Am Anfang war die Feder

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AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 23. Okt 2011, 17:49 
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Es näherte sich die Zeit der Dämmerung. Schon bald würde der neue Tag anbrechen. Naraku ging ruhelos durch seinen Palast. Er plante, plante so viel. Doch bislang hatte einiges nicht so funktioniert, wie er es sich erhofft hatte. Die junge Frau war noch nicht vollständig in seinem Bann. Sie erwies sich als Widerstandsfähiger, als er gedacht hatte. Doch wenn sie auch als direktes Werkzeug noch nicht zu gebrauchen war, sie war immerhin eine Geisel. Und hatte so auch einen gewissen Wert.
Doch etwas anderes machte ihm noch Sorge. Seit einiger Zeit kamen nicht mehr alle Patrouillen zurück. Es wurden einige seiner Untergebenen vermisst. Und es schien nicht möglich, dass das ein Zufall war. Es passte nicht.
Er war verärgert. Was ging hier vor? Hatte sich ein Feind eingeschlichen oder wurde innerhalb seiner Untergebenen gegen ihn intrigiert?
Seine Schritte führten ihn zu den Treppen, die in die unterirdischen Bereiche des Gebäudes führten. Er schmunzelte. Vielleicht wurde es jetzt Zeit, seine größte Waffe vorzubereiten?
Er rief einen Dämon zu sich. Aber nicht irgendeinen, nein. Es war Kenshin, ein Dämon mit rötlichem Haar, dass in wilden, ungebändigten Strähnen bis auf seinen Rücken floss und den Eindruck von Feuer erweckte. Seine Augen waren anders als die anderer Dämonen, sie waren einfach nur Schwarz, ohne Pupille, oder Iris, einfach nur schwarze Abgründe.
Seine Gestalt, groß gewachsen und geschmeidig.
Alles an ihm machte den Eindruck eines Jägers. Bereit seine Beute zu erlegen.
Er war einer der wenigen Dämonen, die intelligenter waren, die Naraku um sich gescharrt hatte.
„Kenshin, ich brauche dich.“ Narakus Stimme war wieder sanft und einschmeichelnd.
„Geht es jetzt los?“ Kenshin sprach leise, wie das Wispern des Windes im Wald.
„Ja, mach dich bereit.“
Und schon ging der Dämon in die unteren Gewölbe. Naraku lächelte. Zweifelsohne würde Souunga diesen Dämon als neuen Träger akzeptieren und ihm zur Seite stehen. Hatten sie nicht beide dasselbe Ziel? Die Vernichtung der InuYoukai, allen voran Sesshoumaru. Nur, Naraku hatte zwar vorgehabt, Sesshoumarus Körper in Besitz zu nehmen um selbst das Schwert führen zu können, aber nun musste es eben so gehen. Selbst ein kleiner Teil Sesshoumarus Körper würde ausreichen, um das mächtige Katana zu zähmen, da war sich der HanYou sicher.
Und dann… konnte er endlich damit beginnen, sich seinen rechtmäßigen Platz in der Welt der Dämonen zu behaupten.
Er wandte sich um. Ging zurück in seine Gemächer. Zurück zu der Frau. Auch wenn er eigentlich nichts für Menschen mehr übrig hatte, musste er sich eingestehen, dass etwas an dieser Frau ihn zunehmend faszinierte. Es mochte damit zusammen hängen, dass sie ihre innerliche Kraft entdeckt hatte. Oder so empfindsam war. Wie auch immer. Sie erinnerte ihn an die Frau, die er einst geliebt hatte. Und irgendetwas an ihr ließ ihn erzittern. Was würde wohl passieren, wenn er sie bei sich behielt? Wenn sie ihm eine Last werden würde, konnte er sie ja immer noch loswerden.
Vor der Tür hielt er inne. Etwas war anders. Er nahm etwas wahr. Was? Er schloss die Augen, konzentrierte sich. Der Teil seines Bewusstseins, den er in ihrem Geist gelassen hatte, regte sich. Was passierte da? Sie schien mit irgendjemanden in Verbindung zu treten?! Wie konnte das sein? Hatte sie wirklich die Kraft dazu?
Er verstärkte seine Konzentration. Zwar war es ihm nicht möglich, Worte aus dem Chaos in ihrem Inneren heraus zu filtern, aber etwas war da. Ihre Gefühle schienen sich zu ändern. Sie wurde für einen Moment zuversichtlicher.
Wütend öffnete er die Tür, riss sie beinahe aus den Angeln.
„Was tust du?“ Seine sonst sanfte Stimmer erschreckte sie. Denn sie klang mit einem mal so gefährlich, grausam und kalt.
Sie sah ihn einfach nur an. Ihr Blick so voller Angst und Schrecken. Als wäre sie ertappt worden.
„Was hast du getan?“
Jetzt stand er vor dem Bett, den wütenden Blick auf die nun zitternde Frau gerichtet.
„Du hast mich hintergangen, kleine Kagome. Du hast mich verraten, obwohl ich dir das Leben rettete.“ Geschmeidig, wie ein Raubtier kniete er neben ihr, schien zu lauern. Das machte ihr Angst. Und der Blick in seine Augen ließ sie verstehen, dass ihr Leben schneller zu ende sein könnte, als sie es vielleicht wirklich wollte. Und vor allem, es wäre sicherlich grausam. Der kalte Blick, mit dem er sie musterte ließ ihr da keine Zweifel. Seine Aura verdichtete sich. Schien sie regelrecht zu erdrücken.
Stumm schüttelte sie den Kopf, Tränen liefen über ihre Wangen.
„Ich dachte wirklich, du seiest anders. Aber du bist es nicht. Du bist genauso wie sie damals. Du bist Schlecht!“ Unbarmherzig hielt er ihre Handgelenke fest, damit sie sich nicht wehren konnte, kniete nun über ihr.
„Ich werde es dir beibringen, dass du mich niemals wieder verraten wirst, kleine Kagome. Du gehörst mir, dein Leben liegt in meinen Händen. Und niemand wird dir helfen können. Niemand wird dich retten können.“ Sein Atem streifte ihre Haut, als er diese Worte in ihr Ohr flüsterte. Sie versteifte sich, hielt die Augen geschlossen. Er hatte Recht, sie war ihm ausgeliefert, aber sie wollte nicht von ihm getötet werden. So nicht!
Wieder spürte sie, wie sich eine große Energie in ihr zusammen ballte. Sie konzentrierte sich darauf, schickte die Energie in ihre Handgelenke und damit in seine Hände.
Keuchend ließ er sie los, schaute verwundert auf seine Hände. Es war, als hätte er sich verbrannt. So, sie wollte also tatsächlich ihn herausfordern.
Ihr Kopf schnellte zur Seite von dem Schlag. Unvermittelt hatte er zugeschlagen. Dann noch einmal und noch einmal. Sie versuchte sich wieder auf die Kraft zu konzentrieren, aber es gelang ihr nicht.
