickeln?
„Wie geht das? Ich versteh das nicht, wie kann ein Schwert einen solchen Willen haben und auf den Träger übertragen?“ zweifelnd sah er nun auf den DaiYoukai.
„Das weiß ich auch nicht. Deswegen habe ich nach Totosai geschickt, er hat die Schwerter damals geschmiedet und müsste eigentlich wissen, warum Souunga so anders ist, als die beiden, welche wir von unserem Vater erbten.“
„Sesshoumaru…“
„Ich denke, es reicht erst mal mit der Geschichte. Geh auf dein Quartier, morgen wirst du trainieren. Ich habe bereits mit dem Kommandanten der Palastwache gesprochen. Er wird dein Training überwachen.“ Sesshoumaru sah seinem jüngeren Bruder in die Augen, ließ mit seinem Blick keinen Widerspruch zu und rief nach einem Diener. Als dieser zusammen mit dem HanYou gegangen war, bemerkte Sesshoumaru, dass Rin noch im Zimmer war. Sie war inzwischen eingeschlafen. Nachdenklich betrachtete er das Kind. Sie war so naiv und unschuldig, obwohl sie schon viel Schreckliches erlebt hatte. Er nahm sie in seine Arme und trug den kleinen Körper in das Zimmer des Kindes, welches genau an seinem angrenzte. Auch sie hatte eine persönliche Dienerin bekommen, die vor der Tür wartete.
Nachdem er das Kind zu Bett gebracht hatte, gestattete sich der Herr des Westens eine kleine Zeit der Ruhe. Er schritt hinaus in den weitläufigen Garten und betrachtete die Blumen, die im leichten Wind die Köpfe neigten, als wollten sie ihn grüßen.
Er spürte, dass er beobachtet wurde.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 29. Sep 2011, 22:20 
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….

Die Miko war in einem großzügigen Raum aufgewacht. Alles war ihr fremd. Wie war sie hierher gekommen? Wo war hier?
Das Zimmer war groß. Größer als ihre eigene kleine Hütte in dem Dorf. Das Bett, auf dem sie lag, war ebenfalls groß, hier konnten genauso gut drei Personen nächtigen. Es war mit warmen Fellen belegt, eine Decke lag auf ihr. Es war angenehm, bequem und duftete nach Lavendelblüten und Minze.
Sie sah sich um. Ihr gegenüber war eine Tür. Wohin die führte? Sie ließ den Blick weiter umherschweifen, erkannte in einer ecke des Zimmers einen kleinen Tisch, einen Sessel, eine Kommode stand in der Nähe. An der Seite, Richtung Osten, sah sie Fenster. Eigentlich war da keine Wand, nur Fenster bis zum Boden. Sie stand auf und stellte fest, dass jemand ihre wunden verbunden hatte. Auch trug sie nicht länger die Tracht einer Miko, sondern einen leichten weißen Kimono, der mit blauen Vögeln und Blüten bestickt war. Ihr Haar hing ihr offen über die Schultern. Sie wandte sich zu den Fenstern und ging auf diese zu. Kaede entdeckte eine Tür ganz aus Glas. Noch nie hatte sie solche Fenster gesehen. Sie öffnete die Tür und ein leichter wind trug den Duft von Blumen in das Zimmer. Vor sich sah sie eine Treppe, die in einen Garten führte. Barfuss ging sie die ersten Stufen hinunter und sah sich um. Sie sah wunderschöne Blumenbeete, weiter hinten im Garten einen See, an dessen Ufer sich eine Trauerweide schmiegte. Deren Äste hingen in das Wasser. Kaede wurde geradezu magisch von diesem Baum angezogen und so ging sie zu ihm. Gebannt schaute sie in das klare Wasser des Sees, in dem bunte Karpfen schwammen. Seerosen blühten in dessen Mitte, Libellen umschwirrten sie. Die Sonne versank in einem wunderschönen bunten Farbenspiel hinter dem Horizont und dieses Farbenwunder spiegelte sich in dem klaren Wasser wieder. Es schien, als wolle die Natur, ja der ganze Himmel, mit dieser Pracht die letzten Ereignisse vergessen machen. Kaede seufzte. War sie in einem Paradies erwacht? Nichts schien mehr an die Schrecken erinnern zu wollen. Da erschrak sie, die Erinnerung holte sie mit aller Wucht ein. Sie keuchte auf. Wo war das kleine Mädchen? Was war mit Rin passiert?
Sie sah auf, eine Träne rollte von ihrer Wange. Hoffentlich war dem Kind nichts geschehen. Sie schaute sich um und erblickte unweit von sich die hoch gewachsene Gestalt des Herrn des Westens. Sie beobachtete ihn, seine reglose Gestalt, das Gesicht dem Himmel zugewandt, das Haar offen und wie ein Fluss aus Mondlicht, schimmerte noch in den Farben der untergehenden Sonne. Nun wandte er sich zu ihr um, seine Augen brannten sich geradezu in ihre.
Unfähig sich zu bewegen, konnte sie nicht verhindern, wie weitere Tränen über ihre Wangen liefen. Die Sorge um das Kind war immer noch da, vernebelte ihren Geist und ließ sie in der Erstarrung zurück. Kaede bemerkte nicht, dass der DaiYoukai nun neben ihr stand, sah weiterhin starr nach vorne und hörte noch immer die Schreie des kleinen Mädchens in ihrem Kopf, ebenso die kalte stimme Narakus. Sein Hohngelächter, als sie versucht hatte, das Kind zu schützen und dann ungläubig mit ansehen musste, dass all ihre Bemühungen vergebens waren. Sie spürte noch einmal den Schmerz, als er sie verletzte und das Kind zwang, sich dies mit anzusehen.
Sie spürte, wie die Beine ihr nachgaben, fühlte, wie alle Kraft sie verließ und sie zu Boden sackte.
Sesshoumaru der nun neben Kaede stand, sah die eigentlich doch so stolze Miko an, sah wie sie zu Boden ging. Er hatte in ihren Augen den Schrecken gesehen. Was ging in ihr vor? Und ehe er es selbst bemerkte, war er in die Knie gegangen und berührte diese Menschenfrau am Arm.
Kaede spürte eine warme Hand an ihrem Arm, sah auf und in warme, goldene Augen. Der Herr des Westens kniete neben ihr und fasste sie am Arm.
„Wo ist Rin?“ Ihre Stimme, nicht mehr als ein Flüstern.
„Ihr geht es gut, sie ist in ihrem Zimmer. Sie ist hier sicher, und du auch.“
Wieder sah sie ihm in die Augen.
„Was ist passiert?“
Seine Stimme, mit einem mal warm und sanft.
Sie schaute auf den See, in dessen Wasser sich die ersten Sterne spiegelten. Doch sie sah dies nicht, vor ihr bauten sich die Geschehnisse des Überfalls auf und ließen sie erzittern.



Ihre Stimme, ein Wispern nur, dennoch klar und fest.
„Der HanYou Naraku kam am Abend in unser Dorf, begleitet von zwei anderen Dämonen. Eine Frau, er nannte sie Kagura und ein kleines Mädchen, dass Kanna hieß. Diese Kagura konnte mit ihrem Fächer den Wind bändigen und mit ihm töten, das Mädchen trug einen Spiegel und fing damit an, die Seelen der Bewohner einzusaugen. Sie hinterließen so viele Tote, ehe wir überhaupt den Widerstand begannen. Dennoch kämpften die Männer des Dorfes. Hatten aber keine Chance. Sie wurden zerstückelt, die Seelen eingesogen. Und dieser Naraku lachte nur. Er lachte die ganze Zeit.
Ich habe Rin versteckt unter Decken. Dann lief ich aus der Hütte und versuchte den Bewohnern des Dorfes zu helfen, meinen Freunden. Ich sandte Naraku direkt meine Energie entgegen, schoss meine Pfeile auf ihn ab. Aber diese Kagura verteidigte ihn mit ihrem Wind. Ich versuchte also näher an ihn heran zu kommen, aber es war sinnlos.
Als Kagura das Dach von meiner Hütte schlug, in der die Kleine war, versuchte ich Kagura zu treffen, doch meine Pfeile wurden zu Asche ehe sie sie erreichten.“
Sie holte tief Luft. Während sie erzählte blieb Sesshoumaru neben ihr sitzen, hielt noch immer ihren Arm. Er spürte ihr leichtes Zittern, ihre Anspannung.
„Naraku lachte, als er sagte, ich solle das Kind zu ihm bringen, dann würde er wieder gehen. Aber das konnte ich nicht. Sie ist doch noch so klein! Sie darf niemals wieder in seine Hände fallen!“
Sie hielt ihren Blick immer noch starr nach vorne gerichtet, sah nicht ihre unmittelbare Umgebung, sondern sah wieder sein diabolisches Lächeln vor sich, hörte wieder seine Stimme, so voller Arroganz. Wut glänzte in ihren Augen als sie weiter sprach.
„Ich weigerte mich, Rin herauszuholen. Da holte er mit einer Tentakel, die plötzlich aus seinem Rücken wuchs aus und traf mich. Ich schrie nicht, wollte ihm diesen Triumph nicht geben und versuchte weiter, ihn und seine Gefährtinnen von Rin fern zu halten. Die anderen waren schon tot, lagen da, in ihrem Blut, gekrümmt und teilweise zerstückelt. Seelenlos. Rin sollte das nicht sehen. Und ich war allein.“
Kurz schloss sie die Augen, als wolle sie die Erinnerungen zurückdrängen.
Der Herr des Westens spürte, wie viel Kraft es diese Menschenfrau gekostet haben musste, um das kleine Mädchen zu schützen.
„Als ich dachte, ich würde zusammenbrechen, tauchte mit einem mal dieser andere HanYou auf. Er und seine Gefährten kämpften nun gegen Naraku. Die zwei Frauen kämpften ebenfalls, die er bei sich hat. Der Mönch setzte ein schwarzes Loch in seiner Hand gegen die Dämonen ein, saugte damit die Windattacken ein. Die Frau warf immer wieder ihren Bumerang, schlug mit dem Katana ein und verletzte so Naraku. Aber das alles schien ihn nicht zu kümmern. Die andere Frau schoss mit ihrem Bogen Pfeile auf den Spiegel von Kanna und dann wurde es um mich schwarz. Ich bekam noch mit, wie Naraku das kleine Mädchen plötzlich in den Armen hielt und lachte, wie er brüllte, er habe nun euch in der Hand. Noch einmal versuchte ich mich aufzusetzen und ihm wenigstens noch einmal zu treffen. ‚Ich wollte nicht, dass Rin ihm zum Opfer fällt. Aber ich konnte nicht mehr. Ich war schon zu schwach!“
Das letzte Wort hatte sie beinahe ausgespieen. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten und als Sesshoumaru nun in ihre Augen sah, fuhr er innerlich zusammen. Sie waren kalt und alle Lebensfreude war aus ihnen gewichen. Es war, als sähe er in einen Spiegel.
„Ich muss stärker werden. Ich kann nicht zulassen, dass dieser Mistkerl noch einmal Rin berührt! Darum bitte ich euch, Herr, lasst mich trainieren! Ich muss lernen, besser zu kämpfen.“
Dabei sah sie ihm ernst und fest in seine goldenen Iriden. Er spürte ihre Entschlossenheit in diesem Blick. Aber er wusste auch, dass sie noch lange nicht genesen würde, die Wunde war zu tief gewesen. Dennoch konnte er ihren Wunsch nachvollziehen. Vielleicht besser als jeder andere.
„Ich werde dich trainieren lassen. Doch bevor du lernst zu kämpfen, lerne noch etwas mehr über deinen Geist. Morgen werde ich einen Lehrer zu dir schicken.“ Mit diesen Worten erhob er sich, zog die Miko am Arm mit hoch und als sie sich nun gegenüber standen, wurde ihm klar, dass diese Frau durch die Hölle gehen würde für Rin.
„Du liebst Rin, nicht wahr?“ fragte er.
„Ja.“ Ihre schlichte Antwort.
„Gut, ich werde sehen, was ich für dich tun kann. Kümmere dich aber hier auch weiter um sie.“
Damit wandte er sich von der Frau ab und ging zurück in das Schloss.
Sie schaute ihm noch lange nach, auch als er schon längst aus ihrem Blick verschwunden war. Es mochte sein, dass er ein grausamer DaiYoukai sein konnte, aber sie hatte Vertrauen zu ihm. Mehr als zu manchem Menschen zuvor.



Sesshoumaru stand wieder an seinem Fenster im Arbeitszimmer. An diesem Schreibtisch hatte schon sein Vater gearbeitet. Vor seinem inneren Auge tauchten die Szenen der Vergangenheit auf. Er hörte die Stimme seines Vaters, tief und sanft. Er sah sich selbst, wie er als kleiner Junge zu Füßen des Vaters saß und aufmerksam dessen Worten lauschte.
Und während ihn diese Bilder gefangen nahmen, ging die Sonne auf. Löschte mit ihrem Licht die Sterne aus. Ihre Strahlen, voller Wärme, tauchten die Welt in zartes Rosa und Gelb. Die Vögel sangen in den Wipfeln der Bäume, all die kleinen und großen Tiere der Welt erwachten aus ihrem Schlummer und nichts deutete in dieser friedlichen Stimmung auf den Kampf hin, der sich immer mehr näherte. Dem Kampf des DaiYoukai gegen den Emporkömmling Naraku.
Der Herr des Westens wandte sich um, sah nach draußen und bemerkte seinen Halbbruder, der unweit des Fensters seinen Blick zu seinem älteren Bruder wandern ließ und diesen nachdenklich ansah.
Wie lange hatten sie gegeneinander gekämpft, aus Rivalität und aus dem Ehrgeiz, den jeweils anderen und den eigenen Vater zu übertreffen. Nun waren diese Bemühungen Nichtig. Nun mussten sie zusammenhalten, wollten sie doch beide, dass diese Welt nicht ins Dunkel gestoßen würde.
Und während jeder von ihnen seinen eigenen Gedanken nachhing, betrat der Kommandant der Schlosswache den Garten, rief den HanYou an und führte ihn zum Trainingsgelände.
Sesshoumaru wiederum widmete sich den Unterlagen, in der Hoffnung noch etwas mehr über das Schwert Souunga herausfinden zu können.



Rin hingegen war bereits auf den Beinen und lief mit einer Dienerin zu Kaede. Diese hatte sich derzeit in einen Kimono aus weißer Seide, bestickt mit roten Blumenranken, gekleidet und betrachtete nachdenklich die aufgehende Sonne. Sie wusste, dass sie der kleinen Rin nur dann ein effektiver Schutz sein konnte, wenn sie selbst stärker werden würde. Nicht immer konnte sie auf soviel Glück hoffen, dass jemand anderes ihr helfen würde.
Sie musste es schaffen, ihre geistigen und körperlichen Kräfte zu steigern.
Es klopfte und schon stob eine lachende Rin auf sie zu und warf sich in ihre Arme. Kaede lächelte über die ungezwungene Fröhlichkeit des Kindes. Die Dienerin selbst, die bereits schon viele Jahre für den Herrn des Westens arbeitete, hatte eine solche Fröhlichkeit in diesen Mauern nie erlebt. Sie versuchte, den beiden Menschenwesen zu erklären, dass nun Zeit zum Frühstücken sei. Sie geleitete die Gäste des Herrn des Westens, die zusammen mit dessen Halbbruder angekommen waren, ebenso wie diese sonderbare Miko und die kleine menschliche Hime in den Speisesaal.
Blumen waren hübsch in dem Zimmer arrangiert, Speisen und Getränke standen auf der langen Tafel, an der mindestens 20 Personen sitzen konnten. Hinter jedem der Gäste stand ein Diener oder eine Dienerin, die nur für das Wohlergehen der Gäste zuständig waren. Der Herr selbst war nicht zugegen, ebenso fehlte des HanYou.
Die Gespräche die die Gesellschaft führte waren gedämpft durch die wachsende Unruhe der Einzelnen. Jeder wusste, dass der große DaiYoukai sonst niemals Menschen in seine Nähe ließ. Dass ihnen nun ein solches Privileg gestattet wurde, machte deutlich, dass nun andere Zeiten anbrechen würden. Die Anwesenden wussten nicht viel über diesen Naraku, der das Dorf angegriffen hatte. Nur, dass er nach immer mehr Macht strebte und in seinem Tun derart Rücksichtslos vorging, dass er mehr einem Monster glich, als allem anderen. Kein Dämon vor ihm war derart grausam gewesen.
Als das Mahl beendet war, ging Rin mit ihrer Dienerin hinaus in den Garten und tollte durch die Blumenbeete. Begleitet wurde sie von Jaken, der von dem Herrn aufgetragen bekommen hatte, das Kind zu beaufsichtigen.
Kaede hingegen wanderte stumm durch die Gänge. Nachdenklich strichen ihre Finger an der Wand entlang. Ihre Kräfte wecken und stärken. Das war ihr Wunsch.
Die stand vor einer Tür. Hinter dieser hörte sie eine sonore Stimme Befehle erteilen. Anscheinend wurde hinter dieser Tür etwas trainiert. Ihre Neugierde verleitete sie dazu, die Tür einen Spalt zu öffnen. Sie sah in den hellen Raum, erblickte einen Youkai in einem leichten weißen Hakama, der Oberkörper war frei von störenden Stoffen. Das Gesicht des Youkai schien Jung und zugleich Alt zu sein, Kupferfarbenes Haar fiel in langen Strähnen in seine Stirn. Er wandte sich zu der Miko um und sie bemerkte, wie Bernsteinfarbene Augen sie musterten. Vor ihm standen 10 andere Youkais und verfolgten seine Bewegungen und seine Blicke. Der Miko war es unangenehm, gestört zu haben, und sie wollte sich gerade anschicken, die Tür wieder zu schließen, als der Youkai, offensichtlich der Sensei, sie ansprach.
„Willst du mit uns trainieren, Mensch? Willst du deine Kräfte testen?“ Ihr entging der spöttische Unterton nicht.
Sie trat nun ein und nickte nur. Er deutete auf ein Regal an der Wand am anderen Ende des Raumes. „Dort findest du entsprechende Kleidung. Zieh dich um und lass uns sehen, was du kannst.“
Wieder nickte sie nur und nahm sich einen Hakama, ebenso einen Haori. Ein leichtes Hemd würde sie darunter anziehen. Sie zog sich in einen kleinen Nebenraum zurück, begann sich umzukleiden. Die Dienerin, die sie begleitet hatte, ließ sich im Hauptraum neben dem Regal nieder und beobachtete die Miko, welche nun umgekleidet zu den Youkais zurückkehrte. Alle im Raum waren gespannt, was ein einfacher Mensch wohl können würde. Viele waren sich sicher, dass es nicht großartig sein konnte, den Menschen waren so viel schwächer als Youkais.
Der Sensei ließ die anderen Schüler sich setzten und beobachtete die stolze Haltung der Miko. Dann nahm er eine Angriffshaltung ein und sah, dass es die Miko ihm gleichtat, ebenso anmutig, wie ein Gras im Wind bewegte sie sich.
Er griff an, wurde abgewehrt, griff wieder an. Die Wunde in ihrem Rücken schmerzte, doch sie ließ es sich nicht anmerken. Bemerkte aber, dass der Sensei verwundert eine Augenbraue hob. Er hatte bemerkt, dass sie verwundet war. Dennoch stellte sie sich diesem Training. Er konnte innerlich nur den Kopf schütteln über diesen Willen.
Und während er sie immer wieder aufs Neue attackierte, merkte er, dass ihre körperlichen Kräfte schwanden. Doch da, was war das? Eine Energie nahm in ihr zu, er konnte spüren, wie die Energiewellen aus ihrem Körper strömten. Die Luft wurde schwer und schien sich schneiden zu lassen.
Während er sie wiederholt angriff, bemerkte er auch, dass ihre Bewegungen nun so sanft und zart wie bei einem Tanz wurden. Es schien, als würden ihre Füße nicht mehr den Boden berühren, ihre geistige Energie ballte sich und schoss schließlich mit einem mal auf ihn zu. Ihr Blick war der Wirklichkeit um sie herum entrückt. Sie nahm nicht wahr, wie der Sensei zu Boden ging, bemerkte nicht das laute Luftholen der anderen um sie, als die ausgestoßene Energie allmählich abebbte.
Und während sie nur langsam zurück fand zu der Realität um sie herum, knieten zwei Schüler bei ihrem Meister, richteten diesen auf und warfen ihr bewundernde und skeptische Blicke zu.
„Geht, alle. Bis auf dich Miko, bleibt niemand im Raum.“ Kam die Anweisung des Youkais. Still gehorchten die anderen.
Und nachdem die anderen Dämonen den Raum verlassen hatten, trat er auf die Menschenfrau zu. Nun verstand er, warum sie hier war und wieso der Herr ihm aufgetragen hatte, sie zu fördern.
„Hör zu, Miko. Der Herr hat mich beauftragt, dein Training zu überwachen. Du hast enorme Kräfte in dir. Konntest du diese eben bewusst steuern?“ Seine Bernsteinaugen musterten sie.
Kaede begegnete seinem Blick ruhig und gelassen.
„Nein, nicht wirklich. Ich spürte, wie sich etwas in mir zusammenzog, wie etwas aus mir heraus kam, aber ich habe keine Kontrolle darüber. Ich weiß nicht, was ich tue, ich sehe es noch nicht einmal. Alles um mich herum war weg, wie ausgelöscht. Ein grünes Licht in mir war alles was ich sah.“
Innerlich schüttelte sich der Youkai. „Sie hat soviel Macht. Wenn sie die nicht kontrolliert, kann sie dabei sterben!“ dachte er.
„Gut, ich werde dein Training erst einmal darauf beschränken, dass du lernst, diese Energie jederzeit bewusst abzurufen und das du lernst sie zu kontrollieren.“ Er sah ihr noch immer in die Augen. Ihr Blick erinnerte ihn unwillkürlich an seinen Herrn und Gebieter. Diese Frau war vermutlich die mächtigste Miko, die er je kennen gelernt hatte. Er hatte nicht die Absicht, ihr jemals als Feind gegenüber zu stehen.
„Komm heute Nachmittag wieder hierher. Dann werden wir mit deiner Konzentration beginnen.“
Sie nickte, verschwand in dem Nebenraum und kleidete sich um. Als sie schließlich gegangen war, seufzte der Sensei. Er würde nun zu dem Herrn gehen und diesem Bericht erstatten. Innerlich konnte er dem Herrn des Westens nur gratulieren, ein solches Talent gefunden zu haben.



Sesshoumaru wiederum hatte seine Studien der alten Schriften unterbrochen. Der Geruch der alten Bücher und die kleinen Buchstaben bereiteten ihm mittlerweile Kopfschmerzen.
Er war zum Trainingsplatz gegangen und hatte seinen Halbbruder bei dessen Übungen verfolgt. Nun ging er zu ihm hin und sein Kommandant grüße ihn ehrerbietig. Sesshoumaru hingegen sah seinen keuchenden Bruder nur an.
„Es wird Zeit, dass du dich mit einem wirklichen Gegner misst.“ Sagte er und zückte sein Katana.
InuYasha lächelte und machte seinem Halbbruder deutlich, dass er bereit war.
Schon stürmten sie aufeinander zu und die Schwerter trafen sich Funken sprühend.
Der Kommandant war froh, nicht zwischen den beiden Brüdern zu stehen, die sich nichts schenkten. Auch wenn es „nur“ ein Übungskampf sein sollte, so agierten beide doch so, als würden sie wahrhaftig sich als Gegner sehen. Vermutlich, weil sie sich solange schon feindlich gegenüber gestanden hatten.
Der Kampf wogte hin und her, beide hatten Treffer platziert und ebenso welche einstecken müssen. Immerhin nutzen sie nicht die besonderen Attacken ihrer Schwerter. Es ging hier nur um Kraft und Schnelligkeit, um Angriff und um das Ausweichen.
Gerade, als die Schwerter wieder aufeinander trafen, wurden sie unterbrochen. Der Youkai, der mit Kaede trainiert hatte, begehrte die Aufmerksamkeit der Brüder.
„Herr, ihr habt mich angewiesen, die Miko zu trainieren. Ich möchte euch davon in Kenntnis setzten, dass diese um einiges mächtiger ist, als ihr vermutet hattet.“
Und er berichtete Sesshoumaru von seinen Beobachtungen.
Dieser nickte nur.
„Kümmere dich darum, Daisuke.“ und damit entließ er den Youkai.
Sesshoumaru nickte seinem Kommandanten zu, wohl wissend, dass dieser seinen Kampf mit dem Jüngeren genau verfolgt und analysiert hatte.
„Naoki, ich überlasse InuYasha deiner Obhut.“
Damit wandte er sich ab und ging in die weitläufigen Gartenanlagen.
Allem Anschein nach hatte er in dieser bunten Gruppe fähige Unterstützer gefunden, denn auch seine anderen Diener hatten ihm von den verschiedenen Fähigkeiten seiner Gäste berichtet.
Zufrieden mit den Fortschritten der jeweiligen ging er an den See, an dem am Vorabend die Miko mit ihm gesprochen hatte. Sesshoumaru sah auf das klare Wasser hinab und verfolgte mit den Augen die trägen Bewegungen der Karpfen.
Seine Truppen ließ er um das Schloss zusammen ziehen. Sie sollten allerdings getarnt als einfache Bauern einen Schutz für Rin darstellen. Naraku würde es nicht wagen, ihn in seinem eigenen Schloss zu behelligen. So dumm war noch nicht mal dieser geisteskranke HanYou. Dennoch würde es sich sicher auszahlen, wachsam zu bleiben.
Der Herr des Westens hoffte auf die baldige Ankunft Totosais, damit dieser von dem verfluchten Schwert berichten und wie man es eventuell beseitigen konnte.
Sesshoumaru sah sein Spiegelbild in dem Wasser. Nie in seinem ganzen Leben hätte er vermutet, jemals eine solche bunte Truppe zu beherbergen, ihnen Unterstützung zukommen zu lassen, geschweige denn, sich mit ihnen gemeinsam darauf vorzubereiten, einen HanYou zur Strecke zu bringen. Ein Einfaches in die Schranken weisen würde bei Naraku nicht reichen. Der Irrsinn in dessen Augen war zu gefährlich.

...

Nach einem weiteren Tag, an dem die Gefährten trainierten und lernten, sich besser aufeinander einzustellen in einem Kampf, und an dem sesshoumaru wieder die alten Schriften konsultiert hatte, ging er entgegen seiner Gewohnheit zum Speisesaal.
Alle anderen waren schon hier und labten sich an den Getränken und Speisen. Verhalten drangen ihre Stimmen in sein Bewusstsein.
Außer ihm selbst schwieg nur die Miko und beteiligte sich nicht an den Gesprächen. Sie schien vielmehr als sonst in sich gekehrt zu sein. Ihr Sensei, Daisuke, hielt ihn jeden Abend auf dem Laufenden. Und entgegen dessen Befürchtungen, brauchte die Miko nicht lange um das erforderliche Können zu entwickeln, ihre Energie zu konzentrieren und ebenso konzentriert frei zu setzen. Auch Naoki hatte schnell Verbesserungen bei dem Hanyou erzielen können und alle anderen waren nun vielmehr eine sich langsam aber sicher einspielende Einheit im Kampf.
Sesshoumaru rührte keinen Bissen an. Schlichtweg, weil er als vollwertiger Youkai nicht regelmäßig Nahrung zu sich nehmen musste. Er beobachtete Rin, die völlig unbeschwert zu sein schien und nun herzhaft gähnte. Mit einem Nicken befahl er der Dienerin, die hinter dem Mädchen stand, dieses in deren Gemächer zu bringen. Er selbst erhob sich ebenso und spürte, als er sich entfernte, die Blicke der anderen auf sich.
Er musste sich eingestehen, dass es angenehm war, Gesellschaft in dem sonst so stillen Schloss zu haben. Auch wenn er hier nie alleine war, es waren ja genügend Diener, Wachen und Höflinge da. Aber wirkliche Gesellschaft hatte es hier seit den Tagen seines Vaters nicht mehr gegeben.
Sesshoumaru wunderte sich innerlich über sich selbst. Wo war der kalte Youkai hin, der er selbst einmal war? Hatte ihn die unerwartete Nähe zu anderen geschwächt?
Waren Empfindungen nicht die wahre Schwäche? Und hatte sich diese Überzeugung nicht bestätigt, als Naraku das kleine Mädchen Rin als Geisel benutzen wollte?
Andererseits spürte Sesshoumaru ganz deutlich, dass er diese Veränderungen nicht missen wollte. Es tat gut. Irgendwie.
Nach außen war er noch immer der kalte Herr des Westens. Derjenige, der nie ein Wesen an sich heran kommen lies. Doch innerlich begann er zu tauen. Die Mauer, die er selbst zum Schutz aufgebaut hatte, begann in ihm zu bröckeln. Zwar konnte er selbst nicht absehen, inwiefern das sich als etwas Gutes oder schlechtes herausstellen würde, aber derzeit genoss er es einfach.
Mit diesen Gedanken setzte er sich an die Ufer des Sees, zu dem ihn seine Schritte ganz von allein geführt hatten. Es war bereits Dunkel. Wie schnell zogen doch die Tage dahin. Sein Blick hing am Firmament, an den Sternen. Er suchte einen bestimmten, fand ihn und sah dessen Leuchten. Es erfüllte seine einsame Seele. „Vater…“ seine Stimme, nicht mehr als ein Hauch in der Unendlichkeit des Universums. Er fühlte sich mit einem mal klein und unbedeutend. Im Gegensatz zu diesen weit entfernten Sonnen und Planeten war er das auch. Was war sein Leben gegen das eines Sterns?
Der eine Stern flimmerte Rot auf, wechselte in kaltes Blau und strahlendes Weiß. Dieser besondere Stern war erschienen, nachdem der Herr des Westens, InuTaishu, verstorben war.
Wohin auch immer Sesshoumaru gegangen war, dieser Stern begleitete ihn. Und mit einer unerschütterlichen Gewissheit war sich Sesshoumaru darüber im Klaren, dass der Geist seines Vaters auch zukünftig mit ihm sein würde. Sicherlich hätte der alte Herr des Westens sich darüber gefreut, dass seine Söhne nun gemeinsam kämpften, statt gegeneinander.