Dann, ein Knall. Ein Rumpeln, Grollen und ein Splittern von geborstenem Holz, das Dröhnen von fallendem Stein.
Was geschah hier nur?
Schnaubend erhob sich Naraku. Sein kalter Blick fiel noch einmal auf die Frau. Dann wandte er sich um, ging, schloss die Tür ab. Wer wagte es, ihn zu stören? Derjenige würde nun sterben!
Außerdem musste er sich abreagieren.
Schnell ging er zu der Quelle des Lärmes. Seine Untergebenen waren ebenfalls auf dem Weg dorthin.
Als er um eine Ecke bog, hörte er Schwerter klirren und das Geräusch von einem Kampf.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 26. Okt 2011, 00:05 
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Das Flackern von Fackelschein schien die Schatten in den Ecken der Flure zu verstärken. Metall blitze auf, Klauen und Zähne glänzten und versprachen den Tod. Sesshoumaru und InuYasha liefen nebeneinander durch die Gänge. Die Soldaten waren in Gruppen aufgeteilt, jeder Gruppe hatte sich einer der Gefährten angeschlossen. Sie jagten. Jagten durch das riesige Gebäude.
Nachdem sie sich den Zugang verschafft hatten, indem sie eine Außenwand sprengten wurden sie mit zahllosen Youkais konfrontiert. Es begann ein Gemetzel. Blut floss in Strömen. Die Youkais hatten vor der Übermacht die ihnen gegenüber stand keine Chance. Und der unbarmherzige Wille des Herrn des Westens ließ in vielen der Gegner das Blut in den Adern gefrieren. Sie waren allesamt zu schwach, konnten den Truppen keinen Einhalt gebieten. Und so kämpften sie sich die Treppen nach oben, in das nächste Stockwerk.
Sesshoumaru war es nun egal, ob man sie hörte. Es war ihm egal, ob sich nun alle Pforten der Hölle auftun würden, um ihn aufzuhalten. Er würde sich den Weg frei kämpfen. Denn eben hatte er ihre Todesangst gespürt. Nun gab es kein Halten mehr für ihn. Er hatte die Truppen aufgeteilt. Sie sollten diese Stätte der Grausamkeit säubern, jeden vernichten, der sich ihnen in den Weg stellen würde.
Er wusste, dass sein Bruder an seiner Seite war, wusste, dass hinter ihm 500 Soldaten waren. Er rannte. Die sich ihm Entgegenstellenden tötete er. Mit seinem Katana und seinen bloßen Händen. Schon war er voller Blut. Sein Kimono, sonst immer strahlend weiß, hatte sich rot verfärbt. Seine rot glühenden Augen durchdrangen den nur spärlich beleuchteten Gang vor ihm. All seine Sinne waren auf die junge Frau gerichtet. Sein Knurren ließ allen, die es hörten, die Haare zu Berge stehen.
Türen tauchten auf. Einige der Soldaten waren zur Stelle, rissen sie auf und offenbarten Schreckliches. Es roch nach altem, getrocknetem Blut. Tische standen in den Kammern. Das Licht, dass durch die Türen herein fiel offenbarte ihnen, mit was sich der HanYou beschäftigt hatte. Da lagen Wesen auf den Tischen, durch Fesseln aus Metall fixiert am Tisch. In einigen Räumen saßen Gefangene. Alle, egal ob sitzend oder liegend, waren verstümmelt. Blut war auf den Böden zu sehen, es war schon längst geronnen. InuYasha wandte sich ab, ihm war übel geworden.
Sesshoumaru bedeutete mit einem Nicken zwei der Soldaten nachzusehen, ob die Gefangenen noch lebten. Aber auch so konnte er es riechen. Für viele kam jede Hilfe zu spät. Ihre Körper waren zum Teil aufgeschlitzt. Andere hatten Wunden wie von Verbrennungen.
„Kagome!“ Sesshoumaru wandte sich wieder dem Gang zu, zog seinen Halbbruder mit sich. Wehe, dieser Bastard hatte ihr so etwas angetan. Nicht, dass sein Schicksal nicht sowieso schon besiegelt war. Aber wehe ihm!
Er rannte weiter, nahm keine Rücksicht auf die Wachen, die sich ihm am Ende des langen Ganges entgegen stellten. Er holte zum Schlag aus, erledigte zwei auf einmal. InuYasha stürmte nach vorn und hackte mit seinem Schwert auf den dritten ein. Der anschließende Flur führte links und rechts weiter. Wieder teilte sich die Truppe auf. Immer mehr Wachen stellten sich dem Herrn des Westens entgegen und der mächtige DaiYoukai machte kurzen Prozess mit ihnen. Er rammte ihnen das Schwert in den Bauch, trennte Köpfe von Körpern und wurde noch nicht einmal langsamer dabei. Seine Soldaten hatten Mühe, mit ihm Schritt zu halten. Immer weiter drangen sie in das Labyrinthartige Innere des Gebäudes vor.
„Kagome!“ Seine Gedanken rasten zu ihr. „Ich bin hier! Ich komme und hole dich hier raus. Es dauert nicht mehr lange!“
Und er spürte, dass sie seinen mentalen Ruf gehört hatte. Spürte, dass sie noch am Leben war.

….

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 26. Okt 2011, 01:28 
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Sie lag noch immer da, unfähig, sich zu bewegen. Hörte mit Schrecken auf die Schreie und Rufe die aus dem Flur in das Gemach drangen. Hörte Geräusche wie von Kämpfen. Es schien aus allen Richtungen zu kommen, so als würde in dem ganzen Gebäude gekämpft werden. Das Geräusch von aufeinander treffendem Metall wurde lauter, die Schreie wandelten sich von Schlachtrufen in Todesschreie. Sie schloss die Augen. Vielleicht würde sie jetzt auch sterben?
Da! Er dachte wieder an sie und schon war die Verbindung zustande gekommen. Sein Ruf drang in ihren Geist. Löschte alle Unsicherheit.
„Ich bin hier! Ich komme und hole dich hier raus. Es dauert nicht mehr lange!“
Das war er! Und er war ihr nahe! Hoffnung keimte wieder in ihr. Diese seltene und nicht zu unterdrückende Emotion.
Fast hätte sie gelächelt. Sie hatte erkannt, wer ihr das geistig zugerufen hatte. Er war es also. Nun konnte sie es deutlich spüren. Ausgerechnet er! Doch in ihrem Herzen kannte sie auch die Antwort auf ihre eigene Frage. Sie waren sich nahe gekommen. Und ohne dass sie etwas dagegen tun konnte, hatte er sich in ihr Herz geschlichen. Unbemerkt und leise wie ein Schatten. Und nun war er hier. Wegen ihr.