InuYasha hatte bemerkt, dass sein Bruder in den Garten gegangen war. Nun stand er da, den Blick auf die fernen Sterne gerichtet und schien mit diesen in eine stumme Zwiesprache getreten zu sein. Und während er den Bruder betrachtete, dachte der HanYou an den Vater, der noch immer so unbekannt und ungreifbar war wie zuvor. Er entschloss sich, sollten sie gemeinsam Naraku besiegen können, mit seinem älteren Bruder über den Vater zu reden. Er wollte endlich wissen, was dieser für ein Vater gewesen war.
InuYasha beneidete seinen Bruder darum, dass dieser einen wirklichen Vater gehabt hatte und nicht nur eine verschwommene Erinnerung.
Der Halbdämon lenkte seine Schritte lautlos durch das Gras, weg von dem Bruder. Weiter hinten im Schatten einiger Bäume konnte er eine Bank ausmachen. Auf dieser saß der Youkai, der die Miko Kaede trainierte, Daisuke. Auch dieser schien in Gedanken versunken, als er aber den HanYou bemerkte, erhob er sich und verbeugte sich leicht. Immerhin war dies der Bruder des Herrn. Er musste ihm mit Respekt begegnen und das was er von seinem Freund, Naoki gehört hatte, schien diesen Respekt zu gerechtfertigen. Immerhin war dieser HanYou ein guter Schwertkämpfer.
Während sich die beiden Dämonen musterten, erklang ein Donnergrollen. Noch schien es weit entfernt zu sein, aber Daisuke richtete sich auf. „Totosai kommt. Er muss sich wirklich beeilt haben, dass er jetzt schon da ist.“ Er wandte sich zu InuYasha um. „Komm, du solltest den alten Schmied kennen lernen.“
Und so machten sich die beiden auf in den Schlosshof.
Dort standen Sesshoumaru und Jaken und blickten auf eine entfernte kleine Wolke, die sich jedoch schnell näherte. Und seltsamerweise gegen den Wind?
Kurze Zeit später konnte jeder erkennen, dass in der Wolke ein riesiger, dreiäugiger Ochse stand. Stolz blies er den Atem aus den Nüstern und die daraus entstehenden kleinen Wölkchen gesellten sich zu der großen, in der er sich befand. Auf dem Rücken des gewaltigen Tieres saß ein alter Mann, der auf seinem gebeugten Rücken eine Tasche trug.
Schließlich landete das Tier vor Sesshoumaru und schaute diesen wild an. Totosai der Schmied sprang leichtfüßig zu Boden, verneigte sich kurz vor dem Herrn des Westens.
„Folge mir, Totosai. Wir haben einiges zu besprechen. InuYasha, komm.“
Der Schmied warf einen überraschten Blick auf den HanYou, sagte aber nichts und trottete hinter dem DaiYoukai hinterher, ebenso wie der Halbdämon.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 1. Okt 2011, 18:36 
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Doch anstatt in das Arbeitszimmer zu gehen, führte Sesshoumaru sie durch die verzweigten Gänge und Flure des Schlosses in einen gemütlichen Raum, der vor allem durch einen Kamin hervorstach, der in der Mitte des Raumes stand und von allen Seiten einen Blick auf das prasselnde Feuer erlaubte. In einer Schale auf dem Boden verbrannten wohlriechende Kräuter, an den Wänden waren geheimnisvolle Zeichen angebracht und außerdem sorgten hier Fackeln für Licht, denn Fenster gab es hier nicht. Noch etwas machte diesen Raum besonders. Er war rund. Es gab keine Ecken.
Als Sesshoumaru hinter InuYasha und Totosai die Tür geschlossen hatte, sah er den beiden eindringlich in die zum Teil erwartungsvollen Gesichter.
„Hier wurden zu Zeiten unseres Vaters immer die strategischen Besprechungen abgehalten.“ Erklärte er seinem Bruder.
„Kein gesprochenes Wort kann diesen Raum verlassen, auch kann kein eventueller Spion uns hier belauschen.“ Damit setzte sich der DaiYoukai auf einen der einladenden Sessel und wies mit einer Hand die beiden an, sich ebenfalls zu setzen.
„Totosai, ich möchte gleich auf den Punkt kommen: Was hat es mit Souunga auf sich? Warum braucht Naraku mein Blut?“
„Mein Herr“ erwiderte der Schmied höflich, „Verzeiht, aber habt ihr zuvor die Güte mich etwas trinken zu lassen? Die Reise war anstrengend.“ Und ohne eine Antwort abzuwarten, stand der Youkaischmied auf und ging an einen in die Wand eingelassenen versteckten Schrank. Er entnahm diesem eine kleine Schale und eine Flasche Sake. Dann setzte er sich wieder, wohlig aufseufzend.
Nachdem er getrunken hatte, sagte er:
„Ich wusste doch, dass noch etwas von diesem wirklich vorzüglichen Getränk hier sein musste….“ Dann sah er prüfend die Brüder an.
„Kann denn euer Halbbruder diese Informationen auch hören?“
„Natürlich. Zweifelt nicht an meinen Entscheidungen.“ Den drohenden Unterton registrierte der Schmied durchaus und machte es sich dennoch in dem Sessel bequem.
„Nun, dann will ich euch beiden berichten, was es mit diesem Schwert auf sich hat. Wie ihr ja sicherlich wisst, mein Herr, habe ich selbst dieses Schwert geschmiedet. Allerdings habe ich es nicht mit diesem Willen ausgestattet, dass war mein eigener Schüler, der es mir entwendet hatte. Seinerzeit war euer verehrter Vater noch sehr jung und besaß auch noch nicht seine beiden Schwerter.“ Er trank wieder einen Schluck Sake, befeuchtete nervös seine Lippen und berichtete dann mit leicht zittriger Stimme weiter.
„Mein Schüler hatte mich betrogen und verließ mich eines Nachts, Souunga nahm er dabei mit sich. Jahre lang blieb er unauffindbar. Obgleich ich alles versucht hatte, ihn aufzufinden um das Schwert wieder zu bekommen. Durch seine eigene verdorbene Seele erschuf mein Schüler den Geist, den er letzten Endes in das Schwert legte. Seine eigene Seele war grausam und böse, immer strebte er nach mehr Macht und mehr Ansehen. Allerdings war er ein talentierter junger Bursche, als er mir das erste Mal begegnete. Und ich ahnte nichts von den Abgründen, die in ihm lauerten. Ich war blind für seine Ambitionen. Dann, als seine Lehrzeit sich dem Ende neigte, stahl er sich davon. Immer hatte er davon gesprochen, dass eines Tages die ganze Welt in Ehrfurcht seinen Namen nennen würde. Doch ich beschied ihm immer wieder, er möge sich mäßigen. Doch er hörte nicht auf mich.“
Der Schmied schaute auf seine verkrampften Hände, die die kleine Schale umklammerten. Er holte Luft.
„Als ich bemerkte, dass sowohl mein Schüler aber auch das Schwert verschwunden waren, ahnte ich Schlimmes. Und richtig. Bald hörte ich Gerüchte von einem schwertschwingenden Dämon, der blutige Spuren hinter sich her zog. Er hatte innerhalb kurzer Zeit ein Reich des Bösen geschaffen, rekrutierte sich alle abscheulichen und bösen Youkais, baute so eine Armee auf und ließ diese gegen die anderen Reiche los. Er besiegte einen Lord nach dem nächsten, kein Youkai schien ihm gewachsen. Und die wenigen, die seiner Raserei entkommen waren, berichteten schlimmes.“ Wieder trank der Schmied.
Er sah in die Gesichter der Brüder, seufzte und beschwor die Bilder der Vergangenheit vor ihnen, indem er mit seiner Schmiedezange, die an seinem Gürtel hing, in der Glut des Feuers stocherte. Die Glut ließ die Bilder erstehen, so dass seine Worte nun wahrhaftig durch die Bilder grauenhaft unterlegt wurden. Ein Dämon war zu sehen, der sich langsam zu den Zuschauern umwandte. Sein Arm, die Hand die das Schwert hielten…
„Mein Schüler hatte dem Schwert seine Seele gegeben und war nun nichts weiter mehr als eine leere Hülle. Innerlich war er tot, aber sterben konnte er nicht. Denn das Schwert hatte von ihm Besitz ergriffen. Seht es euch an. Schaut in die Glut. Ich kann das Grauen nicht beschreiben…“
In der Glut bildete sich der Dämon nun deutlicher heraus. Sein Arm, der das Schwert hielt, schien durch Adern und Sehnen mit diesem verwachsen zu sein. Seine Hand, die den Griff umfasste, war nur noch schwer zu erahnen unter all diesen Fasern. Keine Haut überzog mehr das nackte Fleisch.
Sein Blick war leer, seine Augen waren zu schwarzen, seelenlosen Abgründen geworden. Und er selbst stand auf einem Berg toter und zerstückelter Leichen. Der Himmel hinter ihm war ebenso rot wie der Berg, auf dem er stand. Es schien, als habe sich das Blut seiner Opfer mit dem Himmel verbunden.
Die Stimme, die nun noch zu den Anwesenden drang, war schmeichelnd, scheppernd und duldete keinerlei Widerspruch. Allerdings konnte niemand die Worte verstehen. Aber es schien so, als würde das Schwert mit dem Dämon reden.
Und unter den Worten zuckte selbiger zusammen, stieß einen ohrenbetäubenden Schrei aus, der in einem Wimmern und gurgeln endete. So voller Agonie. Den Brüdern stellten sich die Haare auf.
Totosai nahm das alles zur Kenntnis. Er kannte diese Bilder schon, doch auch er zuckte unbewusst zusammen.
„Damit werdet ihr auch konfrontiert werden, Herr. Das Schwert ist Böse durch und durch. Es verlangt immer wieder nach mehr Blut, nach mehr Grauen. Das ist seine Bestimmung, sein Zweck. Es öffnet die Tore in die Unterwelt, zu den verborgenen finsteren Absichten und Eigenschaften dessen, der es führt. Am liebsten hat es jedoch menschliche Wesen. Deren Herzen sind so leicht zu verführen…“
„Wie können wir dieses Schwert vernichten?“ Sesshoumaru wandte seinen Blick wieder auf den Schmied.
„Vernichten? Souunga? Bislang gelang es eurem geschätzten Vater gerade so unter Aufbietung all seiner Macht und Fähigkeiten, es in seine Schranken zu verweisen. Und als er es innehatte, brach eine friedliche Zeit an. Er versiegelte es mit einem Wächter, der nur diejenigen nicht tötet, die das Blut des InuTaishu in sich tragen. Nur diesen ist es gestattet, das Schwert an sich zu nehmen und über dieses zu gebieten. Sofern sie den Geist ebenso bezähmen können, wie der alte Herr damals.“
Der Schmied kratzte sich am Bart.
„Euer geschätzter Vater hatte seinerzeit mit Tensaiga und Tessaiga gegen Souunga gekämpft. Das Schwert des Himmels und das der Menschenwelt konnten den Geist Souungas brechen. Und auch er musste dafür hart gegen diesen kämpfen. So scheint sich also die Geschichte zu wiederholen. Ihr und euer Bruder müsst also gemeinsam dem Schrecken entgegentreten. Es scheint keinen anderen Weg zu geben.“
InuYasha sah zu seinem Bruder. Er würde nicht zulassen, dass dieser Schrecken wieder wütete.