Der Lärm nahm an Lautstärke immer mehr zu. Sie musste sich wehren können, wenn ein anderer sie hier fand. Ihr Selbsterhaltungstrieb machte sich bemerkbar und zwang sie sich aufzusetzen. Unter Schmerzen stand sie schließlich auf. Die Panik kam wieder. Schnell sah sie sich um, entdeckte aber nicht das, wonach sie suchte. Keine Waffe, kein Bogen, keine Pfeile.
Dann sah sie etwas Kleines. Es lag auf einem Tischchen in einer der Ecken des Raumes. Ein Messer. „Wenigstens etwas“, dachte sie bitter. „Wenn mich jemand töten will, nehme ich ihn mit.“
Sie nahm das Messer in die Hand, wog es skeptisch. Es war schön gearbeitet, kein Zweifel. Damaszenerstahl, wie es schien. Der war doch recht hart, oder?
Sie drehte sich zu der Tür um. Überlegte. Sie musste am Leben bleiben, bis er hier war. Musste um jeden Preis verhindern, dass sie getötet wurde.
Sie sah sich noch einmal um, suchte ein passendes Versteck um ihren geschwächten Körper nicht zu großer Gefahr auszusetzen.
Die Tür hinter dem massigen Körper splitterte. Sesshoumaru stieg über den leblosen Gegner, der nun langsam ausblutete. Er hatte ihren Geruch gewittert, durch all das Blut der Gegner hindurch. Er war sich sicher, dass sie hier war. Langsam sah er sich um, sah das große Bett, die Blutspuren darauf, die zerknitterten Laken. Alles zog sich in ihm zusammen. Er ballte stumm seine Hand zur Faust, die andere umfasste den Griff des Katanas noch fester. Dann schloss er für einen Moment die Augen, ließ seine Sinne durch den Raum fließen.
Sie hatte sich gut verborgen, hinter einem Schrank war ein kleiner Spalt, gerade groß genug, dass sie sich dahinter verbergen konnte. Dann war die Tür aufgeflogen, etwas war zu Boden gefallen und jemand in den Raum getreten. Sie hielt den Atem an.
Durch Zufall hatte sie in der Ecke des Raumes gegenüber der Tür einen schmalen Geheimgang entdeckt, war ihm in das nächste Zimmer gefolgt. Dieses war um einiges kleiner, als das vorherige. Ein Schrank stand hier und sie dachte für einen Augenblick daran, sich in ihm zu verbergen, aber da hätte man sicher als erstes nachgesehen. So hatte sie sich dahinter gequetscht. Mit dem Gesicht zu dem Holz konnte sie nicht sehen, was in dem Raum vor sich ging. Aber dann hörte sie wieder Stimmen. Dämonen! Viele davon!
„Dort sind sie! Haltet sie auf!“
Wieder hörte sie Metall durch die Luft sirren, in Fleisch schneiden, Schreie, voller Schmerz und dennoch Entschlossen. Sie hielt die Augen geschlossen. Umklammerte das Messer fester. Hoffte, dass kein Feind sie hier finden würde. Doch es war eine nahezu kindische Hoffnung.
Dann hörte sie Schritte, die sich schnell näherten. Jemand stand nun in diesem Raum, war anscheinend durch die Tür getreten.
„Hey, was machst du hier? Der Kampf ist noch nicht vorbei!“ Ein anderer schien vor der Tür zu stehen und denjenigen in dem Raum anzurufen. Die Stimmen kamen ihr nicht bekannt vor. Sie hörte wie sich die Schritte entfernten. Erlaubte sich, leise auszuatmen. Ihre Lungen schmerzten, ihre Beine waren schwach und alle Wunden in ihr brannten wie Feuer. Sie war eigentlich nicht in der Verfassung, lange zu stehen, aber es blieb ihr nichts anderes übrig.
„Sie war hier“, hörte InuYasha seinen Bruder murmeln. Er schnaubte, als er bemerkte, dass sich wieder Wachen näherten.
„Komm, hilf mir!“ Er packte den Älteren am Arm. „Wo auch immer sie jetzt ist, wir werden sie finden, Ganz sicher. Aber jetzt kümmere dich auch noch um die da!“ Er warf sich brüllend auf einen der Angreifer, die sich daran machten, ebenfalls in den Raum zu gelangen. Die Soldaten, die hinter Sesshoumaru hinterher gelaufen waren, waren alle in Kämpfe verwickelt und etwa fünf Dämonen war es gelungen, die Tumulte zu nutzen und sich nun auf die beiden ihnen unbekannten Gegner zu stürzen.
Sesshoumaru erwachte aus seiner Starre und knurrte wütend. Wild hieb er auf die Unglücklichen ein. Schnell sanken sie zu Boden und hauchten ihr Leben aus. Ohne ein weiteres Wort, stieg der Lord über ihre Körper hinweg und wandte sich in dem Flur nach rechts, folgte seinem Geruch. Er konnte sie noch immer wittern. Konnte ihr Blut riechen! Er rannte zu der nächsten Tür. Die allerdings nur noch in mehreren Stücken in dem kleineren Raum verstreut lag. Ein lebloser Körper war hineingefallen und dessen Blut hatte eine Pfütze entstehen lassen. In dem unbeleuchteten Raum stand nur ein einziger Schrank. Sesshoumaru ging zielstrebig darauf zu.
„Sesshoumaru, komm, wir haben keine Zeit, Antiquitäten anzuschauen! Hier sind noch Gegner!“ InuYasha verstand seinen Bruder nicht. Sonst war er so kühl und berechnend und jetzt schien er Interesse an einem Schrank zu haben. Was war denn nur los?
„Ich rieche dich. Komm raus. Ich bin da!“
InuYasha wollte gerade beginnen, an dem Verstand des Älteren zu zweifeln, als er hörte, dass der Schrank aufstöhnte. Etwas fiel anscheinend um, denn er vernahm das Geräusch von etwas weichem, dass auf den Boden aufkam. Sein Bruder indes war ganz nahe an die Seite des Schrankes getreten und versperrte ihm die Sicht. Dann nahm er etwas vom Boden hoch und drehte sich um. In seinen Armen lag „Kagome!“

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 26. Okt 2011, 20:09 
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Beinahe zärtlich ruhte der Blick des mächtigen Lords auf der zierlichen Menschenfrau. Sie war nicht mehr bei Bewusstsein. Ihre Züge glichen denen eines Engels. Um sie herum Tod und Leid, doch dieser Augenblick war nur für die beiden gedacht. Und InuYasha musste sich eingestehen, noch nie derart viel Gefühl in dem Antlitz seines Bruders gesehen zu haben. Er sah, wie dieser die junge Frau in den Armen hielt, darauf bedacht, dass sie sicher sein möge. Doch noch war der Kampf nicht entschieden. Noch waren Dämonen, Wachen und Diener von Naraku in dem Gebäude am Leben und alle würden seinen Wünschen folgen und den Eindringlingen den Tod bringen, wenn sie nicht aufpassten.