Sesshoumaru trommelte seine militärischen Berater, Kommandanten, den alten Verwalter, Totosai, InuYasha und seine Gruppe, wie auch die Miko zusammen und befahl ihnen sich in dem Besprechungsraum zu versammeln, in dem Totosai ihm von dem verfluchten Schwert berichtet hatte. Nun ging es also daran, eine Strategie zu entwerfen, das Schloss und damit auch Rin zu schützen und Naraku unschädlich zu machen. Ebenso das Schwert zu beseitigen.
Nachdem alle versammelt waren hielt Sesshoumaru einen kleinen Dolch in der Hand.
„Wir haben einen wirklich starken Feind gegen uns. Aber wie es schon so oft war, werden wir auch diesmal gegen dieses Emporkömmling bestehen. Ich werde unsere Ehre bis auf den letzten Tropfen meines Blutes verteidigen.“ Mit diesen Worten ließ er den Dolch durch seine Handinnenfläche gleiten und Blut tropfte nun zu Boden. Die Dämonen und Menschen sahen gebannt auf die funkelnden Perlen des Lebens, das zu Boden ging.
„Durch meine Adern fließt das Blut von 10 DaiYoukais vor mir, die dieses Land regierten. Immer hielten meine Ahnen die Feinde davon ab, dieses Land in Besitz zu nehmen, oder alles Leben darin zu versklaven. Ich erneuere hier den Schwur. Auch ich werde mich gegen alle und jeden stellen, der dieses Land in den Abgrund ziehen will.“
Damit sah der Herr des Westens stolz auf, sah in die Gesichter der Umstehenden, jeder Zoll ein Krieger und Herrscher.
Die Gefolgsleute des Herrn hielten plötzlich ebenfalls Dolche in den Händen, auch sie leisteten den Schwur. Und auch die Gruppe um den HanYou verfuhr so und bekräftigte damit ihren Willen, dem Herrn beizustehen.
Auch InuYasha vollzog den Schwur. Die Miko hingegen sagte leise: „Ich werde nicht zulassen, dass irgendetwas Rin zugefügt wird. Ich werde sie mit meinem Leben schützen, oder mit meinem Tod.“ Und mit diesen Worten bohrte sie eine ihrer Pfeile, die sie mit sich trug, wie auch ihren Bogen, in ihre schmale weiße Hand. Auch ihr Blut fiel zu Boden.
„Wir sind eins.“ Die Stimme des DaiYoukai war kräftig, beherrscht.
Er teilte die Wachen und Truppen zur Sicherung von dem kleinen Mädchen und des Schlosses ein. Die Miko und Daisuke würden die Befehlsgewalt bekommen. Beide nickten und Daisuke stellte sich neben Kaede.
Der Verwalter verblieb ebenfalls im Schloss, sollte aber vorrangig sich darum kümmern, dass weiterhin Waffen und Nahrung eingelagert wurden und ebenso den Nachschub für die Truppen organisieren, wenn sie erst mal ins Feld zogen.
Er nickte und gesellte sich zu Daisuke.
Totosai würde mit Sesshoumaru und InuYasha gehen.
Ebenso die bunte Gruppe um den HanYou. Die restlichen Truppen und Naoki würden auf weitere Befehle warten, denn erst einmal musste zweifelsfrei festgestellt werden, wo sich Naraku aufhielt. Zwar waren sesshoumaru durch seine Spione bereits mögliche Aufenthaltsorte genannt worden, aber diese waren noch zu wage.
Dennoch, Sesshoumaru brannte darauf, loszuziehen und das Schwert zu finden. So würde er zusammen mit seiner kleinen Gruppe losziehen. Da nur er und sein Halbbruder die Aussicht auf Erfolg bei der Beseitigung der mächtigen Waffe hatten, war es notwendig, zusammen zu bleiben.
Am nächsten Tag würden sie aufbrechen und mit ihrer Suche beginnen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 1. Okt 2011, 20:38 
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Seit geraumer Zeit ging die bunt durcheinander gewürfelte Gruppe nun schon schweigend hinter den beiden ungleichen Brüdern hinterher. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach.
Ihre Schritte waren leise, nur ihre Atemzüge durchbrachen die Stille.
Längst waren sie in den Wald eingetaucht, hatten fast das zerstörte Dorf erreicht. Hier wollten sie mit den Nachforschungen beginnen. Vielleicht war es ihnen möglich, noch Spuren des größenwahnsinnigen HanYou aufzunehmen.
Als sie die ersten Ruinen erreichten, verschlug es InuYasha den Atem. Die schwarzen, verkohlten Häuserreste schienen Händen und Fingern gleich, die anklagend zum Himmel wiesen, die Leichen der Dorfbewohner waren zum Teil angenagt von Tieren oder anderen, primitiveren Youkais. Es war grauenerregend und Übelkeit stieg in ihm hoch. Der Geruch war überwältigend. Leicht süßlich, wie es eben nur von verwesendem Fleisch kommen konnte, vermischt mit Blut und Rauch.
Sesshoumaru wies seine jetzigen Gefährten an, die Augen aufzuhalten. Es musste noch Spuren des Halbdämons geben.
Kurze Zeit später rief eine der Menschenfrauen nach Sesshoumaru. Sie hatte tatsächlich etwas entdeckt. Halb unter den Trümmern einer Hütte begraben, lag ein Fetzen Stoff. InuYasha, der daran roch, stellte den Geruch Narakus fest. Jetzt mussten sie noch seine Witterung verfolgen. Allerdings schien das nahezu aussichtslos, waren doch nun schon einige Tage seit dem Kampf vergangen. Doch sie fanden noch etwas. Den zerbrochenen Spiegel von der Dämonin Kanna. An einigen Scherben klebte Blut, der Rahmen war teilweise gebrochen.
Doch in einer der Scherben spiegelte sich nicht das Grauen ringsum, sondern sie zeigte einen Raum. Sesshoumaru beugte sich über die Scherbe um besser sehen zu können. Der Raum war dunkel, wirkte leer und kalt, ein Fenster war zu erkennen. Es war nach oben hin spitz zulaufend und wies buntes Glas auf. So konnte man zwar nicht hinaus sehen, aber vielleicht war dieser Raum teil des Versteckes von Naraku? Ein solch auffallendes Fenster müsste zu finden sein. Diese waren mehr als selten.
Sie würden sich beeilen müssen. Lange Zeit die Toten zu bestatten hatten sie nicht, so unangenehm das auch war. Sie mussten der nur sehr schwachen Witterung folgen, um wenigstens eine Richtung zu haben.
Sesshoumaru und InuYasha selbst hatten die feinsten Nasen, wobei die des DaiYoukai noch um einiges sensibler war, als die seines Bruders. Beide sogen die Luft ein, bekämpften dabei aufsteigende Übelkeit.
Sesshoumaru schloss die Augen, prüfte die Luft genau. Sortierte die Gerüche und da – ein schwacher Windhauch trug ihm tatsächlich den leichten Geruch des HanYou in die Nase. Er schnellte ohne ein Wort los, die anderen hatten Mühe ihm zu folgen, so unvermittelt war er losgelaufen. Die Menschen fielen schließlich zurück, sie konnten das Tempo nicht halten. So nahm Totosai die beiden Frauen auf seinen Ochsen und erhob sich mit ihnen in die Luft um schneller hinter dem Herrn hinterher zu kommen, InuYasha nahm den Mönch auf den Rücken. Er hielt fast mühelos das Tempo des Bruders. Und so rasten sie dahin, immer der schwachen Witterung hinterher.
Sesshoumaru knurrte. Er würde noch schneller vorankommen, wenn er sich ebenso in die Luft erheben würde, aber dann könnte sein Halbbruder nicht mehr mithalten.
Sie liefen durch das Halbdunkel des Waldes, den tief hängenden Ästen ausweichend. Langsam wichen die Laubbäume Nadelhölzern, die Luft roch würziger, nach Harz. Die Schatten bildeten ein unrealistisches Muster auf dem Waldboden, der unter ihren Füßen nur so dahin floss, als sei er ein Gewässer.
Plötzlich kamen sie an einen breiten Strom. Hier verlor auch der Herr des Westens schließlich die Spur. Der schnell fließende Strom hatte sie mit sich genommen.
Wieder knurrte er, ungehalten über diese Verzögerung. Die Spur wieder zu finden konnte dauern, war vielleicht unmöglich. Er wandte seinen Blick Stromabwärts. Meist bauten Menschen ihre Behausungen in der Nähe von Flüssen… Vielleicht konnte man dort erfahren, wo sich der Wahnsinnige aufhielt.
Schnell lief der DaiYoukai wieder los, sprang über umgestürzte Bäume, die zum Teil im Wasser lagen.
Und richtig, der Geruch von Menschen drang in seine Nase.
In einer kleinen Bucht des Stromes lag ein kleines Gehöft.
Der Mönch wurde bestimmt, sich zu erkunden, ob man hier etwas von Naraku wusste. Währenddessen flog Totosai mit seinem Ochsen noch etwas weiter dem Strom folgend um zu erkunden, was vor ihnen lag.
Die kleine Pause nutzend, saßen die Gefährten am Ufer und unterhielten sich leise. Nur der Herr und sein Bruder schauten über den Strom. In der Ferne konnte man eine Blau schimmernde Bergkette ausmachen. Diese war das Gebiet der Wolfyoukais.
Stromabwärts versperrten einige Weiden die Sicht, Nebel zog auf.
Der Himmel bedeckte sich mit grauen Wolken, die von nahendem Regen kündeten. Sollten sie nicht bald eine brauchbare Spur bekommen, würde der Regen die letzten Reste eines Geruchs auslöschen und sie müssten wieder von vorne beginnen.
Ungeduldig wanderte Halbbruder des Herrn auf und ab. Er wollte sich beweisen. Diese erzwungene Pause dauerte ihm schon zu lange.
Schließlich aber kehrte der Mönch zurück, ihm folgte ein alter Mann, offenbar ein Fischer. In einiger Entfernung blieb er stehen, redete dem zögerlichen Mann gut zu und als dieser vor den beiden Dämonen stand, zitterte er leicht. Noch nie war er einem Dämon so nahe gewesen. Doch er fasste sich und erzählte von einer seltsamen dunklen, fast schwarzen Wolke, die sich in die Richtung der fernen Berge am Horizont bewegt hatte. Er fand es deswegen seltsam, da an jenem Tage die Sonne schien und keine Wolke den Himmel zierte.
Während er sprach, kehrte auch Totosai zu der Gruppe zurück.
Der Alte machte Anstalten, umzufallen, als der Ochse direkt neben ihm landete.
Nachdem er sich etwas beruhigt hatte, als er merkte, dass ihm keine offensichtliche Gefahr drohte, erklärte er noch, dass bei der seltsamen Wolke noch eine riesige Feder dahin flog. Das mussten Youkais sein, meinte er abschließend.
Nun hatten sie also wieder eine Spur. Und die Menschenfrauen stiegen wieder zu Totosai auf den Ochsen, der Mönch auf den Rücken des HanYou der nun Anlauf nahm und Treibholz nutzend über den Strom sprang. Der Ochse flog wieder auf und setzte dem HanYou nach, Sesshoumaru hatte sich in die Lüfte erhoben und war schon längst am anderen Ufer.
Der Alte indes war glücklich, dass er noch lebte. Heute würde er eine Flasche Sake leeren und den Göttern opfern, für diesen Umstand.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 2. Okt 2011, 12:50 
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Lange waren sie gelaufen. Starr richteten sich ihre Blicke auf die fernen Berge vor ihnen. Die Landschaft hatte sich unter ihrem schnellen Lauf in ein sumpfiges Marschland gewandelt. Und es stank nach verrottenden Pflanzen, die Wasserpfützen schimmerten ölig im dämmrigen Licht. Binsen und Wollgras, Fleisch fressende kleine Pflanzen und Moose hatten die Waldbäume abgelöst. Hin und wieder ragten vermodernde oder nur noch halb lebendige Weiden verkrüppelt zum dunstigen Himmel. Und auch der hatte sich verändert. Bleierne Wolken zogen in allen Grautönen über ihnen dahin. Dies war ein Niemandsland. Es gehörte keinem Clan, kein Youkai hegte wirkliches Interesse an diesem trostlosen Ort. Zwar war es hier nicht gefahrlos, es gab auch hier noch genügend primitive und gewalttätige Dämonen, aber diese hüteten sich, die Gruppe aufzuhalten. Sie spürten die mächtige Aura des Fürsten des Westens. So kamen sie unbehelligt durch die Sümpfe.
Für die Menschen war diese Gegend regelrecht deprimierend. Sie zog ihnen jede Lebensfreude aus dem Körper. Nur die Entschlossenheit der beiden Dämonen und des Hanyous brachte sie hier durch.
„Man nennt diese Gegend auch das Moor ohne Wiederkehr.“ Hatte Totosai gesagt. So langsam begriffen zumindest die Menschen, wieso es so hieß. Jeder der hier einen Fuß hinein setzte, verlor jeglichen Antrieb, würde hier stehen bleiben und in den trügerischen, moosigen Inseln auf dem fauligen Wasser versinken. Zumindest galt das für menschliche Wesen.
Niemand sagte ein Wort. Es gab nichts zu sagen, jeder kannte das Ziel ihrer Reise.
„Auf, zur Vernichtung und zum Tod!“ dachte der Mönch. Er sagte es nicht, aber er hatte das Empfinden, dass einige nicht zurückkommen würden. Und er spürte, dass auch sein Leben sehr begrenzt sein würde, würde er wieder vor Naraku stehen.
Die anderen mochten ähnliche Gedanken haben. Doch niemand verlor darüber einen Laut.
Allein die Sicherheit der Welt zählte. Was war dagegen ein Leben?
Wieder wandelte sich die Gegend. Das Moor wich immer mehr einer weiten Ebene aus wogendem hüfthohem Gras. Das Laufen war nun wieder leichter. Und das Tempo steigerte sich wieder. Wurden die Dämonen nie müde? Der Mönch schüttelte innerlich den Kopf. Er selbst war schon erschöpft, obgleich er nicht selbst laufen musste. Aber das Moor hatte an ihm gezehrt.
Unvermittelt hielt Sesshoumaru an. Ließ seinen prüfenden Blick über das hohe Gras wandern und sog die Luft ein. Er knurrte leise.
Menschen und Dämonen gleichermaßen zückten die Waffen und blieben angespannt in einem leicht zu verteidigenden Kreis stehen. Jeder schaute gebannt auf die undurchdringliche Graswand vor ihm. Was war es, was den mächtigen DaiYoukai veranlasste, den Lauf zu unterbrechen?
Irgendetwas raschelte im Gras. Dann war es weiter hinten. Kam wieder näher, verstummte. Unsicher sahen die Menschen auf das Gras. Der HanYou witterte und knurrte leise, Sesshoumaru warf ihm nur einen Blick zu, schon war der Jüngere wieder ruhig. Totosai hatte seinen Schmiedehammer wie eine Waffe erhoben.
Wieder raschelte etwas vor ihnen. Etwas kam näher.
Unmerklich wurden die Beine und Füße der Gruppe von unsichtbaren Fäden gebunden, die sich mit der langsam aufsteigenden Kühle, die aus dem Boden drang, sich immer fester um sie wanden. Die Fäden wurden angezogen, die Kämpfer verloren ihren sicheren Stand und fielen zu einem Knäuel zu Boden, konnten sich nicht aus den hauchdünnen Fäden befreien, die sich langsam aber unerbittlich in ihr Fleisch schnitten. Eine falsche Bewegung und die Fäden würden noch weiter einschneiden. Sesshoumaru widerstand dem Drang, aufzuknurren. Sein Halbbruder fluchte leise.
Blut sickerte auf den Boden. Die Fäden hatten schon ihre Haut durchdrungen. Und immer noch wurden sie geradezu eingesponnen. Schließlich konnte niemand auch nur ein Glied rühren ohne sich ernsthafte Verletzung zuzuziehen und auch seinen Kameraden Schmerzen zuzufügen. Und das Rascheln wurde nun lauter. Stimmen drangen in ihre Ohren. Unartikulierte Laute, eher ein leises Heulen und Knurren, keine Worte.
Angestrengt versuchte InuYasha den Ursprung dieser Laute ausfindig zu machen, doch es gelang ihm nicht. Dafür drangen Gerüche zu ihm. Es roch nach nassem Fell, nach Adrenalin und nach dem Blut, dass er und seine Gefährten schon verloren hatten. Dann nahm er noch etwas wahr. Einen Geruch wie von Pilzen und seltsamen Kräutern. Eine leichte Brise trug diesen direkt zu der bunten Gruppe. Sesshoumaru warnte noch durch zusammengebissene Zähne: „Atmet nicht ein, haltet die Luft ein! Man will uns betäuben!“
Doch es war schon zu spät. Die Menschenfrauen waren bereits bewusstlos, der Mönch sackte in sich zusammen und auch Totosai und InuYasha würden nicht mehr lange bei Bewusstsein bleiben. Der DaiYoukai verstärkte seine Aura, schickte sich an, sich ungeachtet der Schmerzen aus den Fäden zu winden, die ihm nun tief in die Haut schnitten, und schließlich ins Fleisch. Er blutete aus zahlreichen Wunden. Aber er würde niemals aufgeben.
Doch schließlich waren auch seine Anstrengungen vergeblich, er musste wieder Luft holen. Seine Lungen schrieen ihn gequält an, und so sackte auch er in die Schwärze hinab. Sein Körper erschlaffte und er bemerkte nicht, wie die Fäden gelöst und er und seine Gefährten hochgehoben und weggetragen wurden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 2. Okt 2011, 19:56 
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Geruch wie von Fellen… Geruch von einem Feuer in der Nähe… Klamme Kälte im Rücken… „Wo sind wir?“ Der Herr des Westens spürte, dass seine Hände gefesselt waren. Er versuchte sich aufzusetzen und sich zu orientieren. Er stellte fest, dass er und seine Gefährten in einer Höhle untergebracht waren. An seiner stolzen und ruhigen Haltung konnte niemand sehen, wie aufgebracht er innerlich war. Wer hatte es gewagt, ihn anzugreifen und gefangen zu nehmen? Wer war so leichtsinnig, ihn nur mit einfachen seilen zu Fesseln? Seine goldenen Augen durchdrangen mühelos die Dunkelheit der Höhle, die nur spärlich von einem kleinen Feuer in der nähe des Höhlenausgangs erleuchtet wurde. An eben diesem saß eine kleinere Gestalt. Sie wandte den Kopf und erhob sich schließlich, ging aus der Höhle hinaus. Der Youkai hatte bemerkt, dass es ein jüngerer Youkai war, noch fast ein Kind, der Statur nach. Der Geruch von Wolf drang ihm in die Nase.
Der Versuch die Fesseln unbemerkt zu lösen wurde unterbrochen von dem Eintreten einer größeren Gestalt. Aber auch dieser Neuankömmling schien noch recht jung zu sein. Die Gestalt kam näher. Nun hockte sie sich vor Sesshoumaru. Beide musterten sich schweigend. Vor Dem Herrn des Westens saß nun ein junger Wolfsyoukai. Blaue Augen waren zu schmalen Schlitzen verengt, Schwarzes Haar zu einem Zopf zusammen gebunden. Ein Fellstreifen diente als Stirnband, die Brust wurde von einem Fellbesetzte Harnisch geschützt, ein Fell war um die schmalen Hüften geschlungen. Der Wolfsschwanz des Youkais zuckte nervös hin und her.
„Ich bin Kouga, Führer dieses Wolfrudels. Und ihr seid ohne Erlaubnis in unser Territorium gekommen.“ Knurrte er. Seine Stimme brach sich ab und an, als sei er noch im Stimmbruch.
„Was wollt ihr Hunde hier?“
Und er war Respektlos.
Sesshoumarus Hände schnellten nach vorne, er packte den Youkai an der Kehle und hielt ihn fest. Dieser konnte nicht reagieren, ihm wurde unerbittlich die Luft abgedrückt.
„Du solltest dir deine Gegner besser aussuchen, kleiner Wolf“ zischte der DaiYoukai leise.
„Du hast keine Ahnung wer ich bin und wagst es tatsächlich mich gefangen zu nehmen? Dafür wirst du sterben!“
Und sein Druck verstärkte sich unerbittlich.
Inzwischen waren auch die Gefährten aus ihrer Bewusstlosigkeit erwacht, hatten schnell reagiert und sich mit der Hilfe das Halbdämons von den Fesseln befreit.
Der Wolfyoukai rang noch immer um Atem.
„Lass ihn los, Sesshoumaru.“ Totosai sah den Lord beschwichtigend an. „Er ist nicht mehr als ein unwissender Welpe.“
Und tatsächlich lockerte sich der Griff um den Hals des jungen Anführers der Wölfe. Aber er nahm seine Hand noch nicht weg.
Er war nicht gewillt, den Youkai gänzlich ohne Strafe davon kommen zu lassen. Und es machte ihm auch nichts aus, dass vor der Höhle sich mittlerweile ein 20 köpfiges Rudel zusammengescharrt hatte.
„Hör mir zu, Wolf“, seine Stimme war kalt, ohne Gnade. „Zieh dein Rudel zurück und ich lass dich vielleicht leben!“
Kouga gehorchte widerwillig, er bedeutete seinen Leuten durch eine Handbewegung zu weichen. Sie gehorchten, obwohl sie ihren Anführer nicht gerne alleine ließen. Bei diesen fremden Eindringlingen.
Sesshoumaru schleuderte den Wolfdämon zu Boden und dieser keuchte vor Schmerz auf.
„Hör zu Welpe. Ich bin der Herr des Westens. Stelle dich nicht mir entgegen. Wir werden nun gehen.“ Damit schritt er an dem am Boden Liegenden vorbei und ging aus der Höhle hinaus.
Er war allerdings nicht darauf vorbereitet, was sich ihm nun für ein Anblick bot. Die Wolfyoukais die er sah, waren zum Teil schwer verwundet, es waren vor allem junge Youkais, noch nicht ausgewachsen, noch nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Wenige Ältere waren da, und die waren anscheinend schwerer verletzt. Nicht einer hatte nicht mindestens einen verband am Körper.
Sesshoumaru drehte sich zu dem jungen Anführer um. Erst jetzt fiel ihm auf, dass auch dieser Verbände an Armen und Beinen trug. Sie waren schmutzig und teilweise klebte getrocknetes Blut an ihnen.
Auch die Gefährten schauten sich entsetzt um. Was war hier geschehen? Wölfe waren sonst ausdauernde und starke Kämpfer. Was hatte ihnen so zugesetzt?
„Wolfwelpe!“ Sesshoumaru rief den Anführer an, seine stimme immer noch kalt. Kein Mitleid lag in seinem Blick.
„Was ist euch passiert? Erzähl mir alles.“
Der junge Kouga zögerte. Eben noch waren dies seine Gefangen, dann hatte ihn der Youkai bedroht, nun wollte er wissen, was passiert war? Das verwirrte ihn. Er schluckte, ehe er leise anfing zu sprechen. Sein Hals kratzte noch immer.
„Wir wurden angegriffen. Von einem Hanyou. Unser Rudel bestand aus 50 Wölfen, Junge und Alte, Krieger und Kinder. Er metzelte alle nieder, die in seiner Reichweite waren. Dies sind diejenigen, die schließlich flohen. Sonst wären wir auch tot.“
Kougas Stimme war immer leiser geworden. Er schämte sich, dass auch er die Flucht ergriffen hatte.
„Wer hat euch angegriffen?“ Die unbarmherzige Stimme des DaiYoukais holte den Jungen in die Realität zurück.
„Wir haben diesen Hanyou noch nie zuvor gesehen oder gewittert. Er kam über den Pass und fiel in unser Lager ein. Er war….“ Kouga stockte. Die Bilder der vergangenen Tage kamen mit solcher Macht zurück, dass er stocke. Sein Herz raste, sein Atem ging flach. Sein Blick schaute durch Sesshoumaru hindurch.
Dieser runzelte die Stirn. So würde er nichts Brauchbares aus dem Jungen bekommen.
„Mönch, hilf ihm. Er muss sich erinnern.“ Der Angesprochene sah zu dem jungen Youkai.
„Ich werde etwas Zeit brauchen, Herr.“
„Du hast eine Nacht.“ Kam die Antwort und scheinbar gänzlich desinteressiert setzte sich der Daiyoukai in die Nähe des Höhleneingangs. Währenddessen gingen die beiden Menschenfrauen zu den Schwerverletzten und boten ihre Hilfe an, die Verbände zu erneuern. Es war offensichtlich, dass ihnen die Wolfyoukais Leid taten. Totosai setzte sich in einigem Abstand mit seinem Ochsen neben den Herrn des Westens.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 3. Okt 2011, 22:01 
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Kouga spürte eine warme Hand auf seiner Schulter. Er sah auf und direkt in dunkelblaue Augen, die ihn musterten. Es war dieser seltsame Mensch. Ein Mönch.
„Meinst du, dass du darüber sprechen kannst, was dir und deinem Rudel passiert ist? Du hast von einem HanYou erzählt. Wie sah der aus? Wer war das?“ Die Stimme war sanft und zugleich fordernd.
Kouga ließ seinen Blick über seine verletzten Stammesgefährten wandern. Er spürte ihre Schmerzen, als wären es seine eigenen.
Er sah dem Mönch wieder in die Augen. Seine Stimme war leise, als er sagte: „Ich wird es versuchen. Es war Schlimm. Jeder der noch hier ist, hat mindestens ein Familienmitglied verloren. Unser Alphawolf, mein Vater und meine Mutter, die Leitwölfin, beide starben so grausam. Wir konnten ihn nicht besiegen. Und er war nicht allein.“
Er deutete auf das Feuer am Höhleneingang. „Komm, setzt dich, es wird länger brauchen, ehe ich dir alles erzählt habe.“
Während die beiden leise sprachen, unterhielten sich auch die beiden Menschenfrauen mit den Verletzten, bekamen so einen Eindruck von dem erlittenen Grauen.
Sie berichteten es dem Lord, der still dasaß und ohne einen Kommentar sich seine Gedanken machte.
Anscheinend hatte er wirklich Glück, Naraku war auf die Wölfe gestoßen und hatte diese angegriffen. Außer seinen beiden Dienerinnen Kagura und Kanna hatte er Anscheinend noch einen anderen Dämon bei sich. Eigentlich ein Oni. Und dieser hatte ein Schwert geschwungen. Diese vier hatten das ganze Rudel aufgemischt, hatten wahllos Junge und Alte niedergemetzelt, Kanna hatte sich dabei mehr im Hintergrund gehalten. Was den DaiYoukai nicht wunderte. Denn ihr Spiegel war zerstört, sie konnte keine Seelen einfangen. Kagura hingegen hatte mit ihrem Wind viel Schaden anrichten können, Naraku hatte sein Gift ausgestoßen. Am schlimmsten aber hatte der Oni gewütet.
Soweit die Erzählungen der WolfYoukais. Und als sich der Mönch wieder zu Sesshoumaru und Totosai gesellte, erzählte er von dem Tod der Leitwölfe. Diese hatten sich auf den Oni geworfen, hatten ihn gebissen, hatten mit allem gekämpft, was ihnen zur Verfügung stand. Sie deckten so den Rückzug dieser kleinen Gruppe und bezahlten mit ihrem Leben. Sie wurden bei lebendigem Leib zerhackt von dem Oni.
Allerdings hatte Kouga die Beobachtung machen können, dass dieser nicht ganz bei Sinnen zu sein schien. Es erschien dem jungen Anführer, als würde etwas den Oni steuern.
Sesshoumarus Augen wurden zu Schlitzen. „Souunga!“
„Ja, das sagte der HanYou auch!“ Kouga war an ihn getreten. „Was ist das nur?“
InuYasha antwortete ihm und erzählte davon, dass er und der Herr des Westens Naraku besiegen und auch dieses Schwert zerstören würden.
Kouga sah nachdenklich in die Gesichter der Gefährten. Dann blieb sein Blick auf Sesshoumaru gerichtet.
„Stimmt das?“ fragte er.
Sesshoumaru sah ihm ohne Regung in die Augen. Und Kouga sah die unnachgiebige Härte in diesen goldenen Augen. Es schüttelte ihn innerlich. Gegen diesen Dämonen wollte er nie kämpfen müssen. Er erschien so unnahbar und überlegen. Alleine seine Aura war immens.
„Gut, wenn ihr gegen diesen HanYou kämpfen wollt, dann habt ihr unsere Unterstützung. Wir werden euch helfen, wir werden mit euch kämpfen. Allein schon um unsere Toten zu rächen!“
Der junge WolfYoukai kniete nieder und legte eine Hand auf seine Brust. „Ich schwöre bei meinem Leben, ich werde mit euch kämpfen!“
Die anderen Youkais erhoben sich, so sie denn konnten, knieten hinter ihrem Anführer und wiederholten den Schwur. Sie alle handelten gemeinsam.
Totosai nickte nur, InuYasha war erstaunt und der Mönch gar ergriffen von dieser Bezeugung des Rudels. Sesshoumaru hingegen nickte nur leicht. Auch wenn es sicherlich gut war Verbündete zu finden, so bezweifelte er doch, dass diese verletzten Youkais wirklich von Nutzen sein würden.
Andererseits würde es zumindest den Weg durch die Berge einfacher gestalten. Denn diese Dämonen waren hier zu Hause, es war ihr Revier. Sie kannten die Berge wie niemand sonst. Wenn er auch Zweifel an ihrer Kampfkraft hatte, sie wären sicher hilfreich als Kundschafter.
„Wir werden im Morgengrauen aufbrechen. Ihr werdet uns sagen, in welcher Richtung der Wahnsinnige verschwunden ist, aber wir werden kämpfen. Ihr seid zu schwach.“ Der Lord wies mit einer Hand auf die Verletzten. „Ihr könnt zum Teil noch nicht einmal stehen. Eure Wunden sind zu schwer und ich kann mich nicht von euch aufhalten lassen.“
„Wir werden euch nicht aufhalten. Wir zeigen euch den Weg und wenn es soweit ist, werden wir kämpfen. Nehmt meinen Leuten nicht die Rache!“ Kougas Blick war fest auf den DaiYoukai gerichtet.
Dieser sah noch einmal über das kleine Rudel, dann in Kougas Augen und wandte sich dann um.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 4. Okt 2011, 15:53 
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Der Morgen graute, die Sonne sandte weißgoldene Strahlen über die fast schwarzen Silhouetten der Berggipfel vor dem jungen WolfYoukai. Ein bekanntes Bild und dennoch immer wieder atemberaubend. Zart flossen hellgraue Wolkenschlieren über die Bergkronen.
Hinter ihm stand der DaiYoukai, der Herrscher des Westens. Er war lautlos an ihn getreten. Auch sein Blick hing an dem Sonnenaufgang.
„Ich werde euch den Weg durch die Berge zeigen. Mit meiner Hilfe werdet ihr unbeschadet durch die Reviere der anderen Wölfe gelangen.“ Kouga drehte sich halb zu dem Dämon. Doch dieser sah ihn nicht an, sagte nichts.
Langsam regten sich dessen Gefährten, traten einer nach dem anderen zu dem mächtigen Fürst.
„Wir brechen auf.“ Nun sah er endlich Kouga an. Sein Blick fiel auf die Verbände des Jungen. „Kannst du mit uns Schritt halten?“
„Ja“, die Antwort.
Sesshoumaru lies noch einmal seinen Blick auf das am Boden liegende Rudel schweifen, er sah in ihre Gesichter, in die Augen der Youkais. Er sah Wut darin, Schmerz, Hass. Unbändigen Hass auf denjenigen, der diese Schmerzen zu verantworten hatte. Dann sah er den Jungen an. Auch sein Blick drückte Entschlossenheit aus, denselben Hass wie seine Rudelgefährten, denselben Schmerz. Dieser junge Youkai würde sich nicht aufhalten lassen.
„Wir brechen auf.“ Sesshoumaru hatte diese Worte an die Umstehenden gerichtet.
Und schon lief er los. Neben ihm sein Bruder mit dem Mönch, dahinter Totosai mit den beiden Frauen, und Kouga, der schnell aufholte und nun ebenfalls neben dem DaiYoukai lief.
Auch wenn der Boden nun steinig und uneben war, kamen sie doch recht schnell voran. Schon waren sie in der Steigung des Berges, es wurde immer steiler. Doch die Dämonen und der HanYou sprangen Vorsprünge nutzend einfach weiter. Die Menschen hätten nun schon erste Probleme bekommen.
Schnell kam die Gruppe an ein Schneefeld, die zunehmende Höhe machte das Atmen schwerer. Doch noch war nicht an eine Rast zu denken. Die Sonne hatte noch nicht einmal den Zenit erreicht.
Der stahlblaue Himmel und der blendende Schnee machte es schwer, etwas genau erkennen zu können. Kouga war nun an der Spitze und lief umsichtig durch dieses eisige Feld. Alle anderen liefen hinter ihm in seiner Spur.
Es wurde eisiger, ein Wind der aus dem hinter ihnen liegenden Tal hoch wehte lies die Menschen frösteln.
„Wir müssen aufpassen. Hier können sich tiefe Spalten verbergen. Bleibt hinter mir und achtet auf eure Schritte.“ Rief der junge WolfYoukai ihnen über die Schulter zu.
Kurze Zeit später passierte es: Vor dem HanYou brach der Schnee zusammen, er stürzte fast in eine der gefährlichen Spalten hinab und wurde nur durch das rasche Zugreifen seines Halbbruders zurück gehalten. Dieser knurrte auf. Es wurde gefährlicher, wenn sie weiterhin über das Schneefeld rennen würden. Es blieb ihm keine andere Wahl. Wenn sie schnell weiter kommen wollten, würde er sich verwandeln müssen.
Er stoppte seinen Lauf, Kouga sah ihm verwundert zu, wie er seine Gestalt änderte.
Innerhalb weniger Augenblicke stand vor den Gefährten die große Gestalt des mächtigen Dämonenhundes, die wahre Gestalt Sesshoumarus.
Seine roten Augen funkelten wütend. Er musste nun seinen Halbbruder, den Mönch und den Wolf auf seinen Rücken lassen. Das war unter seiner Würde, aber die Situation erforderte es.
InuYasha war erstaunt. Sein stolzer Bruder ließ ihn auf seinen muskulösen Rücken. Ja, er nahm es in Kauf, dass auch ein einfacher, schwacher Mensch ihn berührte.
War das noch sein unnahbarer Bruder, den er kannte?
Sie kamen nun noch schneller voran, der Pass vor ihnen raste ihnen geradezu entgegen, schon waren sie darüber hinweg und weiter ging die schnelle Jagd. Kouga nannte die Richtung und der mächtige Hundedämon flog nur so dahin. Totosais sonst eher gemächlicher Ochse hielt das Tempo mühelos.
Vor ihnen lag eine Schlucht, ein langer Riss im festen Gestein. Unwirklich klaffte der Riss und schien in seiner Tiefe bis in das Innere der Erde zu reichen. Und aus dieser Schlucht ertönte ein Schrei, ohrenbetäubend schrill und lang gezogen. Voll Wut und Aggression.
Sesshoumaru ging tiefer. Etwas hatte seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen, was den anderen noch verborgen blieb. Der HanYou prüfte die Luft und knurrte. Er roch Metall, Blut und Adrenalin. Auch der WolfYoukai hatte es wahrgenommen, auch er knurrte auf. Nach und nach sahen nun auch die anderen was die Dämonen so fesselte.
Auf dem Grund der Schlucht stand ein Oni, er hielt etwas in seiner rechten Hand, es blitze im einfallenden Licht auf. Vor ihm lagen die zerfetzten Körper von zwei Bergriesen. Der Oni brüllte auf, als er die Gruppe erspäht hatte. Den Menschen stockte der Atem.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 4. Okt 2011, 21:04 
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Die Hand die ein Schwert hielt, war nur noch ein Klumpen nacktes Fleisch, Adern und Sehnen verbanden diesen mit dem Metall. Und durch den Körper des Oni ging ein Zittern. Blut tropfte von der Kling auf den fruchtlosen steinigen Boden. Sein ohnehin schon hässliches Gesicht glich mehr einer Fratze in der blanke Mordlust lag. Und auch wenn auf dem Körper viele wunden zu sehen waren, schwankte er nicht. Im Gegenteil. Er ging in eine Art Angriffsstellung und schwang locker das Schert. Ein grausames Lächeln spielte um den Mund, die Reißzähne blitzen auf. Die Augen der Kreatur waren nichts weiter als schwarze, Pupillenlose Abgründe, die keine Empfindung mehr ausdrücken konnten. Seine Stimme hallte schrecklich von den Wänden der Schlucht wieder, eher einem Donnergrollen ähnlich. Sie hatte einen metallischen verächtlichen Klang.
„So, die Hundewelpen kommen! Und ihr bringt euer Spielzeug mit!“ Damit deutete die linke Klaue zu den Menschen und dem WolfYoukai. Totosai wurde blass, als er flüsterte: „Souunga…“
InuYasha war von dem Rücken des Bruders gesprungen, hatte den Mönch zu Totosai geschickt, während Sesshoumaru sich wieder in seine menschenähnliche Gestalt verwandelte und sein Katana Tensaiga zog. Auch InuYasha zog sein Schwert.
„Oh, und ihr habt Tensaiga und Tessaiga bei euch! Wollt ihr spielen?“ Damit hob der Oni drohend seine rechte Klaue, oder vielmehr das, was von ihr übrig war und zeigte mit seiner Klinge auf die beiden Brüder.
„Wir werden sehen, wie das Spiel ausgeht“, knurrte Sesshoumaru.
Ihm war klar, dass dies nun ein Kampf auf Leben und Tod würde. Nur eine falsche Bewegung mochte Verderben nach sich ziehen. Aber er würde nicht klein beigeben. Und in den gespannten Zügen des Halbbruders sah er dieselbe Entschlossenheit.
Ohne zu Zögern schickte dieser seine Attacke auf den Oni und auch Sesshoumaru griff an. Doch der Oni parierte beide Hiebe mit erschreckender Leichtigkeit.
„Kaze No Kizu“, der Befehl, Tessaiga reagierte und schickte Blitze und Sturm auf den Oni, Tensaiga verstärkte die Attacke und aus der Klinge brach blaues Feuer und verband sich mit den Blitzen und dem Wind. Souunga blockte den Angriff, der Oni brüllte.
„Gokuryuuha!“ Durch einen Spalt in dem steinigen Boden krochen Gestalten auf die beiden Brüder zu. Tote Gestalten, die sich auf die beiden Kämpfer stürzten. Doch Sesshoumaru drängte sie mit Tensaiga zurück, seine Augen blitzen rötlich auf. Er wurde wütend.
„Sesshoumaru, lass deinem Hass freien Lauf! Ich werde dich dennoch vernichtend!“ höhnte der Oni, oder war das doch die Stimme des verfluchten Schwertes?
Die Toten wurden von Tensaiga zurück in die Unterwelt geschickt und InuYasha sprang auf den Oni zu, attackierte diesen heftig. Hieb immer wieder auf ihn ein, doch dieser verteidigte sich und es war dem HanYou nicht möglich, auch nur einen Treffer zu landen. Sesshoumaru griff wieder an und auch ihm war es nicht möglich, den Oni zu verwunden. Dieser hielt den Angriffen scheinbar mühelos stand. Dann sandte er eine Energiewelle zu den Menschen und den beiden Youkais. InuYasha wirbelte herum, um die Attacke abzufangen, doch schon hatte der Mönch sein schwarzes Loch aktiviert und Sesshoumaru rief den HanYou an, er solle sich auf ihren Gegner konzentrieren.
Wieder griffen beide an, schafften es aber wieder nicht, etwas auszurichten. Die Klingen trafen aufeinander, Funken sprühten. Die Atmosphäre schien sich zu verdichten. Nur mehr das Luftholen der Kämpfer und sie Schläge der Klingen waren zu hören.
Totosai und der Mönch hatten einen Bannkreis um sich und die übrigen Gefährten errichtet. Sie würden nun keine Zielscheibe mehr für Souunga sein.
Das Blut des Hanyous lief an seiner Haut zu Boden. Er blutete schon aus vielen Wunden. Auch der Herr des Westens war verwundet. Doch noch immer ließ ihre Kraft nicht nach, noch immer kämpften sie.
Wieder öffnete Souunga einen Pfad in die Unterwelt, wieder kamen Tote hervor gekrochen, die die Brüder behinderten. Diese schlugen sich den weg wieder frei zu dem Oni, der nun von Tessaiga eine Wunde am Kopf bekam. Und obwohl diese ihn hätte töten müssen, reagierte der Körper noch immer.
Schließlich standen die beiden Brüder Schulter an Schulter vor dem Oni, führten gleichzeitig ihre stärksten Attacken auf den Oni aus.
„Bakuyuuha!“ brüllte InuYasha, kurz nach dem Kaze No Kizu. Es bildeten sich an der Schwertspitze Tessaigas regelrechte Wirbelstürme, die auf den Oni zurasten.
„Los“, rief Sesshoumaru und ohne dass er sonst noch etwas hinzufügte raste aus seinem Schwert eine blaue Stichflamme hervor, die sich mit der Attacke des Bruders verband.
Der Oni konnte nicht mehr ausweichen und wurde getroffen. Von der Wucht des Aufpralls wurde der Oni zurückgeschleudert und wurde regelrecht in die Wand der Schlucht gepresst. Staub und kleinere Steine nahmen den Kämpfern die Sicht. Dieser verflog allerdings auch schnell wieder und gab den Blick auf die Trümmer frei, die durch die mächtige Attacke entstanden waren. Allerdings fehlte der Oni. Er schien verschwunden zu sein. Irritiert sah InuYasha sich um. Auch Sesshoumaru konnte ihren Gegner nicht ausmachen. Noch nicht mal mehr dessen Geruch drang in seine Nase. Er schnaubte.
Der Gegner schien wie vom Erdboden verschluckt.
Da vernahm sein sensibles Gehör ein Rauschen über ihnen und als er aufschaute sah er einen riesigen Schwarm von Hornissen ähnlichen Insekten. Diese wiederum sonderten eine Giftwolke ab.
„Naraku“, rief er und hielt sich den Ärmel seines Kimonos vor die Nase. Sein Halbbruder tat es ihm nach. Tatsächlich war der Geruch des gefährlichen HanYous in der Luft. Sollte er den Oni etwa schützen? Und tatsächlich: inmitten der Insekten flog der Oni. Sesshoumaru fluchte in Gedanken. Was sollten sie nun tun? Sie hatten Souunga nicht besiegen können und nun flüchtete es.
Und er selbst und auch sein Bruder konnten ihm nicht folgen. Denn ob er es zugeben wollte oder nicht, der Kampf hatte an seinen Kräften gezehrt. Und InuYasha ging es nicht besser.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 5. Okt 2011, 15:01 
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Die beiden Brüder waren angeschlagen, bluteten aus zahlreichen Wunden, wobei der HanYou mehr Blut verloren hatte und neben Sesshoumaru in die Knie ging. Er keuchte, ihm schwanden zusehends die Sinne. Er bekam nicht mit, wie er aufgefangen wurde. Wie starke Arme ihn stützten.
Der Herr des Westens, der immer wieder gegen den zum Teil menschlichen Bruder gekämpft hatte, hielt diesen nun in seinen Armen, schaute nachdenklich in dessen von der Bewusstlosigkeit entspannten Züge. Er fühlte, wie das Blut seines Bruders an seiner Hand entlang floss.
Die Menschen kamen herüber gelaufen, die Frau mit dem Bogen holte Verbandszeug aus ihrer Tasche, die sie am Gürtel trug. Sie weinte. Sesshoumaru zog eine Braue nach oben, als er ihre fahrig wirkenden Handgriffe bemerkte. Als sie weinend die Wunden des noch immer in seinen Armen Liegenden untersuchte, schnell reinigte und verband.
„Liegt dir an meinem Bruder so viel, Weib?“ Seine Stimme war ungewohnt, nahezu sanft. Er sah ihr direkt in die dunkeln Augen.
Für einen Menschen war sie schön. Er bemerkte helle Haut, weiche Züge und dunkle lange Wimpern, die sie nun senkte, da sie seinen Blick anscheinend nicht ertrug.
„Ja, ja, natürlich.“
Ihre Stimme war warm und liebevoll, ebenso ihr Blick, der nun auf dem HanYou lag.
Sesshoumaru nahm das alles zur Kenntnis. Nicht dass er wissen wollte, in welcher Beziehung sie nun genau zu seinem jüngeren Bruder stand, aber es mochte nützlich sein, diesen Umstand zu wissen.
Er sah nun wieder auf den Jüngeren. Hier konnten sie nicht bleiben, es war zu gefährlich. Sie mussten einen Unterschlupf finden, möglichst weit von der Schlucht entfernt, um einem eventuellen Überfall seitens Narakus oder des Oni, der noch immer mit Souunga verbunden war, zuvor zu kommen.
Sesshoumaru sah zu Kouga.
„Wo können wir uns verbergen?“
„Ich werde euch führen. Nicht weit von hier lebt ein befreundeter Youkai. Er ist ein Heilkundiger. Er wird helfen.“ Kouga sah dem DaiYoukai in die Augen. Er sah auch, dass dieser selbst angeschlagen war, dass auch er Wunden aufwies, die sich unbehandelt entzünden könnten.
Der Lord sah auf, zum Himmel.
„Wie weit ist es?“
„Über den Berg dort“, sagte der junge WolfYoukai und deutete in die Richtung.
Sesshoumaru nickte. Er trat einige Schritte von seinem Bruder zurück und verwandelte sich wieder in die Gestalt des Dämonenhundes. Kouga legte den noch immer Bewusstlosen auf dessen Rücken und stieg ebenfalls auf. Auch der Mönch kletterte auf den Dämon. Schon erhob sich dieser in die Luft und flog, so schnell es ihm möglich war in die angegebene Richtung. Er war innerlich verärgert über die Verzögerung. Aber solange er und der HanYou nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte waren, konnte er nicht einen Kampf riskieren. Und es war abzusehen, dass sie das nächste Mal womöglich keine Chance haben würden, wenn sie nicht schnell noch mehr Attacken für Tessaiga entwickeln konnten. Bei dem bevorstehenden Kampf war das Schwert unerlässlich. Es musste stärker werden, ebenso wie sein Besitzer.
Er lief, lief um sein Leben. Er spürte den Atem des Gegners in seinem Nacken. Er war heiß und ließ ihn zugleich zittern. Sie Anstrengung ließ ihn schwächer werden. Durch seine Lungen fuhr ein Schmerz, bei jedem Atemzug. Sein Herz pumpte unaufhörlich und verzweifelt das Blut durch seine Adern, ließ das Adrenalin in die Muskeln fließen. Er versuchte noch schneller zu laufen. Versuchte von dem Schrecken hinter ihm weg zu kommen. Weg von diesem grausamen Gegner, der mehr wollte, als nur seinen Tod. Der seine Seele selbst in die finstersten Abgründe der Hölle senden wollte. Er sah nicht wohin er lief. Alles um ihn war dunkel, alles war anders… nicht real. Nur die Gefahr in seinem Nacken war echt. Er hörte wieder die metallische Stimme, die vor Hohn und Spott troff, ihn zur Verzweiflung brachte.
Plötzlich endete die Flucht. Vor ihm hatte sich ein Abgrund aufgetan, aus dem Nichts. Er stand am Rand der steinigen Klippe, sah hinab in das Inferno unter ihm. Zäh floss die Lava unter ihm, verschlang alles auf ihrem Weg. Es würde kein Entkommen geben, wenn er hinunter fallen sollte.
Er schrie. Schrie mit jeder Faser seines gequälten Körpers. Und da war sie wieder, die Stimme:
„Du entkommst mir nicht! Du kannst niemanden schützen! Du hast versagt!“ Die Stimme lachte.
Er hörte an seinem Ohr das Sirren der Klinge, doch er wollte noch nicht aufgeben. Er wirbelte herum und stand nun mit erhobenen Schwer da, wollte den Hieb parieren, den der Schrecken vor ihm führte.
Die Züge des Gegners, eine Fratze, die Augen starr auf ihn gerichtet und das Versprechen des Todes stand in ihnen. Keine Gnade, kein Erbarmen.
Er kämpfte, versuchte dem Hieb auszuweichen und schlug selbst zu. Doch er traf nicht, er wurde stattdessen an der Schulter getroffen. Er schrie vor Schmerz. Die Klinge zertrümmerte die Knochen und hackte durch das Fleisch.
Er holte wieder aus, die Klingen trafen aufeinander. Ein ohrenbetäubender Laut, kreischend zogen die schneiden aneinander entlang. Sein eigenes Schwert hatte einen Riss bekommen. Doch er schlug noch einmal zu. Das Metall gab nach, sein Schwert splitterte auseinander. Die Splitter stoben wie in Zeitlupe auseinander, schnitten ihm ins eigene Fleisch. Sein Blut lief wie in Strömen an seinem Körper hinunter. Er brach zusammen, fiel auf die Knie. Noch einmal füllten sich seine Lungen, noch einmal ließ er die Luft entweichen in einem Schrei.
Doch sein Gegner rammte ihm nur unter Hohngelächter die Klinge ins Herz.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 5. Okt 2011, 17:19 
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Sesshoumaru zuckte unwillkürlich zusammen. Jemand hatte geschrieen…. Dann, als er den Kopf umgedreht hatte, fiel sein blick auf die zitternde Gestalt neben ihm. Sein Bruder krümmte sich und sein Atem ging nur stoßweise. Seine Augenlieder flatterten, Tränen flossen vereinzelt über dessen Wangen, die Brauen wie in rasender Wut und Angst zusammen gezogen. Er schien zu träumen. Der DaiYoukai erahnte, dass es ein unguter Traum war und legte sich selbst dichter neben den Jüngeren. Instinktiv legte er seine Arme um die noch immer heftig zitternde Gestalt, strich beruhigend durch den dichten Haarschopf.
Obwohl er selbst nur selten träumte, wusste er, dass in dieser Zwischenwelt auch Böses war.
Er spürte etwas Warmes neben sich. Nur langsam kehrten seine Sinne in die Wirklichkeit zurück. Jemand strich ihm beruhigend über das Haar. Er war noch nicht gewillt, die Augen zu öffnen, vielmehr wollte er die Bilder verscheuchen, die ihn so gequält hatten, indem er sich diesen sanften Berührungen hingab.
Dann aber sah er doch auf, als das Streicheln nachließ. Sein Blick traf den seines Bruders, in dessen Armen er lag. InuYasha stieß ein verwirrtes Winseln aus. Sein Bruder hielt ihn fest, sagte nichts. Die Augen fest auf den HanYou gerichtet.
„Was hast du gesehen?“ Die leise Stimme war nicht kalt, sondern warm, beruhigend.
InuYasha spürte die Tränen, die noch immer über sein Gesicht liefen. Er wischte sie beschämt ab. Fühlte sich ertappt.
Doch die Hand des Bruders verblieb eben da, wo sie war, vergraben in dem Haar. Er rückte nicht ab von ihm, die Wärme des muskulösen Körpers umhüllte den HanYou, gab ihm ein ungewohntes Gefühl der Geborgenheit.
Und leise begann er, Sesshoumaru zu erzählen, was er zwischen Wachsein und Schlaf gesehen hatte.
Ohne ihn zu unterbrechen hörte der DaiYoukai zu. Sah ihm immer noch unverwandt ins Gesicht. Strich beiläufig die Tränen von der weichen Haut des Jüngeren, die wieder gekommen waren.
Er roch das Salz auf der Haut seines Bruders und fragte sich, wie dieser überhaupt leben konnte. Hausten doch zwei Geister in ihm. Einmal die mächtige Dämonenseele, die er ebenso besaß, wie der gemeinsame Vater, und dann noch die verletzliche menschliche Seele, die ihn durch die Mutter mit all den anderen Menschen verband. Und doch spürte Sesshoumaru die Entschlossenheit, den unnachgiebigen Willen, der mit jedem Herzschlag seinen Halbbruder beseelte. Ihm die Kraft gab, niemals aufzugeben.
Erst das Schweigen und die verwirrten Blicke von InuYasha holten den Lord aus seinen Gedanken zurück. Wieder sah er dem Jüngeren in die Augen, hielt dessen Blick fest und strich noch einmal durch die Haare. Hielt eine der langen silbernen Strähnen fest und ließ eine seiner eigenen dazu fallen, als er den Kopf etwas anhob. Sie hatten dieselbe Farbe.
„Was auch immer passiert, denk daran: Wir sind Eins.“ Flüsterte er in das Ohr seines Bruders.
„Ich werde nicht zulassen, dass dir etwas geschieht. Aber du musst stärker werden, und zwar schneller, als dir lieb sein kann.“
InuYasha zuckte nervös zurück. Machte sich sein Bruder etwa sorgen? Um ihn? Er konnte den Älteren nicht mehr einschätzen. Sesshoumaru hatte sich verändert. Was war nur geschehen?
Doch anstatt etwas zu erwidern, oder zu fragen, drückte er nur dessen Hand.
„Danke Bruder“, seufzend schloss InuYasha die Augen. „Danke, dass du mich nicht verachtest.“
Er spürte förmlich, wie der Angesprochene lächelte. Und als er die Augen wieder öffnete, sah er noch immer dessen warmen Ausdruck in der sonst so verschlossenen Miene.
„Ich habe mich verändert, InuYasha, und ich tue es noch immer. Ob das nun gut ist, oder nicht, wird sich zeigen…“
Der Herr des Westens sah nicht direkt seinen jüngeren Bruder an, vielmehr sah er durch diesen hindurch. Sah die hoch gewachsene Gestalt seines Vaters, als er zum letzten Mal mit ihm sprach. Hörte dessen Worte.
„Hast du etwas zu beschützen, Sesshoumaru?“
Ja, er wusste, dass er seinen Bruder und Rin, die für ihn wie eine eigene Tochter war, mit seinem Leben beschützen würde.
Unwillig schüttelte er den Kopf.
„Schlaf jetzt, Bruder. Schlaf und komm wieder zu Kräften. Und erzähle keinem von diesem Moment. Das macht mich angreifbar….“ Die Stimme immer noch so sanft, leise.
InuYasha vernahm das ruhige Atmen der Gefährten um sich und das leise Schnarchen des Mönches. Auch der junge WolfYoukai schnarchte friedlich.
So schloss er gehorsam die Augen. Und spürte doch immer die Wärme des Bruders, der ihn früher so unbarmherzig bekämpft hatte. Er genoss jede Sekunde. Und fiel nun endlich wieder in einen ruhigen, erholsamen Schlaf.

….

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 5. Okt 2011, 18:09 
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….

InuYasha wachte auf, weil irgendwie etwas summte. Er sah sich unsicher um. Wo war er? War das alles nur ein Traum gewesen? Er drehte sich um, sein Bruder lag nicht mehr neben ihm. Irgendwie war niemand in seiner Nähe. Wo waren denn alle hin? Irritiert setzte er sich langsam auf. Er hatte Schmerzen. Als er an sich hinunter sah, bemerkte er, dass er mehr Verband um sich hatte, als alles andere. Sein Haori lag neben ihm, er schlüpfte hinein, darauf bedacht, keine plötzliche Bewegung zu machen. Noch einmal sah er sich um. Er lag in einem Raum, dessen Boden mit Strohmatten bedeckt war. Die Papierwände ließen Schatten von Personen erahnen. Nebenan waren anscheinend die Gefährten. Er nahm nach und nach deren Stimmen war. Das Summen ertönte noch immer. Vorsichtig richtete er sich auf und trat zu der Papiertür, schob sie langsam auf. Die Gesichter der anderen wandten sich ihm zu. Er sah die Erleichterung in dem Gesicht der Frau vor ihm. Sie hatte noch immer den Bogen in der Hand.
Er lächelte, kam näher und setzte sich vorsichtig neben sie.
Ein Fremder saß an einer kleinen Feuerstelle, ein Teekessel summte. Das war also das Geräusch, was ihn geweckt hatte.
Der Fremde sah nicht auf, als der HanYou in den Raum getreten war. Er hatte eine Schale mit zerstoßenen Kräutern auf dem Schoss, füllte nun noch etwas kochendes Wasser aus dem Kessel hinzu und rührte den Inhalt bedächtig. Dann sah er erst den Halbdämon an. Er reichte der jungen Frau neben diesem die Schale. Sie nickte und bedeutete dem HanYou ihr in die Schlafkammer zu folgen. Sie würde ihn nun neu verbinden.
Sesshoumaru indessen stand vor der in den Felsen eingehauenen Hütte, neben ihm stand der junge Anführer der Wölfe. Dieser trug frische Verbände, ebenso wie der DaiYoukai. Auch wenn ihre Wunden schneller heilten, als bei Menschen, so waren die Kräuter unter den Verbänden eine wirkliche Hilfe.
Kouga musterte den DaiYoukai neben sich unauffällig.
„Nun?“ fragte dieser, zog eine Braue nach oben und begegnete dem Blick des Jungen.
„Wir können froh sein, dass Jinenji zugegen war, als wir ihn brauchten. Normalerweise ist der alte Youkai nicht hier. Er sammelt meistens Kräuter in de Tälern. Jetzt steht dort unten alles in Blühte.“
Sesshoumaru schwieg. Bedachte den Jungen nicht mehr mit seinen Blicken, sondern sah gedankenverloren zu dem Adler auf, der über ihm kreiste.
„Sag mir, Kouga. Wer ist der mächtigste Dämon hier in diesen Bergen?“
Noch immer verfolgten seine Blicke den Adler, der in majestätischem Flug spiralförmig auf den Luftströmungen immer höher stieg.
Kouga dachte nach, dann antwortete er. „Das ist eindeutig der Alte vom Berg, Taigokumaru. Er ist das Oberhaupt der Fledermausdämonen. Wieso fragt ihr?“
Doch der Herr des Westens beantwortete die Frage nicht.
„Kannst du mich und InuYasha zu ihm bringen?“
„Ja, sicher. Aber es ist nicht ungefährlich, in sein Gebiet einzudringen. Er ist mit uns Wölfen verfeindet…“
Sesshoumaru nickte. „Gut. Wir brechen auf, wenn wir uns erholt haben.“ Damit drehte er sich um und ging in die Hütte zurück.
Dort sah er der Reihe nach auf die Gefährten. Er würde nur mit seinem Bruder zu diesem Dämon aufbrechen. Er konnte sich keine Angriffsfläche erlauben, oder eine Ablenkung für seinen Bruder. Es wurde Zeit, dass dieser noch ein paar Attacken lernte. Später, wenn der Kampf vorüber war, konnten sie immer noch alle anderen abholen, und sich wieder auf die Suche nach Naraku und Souunga machen.
Und bis es soweit war, sollten auch diese Menschen lernen, stärker zu werden.
„Totosai.“ Der Angesprochene hob den Kopf. Die gewohnt kalten Augen des Lord ruhten auf ihm.
„Du wirst diesen Menschen weiter das kämpfen beibringen. Sie müssen sich besser verteidigen können. Sie müssen stärker werden.“
Die anderen sahen den Herrn des Westens nun ebenfalls an.
„Sobald InuYasha sich erholt hat, werden Kouga und ich mit ihm aufbrechen.“ Wieder ließ er seinen Blick über die Umstehenden schweifen. Er sah fragende Gesichter, aber niemand stellte diese laut, es kam keine Widerrede.
Dann ging er in die Schlafkammer. Hin zu seinem Bruder, der wieder schlief. Er betrachtete dessen friedliche Züge. Ja, er musste viel stärker werden.
Nachdenklich ließ er sich auf sein Lager hinab, legte sich hin und seufzte. Auch seine Wunden schmerzten, aber es ließ nach. Sein Körper erholte sich schnell. Er drehte sich so, dass er den Bruder ansehen konnte. Dann schloss er die Augen und gönnte seinem Körper noch einmal Ruhe. Wer weiß, wann er sich wieder ausruhen konnte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 5. Okt 2011, 23:21 
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Wieder liefen sie, wieder auf der Suche. Diesmal jedoch nach einem Dämon. InuYasha hatte den Erzählungen Kougas gelauscht. Dieser Youkai war stark, hatte schon oft die Wölfe überfallen. Und Kouga brannte auf Vergeltung.
Doch es würde nicht sein Kampf werden, dass hatte Sesshoumaru sehr deutlich betont.
Der HanYou sah verstohlen zu seinem Bruder hinüber, der an der Spitze lief. Sein silbernes Haar flog geradezu hinter ihm her, er hatte wieder einmal ein schnelles Tempo angeschlagen.
Sie rannten über einen steinigen, schmalen Bergpfad. Neben sich einen Abgrund, auf der anderen Seite eine nahezu senkrechte Felsenwand. Und der Himmel ließ den HanYou schaudern. Schwefelgelb mischte sich mit Grau und Violett. Die Wolken erweckten den Eindruck anbrandender Wellen an Klippen.
Es roch nach Elektrizität. Es würde wohl nicht lange dauern, dann würde ein Unwetter anbrechen.
Es grollte, der Donner kam näher. Blitze zuckten wie Schlangen über den Himmel. Die Wolken waren nun beinahe schwarz geworden. Ein Sturm fegte die Wolken wie fallende Blätter vor sich her.
Und es war nicht möglich auch nur ein Wort zu verstehen. InuYasha und Sesshoumaru sahen nur, wie sich die Lippen Kougas bewegten. Doch seine Stimme wurde von dem Donner überrollt, von dem Sturm weggetragen. Er reckte seine Hand zu dem Berg vor ihnen und schien ihnen etwas Wichtiges mitteilen zu wollen.
Die Brüder prüften die Luft, nahmen den Geruch eines Dämons wahr. Erst schwach, doch er wurde schnell stärker.
Vom Wind getragen stob ein Schwarm Fledermäuse auf die drei zu. Doch dies waren keine gewöhnlichen Fledermäuse, diese waren Mannsgroß. Und sie stürzten nun in einer Formation auf die Youkais und den HanYou herab, die Fänge blitzen im Schein eines Blitzes auf, die roten Augen funkelten. Sie wollten angreifen! Schnell zog InuYasha sein Katana, Sesshoumaru und Kouga gingen ebenso in Angriffstellung.
Doch sie wollten InuYasha den Kampf überlassen, das hatte Sesshoumaru vor ihrem Aufbruch beiden gesagt. Es ging darum, dass sein Halbbruder stärker wurde, und das ging nur, indem er gegen andere Dämonen antrat.
Dieser holte aus und schickte den Dämonen das Kaze No Kizu entgegen und vernichtete so einen Teil der Fledermäuse. Doch die übrigen kamen nun gefährlich nahe, schon wollten sie ihre scharfen Klauen in ihn schlagen. Doch schnell blockte der HanYou ab, sprang leichtfüßig zurück. Wieder holte er mit seinem Katana aus und zerfetzte einige der Dämonen, deren zuckende Leiber vor seine Füße fielen. Blut tränkte den Felsen. Wieder hallte ein Donnerschlag und brach sich in den Bergen, wurde durch das Echo verstärkt. Die Blitze zuckten mit der nächsten Attacke Tessaigas auf die restlichen Fledermäuse zu und vernichteten wieder einige. Doch sie schienen nicht weniger zu werden. Sesshoumaru beobachtete, wie zwei zurück flogen. Anscheinend holten sie Verstärkung.
Er knurrte. Jetzt würde es vermutlich Ernst werden.
Und tatsächlich, während InuYasha mit den verliebenden Dämonen kämpfte, erstrahlte über ihnen eine Wolke in einem roten Licht, dass schnell intensiver wurde. Die Wolken teilten sich und offenbarten einen Dämon, der nur auf den ersten Blick eine menschenähnliche Gestalt aufwies. Dieser Dämon flog mit seinen Fledermausflügeln auf sie zu, landete schließlich unweit vor InuYasha, ein rotes Glühen umhüllte ihn.
Sein Antlitz, umrahmt von Nachtschwarzem Haar, sah eher einem Engel ähnlich, denn einem Dämon. Die hoch gewachsene Statur war Muskulös und in schwarzes Leder gehüllt. Ein silbriges Katana hing an seinem Obi. Die roten Augen des Dämons glühten und fixierten den HanYou. Seine Fledermausschwingen lagen um ihn wie ein Mantel aus stumpf schimmernden schwarzen Leder.
Seine Hände hatten sich zu Fäusten geballt und es sah aus, als würde er das rote Glühen darin ballen, als würde das rote Licht in seine Hände fließen wie zähflüssiger Honig. Seine Stimme war geradezu lieblich, sanft und schien so gar nicht zu den drohenden Gesten zu passen.
„Was fällt dir ein, dreckiger HanYou, dass du es wagst meine Untergebenen zu töten? Weißt du nicht, wer ich bin? Du wirst mir den Tod eines jeden Einzelnen büßen, dreckiger Abschaum!“
Schon streckte er seine Fäuste vor, öffnete sie und schon schoss dieses rote Licht auf InuYasha zu. Dieser schaffte es, mit seinem Katana das Licht abzulenken. Es traf die umliegenden Felsen. Diese schmolzen wie Butter in der Sonne, zerflossen und erstarrten wieder. Der Dämon schrie auf und schnellte mit einer unnatürlichen Geschwindigkeit auf den Halbdämonen zu, griff diesen mit bloßen Händen an. Und bekam etwas von dem Haori zu fassen. Augenblicklich kräuselten sich kleine Rauchwolken aus dem Gewebe. Dieser Dämon schaffte es, eine enorme Hitze zu erzeugen und als Waffe einzusetzen.
InuYasha sprang zurück, holte mit Tessaiga aus und versuchte seinen Gegner zu treffen.
Und während die beiden Kontrahenten diesen Tanz des Todes tanzten hielten sich Kouga und Sesshoumaru etwas abseits, bereit jederzeit einzugreifen und dem HanYou zu helfen, sollte es erforderlich sein. Sesshoumaru analysierte die Technik des Gegners. Er erkannte, dass dieser ein erfahrener Kämpe war, und anscheinend war er es gewohnt, einen Kampf als Sieger hinter sich zu lassen. Doch InuYasha kämpfte verbissen, erkannte die Arroganz des anderen und versuchte daraus einen Vorteil zu ziehen, indem er ihn Glauben machte, dass er verlieren würde. Er sprang immer wieder von dem Fledermausdämonen weg. Dieser konzentrierte nun einen Teil seiner Hitze und ließ einen Flammenstrahl auf den HanYou los. Wieder wich InuYasha aus, holte mit Tessaiga aus und schickte eine neuerliche Attacke auf den Dämon. Und noch immer untermalte das Unwetter den Kampf, als müsse es die richtige Atmosphäre dafür schaffen. Noch immer zuckten die Blitze über den Himmel, der Donner grollte, wurde lauter. In derselben Zeit zog nun auch der Dämon sein Katana und dieses glühte nun ebenfalls rot auf. Es zog die Blitze an, nahm deren Energie auf und schon holte der Dämon aus. Das Feuer, verstärkt mit der Elektrizität der Blitze schoss auf den Halbdämonen zu. Dieser hatte zeitgleich ein Kaze No Kizu auf den Gegner losgelassen.
Beide Kämpfer schafften es, der Attacke des anderen auszuweichen. Sesshoumaru sah, dass sein Bruder bereits schneller atmete, anscheinend machte ihm dieser Kampf sehr zu schaffen. Der Kontrahent hingegen schien noch immer in seinem Gleichgewicht zu sein. Nichts ließ darauf schließen, dass er gerade einen Kampf führte. Er wirkte nicht ermüdet, oder außer Atem. Vielmehr verzog er das Engelsgesicht zu einem spöttischen Lächeln. Wieder sammelte er die Energie, die Hitze und entließ diese mit einer schnellen Handbewegung auf den HanYou. Wieder blockte dieser.
Der Kampf zog sich hin. Immer wieder wich InuYasha aus, blockte und versuchte endlich den Dämon vor sich, der immer noch lächelte, endgültig zu schlagen. Er knurrte. Irgendetwas musste er tun können. Da nahm er das Pulsieren Tessaigas wahr. Er ließ schnell das Kaze No Kizu los, in demselben Augenblick ließ der andere wieder eine Hitzewelle auf ihn los.
„Bakuyuuha!“ Die Attacke nahm an Stärke zu und die Wirbelwinde trafen endlich ihr Ziel, der andere hatte nicht ausweichen können, zu schnell war die Macht Tessaigas über ihn gekommen. Ungläubig sah er noch auf den HanYou, dann fiel er in sich zusammen, verschwand schließlich, als die Winde ihn vollständig umhüllten. InuYasha fiel erschöpft auf die Knie. Da bemerkte er, dass das Katana wieder pulsierte. InuYasha sah verwundert auf die Schneide. Diese glühte rot auf, Hitze schlug ihm entgegen. Tessaiga hatte die Attacke des anderen absorbiert und sich zu eigen gemacht. Er stand langsam auf, holte versuchsweise mit Tessaiga aus und zielte dabei auf die Felsen vor ihm. „HiTanto!“ Seine Stimme hallte über den sich entfernenden Donner und schon schoss das Feuer auf den Felsen, schmolz diesen.
Kouga und Sesshoumaru sahen zu dem HanYou. Auch dieser hatte sich verändert, seine Aura war anders geworden. Noch völlig vom bestandenen Kampf erhitzt, strahlte InuYasha eine unglaubliche Wärme aus. Anscheinend war etwas von der Energie des Dämonen in seine Aura geflossen.
InuYasha wandte sich zu den beiden um. Der eine, der ihn ruhig musterte und der andere, der erstaunt seinen Blick erwiderte.
In dieser Nacht schlief InuYasha nicht. Er sah immer wieder das Katana an und spürte noch immer das warme Gefühl in seinen Händen, als es sich verwandelt hatte. Er hatte die Energie spüren können, die ihm nun zur Verfügung stand. Es war anders gewesen, als alles andere, was er jemals von dem Schwert gespürt hatte.
Er fragte sich, ob er wohl noch eine Attacke lernen würde, bevor sie Naraku stellen konnten.
Sesshoumaru beobachtete seinen Bruder schweigend. Er wusste, dass dieses neue Können desselben noch nicht ausreichen würde, um gegen Souunga zu bestehen. Dennoch empfand er so etwas wie Stolz. Ja, er war stolz auf den Jüngeren. Innerlich schüttelte er wie schon so oft in letzter Zeit über sich selbst den Kopf.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 6. Okt 2011, 11:56 
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Endlich waren sie wieder unterwegs, hatten Jinenji zurückgelassen, und folgten der schwachen Spur Narakus. Wieder hatte sich der Lord in den Dämonenhund verwandelt, hatte wieder drei der Gefährten auf seinen Rücken gelassen und flog durch die Wolken, neben ihm der Ochse mit Totosai und den beiden Frauen. Sesshoumaru flog höher, durchbrach die Wolken und ermöglichte seinen Reitern, ein faszinierendes Schauspiel zu beobachten. Einige Wolken schienen sich in dem Fell des riesenhaften Hundes verfangen zu haben, glitten träge nur wieder ab, die Sonne strahlte golden und beleuchtete die nun unter ihnen liegende Wolkendecke mit warmen Strahlen. Fast erschien diese wie ein goldener Teppich, aus dem hin und wieder Wolkentürme ragten.
In dieser Höhe zogen Kraniche ihrer Wege, ruhig schlugen die Flügel, durchbrachen das Gold. Nur ihre Rufe, heiser in dieser Höhe, brachen die Stille. Es war atemberaubend. InuYasha stand der Mund offen. Noch nie hatte er etwas Friedlicheres gesehen. Und er bemerkte, dass es den Gefährten nicht anders ging.
Doch schon ließ sich der Herr des Westens wieder nach unten fallen. Das Gold verschwand über ihnen und wurde abgelöst von zunehmendem Grau der Wolken, die nun nicht mehr viel Licht durchließen und immer kompakter zu werden schienen. Nun flog der Lord unter den Wolken, raste zwischen den teilweise in die Wolken reichenden Berggipfeln dahin, prüfte dabei immer wieder die Luft. Aber er konnte keine Spur ausmachen, der er folgen konnte.
Stunden schienen nun schon verstrichen zu sein. Sesshoumaru merkte, dass seine Gefährten müde wurden. Er würde eine Rast einlege müssen, auch wenn ihm das nicht behagte.
Also wurde er langsamer und ließ sich schließlich auf einem Felsvorsprung nieder.
Sie hatten es nicht geschafft ein Feuer zu entzünden, hier war es zu windig. Die Gefährten drängten sich aneinander und nutzen den Ochsen als Windschatten. Sesshoumaru hatte sich nicht zurückverwandelt. Er stand noch immer in seiner Hundegestalt da, betrachtete die Wolken und sah dann hinter sich. Er hatte den Blick des Bruders gespürt. Beide sahen sich in die Augen. InuYasha trat auf ihn zu, legte zögerlich eine Hand an dessen Flanke. Dann sah er den auffordernden Blick des Älteren, und ohne zu überlegen sprang er auf dessen Rücken. Ohne auch nur ein Wort der Erklärung sprang dieser von dem Felsvorsprung und flog wieder in die Höhe, nur mit seinem Bruder. Er hatte in der Nähe einen anderen Dämon ausgemacht. Seine feine Nase wies ihm den Weg. Und auch der Halbdämon nahm nun diesen Geruch wahr. Er vertraute seinem Bruder. Bei diesem Dämon mochte die Möglichkeit für eine neue Attacke liegen.
Die Gefährten schliefen bereits, als die beiden Brüder aufgebrochen waren. Nur die junge Frau mit dem Bogen sah, dass die beiden aufgebrochen waren. Sie war besorgt. Nie hatte sie den HanYou derart nachdenklich erlebt und sie reiste schon einige Monate mit ihm. Immer waren sie auf der Suche nach dem HanYou Naraku gewesen. Denn dieser hatte einst dafür gesorgt, dass InuYasha beinahe gestorben wäre. Durch einen angeblichen Verrat seiner damaligen Liebe. Sie hatte Mitleid empfunden, als sie diese Geschichte erfahren hatte. Ja, sie empfand Leid. Leid für den Halbdämonen, für die anderen Menschen, die alle irgendwie von Naraku zu einem Leben jenseits der Gesellschaft verurteilt worden waren. Sie empfand Leid, für all das was dem jungen Kouga geschehen war. Sie empfand so viel Leid, dass ihr Herz zu zerspringen drohte. Tränen stahlen sich aus ihren Augen, als sie noch immer in die Wolken starrte. Dahin, wo die beiden Brüder verschwunden waren. Sie wollte nicht, dass noch irgendjemand litt. Sie wollte nicht, dass noch jemand Schmerzen wegen dem wahnsinnigen Naraku erfuhr.
Sie stand auf, ging an den Rand des Vorsprungs und breitete die Arme aus. So als hoffte sie, dass der Wind all dieses Leid aus ihr herausbringen könnte. Sie schloss die Augen und fühlte die Kälte, die er mit sich brachte. Sie nahm nur noch diesen Wind war, der hier oben anscheinend nie aufhörte. Sie bemerkte nicht, wie der junge WolfYoukai hinter sie getreten war. Hörte seine stimme nicht, als er besorgt fragte, was sie da tat. Erst als sich seine Arme um ihre Taille schlangen und sie seine Wärme in ihrem Rücken fühlte, kehrte ihr Bewusstsein in das Hier und Jetzt.
Kouga nahm ihr Zittern war, roch ihre Tränen und da er nicht wusste, was er machen konnte, um diese Frau zu trösten, nahm er sie einfach in die Arme. Er wusste nicht, was sie bewegte. Er nahm aber ihr Leid wahr. Und er wollte nicht, dass sie traurig war. Und doch fühlte er sich hilflos.
Sie drehte sich zögernd um, während er sie noch immer leicht in den Armen hielt. Schließlich erwiderte sie die Umarmung. Sie hatte seine Hilflosigkeit gesehen, und das tat ihr noch mehr leid.
So standen sie beide, am Abgrund und der Wind zerrte an ihnen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 7. Okt 2011, 03:11 
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Sesshoumaru hatte seinen Bruder wieder getragen, hatte ihn von dem Kampfplatz wieder weggetragen. Und auch wenn der HanYou schwer atmete, so hatte sich der kleine Abstecher doch gelohnt. Wieder hatte er eine neue Attacke lernen können, hatte wieder einen anderen Dämon in den Tod geschickt.
Langsam wurde InuYasha stärker. Sie würde nun nicht mehr lange brauchen, bis sie auch Naraku ernsthaft in Bedrängnis bringen konnten, oder ihn vielmehr in die Hölle schicken konnten, der er entstammte.
Schon war der Dämonenhund bei dem Felsvorsprung angekommen, auf dem die übrigen Gefährten sich erholt hatten.
Als er landete, nahm er den flüchtigen Geruch von Tränen wahr. Jemand hatte geweint. Warum? Was war geschehen? Prüfend sah er auf die Menschen. Und tatsächlich nahm Sesshoumaru den Geruch an einer der Menschenfrauen wahr.
Es war die junge Frau mit dem Bogen. Er kannte noch nicht einmal die Namen der Menschen, allerdings schien es ihm bislang auch nicht wichtig oder nötig, diese zu kennen. Schlichtweg, weil er sich gar nicht erst länger mit solch schwachen Wesen befassen wollte. Aber nun? Wenn sie wirklich später im Kampf gegen Naraku bestehen wollten, mussten sie eine Einheit werden.
Sein Halbbruder war zwischenzeitlich von seinem Rücken gesprungen und wankte müde zu dem Ochsen, an dessen Bauch er sich legte.
Sesshoumaru nahm seine gewohnt menschenähnliche Form an und ging leise zu den Menschen. Er wollte niemanden wecken. Unausgeruhte Streiter konnte er nicht gebrauchen.
Er hockte sich neben die junge Frau. Sah in ihre entspannten Züge. Sie schlief, hatte ihn nicht bemerkt, nahm seine Aura nicht wahr.
Warum hatte sie geweint? Immer wieder stellte er sich diese Frage. Und fand keine Antwort. Menschen… waren manchmal ein Rätsel für ihn. Insofern, als das es ihm nicht möglich war, ihre Handlungen oder Gedankengänge nachzuvollziehen.
Während er die Schlafende betrachtete, wurde ihr Schlaf leichter, sie schien langsam zu erwachen. Nachdenklich zog sich der Herr zurück, lehnte sich an die Felswand, setzte sich mit den Rücken an diese und warf der Frau noch einen Blick zu. Bemerkte, dass sie verschlafen sich die Augen rieb. Dann sah sie zu dem Ochsen, bemerkte, dass der HanYou wieder zurück war und selig schlummerte. Dann streifte ihr Blick über die Gefährten. Bis sie den Herrn des Westens sah. Unsicher lächelte sie ihn an. Sein Blick blieb distanziert, kalt. Doch da er etwas weiter von den anderen entfernt saß, und neben ihm noch etwas Platz war, ging sie leise zu ihm hinüber. Sie wollte niemanden wecken. Ebenso leise setzte sie sich neben den Bruder des HanYou. Er folgte aus den Augenwinkeln ihren Bewegungen.
„Was willst du?“ Wieder war seine Stimme ungewohnt sanft. Er sah ihr nicht in die Augen, schloss seine Augen, als er ihr Seufzen hörte.
„Ich kann nicht mehr schlafen. Darf ich hier einen Moment sitzen bleiben?“ Auch sie sah ihn nicht an. Wollte nicht, dass er sich womöglich bedrängt fühlte, zumal sie wusste, dass dieser DaiYoukai keine Menschen mochte. Ja, sie hasste. Das hatte sie von InuYasha oft gehört. Und doch, wenn er zu ihr sprach, klang er so anders.
Noch immer pfiff der Wind um den Vorsprung, brachte kalte Luft mit sich. Sie konnte ihr Zittern nicht verbergen. Sesshoumaru wandte ihr den Blick zu, betrachtete sie.
„Warum hast du geweint, Frau?“
Verwundert schnellte sie zu ihm herum.
„Woher…?“
„Ich kann deine Tränen riechen. Also, warum?“
„Ich habe Angst“, gestand sie, so leise, dass er sich anstrengen musste, ihre Stimme zu hören.
„Ich habe Angst, dass alle hier sterben konnten, wenn wir auf Naraku treffen. Das ich niemanden helfen kann….“ Ihre Stimme brach, sie versuchte ihre aufsteigenden Tränen zurück zu halten. Und ihr Zittern verstärkte sich durch ihre Unsicherheit.
„Wie heißt du, Frau?“
Seine Fragen brachten sie aus dem Konzept. „Warum ist das wichtig?“ Sie konnte sich nicht erklären, warum ihr Name für diesen unnahbaren Lord wichtig sein konnte.
„Wenn wir zusammen kämpfen wollen, wäre es gut, wenn ich alle kennen lerne.“ Seine Antwort war so… nüchtern.
„Ich bin Kagome.“
„Warum hast du Angst, niemanden helfen zu können, Kagome?“
Sie sah auf, bemerkte wie Sesshoumaru sie musterte.
„Ich bin schwach, ich weiß nicht, ob ich wirklich eine Hilfe in dem Kampf sein werde….“
Der Lord verwirrte sie.
Ihre Verwirrung nahm zu, als er ihr sein Schulterfell um sie legte. Seine Berührungen waren eher wie der Flügelschlag eines Schmetterlings, so flüchtig. Wieder sah er ihr fest in die Augen.
„Ich hätte dich nicht mitgenommen, wenn ich nicht denken würde, dass du helfen könntest.“
Noch immer sah er sie an, wandte nicht den Blick von ihr. Vielmehr achtete er auf jede kleine Regung ihrerseits. Er hatte schnell gemerkt, dass er sie verwirrte. Aber er wollte, dass sie ihm Vertrauen entgegen brachte. Innerlich schalt er sich einen Narren. Aber er konnte sie nicht so zweifelnd lassen, so unsicher. Sie musste stark sein, stark werden.
„Du kannst gut zielen, ich habe dich beobachtet, als du im Schloss trainiertest. Du kannst auf Distanz kämpfen. Die meisten von uns sind Nahkämpfer. Deswegen bist du nützlich.“
Erstaunt dass er sie lobte, sah sie ihm nun in die Augen, wollte sich davon überzeugen, dass sie nicht träumte. Der Bruder von InuYasha hatte sie gerade gelobt.
„Danke…“
Mehr brachte sie nicht heraus. Er hatte ihr zugesehen? Alleine diese Aussage von ihm ließ ihr Bild von ihm wanken. Überhaupt hatte er jetzt mehr mit ihr gesprochen, als sie je erwartet hatte.
Er bemerkte, dass sie noch immer zitterte.
„Du frierst.“ Stellte er fest. Und tat etwas, was er noch vor nicht allzu langer Zeit nie getan hätte. Eher hätte er sich die Hand abgehackt. Er zog die Frau an sich, legte seinen Arm um sie, wärmte sie mit seinem Körper. Mit geschlossenen Augen saß er da, eine Menschenfrau im Arm. Ja, er erkannte sich allmählich nicht mehr. Er wusste nicht, was mit ihm los war. Er veränderte sich, ja. Das zu Erkennen war eine Sache. Sich selbst zu verstehen eine andere. Und derzeit verstand er sich nicht mehr.
Auch die Frau, Kagome, die seinen Bruder liebte, versteifte sich für einen Augenblick. Doch die Wärme, die sie nun spürte, ließ die angespannten Muskeln locker werden. Langsam schlossen sich ihre Augen. Und nach wenigen Augenblicken spürte der Herr des Westens, dass dieses Wesen neben ihm eingeschlafen war.
Und während er sich immer mehr über sich selbst wunderte und versuchte, sich gedanklich Antworten darauf zu geben, fiel auch er in einen leichten Schlaf.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 8. Okt 2011, 04:32 
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Als die junge Frau die Augen aufschlug, stellte sie fest, dass sie zwar noch immer das Fell um den Schultern hatte, jedoch war der Lord nicht mehr in ihrer Nähe. Sie schaute sich verschlafen um, erkannte, dass der Herr des Westens an einem kleinen Feuer saß, den Rücken zu ihr gekehrt. Die anderen schliefen noch.
Leise erhob sie sich, ging zu ihm und gab ihm das Fell wieder. Er nickte ihr nur zu und schickte sich daran, die anderen zu wecken.
Seinen Halbbruder schüttelte er an der Schulter, den Mönch sah er nur an und verstärkte seine Aura. Dieser schreckte sofort hoch. Stellte verwundert fest, dass er nicht angegriffen wurde und machte sich nun seinerseits daran, die anderen zu wecken.
Nach dem kärglichen Frühstück machte sich die Gruppe daran aufzubrechen und schnell flogen sie wieder in der inzwischen gewohnten Formation durch die kalte Morgenluft.
Allerdings kamen sie nicht weit, Kouga nahm den Geruch eines befreundeten Rudels wahr. Und noch etwas lag in der Luft. Der Geruch eines Dämons, den er nicht zuordnen konnte.
Als sie über dem Lagerplatz des Rudels waren, sahen sie, dass ein gewaltiger dämonischer Geier sich auf das Rudel, eine Gruppe von gerade mal 10 Youkais, stürzte. Kouga keuchte auf.
„Bitte, landet! Das sind Freunde, ich muss ihnen helfen!“
Bat er drängend.
Sesshoumaru sah nach unten. Tatsächlich hackte der monströse Geier auf einen Wolf ein, den er in den Klauen festhielt. Dieser schien auch schon mehr tot als lebendig zu sein. Die anderen Wölfe versuchten dennoch ihn zu retten, attackierten den Geier, versuchten ihn zu beißen. Doch es war klar zu erkennen, dass sie gegen diesen Gegner keine Chance hatten. Dieser Dämon war um einiges stärker.
Sesshoumaru wandte den Kopf nach seinem Halbbruder um. Dieser nickte kaum merklich und schon landete der Dämonenhund hinter den attackierten Wölfen. Noch bevor das Rudel begriff, was geschah, sprang InuYasha vor und ging zum Angriff über. Zwar war der Gegner im Vorteil, konnte er doch fliegen, aber das glich der Halbdämon mit Schnelligkeit und Gewandtheit aus, griff in einer Wildheit an, die die Gefährten so an ihm noch nie gesehen hatten.
Und er setzte neue Attacken ein. Erst schickte er dem Geier eine Flammenwand entgegen, dabei versengte er dessen Flügel. Nun Flugunfähig wurde der Dämon rasend vor Zorn und Schmerz. Er schrie auf, ohrenbetäubend. Sammelte seine verbliebene Energie und ließ einen Giftgrünen Strahl auf den HanYou los.
„Passt auf, dass ist Gift!“ brüllte InuYasha über seine Schulter, versuchte seine Nase mit einem Ärmel zu schützen und hieb nun einhändig wieder auf den Dämon ein.
Dieser wich aus, ließ ihn nicht an sich heran kommen.
Und während die Gefährten von dem Kampf gefesselt waren, tauchte leise, nahezu unhörbar hinter ihnen eine Feurig schimmernde Kugel auf. Diese schien aus dem Nichts zu kommen, war einfach da. Die Oberfläche der Kugel pulsierte. Sie war so groß, dass zwei Menschen darin Platz gefunden hätten. Und sie näherte sich schnell.
Die Frau, Kagome, stand nur zwei Schritte hinter dem Dämonenhund. Die anderen waren weiter vor ihr. Genauso gut hätte sie allein stehen können. Niemand sah zu ihr, niemand nahm die Gefahr wahr, die sich lautlos an die junge Frau heranschlich. Sie verbreitete keinen Geruch, machte keinerlei Geräusche.
Die Kugel öffnete sich einen Spalt breit, blitzartig schnellten Tentakeln hervor, hinderten die Frau daran zu Schreien, sich zu bewegen und unerbittlich wurde sie in das Innere der Kugel gezogen. Und ebenso lautlos, wie die Kugel erschienen war, verschwand sie wieder.
Sesshoumaru sah, dass sein Halbbruder nun sich anschickte, das „HiTanto“ auf den Geier loszulassen. Gleich danach hieb er mit der zuletzt gelernten Attacke auf den Dämon ein.
„JinYuuha!“ brüllte der HanYou, Tessaiga pulsierte und schickte einen Metallregen auf den Gegner. Dieser brach nun endgültig zusammen, rührte sich nicht mehr. Sein Blut floss aus den vielen Wunden, die der Halbdämon ihm nun mit den letzten beiden Attacken zugefügt hatte. Sein Leben war zu Ende.
Die Gefährten waren erstaunt. Sie hatten die letzte Attacke noch nie zuvor gesehen. Auch Sesshoumaru war beeindruckt, auch wenn er sich das nicht anmerken ließ.
Und jetzt erst bemerkte er etwas, was ihn beunruhigte. Er sah sich suchend nach der Frau Kagome um, konnte sie aber nicht sehen. Auch schien sich ihr Geruch bereits zu verflüchtigen, so als wäre sie schon seit einer ganzen Weile nicht mehr bei ihnen. Er knurrte laut. Nun erst registrierten die anderen, dass ihre Freundin nicht mehr da war. InuYasha sah sich suchend um, rief laut ihren Namen und dass sie aufhören solle, diese Spiele zu spielen. Doch es kam keine Antwort. Die Frau kam nicht.
Voller Entsetzten sah der HanYou zu seinem älteren Bruder, sah dessen Verwirrung in seinen Augen. Er hatte also auch nichts bemerkt? Wie konnte das sein?
Wo konnte die Frau hingegangen sein, ohne dass einer der Umstehenden es nicht bemerkt hatte?
Noch einmal rief InuYasha nach ihr, er klang nun schon besorgter.
Doch wieder gab es keine Antwort. Das Rudel Wölfe stand noch weiter abseits, Kouga lief zu ihnen. Als er dann zu InuYasha ging, und ihm berichtete, dass auch von diesen Youkais niemand gesehen hatte, wie sich Kagome entfernt habe, schrie der Halbdämon auf. Das ging nicht mit rechten Dingen zu. Sie war ein Mensch und konnte nicht fliegen oder sich unsichtbar machen. Außerdem wäre das niemals ihre Art. Sie war viel zu besorgt um alle. Nie würde sie gehen, ohne nicht wenigstens mit einem von ihnen darüber zu sprechen. Sesshoumaru hatte sich zurück verwandelt. Mochte er auch in der Gestalt des Hundes noch besser Gerüche wahrnehmen, doch in der menschlichen Gestalt konnte er noch besser denken. Und er war mehr als frustriert, dass er nicht wusste, was geschehen war. Sie hatte genau hinter ihm gestanden. Hatte doch mit ihnen den Kampf beobachtet. Warum hatte er nichts wahrgenommen? War sie etwa….und Sesshoumaru musste sich beherrschen, nicht ebenso wie sein Halbbruder laut zu schreien….entführt worden? Das war die einzige logische Erklärung. Dass sie gewaltsam von ihnen getrennt worden war. Aber warum? Sie war doch nur ein Mensch. Er sah zu seinem jüngeren Bruder, dessen Schultern bebten.
Er ging zu ihm, hockte sich neben den am Boden kauernden. Sanft hob er das Gesicht des Jüngeren, so dass dieser ihm in die Augen sehen musste.
„Empfindest du etwas für die Frau, für Kagome?“ seine Stimme war so leise, dass nur sein Bruder ihn hören konnte.
Doch InuYasha war nicht in der Lage zu sprechen, stumm nickte er. Er sah seinen älteren Bruder mit ängstlichen Augen an. Und zu der Überraschung aller, auch zu seiner eigenen Überraschung, legte Sesshoumaru dem Jüngeren die Hand auf die Schulter. „Wir werden sie wieder finden! Ich verspreche es dir!“