„Sesshoumaru“, die leise, sanfte Stimme des Jüngeren veranlasste Sesshoumaru dazu, seinem Bruder endlich Aufmerksamkeit zu schenken.
„Wir sind noch nicht fertig. Wir haben noch nicht gewonnen. Naraku und Souunga sind noch hier.“
Sesshoumaru nickte.
„Soldat“, er rief den nächststehenden zu sich.
„Lauf und hole mir Daisuke! Er soll sich beeilen. Ich brauche ihn hier!“ Der junge Youkaisoldat rannte los, bog um eine Ecke und war verschwunden.
„Was soll Daisuke hier?“
Der DaiYoukai sah den Halbdämon an.
„Er wird für Kagomes Sicherheit sorgen. Ich will nicht, dass ein Feind ihr zu nahe kommt. Aber wir können sie nicht mit uns nehmen.“ Damit wies er auf die mit Blut getränkten Verbände. „Sie ist zu schwach und wird sich nicht wehren können.“
Dann rief er einige Soldaten zu sich.
„Ihr werdet direkt unter Daisukes Befehl stehen, sobald er eintrifft. Ihr werdet diese Frau mit eurem Leben beschützen.“
InuYasha sah noch einmal auf die junge Frau in den Armen des mächtigen DaiYoukai, ehe er sich abwandte. Die Frau, die ihn liebte und die wiederum anscheinend von seinem Bruder mehr als wertgeschätzt wurde. Wann war das passiert? Er wusste es nicht.
Aber InuYasha war sich sicher, dass sein Bruder nicht zulassen würde, dass ihr weiterhin Leid zugefügt würde.
Er trat aus der Tür hinaus und sah in den Gang hinunter. Wieder hörte er Waffenlärm, Schreie und Befehle die gebrüllt wurden. Die Geräusche kamen näher. Sie hatten nicht mehr viel Zeit.
Sesshoumaru betrachtete dieses Wesen in seinen Armen. Alle Gedanken schienen in ihm ausgelöscht zu sein. Nur noch sie war da.
„Kagome“, sein mentaler Ruf.
„Wach auf. Ich bin hier. Ich werde nicht zulassen, dass man dir noch einmal weh tut. Bitte, wach auf!“
Doch er bekam keine Antwort. Nichts.
Er ging mit ihr in den Armen in die Knie. Legte sie sanft auf den Boden, bedeckte sie mit seinem Schulterfell, damit sie nicht auskühlte. Strich ihr sanft über die Wange.
„Lass mich nicht allein!“ Wieder versuchte er, sie zu erreichen.
Doch noch immer kam nichts zurück. Nur ihr flacher Atem zeigte ihm, dass sie noch lebte.
Hilflos ballte er die Fäuste. Er war kein Heiler. Er konnte ihr nicht helfen. Und das ließ ihn sich hilflos fühlen. Das hasste er. Schwäche!
Als er aufsah, waren seine Augen wieder rot glühend. Naraku! Er würde es büßen, dass er ihr das angetan hatte!

….

Daisuke folgte ohne zu zögern dem Befehl seines Herrn.
„Naoki, wir sehen uns spätestens auf draußen wieder! Gute Jagd, mein Freund“, rief er seinem langjährigen Freund zu.
„Gute Jagd!“ kam die Antwort aus einem weiter vorn stattfindenden Kampfgetümmel.
So schnell er konnte rannte der Youkai hinter dem Soldaten hinterher. Und traute letzten Endes seinen Augen nicht, als er seinen Herrn über der Menschenfrau gebeugt am Boden knien sah.
„Daisuke, du beschützt sie mit einigen meiner Soldaten. Kein Feind darf sie mehr berühren!“
Die roten Augen seines Herrn veranlassten Daisuke einfach nur noch wortlos zu nicken.
Wortlos erhob sich der Herr des Westens, seine Aura verdichtete sich immer mehr und schließlich stand vor ihnen der Dämonenhund. Inuyasha sprang ohne zu Zögern auf dessen Rücken und schon stoben sie durch den Flur fort, auf der Suche nach Naraku und Souunga.
Der Fürst heulte auf, seine Wut war grenzenlos.
Seine Soldaten, die wussten, was dieses Heulen zu bedeuten hatte, liefen dem Klang nach, erledigten dabei immer noch weitere Wachen und Dämonen. Sie alle zogen eine Spur der Verwüstung hinter sich her. Das Blut verwandelte die Steinfußböden in einen rutschigen, schmierigen Untergrund.
In einem großen Saal stand Naraku, vor ihm Kenshin, der Souunga in seinen Klauen hielt, schon völlig mit diesem Schwert verbunden. Auch diese beiden vernahmen das Heulen. Die Kampfgeräusche kamen unaufhaltsam näher.
Naraku lächelte. Es würde heute enden. So oder so. Aber er hatte weder Angst vor dem Tod, noch vor dem aufgebrachten Herrn des Westens. Seine arrogante Haltung ließ das nicht zu. Seine Wachen, die sich in dem Saal befanden, waren da weniger gefestigt. Er roch ihre Angst. Sauer stach sie ihm in die Nase.
„Kenshin, mach dich bereit. Wir wollen doch den Herrn des Westens gebührend empfangen!“
„Natürlich, ich freue mich schon darauf, ihn endlich zu vernichten!“ Es war Souunga, das antwortete.
Es konnte nicht mehr lange dauern, bis der Lord eintraf. Und Naraku schwor sich, dass dieser dieses Gebäude nicht mehr Lebend verlassen würde.
Schon wurden die Schreie lauter, die Flüche, das Keuchen der Kämpfenden. Dann flog die große Flügeltür des Saales auf. Staubwolken vernebelten die Sicht. Nur ein unheilvolles rotes Glühen war zu sehen und ein Knurren erfüllte die Luft, ließ sie vibrieren.
Dann, trat eine Gestalt in den Saal. Eine riesige Pfote trat beinahe lautlos auf den Boden auf. Das weiße Fell war voller Blut. Dann stellte der Dämon die andere Pfote ab, auch sie voller Blut. Er knurrte, scharfe Fänge blitzten auf. InuYasha sprang neben ihm zu Boden, hob sein Katana, dessen Klinge nun voller Blitze war und blau schimmerte. Ein Lächeln lag auf dessen Gesicht.
Die anderen Soldaten traten einer nach dem anderen neben ihren Herrn und dessen Bruder, bis sie an jeder Wand standen. Naraku und Kenshin waren umzingelt.
Doch die beiden lachten auf, ein irres Lachen das sich an den Wänden brach.
„So, der Herr des Westens höchst selbst beehrt mich mit seiner Anwesenheit!“ Naraku sah bösartig zu dem Dämonenhund hinüber.