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 8. Okt 2011, 14:10 
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Irgendetwas verschloss ihren Mund, hinderte sie daran zu schreien, sich bemerkbar zu machen. Ihre Gliedmaßen konnte sie nicht bewegen, sie waren gefesselt von etwas weichem und dennoch war es fest und unnachgiebig. Sie sah nicht, wer hinter ihr stand, nahm nur den regelmäßigen Atem in ihrem Nacken wahr, der ihr eine Gänsehaut bescherte. Vor sich sah sie eine flimmernde Art Wand, eine Membran vielleicht eher.
Doch durch diese Membran war es ihr möglich, etwas zu sehen. Und sie sah, wie sie sich schnell, zu schnell, von den Gefährten entfernte. Sah, wie der Halbdämon noch immer kämpfte, sah, wie der große Dämonenhund kleiner wurde, merkte, dass sie höher aufstieg. Sie bäumte sich auf, versuchte sich zu befreien. Sie wollte wieder hinunter, wollte zurück, doch die Fesseln lösten sich nicht. Schon spürte sie wie Tränen ihr in die Augen stiegen. Aber sie unterdrückte sie, wollte nicht heulend zusammenbrechen, noch lange nicht. Eine hand legte sich auf ihren Scheitel. Eine warme Hand. Derjenige, der hinter ihr war, ließ sie durch diese eine Berührung noch bewegungsloser werden, schien in ihren Geist eindringen zu wollen. Sie spürte eine ihr fremde Macht in ihre Gedanken eindringen, doch sie wehrte sich, schüttelte sich innerlich und kämpfte gegen die Lähmung an, die von ihr Besitz ergreifen wollte.
Eine Stimme erklang in ihrem Kopf, klang sanft und doch wusste sie nun von wem sie ausging. Und das jagte ihr eine neuerliche Gänsehaut über ihren Körper, ließ sie sich versteifen.
„Wehre dich nicht. Ich werde dich nicht verletzten. Hör mir zu, wehre dich nicht. Ich will dich nicht töten. Ich will nur, dass du mir zuhörst…. Kleine Kagome…“ Naraku. Er war das? Er hatte es fertig gebracht, sie zu entführen, ohne dass es jemanden aufgefallen war? Wie? Ihre Gedanken überschlugen sich, vor Entsetzen wurde sie noch starrer. „Warum?“ Ihre eigene Stimme, in ihren Gedanken an den HanYou hinter ihr gerichtet.
„Weil du verstehen sollst.“ Seine gedankliche Stimme strich fast zärtlich durch ihren Geist.
„Ich will zurück, lass mich gehen!“
„Das kann ich nicht. Du bist die einzige, die mich verstehen kann.“ Er klang schon fast bittend in ihrem Kopf.
„Geh aus meinem Kopf raus! Lass meine Gedanken in Ruhe!“ Sie stellte sich eine flammende Wand um sich herum vor, versuchte ihn damit aus ihrem Kopf zu bekommen, versuchte ihn zu verbrennen.
Der HanYou schüttelte lächelnd hinter ihr den Kopf.
Sie amüsierte ihn. Zwar hatte er schon früh festgestellt, dass sie das schwächste Glied in der Kette seiner Gegner war, aber sie versuchte dennoch mit all ihrer Macht, von der sie anscheinend selbst noch nicht einmal wusste, dass sie die hatte, ihn aus ihren Gedanken zu verscheuchen. Er hatte sich nur etwas aus ihrem Geist zurückgezogen. Sie wollte ihn mit ihrer Vorstellung verbrennen. Und wenn sie geschult wäre, könnte ihr das auch gelingen. Aber so? So war sie ihm ausgeliefert. Zwar spürte er das gleißend helle Licht in ihrem Geist, ihre Unschuld, ihre Fähigkeit, auch ihn zu reinigen und damit zu töten. Doch er hatte auch ihr Leid gefunden. Es war tief vergraben, tief unten, in ihr. Diese Empfindung, die sie hatte. Sie war dunkel. Wenn er sie nur erreichen konnte, wenn er diese Schwärze in ihr wecken konnte, dann würde sie sich schnell ihm ergeben. Daran zweifelte er nicht.
Wieder bäumte sie sich innerlich auf, diesmal erreichte sie fast, was sie wollte. Er verzog schmerzhaft sein Gesicht. Sie hatte die innere Hitze erhöht, er sah die Flammen die ihren Geist umgaben. Na schön, dann musste er eben doch tiefer in seine Trickkiste greifen. Er zog sich weiter aus ihr zurück, ließ nur einen winzigen Teil seines Bewusstseins in ihr, zu klein, als dass sie es spüren konnte.
Nun vernahm sie seine Stimme an ihrem Ohr. Nur ein Flüstern.
„Ich möchte nur, dass du meine Geschichte kennst. Ich werde nicht lügen. Wenn ich dir von mir erzählt habe, entscheide, ob ich wirklich der Böse bin. Gib mir die Gelegenheit, dir alles zu sagen. Ich will, dass du mich kennst. Dann lasse ich dich entscheiden. Und dich, wenn du es willst, wieder gehen….“ Während er sprach, spürte die junge Frau ihn in ihrem Rücken, er hatte nun auch noch seine Hände auf ihre Schultern gelegt. Aber nicht die Fesseln weggenommen. In ihrem Geist spürte sie nur noch sich selbst. Am Rande verstand sie, wie sich vermutlich multiple Persönlichkeiten fühlen mussten.
Sie versuchte sich umzudrehen, um ihren Entführer zu sehen. Naraku. Sie war noch immer Entsetzt, Wut gesellte sich dazu. Wut auf sich selbst, dass sie nicht weg konnte, von diesem Wahnsinnigen. Wut auch auf die anderen, die ihn nicht bemerkt hatten. Aber vor allem Wut auf diesen Halbdämon in ihrem Rücken. Er hatte so viele leiden lassen. Nun hatte er sie entführt, damit sie seine Geschichte hörte? Was für ein Schwachsinn? Als ob das etwas ändern würde.
Naraku spürte die Wärme, die von ihrem Körper ausging, spürte wie sie noch immer versuchte, sich von ihm zu lösen. Spürte durch ihre Kleidung, wie sie eine Gänsehaut bekam. Seine Hände auf ihren Schultern, diese kleine, zarte Frau. Sie war ein Mensch. Und doch war sie stärker, als er selbst. Zumindest, wenn sie diese Stärke einsetzen könnte. Aber zu seinem Glück konnte sie das eben nicht. Er seufzte leise. Dann beugte er sich vor, roch ihr Haar, beinahe beiläufig streifte er mit seiner Hand ihre Wange, als er ihr zuflüsterte: „Gib mir wenigstens die Chance, mit dir zu reden.“ Er nahm wahr, wie sie unter seiner Berührung zuckte, versuchte sich von ihm zu lösen. Doch er hielt sie fest, mit seinen Tentakeln verhinderte er, dass sie sich auch nur etwas bewegen konnte. Er beugte sich noch weiter vor, vergrub schließlich sein Gesicht in ihrem vollen blauschwarzen Haar. Die Augen geschlossen, lehnte er gegen ihren Rücken.
Sie verspürte einmal mehr den Wunsch, sich endlich befreien zu können. Sie wollte weg. Vor allem wollte sie Abstand. Er war ihr zu nahe. Als er ihre Wange berührte, zog sich in ihr alles zusammen. Nein! Lass das! Ihre Gedanken verhallten in ihr. Sie atmete schwer, unterdrückte den Impuls zu würgen. Ihr war regelrecht schlecht. Was tat der HanYou hinter ihr? Warum kam er ihr so nahe? Sie konnte nicht mehr richtig denken, zu sehr nahmen die Empfindungen sie gefangen. Ekel, Verachtung, Leid, das Weg wollen, die Angst um die anderen, Scham, Chaos.
Schlicht chaotisch. Ja, das war ihr Inneres.
Wieder jagte ihr eine Gänsehaut über den Rücken, als sie spürte, wie er seine Hände zu ihrer Taille gleiten ließ.
„Ich werde die Fesseln lösen. Innerhalb dieser Membran kannst du nicht weg. Und du wirst mir nichts tun können, denk noch nicht einmal daran.“ Wieder war sein Ton so sanft, wieder diese Schauer auf ihrer Haut, als sie bemerkte, wie sie tatsächlich innerhalb einer Sekunde ohne Fesseln dastand. Er drehte sie um, zwang sie ihn anzusehen. Erschreckt sah sie auf die sich windenden Tentakeln, die aus seinem Rücken ragten und nun in eben diesen verschwanden. Damit hatte er sie also festgehalten. Wieder stieg Übelkeit in ihr hoch. Dann sah sie auf seine Hände, die nun wieder auf ihren Schultern lagen. Schließlich in sein Gesicht. Sie musste hoch schauen, er war größer als sie.
Seine Braungoldenen Augen sahen ihr unverwandt ins Gesicht, beobachteten jede Regung. Und da war kein Irrsinn zu erkennen. Sie hatte erwartet, den Wahnsinn in den Augen lodern zu sehen. Doch da war nichts. Und sie bemerkte irgendwo in ihrem Kopf, dass sie noch nie so nahe an diesem Feind gestanden hatte. Vor allem hatte sie nicht damit gerechnet, dass das mal passieren würde und sie noch so lange leben würde um sich darüber Gedanken machen zu können. Sie dachte an die anderen. War sich sicher, dass sie gesucht werden würde.
Wieder sah sie in seine Augen. Stand stocksteif vor ihm. Spürte, dass er sie langsam in die Arme nahm. Was sollte das? Sie bemühte sich ihn von sich zu schieben, wand sich in der Umarmung, doch es half nichts. Er ließ nicht locker, ließ seine Arme da, wo sie waren, hielt sie fest und rührte sich nicht.
„Höre mir zu, mehr will ich nicht.“ Er wisperte in ihr Ohr, war ihr so nahe, dass er mit seinen Berührungen ihr Haar bewegte, sein warmer Atem an ihre Haut gelang. Wieder stellten sich bei ihr alle Haare auf.
„InuYasha, Sesshoumaru, alle, kommt bloß schnell her!“ Rief sie in Gedanken, hoffte ihre Gedanken würden die anderen erreichen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 9. Okt 2011, 17:03 
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Der Herr des Westens sah noch einmal auf die Stelle, an der die junge Frau gestanden hatte. Sein Bruder bebte und zitterte, war zu keinem klaren Gedanken fähig. Er gab sich die Schuld an dem plötzlichen Verschwinden der Frau. Doch Sesshoumaru bezweifelte diese Gedanken. Er hatte von Kagome ein anderes Bild. Er wusste, dass sie tief in sich drinnen eine Kraft mit sich trug, die sie selbst noch nicht einmal zu kennen schien. Er hatte gehofft, sie würde diese von sich aus aufdecken können. Es war schon schwierig, seinen Bruder zu bestärken und zu unterstützen. Aber bei einem Menschen hatte er so gar keine Ahnung, was er tun sollte. Er war sich nur sicher gewesen, dass sie diese Kraft von sich aus wecken musste. Und nun war sie weg. War eigentlich vor seiner Nase verschwunden. Und er war wütend. Wütend auf sich selbst.
Noch einmal prüfte er die Luft, nahm eine Handvoll der kleinen Steine auf die Hand und roch an ihnen. Er roch Kagome. Sonst nichts. Er seufzte. Nie hätte er vermutet, dass eine Menschenfrau ihn mal so auf Trab bringen würde. Und er kannte sie noch nicht einmal wirklich.
Er schleuderte die Steine zu Boden. Knurrte lauter, bis seine Stimme in seinen Ohren dröhnte. Er hatte die Kontrolle verloren. Er sah es in den entsetzten Gesichtern der Gefährten. Er war laut geworden. Wegen ihr. Und er spürte noch etwas anderes in sich, neben der Verwirrung über sich selbst, der Wut, er nahm das Gefühl von Leere war, als söge etwas all seinen Willen aus ihm heraus. Fahrig fuhr er sich durch das lange Haar.
Dann ging er zu seinem Halbbruder, fasste diesen an die Schulter und sagte leise „Komm mit mir. Jetzt.“
Der HanYou sah dem Älteren verwirrt und traurig in die Augen.
Nickte und folgte stumm dem Bruder. InuYasha war verwirrt über das fremde Gebaren seines Bruders. Was war mit ihm nur los? Wieso benahm er sich so seltsam? Und wo war Kagome? Er hoffte wirklich, dass ihr nichts passierte.
In einigem Abstand zu den anderen hielt der Lord, wandte sich um und fragte den Jüngeren nun gerade heraus:
„Was empfindest du für diese Frau?“
InuYasha schaute ihn nur an. Er verstand nichts mehr. Warum war das von Interesse? Für den menschenverachtenden DaiYoukai vor ihm?
„Was…?“ kam die unsichere Frage zurück.
„Ich muss wissen, was du fühlst, InuYasha. Es ist wichtig. Empfindest du etwas? Kannst du etwas wahrnehmen, das von ihr ausgeht? Wie eng ist deine Bindung an sie?“
Es kostete den DaiYoukai unendlich viel Kraft, diese Worte auszusprechen. Er wusste nicht, was passierte, aber er selbst nahm Gefühle wahr, die eigentlich nicht seine sein konnten. Er spürte Angst, Scham, Chaos, Wut, Ekel…. Was passierte hier?
„Nein, ich fühle sie nicht, also nicht so…. ich habe sie sehr gerne, ich weiß nicht, wie ich das sagen soll…“, der HanYou stammelte.
„Liebst du sie?“ Unnachgiebig wie der Fels um sie herum bohrte sich die Stimme des Fürsten in den Gehörgang des Jüngeren.
„Ich… ich weiß nicht…“

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 9. Okt 2011, 22:49 
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Kagome fand sich in einem Saal wieder. Es war dunkel, kaum ein Licht erhellte die schwarzen Wände, die dunklen Möbel, die silbernen Kerzenleuchter vermittelten eine nahezu sakrale Stimmung. An einer Wand waren nach oben hin spitz zulaufende Fenster eingelassen, die mit buntem Glas verziert waren. Durch diese drang schwach etwas Licht, welches bunte Muster auf den Boden warfen.
Sie hatte keine Erinnerung daran, wie sie hierher gekommen war, nur daran, dass Naraku sie entführt hatte. Das er mit ihr sprechen wollte damit sie ihm zuhörte. Seine eigene Geschichte hören sollte.
Die junge Frau versuchte, ihre wieder aufsteigende Angst sich nicht anmerken zu lassen. Sie versuchte, eine Maske der Teilnahmslosigkeit aufzusetzen. Obwohl sie innerlich sehr verwirrt war. Sie wusste nicht, wo sie war, wusste nicht, ob es den anderen gut ging, wusste nicht, was sie machen sollte. Sie wusste nur eines ganz klar: Sie wollte hier weg. Dieser Ort hatte eine düstere, geradezu Böse Ausstrahlung.
Eine Stimme unterbrach ihre fruchtlosen Gedanken.
„Wirst du mir nun zuhören, kleine Kagome?“
Er stand direkt hinter ihr, war ohne dass sie es bemerken konnte, hinter sie getreten und war so leise. Es erschien ihr, wie ein Albtraum. Sie drehte sich um, langsam, zögerlich. Nicht wissend, was sie tun sollte. Als sie in Narakus Augen sah, ihn skeptisch musterte, lächelte er. Er wollte sie beruhigen. Auch wenn Naraku wusste, dass er es nicht einfach haben würde, sie zu überzeugen. Aber wenn sie ihm erst einmal zugehört hatte, würde sie sich zweifelsohne ihm anschließen. Sie war zu mitfühlend. Und da wollte er ansetzten.
„Wieso ich?“ Ihre Frage drückte indirekt neben ihrer Naivität und Unkenntnis auch ihre Unsicherheit aus. Aber auch Unschuld. Er würde es genießen, diese Frau zu verführen, auf seine Seite zu wechseln.
„Weil du im Gegensatz zu deinen Freunden nicht sofort jemanden verurteilst. Weil du mitfühlend bist, weil du nachdenkst. Komm, setz dich.“ Er nahm beiläufig ihre Hand, doch sie zuckte zurück. Er bemerkte es amüsiert. Ja, das hier versprach wirklich interessant zu werden.
Er setzte sich auf eine kleine Bank in der Nähe eines Kamins, den sie erst jetzt war nahm. Ein Feuer brannte, doch die Flamme war schwarz, es knisterte nicht. Dennoch sonderte das Feuer Wärme ab. Die junge Frau nahm das alles verwundert auf. Dann nahm sie ihrem Feind gegenüber Platz. Sie hatte den Gedanken, ihn erst in Sicherheit zu wiegen um dann in einem unbeaufsichtigten Augenblick zu fliehen. Sie musste hier weg, zurück zu den anderen. Dort war ihr Platz. Ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Wie es ihnen wohl gerade ging?
Doch nichts davon ließ sie sich anmerken.
Naraku hatte erst in das schwarze Feuer gesehen, dann wandte er sich wieder der Frau zu, die still dasaß und ausdruckslos zu ihm sah. Er lächelte.
„Ich möchte dir meine Geschichte erzählen. Du sollst wissen, warum ich so handele. Und danach kannst du dir ein Urteil über mich erlauben.“ Unverwandt sah er sie an. Musterte sie.
„Ich war einmal ein Mensch. Ich war ein Räuber, ein Halsabschneider, Dieb, ich habe getötet und verletzt. Ich hatte nie etwas anderes getan. Und ich weiß nicht, wieso, aber irgendwann ging etwas schief. Ich wurde verbrannt, und du kannst mir glauben, wenn ich dir sage: es gibt nichts Schlimmeres! Ich konnte nicht entkommen. Nur noch der Tod blieb mir.“
Er hielt seine Hand in die schwarze Flamme, zog sie wieder zurück und betrachtete sie nachdenklich. Er spürte keine Hitze, keinen Schmerz.
Kagome sah die Bewegung genau, sah, wie er seine Hand in die Flammen hielt. Sah, wie er nachdenklich zu sein schien, als er sah, dass er keine Verletzungen dadurch erlitte hatte. Und sie selbst war einerseits entsetzt über seine offensichtliche Schmerzunempfindlichkeit und zum anderen fühlte sie Ekel. Sie hatte sofort die Bilder des zerstörten Dorfes in ihrer Erinnerung wieder gesehen. Das Dorf, das Naraku angegriffen hatte, nur um Rin zu entführen. Sie sah die Leichen wieder vor sich.
„Ich bin irgendwie aus den Flammen heraus gekommen. Ich habe es irgendwie geschafft, von den Flammen nicht getötet zu werden. Aber ich brach zusammen, konnte mich nicht mehr bewegen. Ich hatte Brandwunden am ganzen Körper. Die Schmerzen waren die Hölle.“ Wieder sah er die Frau an.
In ihrem Gesicht ließen sich ihre Gedanken ablesen. Und befriedigt nahm er einen Hauch Mitleid wahr.
„Ich weiß nicht, wie ich es in diese Höhle geschafft hatte, ich weiß nicht, wie lange ich dort lag und mich wand vor Schmerz. Ich weiß nicht, ob ich diese Schmerzen und diese Qual die Strafe der Götter für meinen Lebenswandel waren. Aber irgendwann kam sie. Sie war eine wunderschöne, starke Frau. Eine Miko.“ Wieder sah Kagome ein Lächeln über sein Gesicht huschen. Nur ganz kurz. Dann sprach er weiter.
„Sie war mein genaues Gegenteil. Ein Mensch, ja, aber so rein, wie frisch gefallener Schnee. So unschuldig, wie die Sonne, die am Morgen aufgeht. Und so kühl, wie ein Sturm im Winter. Sie war gütig. Und sie half mir, versorgte meine Wunden, pflegte mich und sie kam jeden Tag. Obwohl sie wusste, was ich getan hatte, wer ich war. Sie kam trotzdem. Und dann, eines Tages, merkte ich, dass ich mich verliebt hatte. In diese Frau. Ich wollte sie, mit jeder Faser meines Körpers. Aber ich war so sehr verletzt durch das Feuer, so entstellt. Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Ich konnte nichts mehr tun ohne Hilfe. Und ich merkte, dass sie meine Gefühle nicht erwiderte. Natürlich wollte ich wieder gesund werden. Wollte ihr zeigen, was ich für sie empfand, wenn ich wieder laufen könnte. Aber sie sagte, dass würde ich nie wieder können. Ich war dazu verdammt, in dieser Höhle zu liegen. Auf sie zu warten. Und zu wissen, dass ich nie wieder alleine etwas tun könnte. Zu wissen, dass ich ihr nicht genügen konnte. Was sollte sie auch mit einem Krüppel?“ Seine Stimme hatte er gesenkt, zuletzt war es nur noch ein flüstern. Doch seine Worte trafen sie wie Peitschenhiebe. Seine Worte hatten in ihr wieder dieses Gefühl wachgerufen. Und sie schalt sich innerlich deswegen. Sie hatte Mitleid mit dem Mann, der in der Höhle gelegen hatte. Und doch sah sie ihn noch als ihren Feind an. Denn schließlich war er ja genau das. Ein Feind. Wieso tat er ihr leid?
„Ich habe gemerkt, dass ich trotz ihrer Pflege sterben würde. Ich spürte, wie der Tod trotzdem immer näher kam. Aber ich wollte nicht sterben, ich wollte leben. Mit ihr. Mit ihr an meiner Seite. Wollte, dass sie meine Frau würde. Doch mir lief die Zeit davon. Ich spürte meine Glieder nicht mehr. Und ich versank in Verzweiflung, weil ich nicht der Mann sein konnte, den sie verdiente, ich war wütend, weil ich sie nie als meine Frau haben konnte und ich empfand Hass. Ich hasste mein Leben, mein Schicksal. Ich wollte nicht sterben. Und ich beschloss die einzige Möglichkeit zu ergreifen, die sich mir noch bot.“
Er machte eine Pause. Sah sie an. Wusste sie wie ähnlich sie seiner Liebe von damals sah? „Du erinnerst mich an sie. Wenn du mich ansiehst, wenn du dich bewegst, wenn du kämpfst. Mit deinem Bogen. Wie sie. Wenn du sprichst. Immer.“
Überrascht sah die Frau ihn an. Und wandte verlegen ihren Blick wieder in das schwarze Feuer. Warum sagte er ihr das alles? Wieso teilte er ihr mit, dass sie ihn an seine große Liebe erinnerte? Was sollte das werden?
Doch er ließ sie nicht länger ihren Gedanken nachgehen, sondern erzählte weiter.
„Meine einzige Chance, jemals wieder zu Kräften zu kommen, war vielleicht dumm. Aber ich sah keine andere Möglichkeit. Ich wusste keinen anderen Ausweg. Und dann, in der Nacht, als sie gegangen war, rief ich sie. Ich rief nach den Dämonen. Ich wusste, dass einige in der Nähe waren. Das hatte sie mir gesagt. Auch, wie viel Mühe sie damit hatte, diese von mir fern zu halten.
Ich rief die Dämonen zu mir, lud sie ein, sich mir zu nähern. Und ich bat um deren Kraft, um deren Stärke, um ihr Leben. Ich gab ihnen meine Seele dafür. Ich wollte wieder selbst laufen können. Ich wollte sie verteidigen, wollte ich endlich nahe sein. Und so begann es. Die Dämonen nahmen den Handel an. Kamen in mich, gaben mir wirklich all ihre Stärke. Und es waren viele Dämonen, die meinem Ruf folge leisteten und sich an meiner Seele gütlich tun wollten.“ Wieder sah er sie an. Sah in ihre geschockten Augen. Und da war es wieder. Mitleid blitzte auf.
„Ich gab ihnen gerne, was sie brauchten. Und ich nahm den Schmerz in Kauf, den die Umwandlung mit sich brachte. Denn durch die Dämonen, die sich nun in mir befanden, wurde ich zu einem HanYou. Mein Körper veränderte sich. Die Wunden und Narben meines Lebens verschwanden. Ich spürte diese Kraft, und es machte mich glücklich. Als ich wieder auf eigenen Füßen stand, war es wie ein Rausch, der sich in mir ausbreitete. Ich lief aus der Höhle, ich rannte in den Wald, ich lebte auf. Es war so unbeschreiblich….“
Er schloss die Augen, lächelte, als die Erinnerungen wieder kamen, an diesen berauschenden Moment der neuen Kräfte, die seit dem in ihm waren.
„Weißt du, kleine Kagome, ich war zu dem Zeitpunkt so sicher, dass ich nun mit meiner Liebe zusammen sein könnte, dass ich in dem Taumel der Freude nicht bemerkte, wohin ich rannte. Wohin mich meine Füße führten. Oder war es das Schicksal selbst… Ich stand am Rande einer Lichtung. Und sah sie. Wie schön sie war. Sie stand da. Sie stand einfach nur da. Und dann kam er. Und ich konnte nichts anderes tun, als dazustehen, sie beide zu sehen, wie er sie umarmte. Wie er ihr sagte, er liebe sie. Und wie sie diese Liebe erwiderte. Und ich stand da. Konnte nichts tun. Ich hatte sie verloren. Sie hatte sich entschieden. Für ihn!“ Er stand so abrupt auf, dass sie zurück schreckte. Doch er sprach weiter, ging nun auf und ab.
„Ich wollte nicht akzeptieren, was ich sah. Wenn ich sie nicht haben konnte, sollte sie niemand haben. Dieses reine Wesen durfte nicht verdorben werden. Schon gar nicht durch ihn!
Ich sann auf Rache. Rache für meine unerwiderte Liebe. Und so kam es zu dem Tag, an dem er sie hinterging. An dem er sie tötete. Und sie ihn. Doch ich war wieder allein. Und begriff erst jetzt, was ich getan hatte. Ich hatte sie verraten. Ausgerechnet sie. Und ich hasste nun mich. Wollte sie wieder erwecken. Und ich will es noch immer. Ich will, dass sie wieder lebt. Mit mir. Ich habe sie nie vergessen. In den ganzen Jahren nicht. Es vergeht kein Tag, keine Nacht, an dem ich nicht an sie denke. An dem ich nicht spüre, wie diese Liebe zu ihr mich zerfrisst.“ Er drehte sich um. Sah Kagome an.
„Und dann kamst du. Und du siehst ihr so ähnlich. Bist ihr ähnlich. Du hast mich an sie erinnert. Ich habe nicht gedacht, dass mich noch etwas so aus der Bahn werfen könnte. Aber seit ich dich das erste Mal sah, seit dem…“ er kniete vor ihr, nahm ihre Hand, sah ihr in die Augen. Sie wollte die Hand zurückziehen, doch er ließ nicht los.
„Seit dem kann ich nicht klar denken. Und du bist mit ihm zusammen. Du gehst mit ihm. Genauso wie sie hat er dich in seinen Bann gezogen. Ich will nicht, dass er dir etwas antut. Ich will nicht, dass er dich verletzt. Und das wird er, meine kleine Kagome. Das wird er tun. Selbst wenn er es nicht möchte. Aber er wird es tun. Denke daran.“

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 10. Okt 2011, 16:19 
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Seit zwei Tagen suchten sie nun schon nach einer Spur von Naraku. Und einem Lebenszeichen von der jungen Frau, Kagome. Sesshoumaru wurde innerlich immer unruhiger. Im Gegensatz zu seinen Gefährten zeigte er seine Unruhe nicht. Blieb immer noch kühl, distanziert. Er ließ sich seine Sorge nicht anmerken. Doch Nachts, wenn er sich sicher war, dass wirklich alle schliefen und niemand ihn beobachtete, starrte er den Himmel an und ließ die Maske für einen Moment fallen. Seine eiserne Disziplin und seine eigene Beherrschung hielten nur mehr eine Fassade aufrecht. Und er selbst wusste noch nicht einmal, weshalb er sich um die Menschenfrau solche Sorgen machte. Sicher, sie konnte gefoltert werden. Und sicherlich versuchte dieser Abschaum, sie dazu zu bringen, die Stärken und Schwächen seiner Gegner zu verraten. Und das wäre fatal, aber warum sorgte er sich um sie? Um sie als Person? Was passierte nur mit ihm? Und wieder einmal verfluchte er sich selbst. Er spürte Dinge, die nicht von ihm sein konnten. Nahm Empfindungen wahr, die ganz offensichtlich ihre waren. Ihre Angst, ihre Unsicherheit. Und das verstand er nicht. Wieso nahm er das alles wahr und nicht sein Halbbruder? Derjenige, den sie doch liebte?
Was geschah mit ihm? Der Herr des Westens schloss die Augen, Atmete flach. Schließlich sah er zu den Schlafenden. Er verspürte den Drang, Abstand zu gewinnen. Abstand von den Menschen, von seinem Bruder, von allen. Er musste einfach mal allein sein. Vielleicht kam er dann endlich zur Ruhe? Vielleicht konnte er dann endlich eine Antwort darauf finden.
Er weckte seinen Bruder. Sagte dem verschlafenen HanYou, dass er jetzt Wache halten müsse. Und ohne eine Antwort oder eine Reaktion abzuwarten, war er auch schon in der Dunkelheit der Nacht verschwunden, rannte einfach fort. Die Bewegung tat ihm gut. Er mochte die Einsamkeit. Die Stille. Er lief solange, bis er an einen Wasserfall gelangte, der sich aus einer Quelle speisen mochte, die irgendwo auf dem hinter ihm liegenden Berg ihren Ursprung hatte. Prüfend atmete er die frische Nachtluft. Er war wirklich allein. Einen anderen Dämon spürte er nicht, konnte auch sonst kein Lebewesen ausmachen. Das kalte klare Wasser lud ihn geradezu ein. Vielleicht vermochte es, all diese Fragen aus ihm fort zu spülen.
Kurz darauf lief das kalte Wasser an ihm hinunter, mit geschlossenen Augen genoss er die Reinheit und Kälte. Sesshoumaru breitete die Arme aus. Das Wasser schien ihn zu umhüllen, wie ein schützender Mantel. So stand er da. Allein. Nur der Mond leistete ihm Gesellschaft. Das bleiche Licht ließ den Herrn des Westens in einem überirdischen Glanz erstrahlen. Und nun nahm er wieder die Kraft wahr, die von dem Mond ausging. Wie er ihn selbst stärker machte. Er atmete tief ein.
Die Gedanken und Empfindungen ließen nach. Er stellte sich vor, wie alles aus ihm hinaus floss und mit dem Wasser von ihm fort floss.
Schließlich entstieg er dem Wasser und sah noch einmal zu dem Mond hinauf. Dann wandte er sich um, wollte sich wieder auf den Weg zurück zu den anderen machen. Doch unvermittelt raubte eine Empfindung ihm nahezu die Sinne. Keuchend stützte er sich an den Felsen ab. Sein Herz drohte zu zerspringen. Er empfand Angst. Und er wusste genau, dass waren die Gefühle der jungen Frau. Die Angst drohte ihn zu überwältigen. Er schloss die Augen, versuchte sich zu beruhigen. Doch es half nicht. Nun war da nicht nur dieses Gefühl, da war auch noch etwas anderes. Er sah, was sie sah. Der DaiYoukai war sich sicher. Zur selben Zeit sah sie einen Raum, schwarzes Feuer brannte und vor ihr kniete der HanYou! Und sie hatte Angst. Sicher, da waren noch mehr Gefühle, aber vor allem war da Angst. „Wieso zeigst du das alles mir? Warum nicht meinem Bruder?“ Er flüsterte. Dann, so schnell wie die Verbindung zu ihr gekommen war, verebbte sie auch wieder. „Ich muss sie da weg holen, egal wie. Nur schnell. Vielleicht hört dann auch diese Verbindung auf.“ Sesshoumaru lief los. Zurück zu den anderen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 10. Okt 2011, 16:35 
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Der Herr des Westens hatte alle geweckt, hatte zu einem sofortigen Aufbruch gedrängt und lief nun vor ihnen an der Spitze. Er lief, als sei irgendetwas hinter ihm her.
Niemand wusste, was in ihm vorging, aber er schien nicht ganz Herr seiner Sinne zu sein. Sein Halbbruder warf ihm immer wieder prüfende Blicke zu. Doch niemand sagte etwas. Es waren nur ihre Schritte zu hören. Sesshoumaru konzentrierte sich auf diese seltsame Verbindung, die anscheinend nur er zu dieser Frau hatte. Ließ sich von diesen Empfindungen und den immer öfter auftretenden Bildern führen. Kouga hatte schnell festgestellt, dass sie nun in östlicher Richtung durch die Berge rannten. Der junge WolfYoukai hatte den anderen mitgeteilt, dass in dieser Richtung ein heiliger Berg sei, ein durch und durch reiner Ort, dem kein Youkai nahe kommen konnte, wollte er nicht bei dem Versuch sterben. Doch davon würde sich der Fürst nicht aufhalten lassen. Es klang eher nach einem sehr guten Versteck.
Innerlich nahm er Verwirrung und Angst wahr. Die Gefühle von Kagome. Sah, was sie vor Augen hatte. Ein Fenster zeigte ihm einen Abgrund, bewachsen mit Krüppelkiefern, Nebelschwaden hingen an den Flanken des Berges. In weiter Ferne sah er durch sie eine Ebene die sich bis zum Horizont erstreckte. Über ihm strahlten kalt die Sterne. Ebenso wie sie sah er es.
Niemand wagte es auch nur daran zu denken, den Herrn des Westens anzusprechen, als er abrupt stehen blieb, den Kopf in den Nacken warf und witterte. Da, da war etwas. Wie ein Flügelschlag einer Motte….schnell und flüchtig. Ihr Geruch. Mochte sich Naraku auch vollständig tarnen können, aber ihren Geruch vollkommen ausschalten, konnte er offensichtlich nicht. Mit einem leisen Lächeln in der sonst unbewegten Miene setzte der DaiYoukai sich wieder in Bewegung, rief über die Schulter nach Kouga.
„Ruf dein Rudel zusammen. Ich brauche Boten, die schnell sind!“ rief er ihm zu. Die anderen machten große Augen. Was würde das denn werden? Was wollte der Herr des Westens denn nun tun?
InuYasha wagte es nun doch, seinen Bruder zu fragen.
„Sag, Bruder, was hast du vor? Was hast du wahrgenommen?“
„Kannst du sie denn nicht riechen?“ Sesshoumaru hielt die Nase noch immer auf der Spur, sah seinen jüngeren Bruder nicht an. Wurde nicht langsamer.
„Nein, was meinst du? Meinst du etwa Kagome?“
„Ja. Ich rieche sie, noch schwach, aber unverkennbar ihr Geruch. Und ich sehe, was sie sieht. Frag einfach gar nicht erst, ich habe keine Zeit, es zu erklären!“ Sesshoumaru wandte sich wieder nach Kouga um.
„Los, ruf sie! Wir haben keine Zeit mehr, wenn wir erst mal da sind!“
Kouga ließ sich nun zurückfallen und stieß ein lang gezogenes Heulen aus. Es hallte schrecklich durch die Berge und wurde wie von körperlosen Stimmen aufgenommen und weiter getragen.
„Innerhalb kurzer Zeit werden meine Wölfe das Heulen empfangen und ein paar schicken. Dann kannst du deine Boten haben. Was ist dein Plan, DaiYoukai?“ Kouga hatte zu Sesshoumaru aufgeschlossen, lief an seiner Linken, InuYasha zur Rechten.
„Wir werden diesen Bastard überraschen! Wir werden ihn jetzt überwältigen!“ der Lord knurrte, als er wieder eine neuerliche Welle Schrecken und Angst fühlte. Was tat der dreckige HanYou mit der Frau? Wieso mischte sich die Angst mit Mitleid? Was machte er mit ihr?
Er verdoppelte sein Tempo, so dass die anderen Probleme hatten, mit ihm mitzuhalten. Doch er kannte nur noch ein Ziel: den Hanyou zur Not in seinem Loch auszuräuchern.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 11. Okt 2011, 04:55 
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Ohne Pause waren sie gelaufen. Der Lord ließ sie nicht zur Ruhe kommen. Erst am Abend gönnte er seinen Gefährten eine Rast. Zwischenzeitlich, nur um schneller voran zu kommen, hatte er an diesem Tag seine Hundegestalt angenommen, hatte dabei auch Totosai und seinen Ochsen an deren Grenze gebracht. Aber der DaiYoukai spürte, dass ihnen nun die Zeit weglief. Jede Sekunde war kostbar. Und nur durch seinen unnachgiebigen Willen war der heilige Berg schon in Sichtweite gekommen.
Nun stand er da, am Rand des vom Feuer beschienen Kreis, an dem seine Gefolgschaft erschöpft kauerte. Der Geruch von Kagome war noch stärker geworden. Und ebenso war die Verbindung zwischen ihm und der Frau intensiver geworden. Sesshoumaru musste sich sehr konzentrieren, um nun nicht ständig von ihren Gefühlen übermannt zu werden. Er empfand nun eine Zerrissenheit, die eindeutig von ihr ausging. Das Mitleid und die Abscheu sowie diese diffuse Angst, die sie verspürte, dass alles schien nun langsam auch seine sinne zu benebeln. Er musste sich sehr beherrschen, sich im Hier und Jetzt zu halten.
Wie leicht war es doch gewesen, dachte er bitter. Bevor ich sie alle traf. Als er noch der kalte, unbarmherzige Youkai, Fürst des Westens war. Als er noch niemanden an sich heran gelassen hatte. Doch jetzt? Er hatte sich zu weit geöffnet. Hatte diese Menschenfrau, seinen Halbbruder und Rin und die Miko zu nah an sich heran gelassen. Es machte ihn schier wahnsinnig, zu wissen, dass dort, in diesem Berg Naraku mit der jungen Frau war. Dass er sie bezirzte, sie versuchte zu umgarnen. Sesshoumaru spürte auch diese Versuche des HanYous. Und er wurde noch wütender. Nein, er begann wirklich zu hassen.
Und der DaiYoukai wusste genau, dass ihn all das nicht übermannen durfte. Er musste sich davon frei machen. Er musste wieder klar denken können. Sonst würden sie alle keine Chance haben.
Während er dort stand, abseits von den anderen, und seinen eigenen Gedanken nachging, sah sein Halbbruder zu ihm. InuYasha wurde aus seinem Bruder nicht mehr schlau. Er war so anders geworden. So unbeherrscht kannte er den stolzen Youkai nicht. So impulsiv. Langsam stand er auf, ging zu der einsamen Gestalt.
„Willst du darüber reden, Bruder?“
Sesshoumaru fuhr aus seinen Gedanken hoch, sah in die goldenen Augen des Jüngeren und entdeckte Besorgnis. Er seufzte unhörbar.
„Nein.“ Er strich dem Jüngeren über das Haar. Dieser sah den Älteren mit großen ungläubigen Augen an.
„Nein, ich kann nicht. Ich muss nachdenken und mir eine Strategie überlegen.“
„Du musst nur nicht alles alleine machen und auch nicht alleine da stehen und dir Gedanken machen, weißt du?“ kam es ungeschickt von dem HanYou.
„InuYasha, du kannst mir nicht helfen. Niemand kann das.“ Sesshoumaru sah wieder zu dem Berg, der sich vor ihnen erhob. Zwar sah er so greifbar nah aus, aber Sesshoumaru wusste, dass sie noch einen Tag brauchen würden, ehe sie ihn erreicht hätten. Und bis dahin musste er einen guten Plan haben. Auch wäre es vorteilhaft, wenn seine eigenen Truppen hier wären.
„Kouga, wann werden deine Wölfe eintreffen?“ der Herr des Westens kam stolz auf den WolfYoukai zu.
Dieser zuckte mit den Schultern. „Sie müssten jeden Augenblick ankommen, aber so wie wir gerannt sind, kann es auch weit nach Mitternacht werden….“
Sesshoumaru knurrte ungehalten. Das musste alles schneller gehen. Auch seine eigenen Truppen mussten nicht nur benachrichtigt werden, sie mussten auch erst einmal zu dem Berg kommen. Er sah zu den anderen. Der Mönch sah ihn an, hielt in seinen Armen die andere Menschenfrau. Sango hieß sie, dass hatte Sesshoumaru nun schon raushören können. Sie war eingeschlafen, der Knochenbumerang lag hinter ihr. Sesshoumaru wusste nicht viel von ihr, hatte sie aber bei anderen Gelegenheiten kämpfen sehen und war sich sicher, dass sie ausgezeichnet war. Sie konnte ebenso auf Distanz kämpfen, wie auch im Nahkampf. Der Mönch hingegen war ein akzeptabler Nahkämpfer, allerdings war sein schwarzes Loch in der Hand nicht zu verachten. Doch dieses konnte er nicht unbegrenzt einsetzten. Totosai konnte sich zwar verteidigen, war aber eigentlich kein Kämpfer. Der Ochse war nicht wirklich zum kämpfen ausgebildet. Er brauchte wirkliche Kämpfer. Welche, von denen er wusste, dass sie vor nichts zurück schrecken würden. Welche, die schon einmal eine Schlacht erlebt hatten.
Sein Bruder hatte sich zwar verbessert, aber ihn wollte Sesshoumaru vor allem für den Kampf gegen Souunga einsetzten.
Die Nacht schritt weiter voran. Inzwischen schliefen die anderen schon, zu groß war ihre Erschöpfung. Doch der Fürst saß nur da, starrte in die verlöschende Glut und sah doch nichts. Wieder nahm er ihre Gefühle war. Sie schien nun zu träumen, denn es brach ein wirkliches Chaos über ihn herein. Er versuchte es nun umgekehrt. Er wollte ihr gedanklich mitteilen, dass er sie wahrnahm. Nur das. Damit diese Angst aufhörte. Doch es schien nicht zu funktionieren. Und das frustrierte ihn.
In diesem Moment kamen zwei Wölfe zu ihm gesprungen. Aufmerksam beobachteten sie ihn, als er den Blick hob.
„Ihr müsst meine Botschaft zu meinen Leuten bringen. Nur Naoki und Daisuke dürft ihr sie übermitteln.“ Sesshoumaru konzentrierte sich, gab den Wölfen mental den Befehl, dass seine Truppen unverzüglich sich in Marsch setzten sollten und sich schnellstmöglich bei ihm einfinden sollten. Auch gab er ihnen den Befehl, gleichermaßen das Rudel und alle befreundeten Youkais darüber zu informieren, dass er, der Herr des Westens, ihre Unterstützung brauchte. Sesshoumaru wusste, dass niemand sich seinem Ruf widersetzten würde. Denn das bedeutete auch, seine Unterstützung im Falle eines Krieges zu verlieren.
Die Wölfe knurrten leise, verstanden ihn und rannten schon wieder von dannen. Morgen musste er, Sesshoumaru, mit seiner kleinen Gefolgschaft eine günstige Position finden, von der aus er den Berg optimal beobachten konnte und selbst nicht wahrgenommen werden würde. Auch musste er bedenken, dass sollten sie dennoch gefunden werden, ihnen ein Kampf bevor stand, den sie wahrscheinlich nicht gewinnen konnten. Naraku war gerissen und sicherlich hatte er einige Dämonen an sich gebunden, die alles für ihn tun würden.
Und Sesshoumaru war sich sicher, dass er auch versuchte, Kagome für sich zu gewinnen. Ja, er rechnete fest damit. Denn leider, darüber war er sich nur zu gut im Klaren, war sie das schwächste Glied. Zumindest gewesen. Doch anhand ihrer Gefühle, die er wahrnahm, war sie voller widersprüchlicher Empfindungen und hatte noch immer nicht ihre Macht erkannt. Er seufzte einmal mehr. Da er zu unruhig war, um auch nur die Augen zu schließen, stand er wieder auf, streckte sich und sah wieder hinauf zum Firmament. Die Sterne funkelten durch dahin treibende Wolken. Der Mond hatte sich in ein Orangerotes Kleid gehüllt und sah blutig aus. Als wüsste er, was er in naher Zukunft zu sehen bekommen würde.
Und während er selbst diesen Gedanken nachhing, den nahenden Kampf vor Augen, sah er plötzlich wieder, was sie sah. Sie war an ein Fenster getreten, sah ebenso wie er zu dem Mond, es war ihm, als stünden sie sich gegenüber. Und er hatte für einen kurzen Augenblick das Gefühl, als müsse er nur die Hand ausstrecken, um ihre zu greifen und sie an sich zu ziehen. Dann war das Gefühl wieder vorbei. Aber das, was er nun durch sie fühlte, war schlimmer als alles andere. Leere.
„Halte durch!“ Wieder versuchte er, ihr seine Gedanken zu schicken. Und für einen kurzen Moment verspürte er einen Funken Hoffnung. Hatte er es geschafft?


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 18. Okt 2011, 01:04 
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Unruhe hatte sie erfasst. Sie hatte auf den ungewöhnlich gefärbten Mond geschaut, hatte die Angst empfunden, und Mitleid. Ja, sie musste sich eingestehen, dass sie irgendwie die Gefühle von Naraku sogar verstehen konnte. Er hatte geliebt. Wurde zurück gewiesen und wurde schließlich derart Eifersüchtig, dass er so grausam handelte. Sie verstand Liebe, auch Eifersucht. Aber niemals diese Grausamkeit, die daraus entwachsen war. Und dennoch, sie hatte Mitleid.
Und dann, nur für einen ganz kurzen Moment, hatte sie noch etwas anderes gespürt. Es schien wie ein Echo zu sein. „Halte durch.“ Jemand hatte das zu ihr gesagt. Hatte für diesen kleinen Augenblick Hoffnung in ihr ausgelöst. Und jetzt? Was war jetzt?
Nur noch Verwirrung. Sie wandte sich ab, ging in diesem seltsamen Zimmer auf und ab. Es wurde ihr zur Verfügung gestellt. Sie sollte hier schlafen. Und wenn der HanYou sie rief, musste sie ihm Folge leisten. Sonst würde er sie töten. Das hatte er ihr gesagt, und sie hatte an dem Ausdruck seiner Augen erkannt, dass er nicht bluffte.
Wie konnte sie hier nur raus kommen? Oder ihm zumindest schaden? Was konnte sie tun?
Seufzend ließ sie sich zu Boden sinken, versuchte auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Die Verzweiflung durfte sie nicht übermannen. Sie musste wenigstens versuchen, stark zu bleiben.
Sie konzentrierte sich. Richtete all ihre Gedanken auf denjenigen, der eben noch zu ihr gesprochen hatte. Wollte ihn erreichen und ihm sagen, wo sie war.
Schweiß bildete sich auf ihrer Stirn, ihre Finger gruben sich in ihre Kleidung. Ihr Atem ging schwer. In Gedanken formte sie die Worte, schickte sie auf die Reise zu dem Geist, der mit ihr anscheinend verbunden war. Völlig erschöpft brach sie auf dem Boden zusammen, rollte sich ein, wie ein kleines Kind, hielt die Arme schützend über ihre Brust. Sie wollte durchhalten. Aber es war ihr völlig unklar, wie sie das schaffen sollte.
Ihr Atem wurde ruhiger, schließlich umfing sie gnädig ein traumloser Schlaf.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 18. Okt 2011, 01:05 
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….

Sesshoumaru hatte eben noch neben den anderen gestanden, als er plötzlich in die Knie gegangen war. Vor Schmerz schrie er auf, der Schrei erstarb in einem Knurren, dass jedem im Umkreis das Fürchten lehrte.
Er hatte alle anderen geweckt. Und als sie den sonst so beherrschten Youkai so sahen, waren sie entsetzt. Sofort hatten sie überprüft, ob er angegriffen worden war, doch nirgends zeigte sich ein Gegner.
InuYasha sah auf seinen sich am Boden krümmenden Bruder hinab. Was war denn nur los mit ihm? Hilflos sah er mit an, wie sich dieser den Kopf hielt und nur noch stoßweise atmen konnte.
Der DaiYoukai konnte es nicht fassen. Wieso schmerzte es nur so? Ganz klar hatte er ihre Gedanken wahrgenommen, so als stünde sie neben ihn und hätte laut zu ihm gesprochen. Aber es war nur ihre Stimme, die in seinem Kopf nachhallte. Sie hatte seine Botschaft empfangen. Und sie hatte geantwortet. Hatte ihm geschildert, in welchem Stockwerk sie sich befand, hatte ihm bewusst Bilder übermittelt, damit sie gefunden werden konnte. Noch immer hörte er sie: „Ich werde versuchen, ihn aufzuhalten! Kommt und helft mir, holt mich hier raus!“
„Kagome…“ Mehr brachte er nicht heraus. Er hatte es leise gesagt, aber sein Halbbruder verstand ihn trotzdem.
„Was? Was ist denn los mit dir? Was weißt du von ihr?“ Er hatte sich hingekniet, schüttelte den Älteren vorsichtig an der Schulter. Und als er dann in dessen Augen sah, zuckte er zurück.
Die Augen waren rot vor rasender Wut, Schmerz und der Herr des Westens machte das erste Mal einen verwirrten Eindruck auf den Jüngeren.
„Sie…sie und ich haben eine Verbindung.“ Erklärte der Dämon nun. „Ich sehe hin und wieder, was sie sieht, kann fühlen, was sie fühlt. Und jetzt konnte ich sie hören! Als wäre sie neben mir und hätte mich angeschrieen!“ Der Ältere holte tief Luft.
„Deswegen habe ich dich gefragt, was du für eine Verbindung zu ihr hast, InuYasha. Deswegen habe ich dich gefragt, was du für sie empfindest. Denn sie liebt dich. Aber wieso ausgerechnet ich mit ihr diese Verbindung habe….“ Er brach ab. Es war ihm nicht möglich, das Geschehene weiter zu erklären.
Und sein Bruder sah ihn nur an. War geschockt über das eben gesagte. Kagome liebte ihn? Warum hatte er das denn nur nie bemerkt? Trauer schlich sich in seine Augen. Sein Herz hatte er einmal schon verschenkt. Dann war es zerbrochen und er war nicht in der Lage es wieder zu verschenken. Er konnte ihre Gefühle nicht erwidern. Ja, er mochte sie. Aber eben nicht mehr. Sie war eine gute Freundin geworden. Und das war es auch schon.
Aber wieso hatte nun sein Bruder zu ihr eine geistige Verbindung? Er hasste doch eigentlich Menschen. Obwohl….da war Rin und wegen Rin auch die Miko Kaede. Und jetzt reiste er mit ihnen zusammen…. InuYasha schüttelte stumm seine Mähne. Er wusste keine Antwort. Wusste nicht, wie er reagieren sollte oder gar konnte.
Der Schmerz ließ langsam nach. Seine Gedanken beruhigten sich allmählich wieder.
„Kagome ist es gelungen, mir mitzuteilen, wo genau sie sich befindet. Und sie will versuchen, den Wahnsinnigen aufzuhalten. Wir müssen also schnell sein, wenn wir sie da wieder raus holen wollen. Naraku hat irgendetwas mit ihr gemacht, das konnte ich fühlen. Aber ich weiß nicht was.“ Der Lord hatte niemanden direkt angesehen. Hatte eher den Blick auf ein fernes Ziel gerichtet.
„Ich habe die Wölfe zu meinem Schloss geschickt. Sie werden meinem Kommandanten meine Befehle übermitteln. Bis die Truppen eintreffen, werden wir hier den Berg observieren. Ich brauche dafür jeden von euch! Wir werden uns aufteilen und eine Schwachstelle finden. Ich will, dass ihr alle meinen Befehlen folgt! Naraku allein ist schon eine Herausforderung, aber er hat auch Souunga. Und um das zu besiegen, brauche ich dich, InuYasha. Wir werden aber auch eine Basis einrichten. Wir müssen unerkannt bleiben und daher werden wir uns lautlos wie Schatten bewegen. Habt ihr verstanden?“
Er sah in ihre Gesichter. Sah in ihnen die Entschlossenheit.
Stumm gaben sie ihm ihr Einverständnis.
Dann hielten sie sich alle die linke Hand auf ihre Herzen. Sesshoumaru beobachtete sie genau. Sie schworen, ihm zur Seite zu stehen und ihn bis zum Ende zu begleiten und seinem Befehl zu folgen.
Er nickte stumm, wandte sich um und fixierte den heiligen Berg, den er bei diesem Licht nur verschwommen ausmachen konnte.
„Naraku“, dachte er. „Du hast dir den falschen Gegner gesucht!“


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 19. Okt 2011, 02:24 
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Für den Rest der Nacht verfielen die Gefährten in einen unruhigen Schlaf. Sie wussten nun von der rätselhaften Verbindung, die zwischen dem Herrn des Westens und Kagome existierte. Doch was das genau bedeutete, wusste niemand. InuYasha hatte in Gedanken immer wieder die Frage des Bruders vernommen: „Liebst du sie?“ War das der Schlüssel zu der Verbindung dieser so ungleichen Wesen? Sollte sich sein menschenverachtender Bruder etwa doch in eben eine Menschenfrau verliebt haben? Wie konnte das passieren? Und hatte er nicht selbst gesagt, dass sie ihn, den HanYou liebte? Wieso hatte er das nie gespürt? Nie wahrgenommen?
Der DaiYoukai indes wusste selbst keine Antwort darauf, wieso ausgerechnet er in der Verbindung zu ihr stand. Es machte ihn wütend, ungehalten, ungeduldig. Auch wenn er nach wie vor sich kaum etwas anmerken lies. Er zwang sich zur Ruhe, auch wenn es ihm immer schwerer fiel. Er wollte selbst Antworten. Und vor allem anderen wollte er endlich diesen gefährlichen Gegner vernichten. Denjenigen, der es gewagt hatte, seinen Schützling, Rin, anzugreifen. Es gewagt hatte, sie für seine eigenen finsteren Machenschaften benutzen zu wollen.
Sesshoumaru versuchte, diese Gedanken zu unterdrücken. Er und auch die anderen mussten nun vor allem anderen ihre Kräfte sammeln für den Kampf, der ihnen bevorstand. Denn das es zu einem Kampf kommen würde, stand unausweichlich fest.

….

In der Zwischenzeit war Kagome erschöpft auf ihr Lager gesunken. Sie war innerlich zerrissen. Ein Teil von ihr wusste, dass Naraku zerstört werden musste, dass er aufgehalten werden musste, wenn es wieder Frieden geben sollte. Denn er würde nicht davor zurückschrecken, die ganze Welt in einen Krieg zu führen. Nur um seine Ziele zu erreichen. Es war ihm gleich, ob er damit andere ins Elend stürzen würde. Ob sie litten.
Aber ein anderer Teil in ihr empfand für diesen HanYou Mitleid. Mitleid ob der Tragödie, die er erlebt hatte, die ihn zu dem gemacht hatte, was er nun war: ein gefühlskalter Egoist.
Doch sie war auch entschlossen, jedwede Gefahr von ihren Gefährten und anderen fern zu halten. Sie wollte nicht, dass InuYasha etwas zustieß. Ja, sie ertrug es auch nicht, wenn er kämpfte. Und das hatte er in ihrer gemeinsamen Zeit, die sie nun schon zusammen unterwegs waren, schon so oft getan, oder wurde dazu gezwungen. Immer hatte sie Todesängste ausgestanden, wenn er angegriffen wurde. Wenn er verletzt wurde, hatte es ihr ebenso wehgetan, als wäre sie selbst im Kampf verletzt worden.
Wie sollte sie reagieren? Sie wusste es nicht. Es musste doch auch noch eine andere Möglichkeit geben? Es musste doch möglich sein, Naraku aufzuhalten, ohne Blut zu vergießen. Sie wollte ihn nicht verletzten. So paradox das auch war. Ja, sie war sich sogar sicher, dass sie das, trotz allem, was er getan hatte, auch gar nicht konnte. Sie musste einen anderen Weg finden. Einen Weg, der es ihr ermöglichte, ihn vielleicht auch zu erreichen. Und hatte er denn nicht auch gelitten? Die unerwiderte Liebe, die er erlebt hatte. Konnte sie darauf aufbauend die sich abzeichnende Katastrophe abwenden? Und wenn ja, wie? Wie sollte das gehen?
Ihre Gedanken drehten sich im Kreis, sie fühlte, wie sie aller Mut, alle Kraft und Entschlossenheit zu verlassen drohten. Und als sie ihr Gesicht in die Kissen drückte, bat sie die Kami darum, dass die Nacht ewig dauern möge.
Schließlich versank sie in einen traumlosen, leichten Schlaf.
Und in einem anderen Teil des Palastes lauerte reglos im Schatten, wie eine Spinne in ihrem Netz, Naraku. Er spürte ihre Empfindungen, nahm noch immer Bruchstücke ihrer Gedanken war. Aber, was noch viel wichtiger als das war: Er konnte diese scheinbar schwache Frau beeinflussen. Nicht umsonst hatte er dafür gesorgt, dass ein teil seines Bewusstseins in ihr verblieben war. Ein hämisches Lächeln umspielte seine Lippen. Er hatte ihre Zerrissenheit gespürt. Hatte ihr Mitleid gefühlt, ebenso wie ihre anderen widersprüchlichen Gefühle. Abscheu, Wut, Hilflosigkeit, Haltlosigkeit, dass Gefühl der inneren Ohnmacht. Es schien sie wirklich zu belasten. Und immer wieder dieses Mitleid. Mit ihm. Er lachte lautlos. Es war zu schön, zu köstlich. Hier konnte er ansetzten. Und während sie in den Schlaf abglitt, verstärkte er mit dem kleinen Teil seines Bewusstseins ihre Zerrissenheit.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 19. Okt 2011, 21:35 
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An diesem Tag war die Sonne blutrot über den Wipfeln der Bäume aufgegangen. Die Miko sah gedankenverloren diesem atemberaubenden Schauspiel zu. Doch obgleich es so wunderschön aussah, hatte sie eine dunkle Ahnung, dass es bald zu Dingen kommen würde, die vielleicht ähnlich rot sein würden. Nur aus einem anderen Grund.
Sie stand allein in dem weitläufigen Garten des Schlosses. Und auch, wenn der Herr des Westens nicht vor Ort war, hatte sie bemerkt, wie auch jetzt die Diener und Soldaten umherhuschten, als könne er jeden Augenblick vor ihnen stehen. Sie schienen mehr als bemüht, seinen Ansprüchen zu genügen.
Und noch jemand beobachtete, ebenfalls in Gedanken versunken, den Sonnenaufgang. Es war Daisuke. Allerdings befasste er sich gedanklich weniger mit dunklen Vorahnungen, als vielmehr mit dieser rätselhaften Miko. Kaede. Er war schon seit einiger Zeit dazu übergegangen, sie beim Namen zu nennen. Hatte mit Stolz ihre Fortschritte überwacht. Sie gefördert und unterstützt, wo er konnte. Und sie war mit einer schnellen Auffassungsgabe gesegnet, so dass es ihm leicht fiel, ihr etwas bei zu bringen.
Die morgendliche friedliche Stille wurde von Rufen der Wachen vor dem Tor unterbrochen. Jemand hatte sich genähert. Verlangte Einlass. Seufzend wandte er sich ab und begab sich zu eben diesem um zu sehen, warum dort ein solcher Tumult entstanden war.
Als er dort ankam, bemerkte er zwei Wölfe, allem Anschein WolfYoukais, die sich aufgebracht mit den Wachen unterhielten. Letztere waren offensichtlich nicht gewillt, die Fremden ein zu lassen.
„Was ist los?“ Seine Stimme war nicht so kalt, wie die des Herrn, aber dennoch Respekt einflössend. „Wer seid ihr und was ist euer Begehr?“ wandte er sich direkt an die Fremden, nachdem von den Wachen nichts außer Gestammel zu vernehmen war.
„Der Herr des Westens schickt uns mit einer Botschaft, die wir jedoch nur zwei Youkais namens Daisuke und Naoki überbringen dürfen. Diese Wachen wollen uns daran hindern, unseren Auftrag zu erfüllen.“ Antwortete einer der beiden Fremden.
„Wir sind die Untergebenen von Kouga, dem WolfsYoukai. Durch ihn sind wir mit eurem Herrn verbündet. Lasst uns unseren Auftrag erfüllen und wieder gehen, denn unser Anführer wird uns brauchen.“
„Ihr habt mich, Daisuke, gefunden. Kein Feind weiß um Naokis oder meinen Aufenthaltsort. Daher will ich euch Glauben schenken, dass euch unser Herr schickte. Verzeiht den Wachen, aber wir müssen in diesen unruhigen Zeiten vorsichtig sein.“ Damit wandte sich Daisuke zu einer der Wachen.
„Hol Naoki in den Besprechungsraum. Sag ihm, es gibt Nachricht von unserem Herrn. Los, lauf!“
Daisuke wandte sich wieder um. „Verzeiht, aber um in den Raum gelangen zu können, muss ich euch die Augen verbinden lassen. Doch dort können wir ungestört reden.“
Die fremden Youkais nickten. Sie verstanden die Vorsicht des anderen. Sie selbst hätten kaum anders gehandelt. Und dieser Daisuke schien ihnen nicht als Gegner gegenüber zu stehen. Sie vertrauten dabei auf ihre Instinkte. So willigten sie ein. Man verband ihnen die Augen, führte sie eine halbe Ewigkeit in den Raum. Dort nahmen sie einen weiteren Youkai wahr. Die Augenbinden wurden abgenommen.
Ohne sich lange bitten zu lassen, kamen die beiden WolfYoukais gleich auf den Punkt ihres Kommens.
„Euer Herr, der Lord der westlichen Länder, Sesshoumaru selbst, gab uns den Auftrag nur und ausschließlich mit Daisuke und Naoki zu sprechen.“
Beide Youkais nickten.
Die Wölfe sprachen weiter, sie waren sich sicher, dass sie nicht getäuscht wurden.
„Der Lord möchte, dass ihr euch auf den Weg macht zu dem heiligen Berg welcher in unserem Gebiet liegt. Macht eure Truppen mobil, bringt alle Kämpfer mit, die dafür eingeplant sind. Wir werden euch führen, wenn ihr es wünscht. Aber wir müssen uns beeilen, denn der Feind ist gerissen.“
Die beiden, Daisuke und Naoki, verstanden sofort. Sie verabredeten mit den Wölfen, dass sie in der Mittagszeit sich alle vor dem Tor einfinden würden, um dann gemeinsam unter der Führung der Wölfe, zu ihrem Herrn zu gelangen.
Schnell rief Naoki die Krieger zusammen, ließ aber auch wie der Herr es befohlen hatte, bevor er aufgebrochen war, einige Truppen im Schloss, um für die Sicherheit der kleinen Rin zu sorgen. Auch die Miko Kaede würde hier bleiben. Denn sie war der persönliche Schutz der Hime.
Als die Wölfe zur vereinbarten Zeit vor dem Tor standen, sahen wie eine unglaubliche Anzahl von Kriegern auf sich zukommen. Am Beginn des langen Zuges liefen Daisuke und Naoki. Sie nickten den Wölfen zu und folgten diesen. Sie liefen schnell. Denn sie wussten alle, dass der Herr nun vor einer Schlacht stand. Einem Kampf mit dem wahnsinnigen HanYou. Dabei konnten ihm die vielen Truppen nur gelegen kommen. Das hieß, wenn sie es schafften, ihn noch rechtzeitig zu erreichen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 19. Okt 2011, 21:36 
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Die Gefährten hatten sich aufgeteilt. Nahezu lautlos bewegten sie sich auf dem steinigen Gelände. Achteten darauf, nicht bemerkt zu werden. Sie hatten den Fuß des Heiligen Berges unbemerkt erreicht und hatten bemerkt, dass es kaum Dämonische Auren in dessen Nähe gab. Totosai, Kouga und der Herr des Westens spürten die reinigende Ausstrahlung dieses Ortes mehr als deutlich. Sollten sie ihm zu nahe kommen, würden sie vermutlich sterben. Auch InuYasha nahm diese Ausstrahlung war. Die perfekte Festung, wenn man sich vor allem gegen Dämonen schützen wollte. Die menschlichen Begleiter hingegen hatten keinerlei Probleme. Während es bei den Youkais zu vielen Symptomen kam, spürten die Menschen keinerlei Beeinträchtigungen.
Sesshoumaru war mit seinem Halbbruder zusammen in westlicher Richtung um den Berg gegangen. Beide bemühten sich, so es eben ging, außerhalb der Aura des Berges zu bleiben. Und auch, wenn der Lord es sich nicht anmerken ließ, zehrte dieser doch an seinen Kräften. Er fühlte sich schwächer, hatte rasende Kopfschmerzen und hin und wieder nahmen ihm diese die Sicht. Der Halbdämon hatte ebenfalls Probleme, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie der Volldämon. Ihn plagten nur leichte Kopfschmerzen.
Doch InuYasha spürte sehr wohl, dass es dem DaiYoukai in der Nähe dieses Berges nicht gut ging.
Seit geraumer Zeit waren sie nun schon unterwegs, immer darauf bedacht, kein Geräusch zu verursachen, sich nur in den Schatten zu halten, nicht gesehen zu werden. Vorsichtig und mit größtmöglicher Konzentration bewegten sie sich geschmeidig wie aufziehender Nebel. Der DaiYoukai unterdrückte die ganze Zeit seine eigene Aura. Sie hätte alles verraten können. Und die andauernde Konzentration machte seinen momentanen Zustand nicht besser. Er musste einen klaren Kopf bewahren. Aber er spürte, wie im langsam aber sicher schwindelig wurde. Auch wenn es ein Außenstehender niemals bemerkt hätte, dass es dem mächtigen Youkai keineswegs gut ging und er nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war. Seine Haltung war noch immer stolz, beherrscht und kühl. Doch der Jüngere hatte bemerkt, dass der Schritt des Bruders nicht mehr so sicher war.
Die Sonne stand schon weit im Westen, es dauerte nicht mehr lange, bis die Dunkelheit herein brechen würde. Und noch immer waren die beiden Brüder ohne eine Rast einzulegen dabei, den Berg zu inspizieren. Es hatte sich bislang kein Weg gefunden, der es ihnen ermöglicht hätte, eben diesen zu erklimmen, oder hinter die Barriere der Reinheit zu gelangen. Bald würde die Dunkelheit herein brechen. Es wurde Zeit, einen geschützten Ort zu finden, an dem sie ein bisschen verschnaufen konnten. Sesshoumaru brauchte Ruhe, der Halbdämon spürte das. Aufmerksam sah er sich nach einer Felsspalte oder Höhle um, zumindest ein Felsüberhang. Irgendetwas das sie vor unerwünschten Blicken schützte. Besorgt sah er auf seinen Bruder. Der Ältere hatte angehalten. Zog prüfend die Luft in seine Lungen, versuchte mit seinen geschärften Sinnen eine Schwachstelle in der Barriere zu finden, doch da war nichts. Resigniert sah der DaiYoukai zum Himmel. Er hoffte, dass die anderen mehr Glück haben würden. Sein Plan war, eine Schwachstelle zu finden, hinter die Barriere zu gelangen und dann so lautlos wie nur möglich mit seinen dann eingetroffenen Truppen unbemerkt zu Naraku vorzudringen. Und Kagome da raus zu holen. Doch bislang schien das Glück ihm so fern wie noch nie. Auch wenn er sich nie auf Glück allein je verlassen hatte.
Er spürte die Hand InuYashas auf seiner Schulter. Er sah ihn an, der Jüngere wandte stumm den Blick auf einen Felsbrocken neben sich. Anscheinend hatte er dort etwas entdeckt. Stumm wandte sich der DaiYoukai um, folgte dem Jüngeren. Und nach nur wenigen Augenblicken hatte er eine Felsspalte ausgemacht. Die kühle Luft und die Dunkelheit darin hätte wohl Menschen dazu gebracht, eine Gänsehaut zu bekommen. Doch furchtlos schritten die Brüder in das Dunkel. Es bot wenigstens etwas Schutz.
Sesshoumaru schloss die Augen und lehnte gegen den kalten Fels. Sein Bruder hatte die Augen unverwandt dem Ausgang zugewendet. Ein leichter Luftzug aus dem inneren der Felsspalte veranlasste den Herrn dazu, die Augen wieder zu öffnen. Ein Luftzug deutete meist auf einen zweiten Zugang hin. Angestrengt lauschte er in die Dunkelheit. Prüfte die Luft und nahm weder einen besonderen Geruch noch eine gefährliche Ausstrahlung war. Leise bedeutete er seinem Bruder, dass er den Spalt weiter erkunden wolle. InuYasha nickte. Er würde also diesen Eingang bewachen und seinem Bruder den Rücken freihalten.
Sesshoumaru glitt lautlos tiefer in die Dunkelheit hinab. Seine Kopfschmerzen, seine Schwindelattacken nahmen ab. Er fühlte, wie die Aura des heiligen Berges schwächer wurde. Neugierig geworden folgte er dem Gang. Er führte in eine große Höhle. Sesshoumaru nahm mehrere Gänge war, die sich in alle Richtungen erstreckten. Wenn auch nur einer von diesen Gängen in den inneren Bezirk des Berges führen würde, wäre es ein wundervoller Glückstreffer. Allerdings konnten sich hier auch Feinde versteckt halten.
Er wusste, dass er allein nicht gefahrlos die Gänge erforschen konnte. Zu groß war die Gefahr eines Überraschungsangriffs. Allerdings, sollte sich herausstellen, dass dieses Höhlensystem nicht benutzt wurde, nicht bekannt war, dann würde es eine hervorragende Basis darstellen. Zumindest für den Moment. Bis er wusste, wie groß es tatsächlich war.
Er ging zurück. Setzte sich in die Nähe des Ausgangs und beschied den Jüngeren nun sich auszuruhen. Er würde nun Wache halten und nachdenken. Was hatten die anderen entdecken können?