Der DaiYoukai verwandelte sich in seine menschliche Form, stand dem HanYou mit kaltem Blick gegenüber. Er ließ sich nicht dazu herab, dem anderen zu antworten, sondern ließ stumm seine Klaue in giftgrünem Licht aufleuchten. Dann fasste er sein Katana, das Licht umfloss die Klinge, bis auch diese giftgrün schimmerte.
Er nickte unmerklich seinem Bruder zu, dieser brüllte laut auf und schon stürzten sich die Soldaten wie ein einziges Lebewesen auf Naraku zu.
Sesshoumaru indes griff ohne ein Wort von sich zu geben direkt den anderen Dämon an. Denjenigen, der mit Souunga verbunden war. InuYasha folgte seinem Beispiel und ließ eine Blitzsalve auf den Gegner los, dicht gefolgt von seiner Flammenattacke.
Gemeinsam hieben die Brüder auf den Dämon ein, doch dieser wehrte geschickte die Angriffe immer wieder ab, holte seinerseits immer wieder aus und schlug ohne Erbarmen zu.
Währenddessen kämpften die Soldaten mit Naraku, der seine Tentakeln aus seinem Rücken hervor schießen ließ und seinerseits die Soldaten attackierte. Dabei zerstückelte er viele von den Youkais, brachte sie um, oder verschlang sie. Absorbierte ihre Kräfte. Und Körper.
„Kaze No Kizu!“
„Los!“
Die beiden Brüder verbanden unterdessen ihre Attacken und schickten dem verfluchten Schwert und dem daran fest hängenden Dämon eine Energiewelle ohnegleichen entgegen. Dieser lachte nur abfällig und konterte. Er blockte die Attacke einfach ab und öffnete nun seinerseits einen Pfad in die Unterwelt, schickte unzählige Tote auf die beiden Brüder los. Doch diese ließen sich nicht davon beeindrucken. Schon hatten sie die Toten zerhackt. Und wieder bündelten sie ihre Angriffe. Wieder das Kaze No Kizu, kurz gefolgt von einer Flammen- und Blitzattacke. Jedes Mal ließ auch der DaiYoukai seine Attacken los, sie verbanden sich wieder und trafen kurz nacheinander auf den Dämon. Dieser wurde nun tatsächlich getroffen, gab jedoch noch immer nicht auf. So wendete Sesshoumaru seine neu erlernte Attacke an. Das Meidu Zanghetsuha. Damit öffnete er den Weg in eine andere Dimension. Und das Kaze No Kizu schleuderte den Dämon noch näher in den nun klaffenden Riss der Raum-Zeit.
Dann ließ der Herr des Westens endlich auch seine Energiepeitsche durch den Raum schlagen, traf den Dämon und beförderte ihn in den Abgrund. Doch das Schwert löste sich von der Klaue des Dämons und blieb zitternd im Boden stecken. Sesshoumaru sah seinen Bruder nur kurz an, dann nahmen beide ihre Schwerter und hieben zeitgleich auf die Klinge ein, noch ehe sich diese einen neuen Träger hatte rufen können. Eine Druckwelle ging durch den Saal, für einen kurzen Augenblick erstarben alle Geräusche, dann passierte es: Das verfluchte Schwert explodierte. Bruchstücke, rassiermesserscharf, flogen durch die Luft, bohrten sich in weiches Fleisch, in Steinwände und Fußboden.
Souunga war nicht mehr.
InuYasha lag am Boden, war verwundet. Sein Blut floss aus einer tiefen Wunde auf seinem Brustkorb. Doch er lebte noch, dass stellte Sesshoumaru schnell fest. Er rief einen Soldaten zu, dieser legte sich mühelos den bewusstlosen Körper über die Schulter und rannte davon. Er würde den Verletzten zu Daisuke bringen.
Auch der Herr des Westens hatte einige Wunden abbekommen, doch er hatte noch zu viel Wut und Hass in sich, als diese zu bemerken. Und auch wenn sein Bruder nun nicht länger an diesem Kampf teilnahm, und ihn nicht mehr unterstützen konnte, er würde nicht aufgeben. Nicht solange bis auch das Scheusal Naraku vernichtet war. Knurrend wandte er sich den HanYou zu, der noch nicht einmal ermattet wirkte, obgleich er doch gegen eine Übermacht kämpfte.
Sesshoumaru kannte nur noch einen Gedanken: Naraku zu vernichten. Gleich, was es ihn selbst kosten würde.




Daisuke hatte die Wunden der jungen Frau neu verbunden. Nun saß er einfach da. Er konnte nur abwarten, bis sie die Augen aufschlug und wieder zu sich kam. In ihrem Zustand konnte sie nicht transportiert werden. Nicht, wenn sie bewusstlos war. Zu groß waren die Risiken.
Eine Gestalt trat in den Raum. Es war einer der Soldaten, die mit dem Herrn gegangen waren. Er trug dessen Halbbruder auf der Schulter. Und dieser war schwer verletzt, erkannte Daisuke, als er die Verletzungen des HanYous in Augenschein nahm. Seufzend beugte er sich über ihn, versorgte die Wunden. Wie mochte es dem Herrn ergehen? Hatten die beiden Brüder das verfluchte Schwert vernichten können? Der Soldat war schon längst wieder zurück geeilt, also musste der Youkai wieder warten. Denn auch dieser HanYou, wenngleich stärker als ein Mensch, hatte viel abbekommen und der Blutverlust tat sein übriges.
Wieder konnte er das Klirren von Metall hören, was gegeneinander traf. Wieder hörte er das Keuchen und Stöhnen von Gegnern. Schon standen die Soldaten wie eine Mauer in der Tür, eine Reihe noch dahinter. Sie würden niemanden hindurch lassen. Doch zum Glück entfernte sich der Lärm wieder.
Daisuke seufzte auf. Wie weit mochte der Kampf fortgeschritten sein? Wie viele Gegner gab es wohl noch?
Sesshoumaru keuchte schwer auf. Naraku hatte ihn getroffen, seine Schulter schmerzte, als er den Arm hob und noch einmal mit seiner Energiepeitsche ausholte. Er traf, doch noch immer schien der HanYou vor ihm unbeeindruckt, obwohl auch er nun aus vielen Wunden blutete. Noch immer griffen auch die Soldaten Sesshoumarus an. Doch diese fegte der HanYou einfach weg, als wären es lästige Insekten.
„Meinst du nicht auch, dass wir genug gespielt haben, Sesshoumaru?“ Narakus Stimme war so klebrig, wie Leim. Sanft, ironisch amüsiert, keines Weges verunsichert. Dabei stand seine Niederlage doch so gut wie fest.
„Hm.“ Sesshoumaru holte mit seiner Energiepeitsche aus, der HanYou duckte sich, doch der Herr des Westens sprang vor und rammte dem HanYou das Schwert in den Bauch, schlug ihn noch einmal mit der Handkante in den Nacken.
„Du hast Recht, wie sollten aufhören zu spielen!“ knurrte er.
Sprang von dem Wahnsinnigen weg, bereitete eine neue Attacke vor und ließ sein Gift über das Schwert fließen. Dann holte er wieder aus, alles geschah innerhalb eines Wimpernschlages, doch der HanYou parierte den Hieb mit der eigenen Klinge, seine Tentakeln schnellten hervor, bohrten sich in die Muskeln des Gegenübers.
Sesshoumaru konnte den Schrei des Schmerzes nicht unterdrücken. Er musste das hier schnell zu Ende bringen, sonst war es verloren. Er wusste das. Aber noch viel schlimmer war, dass Naraku es auch wusste.
Dieser grinste hämisch.
„Ich werde dich töten, Herr des Westens, dann wird sich mir niemand mehr in den Weg stellen. Und ich bekomme meinen Platz in dieser Welt!“ Er lachte irre. Sein Gelächter hallte unheimlich durch den Saal, untermalt von dem stoßweise kommenden Keuchen des verletzten DaiYoukai.
Doch dieser hieb nun seinerseits mit seiner Giftklaue auf den HanYou, durchtrennte dabei die Tentakeln, die ihn fesselten und brachte etwas Abstand zwischen sich und dem Halbdämon.
Woanders nahm jemand seine Schmerzen wahr, asl seien es die eigenen.
Daisuke sah zu der jungen Frau, die noch immer am Boden lag. Hatte sie gerade etwas gesagt?
Dann. Ein Schrei. „Sesshoumaru!“
Entsetzt richtete sie sich auf. Sie keuchte. Sterne tanzten vor ihren Augen, als sie versuchte, vollends aufzustehen. Sie ignorierte die eigenen Schmerzen, sah nicht zu dem Youkai, der sie ansprach, beruhigend ihre Hand hielt und verzweifelt versuchte, sie zum Bleiben zu bewegen.
Sie sah nur noch ihn. Langsam setzte sie sich in Bewegung. Ihr Blick wurde plötzlich von dem verletzten HanYou am Boden gefesselt.
„InuYasha…“ sie flüsterte, beugte sich zu dem Bewusstlosen hinunter und strich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
Dann sah sie zu Daisuke, der noch immer auf sie einredete, sie solle sich schonen.
„Er braucht mich. Ich muss gehen.“ Der Blick war fest, er sah keine Furcht, keine Zweifel in ihnen. Seufzend nahm er seine Hand von ihr, blickte resigniert zur Seite.
Schon war sie weg, aus dem Raum raus und den Flur entlang hastete sie. Immer schneller wurde sie, so sie denn konnte. Auch wenn ihr Lauf eher ein Humpeln war. Sie konnte ihn nicht allein lassen. Er würde niemals allein diesen HanYou besiegen können.
„Naraku“, leise hatte sie seinen Namen ausgesprochen, doch voller Wut.
Er hatte es gewagt, ihre Freunde zu verletzten. Wagte es, denjenigen zu verletzten, der ihr immer Mut gemacht hatte. Und sie spürte, wie alles in ihr nach Vergeltung schrie. Auch für das, was er ihr angetan hatte. Sie wusste nicht, woher sie die Kraft nahm, um zu laufen, aber es war ihr egal. Sie musste zu ihm! Schnell! Sie spürte dass er nicht mehr lange durchhalten würde, spürte seine Schmerzen immer deutlicher.
Als ihre Beine nachgeben wollten, stütze sie sich an den Wänden ab, lief weiter. All ihre Gedanken waren nur noch auf ihn gerichtet.
„Sesshoumaru! Halte durch!“ Ihr mentaler Ruf. Und sie wusste, er würde sie hören.
Der Boden, rutschig und schmierig von Blut, voller Leichen und Gliedmaßen ließ sie mehr als einmal stolpern und beinahe das Gleichgewicht verlieren, aber sie biss die Zähne zusammen. Sie musste weiter.

….

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 26. Okt 2011, 21:16 
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Die Klingen kreuzten sich, die Giftklaue zuckte vor, traf die Brust des HanYou, dieser röchelte leise. Zückte jedoch im selben Augenblick einen Dolch und rammte diesen seinerseits nun in den Bauch des Angreifers. Schnell sprangen sie wieder von einander weg. Blut lief an seiner Haut hinunter, er spürte es. Doch er würde nicht aufgeben. Nicht so kurz vor dem Ziel. Die Sicht verschwamm. Undeutlich konnte er eine Gestalt neben sich ausmachen, die plötzlich aufgetaucht war. Doch er konnte nicht erkennen, wer da neben ihm aufgetaucht war. Weißes Licht blendete ihn.
Sie hatte gesehen, wie er getroffen wurde, hatte vor Schmerz aufgekeucht. Dann stand sie neben ihm, verspürte nur noch ungeheure Wut in sich. Ihr Hirn hatte sich verabschiedet, seit dem sie den Saal betreten hatte. Was sie sah, ließ in ihr Übelkeit hochkommen. Überall lagen Tote und Verletzte. Soldaten und Wachen, Dämonen, alle bluteten. Es stank nach Blut.
Dann stand sie neben ihm, spürte ihre Kraft in sich. Ballte sie zusammen und sandte sie nach Außen. Weißes Licht erfüllte den Raum. Für einen kurzen Moment roch es nach einer grünen Wiese. In all diesem Leid und diesem Schmerz bewahrte sie sich ihre Reinheit.
Sie schleuderte ihre Energie auf den HanYou, auf Naraku. Dieser hatte kurz gelächelt, als er sah, dass sie gekommen war.
Doch nun lächelte er nicht mehr. Er schrie auf vor Schmerz. Ihre läuternde Kraft schien ihn von innen her zu verbrennen.
Doch er gab nicht auf, stattdessen kam er ihr schnell näher. Sie streckte ihm die Hände entgegen und während er sich ein letztes Mal aufbäumte und ihr die Klinge in die Brust stieß, spürte er, wie ihre Energie ihn aufzulösen begann, von innen heraus.
Alles verschwamm vor ihm, alles wurde Weiß. Nichts drang mehr zu ihm durch. Und dann sah er eine Gestalt auf sich zu kommen. Sie war es. Seine Liebe. Er weinte. Konnte die Tränen nicht zurückhalten, als die Frau immer näher kam, ihre Hand nach ihm ausstreckte und ihn mitnahm.
Kagome brach zusammen, versuchte die Blutung in ihrer Brust zu stoppen. Aber sie hatte nun keine Kraft mehr. Sie sank zu Boden. Hörte nicht mehr den Schrei des DaiYoukai, der nun sah, wer sich mit ihm zu letzt gegen Naraku gestellt hatte, wer ihn letzten Endes besiegt hatte.