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 19. Okt 2011, 23:38 
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Naraku hatte den ganzen Tag die wachsende Unruhe in den Gefühlen und Gedankenbruchstücken der jungen Frau bemerkt. Er lächelte wieder. Ja, sie war bald soweit. Bald konnte er seinen Plan in die Tat umsetzten und dann würde sie ihm sogar helfen. Auch wenn sie sich das in der jetzigen Situation noch nicht vorstellen konnte.
Er ging lautlos durch den dunklen Palast. Es war deswegen dunkel, weil ein großer Teil des Gebäudes in den Felsen gehauen waren. Es drang kein Licht ein. Nur an der Südwand des Gebäudes, der einzigen, die nach draußen ragte, ließen die Fenster das Licht der nun untergehenden Sonne spärlich ein. Es waren nur noch wenige Sonnenstrahlen, die sich an diese Seite verirrten. Doch es reichte aus, um noch die Hälfte der Räume und Gänge mit schummerigem Licht zu erhellen. Auf dieser Fensterseite hatte er auch die Frau untergebracht. Und er achtete darauf, dass sie niemanden außer ihm zu Gesicht bekam. Sie sollte nicht wissen, wie viele Dämonen seinem Ruf gefolgt waren. Sollte auch nicht wissen, wie viele Abkömmlinge er geschaffen hatte.
In seinen Händen hielt er deswegen auch ein Tablett mit Speisen, die er für sie aus einem Dorf weiter nördlich hatte beschaffen lassen.
Nun stand er vor der Tür zu ihrem Gemach. Er fühlte, dass sie über ihn nachdachte. Fühlte, wie sie Mitleid mit ihm empfand und wie dieses immer größer wurde. Er wusste, dass sie jetzt schon nicht mehr in der Lage war, ihm etwas anzutun. Soweit hatte er sie schon gebracht. Sie leugnete inzwischen ihre verkümmerten Instinkte, die andauernd in ihr schrieen. Ja, bald würde sie sich seinem Einfluss nicht mehr entziehen, wenn er ganz offensiv vorging. Wieder huschte ein Lächeln über sein hübsches Gesicht. Er klopfte. Wartete. Dann, mit einiger Verzögerung vernahm er ihre leise Stimme. Er öffnete die Tür und schloss sie leise, als er hindurch war. Da stand sie, das offene Haar floss in schwarzen, schweren Wellen bis zur Hälfte ihres Rückens einem Wasserfall ähnlich über ihre Kleidung. Er hatte dafür gesorgt, dass sie auch Kimonos zu ihrer Verfügung hatte. Sie trug gerade einen Schwarzen mit blutroter Stickerei an den Ärmeln. Sie sah gut aus, dass musste auch er zugeben. Noch immer hatte sie sich nicht zu ihm umgedreht, sah noch immer aus dem Fenster und blieb still.
Wortlos stellte er das Tablett auf einen Hocker und trat leise hinter sie. Nahm ihren Geruch war. Für einen Menschen war sie schön. Und das machte ihm einiges leichter. Vorsichtig legte er eine Hand auf ihre Schulter, spürte wie sich augenblicklich ihre Muskeln anspannten. Doch sie blieb stehen, zuckte nicht zurück.
„Du solltest etwas Essen. Ich habe es dir dort hingestellt.“
Er war ihr so nahe, dass sie die Wärme fühlen konnte, die von ihm ausging. Seine Hand lag noch immer auf ihrer Schulter. Langsam drehte sie sich um. Ihre Augen wandten sich ihm zu. Und er bemerkte erstaunt, dass sich ihr Blick verändert hatte. Er schien sich regelrecht in ihn hinein zu brennen. Er sah ihr Mitgefühl. Sah ihre Emotionen in ihren Augen. In diesem kurzen Moment hätte er nicht ihre Gedanken lesen müssen, sie waren ganz offen in ihrem Blick zu sehen. Er tat ihr wirklich leid. Innerlich musste er schmunzeln.
„Warum siehst du mich so an?“ Seine Stimme war leise, sanft. Passte so gar nicht zu dem Mörder, der er doch war. Zu dem berechnenden und egoistischen, kalten und grausamen HanYou, der er doch war. Und doch….
„Es tut mir leid….“ Mehr sagte sie nicht. Wandte ihre Augen von ihm, sah zu Boden. Er spürte, dass sie es wirklich ehrlich und ernst meinte. Es tat ihr tatsächlich leid. Alles was er ihr gesagt hatte, tat ihr leid.
Als sie ihm wieder in die braungoldenen Iriden sah, sich aber gleichzeitig von ihm zurückzog, bemerkte er, dass sie in Gedanken bei seiner ehemaligen Liebe war. Und er bemerkte noch etwas: Neugierde…
Sie musterte ihn unauffällig. Sein langes dunkles Haar, das sein blasses Gesicht umrahmte, die gerade Nase, die sanft geschwungenen Lippen. Er sah nicht so aus, als würde er ohne mit der Wimper zu zucken töten. Sie seufzte. Er schien vielmehr ein gefallener Engel zu sein. Seine muskulöse, schlanke Statur, seine geschmeidigen Bewegungen passten indes vielmehr zu einem Raubtier.
Anmutig setzte sie sich auf das weiche Bett, sah schweigend zu ihm. Beobachtete, wie er sich auf einen Stuhl ihr gegenüber setzte. Was wollte er noch von ihr? Warum blieb er hier?
Er nahm ihre Verwirrung wahr, die er ausgelöst hatte. Einzig dadurch, dass er nicht gleich wieder ging. Er lächelte sie nun an.
„Ich möchte dir Gesellschaft leisten“, beantwortete er ihre unausgesprochene Frage.
„Ich möchte mit dir reden. Möchte Teil haben an deinen Gedanken.“ Noch immer lächelte er.
„Wieso sind meine Gedanken von Interesse für dich?“ fragte sie leise, sah an ihm vorbei. Es schien ihr unangenehm, mit ihm zu reden.
„Ich habe dir meine Geschichte erzählt. Ich habe dich Teil haben lassen an meiner Vergangenheit. Ich bitte dich, lass mich nun auch ein wenig Teil haben an deinen Gedanken. Sag mir ehrlich was dich gerade beschäftigt.“
Sie sah ihn nun direkt an, sah sein Lächeln, die Wärme in seinen Augen. Meinte er es ernst? Sie wusste, dass sie ihm nicht trauen konnte. Und dennoch.
„Warum hast du mich vor ihm gewarnt? Was meintest du damit, als du sagtest, er würde mich verletzten?“
„Weil genau das geschehen wird, kleine Kagome.“ Er beobachtete sie genau. Sah, wie sie den Blick wieder zu Boden wandte.
„Nein. Das wird er nicht.“
„Doch. Und du spürst es innerlich schon jetzt, nicht wahr? Du empfindest etwas für ihn. Aber was empfindet er für dich? Weißt du es?“
Sie schwieg. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie wusste nicht, wie InuYasha für sie empfand. Sie hatte auch nie mit ihm darüber gesprochen, sich nie etwas anmerken lassen. Sie wollte ihn nicht belasten. Und genau das hätte sie doch getan, oder nicht? Er hätte sie womöglich noch mehr beschützen wollen, sich noch mehr in Gefahr begeben. Das wollte sie nicht, wollte keine Last sein.
Stumm saß sie da. Stumm und voller Leid und Zweifel. Er spürte es. Bald….
„Sag, liebst du ihn, kleine Kagome?“ Seine stimme war so sanft, so warm. Wie flüssiger Honig.
Ihre Gedanken, wie weggefegt. Sie fühlte sich leer. Sie fühlte sich schlecht. Er spürte es wohl, denn er stand auf, kam auf sie zu und fiel vor ihr auf die Knie. Seine Hände griffen nach ihren.
„Hör mir zu, Kagome.“
Sie sah ihn nicht an, konnte nicht den Blick heben. Sie fühlte sich so zerrissen. Und das tat mit einem mal so weh.
Er hob ihr Gesicht an, so dass er in ihre Augen sehen konnte. Tränen sah er darin.
„Auch wenn wir eigentlich Feinde sind, kleine Kagome, aber du hast etwas anderes verdient. Du hast so ein gütiges, selbstloses Herz. Wie ein Engel.“ Seine Stimme war leise, sanft und zugleich eindringlich.
Die Tränen rannen nun über ihre Wangen. Sanft strich er sie mit seinen warmen Fingern fort.
„Weine nicht, kleine Kagome. Bitte weine nicht.“
„Ich habe Angst um alle meine Freunde, dass du ihnen allen das Leben nimmst. Ich habe Angst davor, dass du diese ganze Welt mit Krieg überziehst. Ich…“ Es sprudelte aus ihr heraus. Die mühsam aufrecht gehaltene Selbstbeherrschung war dahin geschmolzen. Er spürte ihre Angst, ihre Zerrissenheit. Ihre Nervosität. Und der Umstand, dass ausgerechnet er nun bei ihr war, mochte für sie zuviel gewesen sein.
Innerlich lächelte er einmal mehr. Die Beute war geschlagen.
Ohne ein weiteres Wort zog er sie in seine Arme, spürte ihre heißen Tränen an seiner Schulter, ihr Zittern, ihre angespannten Muskeln, den letzten Rest Widerwillen.
„Kagome, hör auf, immer um alle Angst zu haben.“ Flüsterte er leise in ihr Ohr. „Was ist denn mit dir? Du denkst wirklich immer nur an andere, nicht wahr? Gibst dich selbst völlig auf….“
Beruhigend strich er ihr über den zitternden Körper, während sie noch immer leise schluchzte. Sie wusste, es war falsch. Sie wusste, sie durfte ihm nicht trauen. Sie fühlte sich noch schlechter, die letzte Kraft schien sie zu verlassen. Sie fühlte sich wie eine Verräterin. So schlecht. So allein.
Sie zog sich aus seiner Umarmung. „Nicht“, bat sie tonlos. Die Stimme kraftlos. „Lass mich, fass mich nicht noch einmal an…“
Das letzte Aufbäumen, dachte er.
„Sag mir das noch einmal und sieh mich dabei an.“ Seine stimme war noch immer sanft und leise.
Sie hob den Blick. Alles was sie in Gedanken sich schnell zu Recht gelegt hatte, was sie eigentlich sagen wollte, kam nicht heraus. Ihr Geist schrie auf. Innerlich schrie sie ihn an, er möge endlich verschwinden, oder besser, sie endlich gehen lassen. Er hatte sein versprechen gebrochen. Er hatte gesagt, sie solle nur ihm zuhören, dann könne sie wieder gehen. Sie schrie ihn in Gedanken an, dass ihr ihre Freunde und auch InuYasha, selbst wenn ihre Liebe nicht erwidert werden sollte, über alles gingen. Das sie für sie ihr Leben opfern würde.
Doch nichts davon kam über ihre Lippen. Sie schien wie gelähmt. Ihr Körper gehorchte ihr nicht, ihre Stimme schien sie verlassen zu haben. Was war nur los? Wieso konnte wie nicht wenigstens aufhören zu weinen? Sie schämte sich, wünschte sich, sich verstecken zu können.
Das hier war Folter! Sie wand sich innerlich hin und her, nach Außen saß sie vor ihm und wurde von den Weinkrämpfen geschüttelt.
Wortlos zog er sie wieder in seine Arme, legte ihren Kopf in seine Halsbeuge, fuhr mit einer Hand beruhigend über ihren Rücken.
„Es ist gut, wenn du weinst. Ich kann mir vorstellen, wie du dich fühlst. Auch ich hatte einmal Gefühle, wie du weißt. Und ich kann mir denken, dass du dich zerrissen fühlen musst. Stimmt es nicht, meine kleine Kagome?“ Er flüsterte in ihr Ohr, war so unglaublich sanft.
„Vergiss für diesen einen Moment, dass wir in unterschiedlichen Lagern und gegenüber stehen, kleine Kagome. Im Augenblick gibt es das nicht zwischen uns. Ich möchte dir jetzt und hier helfen. Denn ich weiß, wie du dich fühlst.“ Er fasste ihr Kinn, zwang sie ganz sanft, ihn anzusehen. Er legte soviel Wärme in seinen Blick wie er konnte.
Sie fühlte sich so schwach wie noch nie. Nichts war richtig, alles war falsch. Vor ihr saß ihr Feind. Und war so sanft mit ihr. Sie hasste sich selbst dafür, dass sie so schwach war. Doch sie konnte nichts tun, als ihre Kraft nun komplett aus ihr wich und sie sich an ihn lehnen musste um nicht umzufallen. Sie hasste sich selbst und erkannte sich selbst nicht mehr. Was war nur aus ihr geworden?
Schließlich schloss sie die Augen, konnte seinen Anblick nicht mehr ertragen. Sie spürte, wie er sie hinlegte und zudeckte. Wie er ihr sanft und beinahe zärtlich über die Haare strich. Dann glitt sie in die gnädige Schwärze einer Ohnmacht. Sie war wirklich am Ende.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 20. Okt 2011, 17:06 
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Sesshoumaru hatte in der Zwischenzeit seine Gefährten in das versteckte Höhlensystem geführt. Er selbst, Kouga und InuYasha hatten die besten Nasen. Und es war ihnen nicht möglich, eine Spur eines fremden Youkais zu wittern. Totosai hingegen hatte eine andere besondere Gabe. Als Schmied musste er mit Erz arbeiten. Er legte seine Hände auf den Höhlenboden, kommunizierte mit dem Felsen selbst. Doch auch ihm war es nicht möglich gewesen, eine Gefahr wahrzunehmen.
Der Mönch hingegen versiegelte den Eingang der Felsspalte mit einigen Bannzetteln und erschuf so eine Barriere. So konnten sie sich dem Inneren widmen, ohne überrascht zu werden.
Kurzerhand teilten sie sich wieder in zweier Gruppen auf, jede übernahm die Erkundung eines Ganges. Doch es lauerten aus irgendeinem Grund keine Feinde in den dunklen Gängen. Der Geruch nach Staub und Fels und die trockene Luft erschwerte es den Youkais mit der Zeit noch etwas anderes wahrzunehmen.
Totosai lief mit dem Mönch in einem der Gänge Richtung Nordwest, als sie an eine Biegung kamen, die in östliche Richtung führte. Genau auf den heiligen Berg zu. Während sie weitergingen registrierte der Schmied, dass die heilige Barriere auch hier unten vorhanden war, wenn auch längst nicht so stark wie an der Oberfläche. Auch waren die Auswirkungen auf den Youkai deutlich abgeschwächt. Er bedeutete den Mönch kurz zu warten und schritt selbst stumm weiter auf die Barriere zu.
„Totosai, bist du verrückt? Du könntest doch sterben, wenn du mit der Barriere in Kontakt kommst!“
„Das mag sein, Kleiner. Aber besser ich, als der Herr des Westens. Und vielleicht muss ich ja auch nicht sterben und dann haben wir endlich den Zugang gefunden? Also bleib da stehen. Wenn ich dich rufe, kannst du mir immer noch hinterher kommen.“
Und schon verschwand der alte Youkai hinter der Perlmuttschimmernden Barriere. Kein Laut war zu hören. Angespannt lauschte der Mönch. Etwas anderes konnte er nicht tun. Doch er hörte absolut nichts.
Der Alte war hinter der Barriere, er hatte es geschafft. Hier konnten auch die anderen folgen. Endlich. Der Herr des Westens wurde immer reizbarer und ungeduldiger. Es wurde Zeit, dass er diese Nachricht erhielt. Außer leichten Kopfschmerzen schien es keinerlei Komplikationen zu geben.
Doch bevor er wieder gehen konnte, wollte er noch einmal die nächste Umgebung inspizieren. Allerdings mit Hilfe der Felsen. Wie schon kurz zuvor, ließ er sich wieder auf die Knie sinken und legte seine Hände auf die Felsen. Er fühlte die wohlbekannte Kühle des Gesteines, erspürte dessen Zusammensetzung. Fühlte die Oberfläche des vor ihm liegenden Tunnelbodens. Er nahm keine Dämonen war. Da war nichts. Dieser Weg schien unbekannt zu sein. Oder man verließ sich zu sehr auf die Barriere. Wie auch immer, hier konnten auch die Truppen hindurch. Doch zuerst musste er dem Herrn berichten. Endlich ging es vorwärts. Wieder ein Schritt näher an Naraku und Souunga.
Er ging zurück zu dem Mönch, schweigend gingen sie wieder zu dem Eingang zurück. Auch die anderen waren von ihren Erkundungen zurückgekommen. Und niemand von ihnen hatte Feinde ausmachen können. Dafür aber hatten sie herausgefunden, dass alle anderen Gänge entweder blind endeten oder sich aber in größeren Kammern verloren. Die Hälfte davon wiederum war mit wunderschönen Kristallen überzogen. Letzten Endes konnten sich hier die Truppen des Herrn des Westens verbergen, wenn sie eingetroffen waren.
Sesshoumaru war allerdings nicht zufrieden. Er sah nachdenklich zum Eingang des Höhlensystems. Das alles dauerte zu lange. Wie ging es der jungen Frau, die nun in Narakus Gewalt war? Nach wie vor wusste er nicht, was er von der Verbindung mit ihr halten sollte. Doch es beunruhigte ihn nun, dass er in den letzten Stunden nichts mehr von ihr gespürt hatte. Und auch wenn es ihm Schmerzen bereiten sollte. Er wollte noch einmal ihre Gedanken hören.
Totosai beobachtete den DaiYoukai. Der alte Schmied spürte eine wachsende Unruhe und Aggression bei dem sonst so kühlen Lord. Was mochte nur in ihm vorgehen? Er sah hinüber zu dessen Halbbruder. Auch der sonst eher quirlige HanYou war ungewöhnlich schweigsam. Hing es mit der seltsamen Verbindung des Herrn des Westens mit der jungen Frau, Kagome, zusammen? Der Alte seufzte. Die Jugend hatte anscheinend immer dieselben Probleme. Und Totosai stellte fest, dass er froh war, nicht mehr so jung zu sein. Das Alter hatte doch auch Vorteile.
Er ging hinüber zu InuYasha.
„Junge, komm mit mir, ich möchte mit dir reden.“
Der Halbdämon sah auf. Direkt in das ernste Gesicht des Schmiedes. Leise folgte er dem Alten.
„Also Junge. Was bedrückt dich?“
Die simple Frage ließ sich für InuYasha nicht so einfach beantworten. Er war auch nicht derjenige, der gerne über sich und seine Probleme sprach. Was sollte er auch sagen? Das Kagome ihm leid tat? Das er nicht in der Lage war, ihre Gefühle zu erwidern? Das es ihn verwirrte, dass nu ausgerechnet sein ältere Bruder in mentaler Verbindung zu ihr stand?
Er seufzte. Schließlich gab er auf und erzählte diese Gedanken dem Erfahreneren. Dieser hörte sich alles an, nickte nur hin und wieder, als Zeichen, dass er genau zuhörte.
„Nun, wieso dein Bruder, der Herr des Westens, die Verbindung hat, weiss ich nicht. Wieso sie nicht zu dir besteht, liegt dagegen ganz klar auf der Hand: Du lehnst die Frau unbewusst ab. Willst sie nicht an dich heran lassen. Willst vielleicht auch nicht in ihren Augen schwach sein. Sesshoumaru hingegen weiß, dass er nicht schwach ist. Er ist sich seiner Stärke mehr als bewusst. Und er hatte Rin aufgenommen. Obwohl er Menschen eigentlich verachtet, ist er anscheinend unbewusst doch imstande, sch auf die Verbindung einzulassen.“
InuYasha nickte. Das mochte so sein. Bislang war er nie wirklich stark gewesen. Dachte er zumindest. Ja, er hatte Kämpfe gehabt, viele auch gewonnen. Aber war er wirklich stark? Innerlich? Nein, er wusste, er hatte Schwächen. Und er hatte im Stillen den Bruder immer bewundert für dessen Kraft und sein sicheres Auftreten.
Nachdenklich ging er wieder zu den anderen, nur um festzustellen, dass der Lord nicht anwesend war. Er hatte sich zurückgezogen. Er konnte erst mal niemanden um sich gebrauchen. Er konnte es sich nicht leisten, dass jemand seine Konzentration störte, wenn er wieder versuchte, in die Gedanken der Menschenfrau zu gelangen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 20. Okt 2011, 17:45 
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Dunkelheit. Kälte. Schmerz. Haltlosigkeit.
Die Gefühle erfassten ihn, ließen seine Seele erfrieren. Sie fühlte sich so schlecht. Hatte Angst. War allein. Am liebsten wollte sie sterben.
Sesshoumaru keuchte auf. Rang nach Luft. Es war, als hätte man ihm den Hals zugedrückt. Sie litt!
„Halte durch!“ Er schrie innerlich die Botschaft, versuchte sie dadurch zu erreichen und ihr Mut zu machen.
Eine ganze Weile konnte er nichts wahrnehmen. Es schien, als wäre jegliches Gefühl, jeder Gedanke aus ihr gewichen. Als sei sie innerlich bereits tot.
Dann, wie ein kleiner Lichtstrahl, zitternd und zögerlich. Eine Antwort.
„Ich kann nicht mehr. Ich kann nichts gegen ihn tun. Ich will nicht mehr.“
Er war entsetzt. In ihrer Antwort spürte er all ihre Zerrissenheit. Die Einsamkeit. Und eine Verzweiflung, die ihm fast die Sinne raubte.
„Ich werde dich holen kommen. Halte durch, bis ich da bin!“
Er legte so viel Wärme in diese Gedanken, wie er nur konnte.
Versuchte, sie zu stärken.
Wieder eine Pause ehe er ihre Antwort bekam.
„Ich werde es versuchen.“
„Gib nicht auf! Es dauert nicht mehr lange!“
Erschöpft brach er zusammen, stützte sich mit den Händen am Boden ab, um nicht vollends auf den Felsen zu liegen. Es hatte ihn viel Kraft gekostet. Ihre Emotionen auszuhalten. Und der Versuch, ihr Kraft zu geben.
Inzwischen wollte er nicht wissen, warum sie beide diese Verbindung hatten. Es schien ihm nun ganz klar. Sie brauchte Kraft, und er konnte sie ihr geben. Auch wenn es ihm innerlich fast den Boden unter den Füßen wegzog. Wenn er sich fürchterlich erschöpft fühlte. Wie ausgesaugt. Doch sie musste durchhalten. Wo war nur ihre Kraft hin? Er hatte in dem kurzen Moment der Gedankenübertragung gespürt, dass dieser dreckige, widerliche HanYou sie beeinflusst hatte. Sie war sonst immer zuversichtlich gewesen. Das hatte er von seinem Bruder erfahren. Hatte immer alle aufgemuntert. Aber jetzt? Jetzt musste sie sich so einsam fühlen, wie noch nie zuvor. Er hatte es gespürt. Vor allem diese Kälte, die sie in sich trug.
Frustriert erhob sich der DaiYoukai, langsam und nicht ganz so elegant wie gewöhnlich. Mit geschlossenen Augen stand er da, versuchte sich selbst zur Ordnung zu Rufen. Er taumelte leicht. Diese Gedanken zu übertragen kostete ihn viel Kraft.
Aber dennoch: es war notwendig. Er wollte nicht, dass sie aufgab. Aus einem unerfindlichen Grund wollte er sie retten. Wollte Naraku dafür langsam aufschneiden, ihm bei seinen letzten Atemzügen zusehen und sehen, wie das Blut diesen Wahnsinnigen langsam verließ. Dieser Abschaum sollte leiden! Sollte wirklich tausend Tode sterben.
Sesshoumaru hatte nicht nur ihre Qual gespürt, nein, er hatte gefühlt, dass dieser Dreck sie folterte. Auf die widerlichste Art, die sich der Lord denken konnte. Mental! Er ging psychisch vor und zerstörte sie von innen. Und der Herr des Westens wusste, dass dies sehr effektiv sein konnte. Er selbst hatte es nie nötig gehabt, etwas derart feiges zu tun. Seine Gegner waren immer durch seine Klinge gestorben. Nie hatte er sie vorher gebrochen.
Aber Naraku war jedes Mittel recht. Und bei der empathischen Frau war es ihm ein leichtes, sie so zu zerstören.
Sein Atem ging schwer, aber kräftig. Wut hatte sich in im gestaut. Er musste sich abreagieren. Musste wieder sich beruhigen. Es galt, die nächsten Schritte zu überlegen, die Taktik zu durchdenken. Seine Rachegelüste waren da eher hinderlich.
Schweigend kehrte er zu den anderen zurück. Sein Blick ließ sie alle verstummen.
Er ließ sich neben seinen Halbbruder nieder. Obwohl er am liebsten mit irgendjemanden gekämpft hätte. Aber er wollte nicht, dass jemand auf ihn aufmerksam wurde. Also zwang er sich mühsam zur Ruhe. Und hoffte, dass bald seine Truppen eintrafen. Damit er endlich den nächsten Schritt verwirklichen konnte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 20. Okt 2011, 20:33 
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Naraku spürte ihre Verzweiflung, ihre Hilflosigkeit. Aus dem letzten bisschen Zuversicht, dass noch in ihr war, hatte sich nun in Angst gewandelt. Er wusste, dass sie nun entweder gänzlich sich dieser Verzweiflung hingeben würde, oder er gab ihr ein neues Gefühl. Er lachte. Und jeder seiner Untergebenen kannte es schon, dieses Lachen. In der Regel bedeutete es, dass jemand sterben würde. Und jeder hoffte nicht dieser Unglückliche zu sein, den das Los traf.
Doch seine Schritte führten ihn wieder einmal zu ihr. Es wurde Zeit. Sie war jetzt soweit, dass sie zu seinem Werkzeug werden konnte. Er wusste, dass sie ihm nicht widerstehen konnte.
Als er anklopfte, kam keinerlei Reaktion. Wieder lächelte er. Also gut. Nun würde er endgültig sie sich untertan machen.
Er trat in ihr Gemach. Wieder stand sie am Fenster. Doch als er neben ihr stand sah er, dass ihre Augen geschlossen waren. Sie schien völlig abwesend zu sein. Unendlich sanft strich er durch ihr langes Haar. Sie reagierte nicht. Noch immer waren ihre Augen geschlossen.
„Kagome“, seine Stimme drang in ihr Bewusstsein.
„Nein, lass mich in Ruhe“, in Gedanken formulierte sie die Worte, unfähig sie laut auszusprechen.
Bevor er zu ihr gekommen war, hatte sie noch einmal die Gedanken des anderen gespürt. Hatte gefühlt, dass sie jemanden nicht egal war und auch noch nicht aufgegeben wurde. Dass da jemand für sie kämpfen würde. Das hatte ihr für einen kurzen Augenblick einen Schimmer Hoffnung gegeben. Und nun war alles wieder weg. Wieder spürte sie die Resignation. War bereit, aufzugeben. Sie hatte keine Chance! Immer wieder kreisten ihre Gedanken um ihr Versagen. Sie hatte Naraku aufhalten wollen. Doch nun war sie nicht einmal mehr dazu in der Lage, sich selbst aufrecht zu halten.
Als der HanYou sie in seine Arme zog, sie seine Wärme fühlte, wurde ihr schlecht. Nein, sie wollte das hier nicht. Kraftlos wollte sie sich von ihm entfernen, ihn wegstoßen. Doch es ging nicht. Als hätte sie keinen Willen mehr.
„Ich bin für dich da, Kagome.“ Sie lachte bitter auf. Es war Naraku, der das sagte. Der Falsche. Sie wollte diese Worte von einem anderen hören, aber bei allem was ihr heilig war: Nicht von ihrem Feind. Denn genau das war er! Und doch. Alle waren weit weg, niemand wusste, wo sie sich befand. Wer sollte ihr helfen?
Sie musste sich selbst helfen. Sonst würde sie sich eher selbst das Leben nehmen, als weiterhin hier diesem HanYou ausgeliefert zu sein.
Naraku spürte, dass sie sich innerlich versteifte. Spürte in ihr eine seltsame Entschlossenheit, die auf Verzweiflung gründete.
Was hatte diese kleine, schwache Frau vor? Er sah mit Hilfe seines Bewusstseins in ihr den Wunsch zu sterben. Sie wollte nicht mehr. Hatte die Hoffnung verloren. Nun, er sollte ihr eine Alternative anbieten….
„Kleine Kagome“, er fasste ihre Schultern. „Hör mir zu, kleine Kagome. Ich kann mir vorstellen, wie allein du dich fühlen musst. Wie verlassen. Hilflos. Vielleicht auch verwirrt. Es ist noch niemand gekommen, um dich zu retten. Niemand hat sich bislang auf den Weg gemacht um dich zu finden.“
Er sah in ihre Augen, und eine unglaubliche Leere strahlte ihm entgegen.
„Aber ich bin hier. Ich verstehe dich, besser als du vielleicht glaubst.“
Sanft strich er ihre Haare aus dem zarten Gesicht.
„Wärest du meine Gefährtin, meine Freundin, wie du es eigentlich für deine Freunde“ dieses Wort betonte er ironisch, „sein solltest, würde ich dich sofort suchen. Würde sofort versuchen, dir zu helfen.“
Wieder umarmte er sie, barg sein Gesicht in ihrem blauschwarzen Haar.
„Glaub mir, ich verstehe dich. Das Leben hält so viel für uns bereit. Das meiste tut weh. Und daraus lernen wir, verändern uns mit jeder neuen Erfahrung. Das Leben ist es, was uns formt. Und meines war genauso einsam, wie deines. Deswegen verstehe ich dich. Deine Einsamkeit, deine Verzweiflung und deine Trauer.“
Wortlos hörte sie ihm zu, nicht in der Lage zu sprechen, ihm zu widersprechen. Alles in ihr schrie auf. Es schüttelte sie geradezu. Es tat so weh. Aber tief in ihr drin wusste sie, dass sie eben nicht völlig allein war. Zumindest einer hatte ihr Mut zugesprochen.
Noch immer hielt er sie in seinen Armen. Sie spürte noch nicht einmal ihre Tränen. Doch tief in ihr gab es ein Glimmen. Ein Funke, der nicht verlöschen wollte.
Auch wenn sie noch keine Kraft hatte, sich zu wehren, dem HanYou vor ihr noch nicht Einhalt gebieten konnte. Sie klammerte sich an diesen Funken. Und wieder einmal fiel sie in Ohnmacht.
Schweigend hob Naraku die Frau hoch, trug sie auf ihr Bett und betrachtete sie. Er wusste, es war nur eine Frage der Zeit, bis er sie vollständig zu seiner Marionette gemacht hatte. Er konzentrierte sich, sein kleiner Teil in ihrem Bewusstsein, der Teil seines Geistes schwebte durch ihre Gedanken und nahm ihre Gefühle in sich auf, gab die Informationen sofort weiter.
Er hatte sich neben sie auf das Bett gesetzt, konzentrierte sich wieder auf die Frau. Für einen kurzen Moment hatte er sich durch die entspannten Züge in seiner Konzentration ablenken lassen. Doch nun spielte wieder ein hämisches Lächeln über seine Lippen. Er verstärkte den kleinen Teil seines Geistes in ihrem Unterbewusstsein. Verstärkte die Verzweiflung in ihr.
Doch da war noch etwas. Er sah tiefer in ihr Unterbewusstes Ich. Ein Glimmen, ein reines Licht. Er konnte sich dem nicht nähern. Konnte dieses Licht in ihr nicht löschen. Es verbrannte ihn, als er seine mentalen Finger danach ausstreckte. Hoffnung? Liebe? All das strahlte dieses Licht in ihr aus. Er fluchte. Sie war also noch immer nicht vollständig gebrochen. Nun, dass musste er ändern. Und zwar schnell. Ihm lief die Zeit davon. Denn er war sich sicher, dass der Herr des Westens an ihm Rache üben wollte. Vor allem wegen dem Menschenkind aus dem Dorf damals.
Er musste ihr klar machen, dass er ihre einzige Chance war. Die einzige Chance, diese Leere zu bekämpfen, dass er der neue „Freund“ an ihrer Seite war. Der einzige Freund vor allem. Es wurde Zeit für einen kleinen Zwischenfall! Er hatte da sich schon vor langer Zeit einen Plan ausgedacht. Nun würde er ihn umsetzten müssen. Zwar hatte er gehofft, nicht diesen Schritt gehen zu müssen, aber nun… Er seufzte. Betrachtete noch einmal die junge Frau. Dann erhob er sich. Ging lautlos aus ihrem Gemach.
In einem anderen Teil des großen Palastes rief er nach einem seiner Untergebenen. Ein großer Dämon erschien.
„Shou, es ist an der Zeit. Ich will, dass du nun zu der Menschenfrau gehst. Tu mit ihr, was du willst, aber verletzte sie nicht zu sehr. Sie soll leben, wenn ich sie noch für meine Pläne benutzen will. Hast du verstanden?“
Der Angesprochene hielt sich im Schatten, verneigte sich und ging.
Ja, Shou war die richtige Wahl für diese besondere Inszenierung.
Naraku wandte sich um und ging. Er würde später zur „Rettung“ der Frau kommen. Er war sich sicher, dass sie dann endlich ganz aufgeben würde. Er lachte diabolisch.


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BeitragVerfasst: 20. Okt 2011, 21:52 
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Mitten in der Dunkelheit der Nacht geschah das, was der Herr des Westens sich so sehr erhofft hatte: Endlich trafen die Kundschafter des WolfYoukais ein und überbrachten die Botschaft, dass seine Truppen nicht länger als einen Tagesmarsch entfernt waren. Sie waren so schnell gekommen, wie es einem bis an die Zähne bewaffneten Heer eben möglich war. Und sie reisten nur in der Nacht, um nicht gesehen zu werden. Naraku sollte ihren Vormarsch nicht bemerken.
Für Sesshoumaru war das endlich eine gute Nachricht. Es bedeutete, dass er nun am Zuge war. Dass er nicht mehr warten musste. Bald konnte er zuschlagen.
Noch einmal zog er sich zurück, wollte noch einmal die Verbindung zu Kagome aufnehmen, ihr noch ein letztes Mal Mut zusprechen. Danach konnte er sich etwas ausruhen. Bevor der Kampf begann. Er lächelte leicht. Er würde es sein, der Naraku endgültig besiegte.
„Kagome“, seine Konzentration richtete sich noch einmal auf die junge Frau. Er erschrak. Er fühlte mit einem Mal eine Leere über sich einstützen, die ihn wanken ließ. Leere und Schmerzen! Jemand quälte sie bis aufs Blut! Er fühlte ihren Schmerz, als sei es sein eigener. Er Taumelte, stürzte.
InuYasha, der dem Älteren gefolgt war, sah den Bruder fallen. Sofort war er an dessen Seite, hielt ihn noch halbwegs aufrecht. Sah in dessen Gesicht, aus dem alle Farbe gewichen war. Die Augen des DaiYoukai waren geschlossen, zusammengekniffen. Was war denn nun wieder los? Warum war sein Bruder mit einem mal so schwach?
Sesshoumaru indes nahm seinen Bruder nicht wahr, nur diese Schmerzen, diese Qual und die alles verschlingende Leere, die in der jungen Frau herrschte.
„Kagome! Du musst durch halten! Wehre dich! Kämpfe! Du musst leben!“
Seine Stimme, in Gedanken, schrie er sie an.
Dann brach die Verbindung ab. Etwas Schreckliches war geschehen. Er musste endlich handeln können, sonst war die Frau verloren. Und das wollte er nicht. Konnte es nicht zulassen. Warum wusste er nicht, nur dass sie wichtig war. Wichtig geworden war für ihn selbst. Er schüttelte sich, versuchte die Schmerzen aus seinem Körper zu vertreiben.
Als er aufsah, sah er in die besorgten Augen des Bruders, der ihn in den Armen hielt, ihn stützte.
„Was ist passiert, Bruder?“
„Kagome… Sie quälen sie.“ Sesshoumarus Stimme klang rau.
Er stand auf, ging schnell zu den Kundschaftern zurück, die sich noch mit Kouga unterhielten.
„Los, einer von euch beiden muss es zu meinen Truppen schaffen! Sie müssen sich beeilen. Ich brauche sie so schnell es geht. Wir müssen in der kommenden Nacht angreifen können! Alles andere wird zu spät sein. Los, lauf!“ Damit schickte er einen Wolf los. Dieser hatte in dem Blick des DaiYoukai den Tod wahrgenommen. Hass. Kampfeslust. Er wagte es nicht zu widersprechen und lief wie ein Blitz davon.
„Ihr alle solltet mir jetzt gut zuhören!“ Die ungewohnt raue Stimme des Herrn des Westens lies alle zusammen zucken. Er klang ungewöhnlich aufgeregt. Seine Stimme verriet zum ersten Mal seine Angespanntheit.
Dies ist die letzte Gelegenheit für jeden von euch noch einmal Kraft zu sammeln. Morgen Nacht werden wir durch den Gang hinter die Barriere gehen. Wir werden in dem Schutz der Nacht angreifen. Macht euch eines klar: Ihr werdet dort keine Gnade erwarten können. Also zeigt ebenfalls keine. Was dort auf uns wartet, ist der Tod. Aber gebt alles, dass es der Tod des HanYous sein wird!“ Die letzten Worte knurrte er mehr, als dass er sie aussprach.
„Wahrscheinlich werden wir es schwer haben, überhaupt bis zu Naraku vorzudringen…“ murmelte Totosai.
„Ja, wahrscheinlich. Deswegen bleibt ihr auch zusammen. Nur InuYasha wird definitiv immer an meiner Seite bleiben.“ Damit sah er den Jüngeren an. „Lass dich nicht von mir trennen. Denk daran, dass auch Souunga bei Naraku sein wird. Das müssen wir genauso vernichten!“
Der Halbdämon nickte. Ja, das Schwert. Sie mussten es ebenfalls vernichten. Als wäre es nicht so schon schwer genug.
„Ruht euch aus, sammelt Kraft. Wir werden sie brauchen!“
Sesshoumaru sah jedem einzelnen in die Augen. Dann drehte er sich um, ging zu dem Eingang und sah durch die Barriere des Mönches hinaus. Draußen schien ein leichter Wind über die Felsen zu streichen. Ein grausames Lächeln umspielte die Lippen des DaiYoukai. Er würde diesen Naraku zerfetzen. Mit den eigenen Klauen auseinander reißen. Der Tod durch ein Schwert war noch viel zu gut für diesen Abschaum. Er sollte büßen. Für Rin, die er beinahe entführt hatte und für die Qualen, die er Kagome zufügte.
Sesshoumaru spürte nicht, dass sich seine Aura nun doch verdichtete. Merkte nicht, dass jeder einzelne seiner Gefährten unwillkürlich weiter von ihm abrückte. Er strahlte die pure Mordlust aus. Berechnend und beherrscht. Aber dennoch, er trug wahrhaftig den Tod in sich. Keiner der anderen mochte sich den Herrn des Westens als Gegner vorstellen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 21. Okt 2011, 04:55 
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Sie war mitten in der Nacht wach geworden. Ein leises Geräusch hatte sie geweckt. Als würde Stoff reißen. Kein Licht drang durch die Fenster, nichts konnte sie erkennen. Und da war es wieder, dieses leise Reißen. Etwas war hier, bei ihr. Sie spürte Angst in sich hochsteigen. Sie hatte nichts, womit sie sich verteidigen konnte, keine Waffe, nichts.
Dann hörte sie Schritte. Schritte die sich langsam auf sie zu bewegten. Etwas Massiges schien in diesem Raum zu sein. Stocksteif lag sie da. Rasend schnell zogen ihre Gedanken an ihrem inneren Auge vorbei. Keinen konnte sie fassen. Was war hier? Sie nahm eine bedrohliche Aura wahr. Nicht wie die von Naraku. Sie kannte diese Aura nicht.
Etwas schmatzte.
Sämtliche Haare stellten sich ihr hoch, als etwas nach der Decke griff, die über ihr lag. Sie langsam wegzog. Dann fühlte sie blanken, kalten Stahl an ihrem Hals. Scharfes Metall hinterließ in weicher Haus einen kleinen Schnitt. Sie spürte wie ihr Blut an ihrem Hals herab lief und auf die Kissen tropfte. Sie wagte nicht zu schreien, wagte nicht, sich zu bewegen. Noch immer konnte sie nichts sehen. Aber sie fühlte neben dem Metall nun noch etwas. Es schienen Krallen zu sein. Scharf wie das Messer an ihrer Kehle. Sie strichen ihren Arm hinauf. Und hinterließen blutige Kratzer. Dann wurden die Krallen weggenommen. Sie hörte, wie Jemand anscheinend die Krallen leckte. Der Fremde beugte sich nun über sie. Sein Atem streifte ihre Haut. Die Atemzüge waren gleichmäßig, nicht schnell, nicht langsam. Gleichmäßig.
Panik griff schleichend nach ihrem Herzen.
Noch immer lag das Messer bedrohlich an ihrer Kehle. Und noch immer wagte sie nicht, auch nur einen Laut von sich zu geben.
Sie konnte nun ein zweites Messer fühlen. An ihrem Brustkorb. Es zerschnitt beinahe lautlos ihren Kimono. Schnitt ihre Haut ein. Wieder fühlte sie ihren warmen Lebenssaft an ihrem Körper hinab rinnen. Tropfen für Tropfen versickerte er in den Laken.
„Wehre dich.“
Die fremde Stimme war rau, offenbarte Stärke und Grausamkeit.
Doch sie war unfähig irgendetwas zu tun. War unfähig von dem Fremden weg zu kommen. Die Messer hinterließen weiterhin blutige Spuren auf ihr. Fuhren an ihren Gliedmaßen entlang.
Noch waren die Schmerzen nicht so schlimm. Die Panik in ihr verhinderte ihrem Geist, die Schmerzen wahrzunehmen. Doch dann wurden die Messer fester angesetzt. An ihren Händen setzten die Schnitte an, zogen sich an den Unterarmen nach oben bis zu der Innenseite der Ellenbogen.
Sie keuchte. Es brannte. Der Fremde leckte die blutigen Spuren ab, leckte ihr Blut.
„Ich werde sterben!“ Der Gedanke hallte in ihr wieder.
Der Fremde schnitt nun an ihren Füßen beginnend ihre Beine entlang. Es tat weh. Langsam drangen die Schmerzen in ihr Bewusstsein. Sie fühlte, wie Tränen sich zu den Blutspuren in ihre Kissen gesellten. Unfähig sie zu stoppen. Doch noch immer gab sie keinen Laut von sich.
Der Fremde nahm seine Messer von ihr. Schien die Messer nun abzulecken. Dann, ohne das sich ihr Körper darauf vorbereiten konnte, rammte der Fremde eines der Messer in ihren rechten Oberarm. Nun konnte sie den Schrei nicht mehr unterdrücken. Sie spürte, wie das Metall unbarmherzig den Muskel zerschnitt, tiefer drang. Fühlte, wie das Blut nun aus der Wunde floss. Das Messer wurde wieder heraus gezogen. Dann in den Unterarm getrieben. Wieder schrie sie auf. Ihr Oberkörper wollte sich aufbäumen, doch unbarmherzig wurde sie von den scharfen Klauen wieder nieder gedrückt.
Der Schmerz nahm zu, vernebelte ihre Sinne.
Der Fremde lachte ein freudloses Lachen. Es war nur grausam.
Wieder stach er zu. Diesmal in den anderen Unterarm. Wieder gellte ihr Schrei durch die Nacht.
Und mitten in diesem Schmerz spürte sie die Gedanken des anderen in sich. Desjenigen, der immer wieder versucht hatte, ihr in der letzten Zeit Mut zu machen. Doch diesmal blieb er stumm. Sie nahm nur das Entsetzten wahr, als er spürte, was mit ihr geschah. Dann war er wieder verschwunden. Weg. Ließ sie allein, zurück mit dem Schmerz und der Angst. Die Tränen rannen ebenso wie ihr Blut aus ihr heraus. Und der Fremde schien nicht von ihr ablassen zu wollen. Sie schluchzte auf. Sie musste hier weg! Sonst würde sie sterben! Sie wollte leben!
Uhr Herz zog sich zusammen, als sie erkannte, das niemand sie retten würde. Das sie allein auf sich gestellt war, wenn sie überleben wollte.
Der Atem des Fremden auf ihrer Haut bereitete ihr eine Gänsehaut. Sie wollte nicht so sterben!
Etwas ballte sich in ihr zusammen. Noch immer schnitt er langsam ihre Haut, ließ weiterhin ihr Blut fließen.
Etwas zog sich immer weiter in ihr zusammen, ballte sich, verdichtete sich. Es schien ein Licht zu sein. Rein und Klar. Und warm und vertraut. Etwas gab ihr Kraft. Kraft, die sie so noch nie gespürt hatte. Sie konzentrierte sich auf diese Kraft. Ballte sie unbewusst weiter zusammen. Dann, als der Fremde das Messer in ihren Oberschenkel stach, schnellten ihre Hände dorthin, wo sie sein Gesicht vermutete. Sie bekam Haare zu fassen, Haut. Und schon entließ sie die Kraft. Und sie spürte, wie das Messer mit einem mal nicht mehr in ihrem Bein steckte, fühlte, wie sich der Fremde versuchte mit den Klauen zu schützen, indem er sich vergeblich bemühte, ihre Hände von seinem Kopf weg zu reißen. Sie hörte etwas. Wie einen Blitz. Sah grelles, weißes Licht aus ihren Händen strömen. Und für einen Moment sah sie das Gesicht des Fremden. Ein Dämon, das Gesicht kaum mehr als eine Fratze. Der Mund voll mit ihrem Blut. Ekel überfiel sie, doch sie ließ nicht locker. Im Gegenteil. Sie versuchte, diese Energie, oder was es auch sein mochte, noch weiter zu verstärken. Doch da packten sie seine Klauen, rissen ihre Hände von dem Kopf fort, und der Dämon lachte. Nun klang es allerdings amüsiert.
„Du kannst dich also doch wehren. Das macht es interessanter…“
Und schon fixierte er ihre Hände mit einer Klaue oberhalb ihres Kopfes, mit einem der Messer stach er nun wieder in den schon verletzten Oberschenkel. Wieder schrie sie auf.
Doch diesmal zeigte sich eine neue Reaktion auf ihren Schrei. Die Tür zu ihrem Gemach wurde aufgerissen. Krachend schlug sie gegen die Wand. Kagome nahm die Aura Narakus wahr. Der Fremde wurde von ihr weg gerissen. Sie hörte einen dumpfen Aufprall, ein überraschtes Aufkeuchen. Dann einen gurgelnden Laut, der schließlich in einer Art Blubbern endete.
Naraku hatte sie gerettet? Warum?
Das nächste was sie wahrnahm, waren seine starken Arme, die sie hochhoben und fort trugen.
Dann betäubten die Schmerzen ihre Gedanken und ließen sie aufkeuchen. Nichts anderes drang mehr zu ihr durch. Nur diese Schmerzen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 22. Okt 2011, 14:13 
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Mit größter Vorsicht bewegten sich die Truppen durch die Berge. Das steinige Gelände gab nicht genügend Deckung für eine derart große Armee. Es hatten sich schließlich zehntausend Soldaten auf den Weg gemacht, um dem Ruf des Herrn des Westens zu folgen. Doch wie durch ein Wunder waren sie bislang noch nicht entdeckt worden. Was zum einen an der Umsicht der beiden Youkais Daisuke und Naoki lag und zum anderen an der Führung des Wolfyoukais, der sie auf versteckten Pfaden durch die Berge führte. Es war wirklich ein Glück, dass sie einen so ausgezeichneten Führer in dem Gelände hatten.
Alle unterdrückten ihre Aura, liefen wie nebulöse Schatten. Verursachten kaum Geräusche. Hielten sich auch nachts immer im Schatten.
Doch sie mussten sich beeilen. Der Herr hasste es zu warten und vor allem jetzt schien es besonderes wichtig zu sein, schnell voran zu kommen. Auch wenn es für den langen Zug nicht einfach war.
Der voraus gelaufene Wolf kehrte wieder zu den Truppen zurück. Überbrachte die Order, nun noch mehr Tempo zu machen. Daisuke seufzte. Wenn der Herr derart zur Eile drängte, war es bereits brenzlig. Schon oft hatte er an der Seite des Lords gekämpft. Hatte viele Schlachten erlebt und vor allem überlebt. Stets war die kühle, berechnende Art des Anführers ihr größter Vorteil gewesen. Und auch jetzt vertraute er seinem Herrn bedingungslos. Daisuke sah zu Naoki hinüber, der wie er selbst seinen Gedanken nachging. Auch Naoki war in vielen Schlachten gewesen. Er und Daisuke waren ein eingespieltes Team. Hatten sich durch viele Kämpfe den Respekt und Gehorsam der Soldaten verdient. Es war bereits legendär geworden, wie sie beide und der Herr des Westens den Fürsten des Südens mit einer Unterzahl Soldaten besiegt hatten. Sie hatten ihn in eine Falle gelockt, Hatten nur eine kleine Vorhut als Köder in eine Ebene geschickt, die restlichen Truppen links und rechts in umliegenden Hügeln versteckt. Der Fürst des Südens, ein raffgieriger DaiYoukai, ging auf die Falle ein, blind vor Habgier und mit der Aussicht auf einen leichten Sieg. Bis dann seine Truppen in den Flanken angegriffen wurden. Die Reihen wurden zersprengt und der Herr des Westens schickte eine Reservetruppe in den Rücken des Gegners. Gemeinsam hatten sie dessen Truppen aufgerieben. Der Fürst des Südens konnte die Panik unter seinen Soldaten nicht verhindern. Kopflos drängten die Vorderen zurück, behinderten sich gegenseitig und wurden schließlich getötet. Der Rückzug war abgeschnitten, die Reservetruppe metzelte alle nieder. Auch der Fürst verlor sein erbärmliches Leben.
Damit war der Eroberungsfeldzug beendet, die siegreichen Truppen kehrten heim. Sie hatten kaum Verluste zu beklagen. Und die Toten wurden wie Helden verehrt.
Jetzt hingegen wussten sie alle, dass der Gegner unberechenbar zu sein schien. Und gefährlich. Auf dem Schloss noch hatten sie alle erdenklichen Informationen über den HanYou zusammengetragen. Spione waren im ganzen Land unterwegs gewesen und hatten in aller Eile Nachrichten und Gerüchte aufgenommen. Und was sie berichteten, klang alles andere, als sei der Halbdämon ein einfacher Gegner. Er sammelte bereits seit geraumer Zeit alle möglichen Kreaturen um sich. Allesamt Abschaum, mit dem sich kein anderer umgeben mochte. Bösartige, niederträchtige und verschlagene Dämonen standen in seinen Diensten, aber auch Menschen. Mörder, Söldner.
Dazu kam noch, dass über den Aufenthaltsort kaum etwas bekannt war. Nur, dass dieser Naraku eine große Anzahl an Verstecken haben sollte. Allesamt aber nicht genau zu lokalisieren. Das machte es noch schwieriger.
Sie würden sich alle auf einen harten Kampf einstellen müssen. Und Daisuke rechnete schon damit, dass viele diesen Kampf nicht überleben würden. Er hatte da so eine Ahnung. Und bislang hatte die ihn noch nie getäuscht. Aber dennoch. Der Tod bedeutete nur einen weitern Weg, den es zu beschreiten galt, gleich wer man war.
Und so zogen die Soldaten in grimmigem Schweigen weiter, trieben sich gegenseitig zu größter Eile an und die Kampfeslust beflügelte ihren Schritt noch.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 22. Okt 2011, 16:07 
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Wieder brach ein Abend an, wieder versank die Sonne hinter den Bergen, tauchte die Felsen noch ein letztes Mal in einen sanften rosa Schimmer. Sesshoumaru hatte die ganze Zeit sich nicht von der Stelle bewegt, schien in Gedanken weit weg zu sein. Völlig unnahbar erschien er. Sein Gesicht war verschlossen und doch voller Entschlossenheit. Er strahlte die ungebändigte Kraft eines Tigers aus, bereit zum Sprung, bereit seine Beute zu schlagen.
Niemand wagte etwas zu sagen, jeder hing den eigenen Gedanken nach. Und einem jeden der Gefährten war klar, sobald sie sich erst einmal hinter der Barriere des Berges befanden, würde es kein Zurück mehr geben. Niemand wusste bisher, was dort auf sie wartete, lauerte.
Keiner von ihnen machte sich etwas vor: der Tod war eine Gewissheit in einem Kampf. Vielleicht würde es niemand von ihnen schaffen. Bis auf vielleicht der Herr des Westens, eventuell auch InuYasha. Aber für alle anderen war es noch unsicherer.
Sesshoumaru konnte die Angst seiner Geführten riechen. Sauer brannte sie sich den Weg in seinen Geruchssinn. Doch er konnte sie nicht aufmuntern. Wie auch? Der Tod war es, vor dem sie sich fürchteten. Das konnte einen Krieger vorsichtig machen. Aber auch lähmen. Er wusste das. Er hatte schon in so vielen Schlachten gekämpft. Viele Freunde, die er einst hatte, waren neben ihm gefallen. Zerhackt von den Waffen der Gegner.
Irgendwann hatte er aufgehört, dich vor den Tod zu fürchten. Auch die Art des Sterbens schreckte ihn nicht. Er hatte so viele schreckliche Wege des Ablebens gesehen, es gab eigentlich keine gute Möglichkeit um aus dem Leben zu scheiden. Zumindest kannte er selbst keine.
Und wie oft hatte er selbst den Tod gebracht, wie oft hatte er töten müssen, um zu überleben? Er wusste es nicht mehr.
Bislang hatte es ihn auch nie gekümmert, wer da vor ihm im Staub zu liegen kam. Ob derjenige vielleicht auch eine Familie gehabt hatte. Oder Freunde, die ihn vermissten. Es war egal. Mitgefühl konnte tödlich ausgehen in einem Kampf. Entweder man tötete, oder wurde getötet.
Er sah noch immer auf die Berge, obwohl die Dunkelheit sie verschluckt hatte. Es war eine mondlose Nacht heran gebrochen. Wolken waren nun aufgezogen, verbargen das bleiche Licht. Das war gut. So konnten seine Truppen noch schneller vorankommen. Und Sesshoumaru war sich sicher, dass sie bald eintreffen würden.
Die Nacht schritt voran. Noch immer liefen die Soldaten durch das felsige Gelände. Doch dann stoppte der Wolf, der vorne an der Spitze lief. Wandte sich zu Naoki um.
„Wir sind da!“ Dann verschwand er in einer Felsspalte. Nacheinander traten die Soldaten nun in die Spalte ein, die sich in einem Höhlensystem verwandelte. Und hier stand er. Der Herr des Westens, Anführer der InuYoukai. Stolz, aufrecht, jeder Zoll ein Krieger, furchteinflößend, Tod bringend.
Immer mehr Soldaten traten zu ihm, gingen weiter, um den nachfolgenden Platz zu schaffen. Die Kommandanten blieben bei ihrem Herrn und den Gefährten, bedeuteten den anderen, weiter zu gehen. Sie würden nun den genauen Plan durchsprechen, damit jeder wusste was zu tun war.
Die Gefährten hatten sich erhoben und sahen die steigende Anzahl der Soldaten stumm an sich vorbei marschieren. Staunend sahen sie diesem stummen, leisen Zug zu. In jedem Gesicht sahen sie nur die Lust auf den Kampf, aber keine Furcht.
Der Lord holte sie aus ihren Gedanken, rief sie zu sich und seinen Truppenführern. Der Kriegsrat konnte beginnen. Es galt, keine Zeit zu verlieren. Denn noch in dieser Nacht wollte er angreifen. Er hatte seinen Plan schon durchgearbeitet.
InuYasha hatte noch nie an einem solchen Rat teilgenommen und auch den anderen erging es nicht anders.
Doch noch bevor es zu dem Rat kam, traten nun auch nach und nach immer mehr Wölfe ein. Sie hatten die Truppen bemerkt. Wussten, dass sie nun gebraucht werden würden und stellten sich hinter ihren Anführer Kouga. Der junge WolfYoukai schien zu wachsen, als er sah, wie ein Rudelmitglied nach dem nächsten in die Höhle trat. Stolz sah er zu seinem Rudel. Alle waren gekommen. Alle die kämpfen konnten. Nur die Frauen und Kinder waren in ihrem Versteck geblieben.
Nun trat er zu Sesshoumaru.
„Wir schwören dir deinen Befehlen zu gehorchen. Führe uns zum Sieg!“ Damit kniete der Junge nieder, das Gesicht unverwandt zu dem Herrn des Westens gerichtet.
Dieser nickte stumm. Die Wölfe waren eine willkommene Verstärkung.
Nun wurde es Zeit. Der Rat konnte beginnen. Er bedeutete seinen Gefährten und Kommandanten ihm zu folgen. In einer kleinen Nische der Höhle standen sie in einem Kreis beisammen.
„Wir werden noch heute uns auf den Weg machen, um diesen dreckigen Abschaum zu besiegen. Ich zweifle nicht daran, dass dieses widerwärtige Halbblut einige Verbündete haben könnte. Sicherlich keine besseren Kreaturen als er selbst.
Wir müssen damit rechnen, dass dieser HanYou sich mit allem wehrt, was er zur Verfügung hat. Werdet nicht unvorsichtig und geht im Alleingang auf ihn los. Lasst euch nicht voneinander trennen!“ Damit sah er zu seinen Gefährten. Er wusste, dass zumindest die Menschen keinerlei Erfahrung in einem solchen Kampf hatten.
Er sah zu seinen Kommandanten. Diese nickten nur. Sie hatten verstanden. Jeder der Gefährten würde einen Soldaten direkt zur Seite bekommen.
„Ihr wisst, auf was wir uns einstellen müssen. Wir werden so vorgehen, wie damals gegen Daichi. Seine Festung lag auf Felsen. Und genau wie damals werden wir auch diesmal vorgehen.“
Wieder nickten die Kommandanten stumm. Sie konnten sich nur zu gut an diesen harten Kampf erinnern.
„Gut, dann geht zu den Truppen, wir werden uns jetzt bereit machen. Wir haben einen Gang entdeckt, der hinter die reinigende Barriere führt. Daisuke und Naoki, ihr beide und InuYasha bleibt direkt bei mir, ich brauche auch noch vier deiner Wölfe immer in meiner Nähe, Kouga. Sie werden meine Befehle an die anderen Kommandanten weiter geben.“
Dann wandte er sich den umstehenden Soldaten zu.
„Ihr wisst, dass wir nun gegen Naraku kämpfen werden. Habt keine Furcht in euren Herzen. Denn selbst wenn wir sterben, wartet etwas auf uns. Niemand kann uns das nehmen. Denkt daran, zuerst den Feind in die jenseitigen Gefilde zu bannen. Lasst die Feinde bluten für das, was sie diesem Land antaten! Erwachet nun, Soldaten des Westens! Lasst alle unseren Mut sehen, lasst sie unser Schwert spüren, treibt ihnen die kalte Klinge in ihre verfluchte Herzen und lasst sie bluten für ihre Gräueltaten! Lasst uns aufbrechen zur Vernichtung dieses Emporkömmlings, der es wagte uns herauszufordern! Er soll den Mut unserer Herzen und die Stärke unserer Arme kennen lernen. Auf zur Vernichtung! Auf zu Tod! Tod! Tod!“ Die letzten Worte brüllte der Herr des Westens und seine Soldaten, alle Umstehenden fielen in den Ruf mit ein. Mut breitete sich in den Herzen der Gefährten aus, der Wille zu Siegen. Hinter dem Lord schritten sie nun in den Gang, der hinter die Barriere führte. Keiner würde sich von irgendeinem Hindernis aufhalten lassen. Keiner würde nun mehr zurück schrecken. Mit grimmiger Entschlossenheit gingen sie los. Der Klang ihrer Schritte wurde verstärkt von den Truppen, den tapferen Soldaten und untermalt von dem leisen Tapsen der Wölfe.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 23. Okt 2011, 12:48 
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Blut. Überall an ihrem Körper war geronnenes Blut. Naraku war wütend. Shou war doch ein Idiot. So hatte er sie nicht zurichten sollen. Wie sollte er jetzt noch etwas mit der Frau anfangen können? Als er zu ihrer „Rettung“ gekommen war, hatte der Dämon sie schon nahe an den Rand des Todes gebracht. Sie hatte viel Blut verloren und lag nun hier, in seinem eigenen Bett. Ihr Gemach war erst einmal nicht mehr zu gebrauchen. Zu sehr stank es nach ihrem Blut und den Ausdünstungen des gewalttätigen Dämons.
Er hatte sich Wasser und Verbandsmaterial besorgt, begann damit, ihre Wunden zu reinigen und zu verbinden. Einige der Wunden waren sehr tief. Sie würde sich die nächste Zeit nicht bewegen können. Ihre Schreie hatten durch die langen Flure gehallt. Doch er hatte gezögert. Hatte nicht damit gerechnet, dass sie so viel aushalten würde, ehe sie endlich schrie.
Und dann war es beinahe zu spät gewesen. Doch er hatte noch etwas wahrgenommen. Sie hatte anscheinend Zugang zu ihrer Kraft bekommen während der Folter. Hatte diese nutzen können und den Dämon mit ihrer reinigenden Energie fast getötet. Ob sie das bewusst getan hatte? Nein, wahrscheinlich nicht.
Während er in seiner Arbeit fortfuhr, kam sie langsam wieder zu sich. Ihre Lieder flatterten. Ihre Hände ballten sich zu kleinen Fäusten. Naraku musste lächeln. So, dann steckte irgendwo in ihrem sanften Wesen also doch auch eine Kämpferin.
Sie öffnete die Augen, war immer noch benommen und ohne jegliche Orientierung wanderten ihre Blicke durch den ihr fremden Raum. Bis sie ihn ansah.
„Naraku“, ihre Stimme so leise, so kraftlos.
„Ich bin hier, kleine Kagome. Du bist sicher bei mir. Niemand wird dir mehr etwas antun.“ Er zwang sich, seiner Stimme einen beruhigenden Klang zu geben.
„Wo ist der Andere?“
„Tot.“
Seine schlichte Antwort ließ sie schaudern. Hatte Naraku den Dämon etwa getötet? Warum?
Prüfend sah sie Narakus Bewegungen zu, registrierte dass er sie verband. Und das Schmerzen und Pochen der Wunden stellte sich wieder ein und ließ sie aufkeuchen.
Sie versuchte, sich aufzusetzen. Starke Arme drückten sie sanft wieder in die weichen Kissen.
„Bleib liegen, du hast schlimme Verletzungen. Du wirst einige Zeit dich nicht bewegen können. Sie müssen erst verheilen.“
Er klang fast besorgt.
„Wer war das? Was wollte dieser Dämon von mir?“
„Er wurde durch deine Aura angezogen. Du bist ein Mensch, aber etwas in dir ist sehr kraftvoll. Ich denke, er wollte dein Blut schmecken und dich dann einverleiben.“
Ihr wurde schlecht.
„Woher wusstest du, dass er bei mir war?“ Sie hatte den Blick abgewandt, sah zur Wand.
„Du hast geschrieen. Ich bin so schnell gekommen, wie ich konnte.“ Seine Stimme voller Aufrichtigkeit, ließ sie die Lüge kaum wahrnehmen. Doch in ihr riefen ihre Instinkte ihr zu, ihm nicht zu trauen. Aber jetzt war sie ihm vollständig ausgeliefert.
Er hatte seine Tätigkeit beendet.
Stand auf.
„Ich hole dir Wasser. Rühr dich nicht von der Stelle. Willst du auch etwas Essen?“
Stumm schüttelte sie den Kopf.
Als er gegangen war, nahm sie erst war, dass ihre Kleidung entfernt worden war. Dass sie in einen neuen, leichten Kimono gehüllt in seinem Bett lag. Sein Geruch war hier überall. Ihr wurde noch schlechter.
Sie bemühte sich, konzentrierte sich.
Ihre Gedanken schnellten innerhalb von Sekunden zu demjenigen, der ihr schon mehr als einmal im Stillen Mut zugesprochen hatte.
„Komm schnell. Ich kann nicht mehr. Ich lebe noch, aber ich weiß nicht, wie lange…Bitte lass mich nicht allein.“
Ihr war längst klar, dass sie nicht mit InuYasha verbunden war. Sie hatte seit einiger Zeit den Verdacht, dass derjenige weit mächtiger war. Und sie hatte vertrauen zu ihm. Doch wer es war, blieb ihr noch verborgen. Aber es kümmerte sie im Augenblick auch nicht. Sie wollte, dass er sie rettete. Das er kam, und sie aus dieser Hölle befreite. Denn genauso empfand sie es bei Naraku. Als Hölle. Oder wenigstens als der Vorhof zur Hölle.
Sie schluchzte, schloss die Augen und versuchte das Pochen der Wunden zu ignorieren.

….

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 23. Okt 2011, 14:19 
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Erstaunlicherweise kamen die Truppen recht zügig voran. Nachdem sie die Barriere hinter sich gelassen hatten, stieg der Gang an. Er wurde mit der Zeit breiter und endete schließlich am Hang des Berges. Die reinigende Aura brachte einigen der Dämonen Kopfschmerzen, einigen war leicht übel. Aber ansonsten machten sich keine negativen Auswirkungen bemerkbar.
Schweigend ging Sesshoumaru vorn. Als er abrupt stehen blieb, wäre Daisuke fast in ihn hinein gelaufen.
Da war es wieder. Ihre Gedanken brannten. Sie hatte Schmerzen! Sie hatte ihm mitgeteilt, dass sie nicht mehr lange durchhalten könne. Gereizt knurrte er auf, hielt sich die Hände an die Schläfen und sank auf die Knie. Ihr Schmerz in seinem Kopf war noch deutlicher zu spüren.
Keiner sagte etwas. Daisuke und Naoki sahen verwundert zu ihrem Herrn. So hatten sie ihn noch nie gesehen. Auf den Knien.
Er wandte sich um, seine Augen glühten rot auf.
„Wir werden uns noch mehr beeilen. Ich will Tempo!“
Niemand widersprach. Es hätte auch niemand gewagt.
Sie steigerten das Tempo und bewegten sich dennoch vorsichtig durch das unbekannte Gelände.
In den Gedanken des DaiYoukais war nur noch sie. Er musste sie retten. Er würde sie nicht im stich lassen. Niemals!
Er stellte sich in diesem Augenblick nicht die Frage, wieso sie die Verbindung zueinander hatten. Nahm es nur noch als gegeben hin. Und es bereitete ihm Schmerzen zu wissen, dass sie litt.
Wut brodelte in ihm. Noch konnte er sich selbst bremsen. Aber er wollte endlich diesen HanYou zerfetzen. Wollte seinen Hass ausleben können.
Plötzlich liefen die Wölfe Kougas an ihm vorbei, standen witternd auf einem Felsvorsprung. Sesshoumaru wusste es auch ohne dass es ausgesprochen werden musste. Hier lauerte Gefahr. Vor ihnen, auf dem im Dunkel der Nacht liegenden Pfad, der sich beständig nach oben zum Gipfel wand, war etwas oder vielmehr jemand.
Daisuke und Naoki, Kouga und InuYasha, die direkt hinter dem Herrn waren, bedeuteten den nachrückenden Soldaten, sich zu verbergen und ruhig zu bleiben.
Sie mussten die Gefahr schnell ausschalten, wenn sie nicht vorzeitig entdeckt werden wollten. Deswegen standen sie nun direkt neben dem mächtigen DaiYoukai, der seine Sinne schweifen ließ und mit roten Augen in das Dunkel vor ihm starrte. Die Wölfe kamen leise zu ihm. Kouga hatte sich auf die Knie niedergelassen und trat in stumme Verbindung mit dem grauen Wolf vor ihm. Dann wandte er sich Sesshoumaru zu. Leise flüsterte er: „Es sind sieben Männer vor uns. Sie sind Menschen, aber sehr stark. Wir dürfen sie nicht unterschätzen. Wenn sie uns bemerken und Alarm geben…“, er musste nicht weiter sprechen. Sesshoumaru nickte. Sie mussten unbemerkt bleiben, oder zumindest es vermeiden, dass Alarm gegeben werden konnte.
Es galt, schnell zu handeln. Ein Kampf würde nur unnötig Lärm verursachen. Es musste anders gehen.
Der Herr des Westens sah hinüber zu dem Mönch. Dieser nickte nur, zog einige Bannzettel aus seiner Robe und stellte sich neben InuYasha. Dieser hatte sein Katana gezückt. Totosai, obwohl schon alt, trat ebenfalls vor. Hob seinen schweren Schmiedehammer.
Leise gingen die Gefährten nach vorn, zu dem Felsvorsprung. Noch hatte man sie nicht bemerkt. Daisuke, Naoki, Kouga und Sesshoumaru standen hinter dem Mönch. Flankiert wurden sie von vier Wölfen.
Dann holte der Mönch aus, warf schnell die Bannzettel und errichtete in Windeseile eine Barriere um die sieben Männer, die nun in flirrendes Licht getaucht waren. Alle sieben saßen in der Falle. Nacheinander traten nun die anderen in die Barriere, griffen sofort die Männer an. Doch kein Lauf war zu hören. Die Barriere des Mönches ließ keinen Laut durchdringen.
Die Männer hatten gelächelt, waren sich ihrer Stärke sehr sicher. Sie kämpften wie die Teufel selbst und es machte keinen Unterschied, dass sie Menschen waren. Doch nach und nach wurden sie besiegt. Sesshoumaru hatte gerade seinen Gegner an der Kehle getroffen. Dieser sank zu Boden, noch ehe er mit seiner Hand auf die Wunde fassen konnte. InuYasha hatte mit seinem Gegner mehr zu tun. Dieser trug ein Schwert, welches wie eine Schlange immer wieder vorzüngelte. Doch dann, in seiner Überheblichkeit vernachlässigte der Mann seine Deckung und blitzschnell stach InuYasha in dessen ungeschützte Seite, riss sie auf.
Totosai prügelte wie ein Derwisch mit seinem Schmiedehammer auf den um einiges größeren Gegner, wand sich unter dessen Schlägen hindurch und ließ sich einfach nicht treffen. Niemand würde eine solche Kraft und Gewandtheit in dem Alten vermuten. Dann, endlich, traf er den Kopf des Mannes. Dieser sank zu Boden, der Schädel zertrümmert.
Daisuke und Naoki gingen mit der kühlen Brutalität erfahrener Krieger zu Werke und machten kurzen Prozess mit ihren Gegnern.
Kouga war einem anderen an die Kehle gesprungen und hatte sich schlichtweg verbissen.
Die Wölfe indes hatten ihren Gegner schlichtweg in Stücke gerissen. Sie hatten gleichzeitig angegriffen. Der Mann hatte keine Chance gehabt.
Der ganze Kampf hatte nur einige wenige Minuten gedauert. Nun galt es noch, die Leichen verschwinden zu lassen, bevor eine weitere Patrouille kam und dann doch Alarm gab.
Schnell wurden die Leichen der Männer von den Soldaten beseitigt, unter Felsen gelegt. Und schon ging es weiter. Immer den Berg hinauf. Ab und an trafen sie nun auf weitere Gegner, doch keiner war eine wirkliche Gefahr. Immer gingen sie gleich vor. Der Mönch schaffte eine Barriere, die anderen kämpften und die Soldaten ließen die Leichen verschwinden.
Schon konnte Sesshoumaru weiter oben in der Nähe des Gipfels Mauerwerk ausmachen. Sie waren bald am Ziel und dann würde der eigentliche Kampf erst beginnen. Doch zuerst musste es gelingen in das Gebäude einzudringen.
Entschlossen, sich durch nichts aufhalten zu lassen, schritt der Herr des Westens voran. Er würde sich von niemanden aufhalten lassen. Nur eines machte ihm leichte Sorgen: Souunga.


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Dringend empfohlen....schöne Musik für schöne Schreibgeschichten ;-)


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