„Kagome!!!“ Er versuchte, sie zu stützen, sah das Blut, dass stoßweise aus ihrer Wunde kam. Versuchte verzweifelt, sie wieder ins Hier und Jetzt zu holen.
Doch er erreichte sie nicht. Warum musste sie kommen? Warum musste sie nun so verletzt hier liegen? Warum konnte er ihr nicht helfen?
Er spürte, wie etwas in ihm zu zerbrechen drohte.
Schließlich wurde es schwarz vor ihm, er fiel über ihren zarten Körper. Die Dunkelheit der Bewusstlosigkeit löschte gnädig die Bilder um ihn herum aus.

….

Daisuke und die anderen Soldaten hatten sich nun doch InuYasha geschnappt, liefen im Eiltempo in die Richtung, in der sie auch den Geruch ihres Herrn und den der jungen Frau wahrnahmen.
Sie kamen an die auseinander gerissenen große Tür und einen Moment hielt der treue Gefolgsmann des Herrn des Westens inne. Was er sah, ließ ihm schier das Blut in den Adern gefrieren. Überall Blut, Tote und Verletzte. Und in dem ganzen Chaos lag der Herr am Boden, halb unter ihm die junge Frau. Naraku aber konnte er nicht entdecken. Hatte der HanYou es doch geschafft, sich aus dem Staub zu machen?
Schnell lief er die letzten paar Meter zu seinem Herrn, drehte ihn behutsam um und von der Frau weg. Die Hand seines Herrn hielt ihre umklammert. Er war blass, hatte viel Blut verloren und einige wirklich gefährliche Wunden. Aber er atmete noch. Flach und kaum bemerkbar, aber er war am Leben.
Die junge Frau indes… Daisuke stockte der Atem. Er versuchte die Hand seines Herrn von ihrer zu lösen, doch der Griff des DaiYoukai war eisern.
Stumm bedeutete Daisuke den verbliebenen Soldaten Tragen zu fertigen. Sie mussten den Lord aus diesem Gebäude heraus schaffen. Wortlos sah er ihren Bemühungen zu, versuchte währenddessen so gut es ging die Wunden seines Herrn zu verbinden.
Dann machten sie sich langsam auf den Rückweg, raus aus dieser Festung. Immer mehr Truppen schlossen sich ihnen an, alle Überlebenden stützten die Verletzten. Nicht einer war ohne Wunden.
Der Mönch, Totosai und die andere Frau waren ebenfalls mit dem Leben davongekommen. Naoki lag in den Armen eines Soldaten, ihn hatte es schwer erwischt.
Stumm ließ Daisuke seinen Blick über die Truppen wandern. Mehr als die Hälfte hatte es nicht geschafft.
„Zündet diese Stätte an, lasst sie in Flammen aufgehen. Nichts soll mehr an den HanYou erinnern!“
Schnell kamen die Soldaten seinem Befehl nach.
Kouga und seine Wölfe, viele Soldaten, Freunde, Verwandte, waren in dem Gebäude zurückgeblieben, waren tot. Und auch der Herr des Westens stand derzeit dem Tod näher als dem Leben. Noch immer hielt seine Hand die der Frau fest umklammert. Doch sie atmete nicht mehr.
Daisuke sah nachdenklich auf die beiden hinunter. Sein Herr würde es nicht akzeptieren wollen, und es dennoch müssen. So wie alle anderen, die jemanden verloren hatten, den sie geliebt hatten. Er seufzte. Dann wandte er sich um, der Rest der Armee folgte ihm schweigend. Sie mussten einen Heiler für den Herrn finden, und zwar schnell. Bis zum Schloss zurück würde es zu lange dauern. Und nicht einer war noch imstande, diesen weiten Weg zu schaffen.
Und hinter ihnen brannte die Festung auf dem heiligen Berg nieder. Wurde zum feurigen Grab der tapferen Verbündeten, der stolzen Youkai die dem Herrn mit ihrem Leben gedient hatten, gleichermaßen wie zum Grab all derer, die dem verblendeten HanYou gefolgt waren.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 27. Okt 2011, 12:38 
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InuYasha war wieder zu sich gekommen. Jemand hatte seine Wunden verbunden. Die pochenden Schmerzen ignorierte er. Er war verwirrt. Wo war er denn nur?
Stoff spannte sich um ihn herum. Ein Zelt? Wie kam er in ein Zelt? Wo war er? Wo waren die anderen? Was war geschehen?
Er richtete sich unter Schmerzen auf, kroch auf allen vieren zum Ausgang des Zeltes, schlug die Stoffbahnen auseinander.
Er sah Soldaten, die sich von Teilen ihrer Rüstung befreit hatten. Mit Verbänden. Und noch mehr Zelte. Wo kamen die denn her?
Dann sah er den Mönch, der an einem Stein gelehnt dasaß. InuYasha versuchte, sich auf die Beine zu stellen. Zaghaft trat er an den Gefährten.
„Hallo“, er wusste nicht, was er sagen sollte. Auch der Mönch hatte einige Verbände am Körper. Müde hob er den Kopf, sah in die goldenen Augen des HanYou ihm gegenüber.
„InuYasha“, antwortete er mit leiser Stimme.
„Sag mir bitte, wo mein Bruder ist. Ich möchte zu ihm.“
Ein trauriges Lächeln huschte über das Gesicht des Menschen vor ihm.
„Er ist in dem Zelt da vorne“, sagte er und wies mit der Hand auf eines hinter ihm.
„Aber sei leise, wenn du zu ihm gehst. Er ist noch immer bewusstlos.“
Der Mönch wusste, dass er den Halbdämon nicht aufhalten konnte.
Und das nichts ihn vorbereiten würde auf das, was ihn in dem Zelt erwarten würde.
Der Fürst der westlichen Länder lag auf einem weichen Lager. Die Augen geschlossen, der Atem noch immer flach. Nur gelegentlich zuckten die Lider. Er war noch nicht wieder zu Bewusstsein gekommen und das bereitete Daisuke große Sorgen.
Sein Herr musste es schaffen. Nicht auszudenken, was passieren würde, sollte er seinen Verletzungen erliegen. Er hatte es mit Hilfe eines anderen Soldaten geschafft, die Hand des Lords von der der toten Frau zu lösen. Sie hatte er in ein anderes Zelt legen lassen.
Er sah auf, als er die Stoffbahnen rascheln hörte. Der Bruder des Herrn war gekommen.
Schweigend nickte Daisuke dem Jüngeren zu. Dann sah er noch einmal in das Gesicht des Herrn, ehe er sich erhob und ging.
InuYasha war nun auch die restliche Farbe aus dem ohnehin schon blassen Gesicht gewichen. Verzweifelt sah er seinen Bruder da liegen. Es schien, als könne niemand ihm helfen.
Tränen liefen ihm über das Gesicht. Da lag sein Bruder, nahe dem Tod, und er konnte wieder einmal nichts tun. Leise setzte er sich neben den Älteren, nahm die kalte Hand in seine eigene und dachte bitter an die letzten Jahre. Immer, wenn sie sich gesehen hatten, hatten sie unweigerlich gegeneinander gekämpft. Der HanYou hatte die Wut des Halbbruders immer zu spüren bekommen. Dafür, dass seine Mutter ein Mensch war, hatte der DaiYoukai ihn verachtet. Und jetzt, wo sie sich endlich näher gekommen waren, wo er endlich das Gefühl hatte, das sein Bruder mehr in ihm sah, als nur ein Halbblut, sie sich endlich besser verstanden hatten, sollte alles vorbei sein?
Das durfte nicht passieren! Niemals.
Seine Tränen tropften auf die bleiche Haut des Älteren. Sein stummer, verzweifelter Ruf: „Lass mich nicht allein!“
Nach einer empfundenen Ewigkeit trat Daisuke wieder in das Zelt seines Herrn, sah den HanYOu, der leise weinte. Die Schultern bebten leicht, als der Youkai dem HanYou eine Hand auf den Arm legte.
„Komm.“
Widerwillig ließ der junge Halbdämon die Hand seines Bruders los, folgte schließlich gehorsam dem anderen aus dem Zelt hinaus.
„Sag, kennst du hier einen Heiler?“
Die Stimme des treuen Youkai war leise.
„Ja, wir haben in den Bergen einen Heiler getroffen, ich war verletzt und er half mir.“
„Gut, glaubst du, du findest ihn wieder? Wir können den Herrn nicht noch weiter transportieren. Er könnte die Reise bis in das Schloss des Westens nicht überstehen! Und auch die anderen brauchen Hilfe.“
InuYasha überlegte nicht lange. „Ja, ich denke, ich finde ihn.“
„Dann brich besser gleich auf. Wenn wir noch länger warten, kann es zu spät sein!“ Der Youkai legte eine Hand auf die Schulter des HanYou.
Dieser nickte nur. Dann sah er noch einmal auf das Zelt, in dem sein Bruder lag, wandte seinen Blick wieder auf den Youkai.
„Wie geht es Kagome?“ Die Frage war leise, doch der Youkai hatte keine Probleme, sie zu verstehen.
Stumm schüttelte er nur den Kopf.
InuYasha war wie vor den Kopf geschlagen. Nein! Das durfte nicht sein! Nicht sie! Er zitterte. „Bitte, darf ich sie noch einmal sehen?“
Daisuke sah dem anderen prüfend in die Augen. Dann nickte er und führte InuYasha in ein abgelegenes Zelt. Hier lag nicht nur Kagome, sondern auch Soldaten, die ihre Verwundungen nicht überlebt hatten. Und auch Naoki lag hier. Daisuke schluckte schwer, als er den Leichnam seines besten Freundes sah.
Dann drehte er sich wieder um.
„Bleib nicht zu lange hier. Die Lebenden brauchen die Hilfe eines Heilers.“ Ermahnte er den Jüngeren. Dieser nickte, ging wie in Trance zu dem leblosen Körper der jungen Frau.
Noch immer sah sie anmutig aus, entspannt wirkten ihre Züge.
Er weinte wieder. Lange war sie seine beste Freundin gewesen. Lange hatte er mit ihr Reisen können. Hatte mit ihr gelacht und gestritten. Und nun lag sie da. Einfach so.
Er sah sie noch einmal an, strich ein letztes Mal über ihr weiches Haar. Dann drehte er sich um. Lief weg von ihrem Körper. Lief weg von all dem Grauen. Rannte so schnell er konnte. Er musste Hilfe holen. In seiner Erinnerung tauchte einer auf, der ihnen schon einmal geholfen hatte. Es schien Jahre her zu sein. Und doch war es erst vor kurzem. Jinenji. Der Heiler aus den Bergen. Was hatte Kouga gesagt? Er sammelte in den Tälern Kräuter. Aber vielleicht hatte er auch Glück, und der alte Heiler war in seiner Hütte? Er musste es probieren.
Schon war er aus dem Lager hinaus gestürmt, rannte der Sonne entgegen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 27. Okt 2011, 16:15 
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Es war so hell. So unerträglich hell. Er konnte nichts erkennen, nichts riechen, nichts schmecken, nichts fühlen. Nur diese Helligkeit, die so blendend war, dass er vor Schmerz die Augen noch fester zusammen kniff.
Weinen. Jemand weinte! Wer war das?
Er kannte die Antwort nicht. Und wusste nicht, wer sie ihm geben konnte.
Er seufzte. Versuchte sich zu bewegen. Vergeblich. Was war geschehen? Er konnte sich nicht erinnern. Alles schien ausgelöscht zu sein. Alles was gewesen war. Wenn er sich doch nur erinnern könnte.
Dann spürte er die Leere. Die Leere um sich und in ihm selbst. Alles verschlingend. Die Helligkeit wich einer gnadenlosen Schwärze, schien ihn verschlingen zu wollen. Etwas fehlte. Nein, Jemand fehlte. Jemand wichtiges.
„Kagome!“ Sie hatte neben ihm gestanden, hatte ihm beigestanden. Mit einem Mal prasselten die Bilder auf ihn ein, ließen ihn zusammen zucken. Sie hatte gegen Naraku gekämpft! Was war dann geschehen? Er sah wieder, wie sie einfach nur so dalag. Und blutete. Und das er ihr nicht helfen konnte. Das er ihre Blutung nicht hatte stoppen können.
Etwas brach in ihm auseinander. Was war mit ihr passiert?
Plötzlich riss er die Augen auf, die Sinneseindrücke überrollten ihn. Der Schmerz ließ ihn zusammenzucken, dennoch richtete er sich auf. Er lag in einem Zelt? Unwichtig. Er musste wissen, was mit ihr geschehen war. Dunkel erinnerte er sich daran, ihre Hand gehalten zu haben. Erinnerte sich, dass er auf ihr zusammen gebrochen war.
Sein Körper fühlte sich so schwerfällig an. Und die Schmerzen raubten ihm schlicht den Atem, als er versuchte, aufzustehen. Doch er musste wissen, was mit ihr war, also ignorierte er alles andere.
Taumelnd kam er zum stehen. Schwankend setzte er einen Fuß vor den anderen. Dann, nach einer Ewigkeit, hatte er den Eingang erreicht. Schlug den Stoff langsam auf. Licht blendete ihn. Es war mitten am Tag, die Sonne stand hoch am Himmel, zeichnete scharfe Schatten auf die Felsen. Er war also immer noch in diesen Bergen. Dann erst nahm er die anderen wahr. Die Soldaten, die verwundet in Gruppen beisammen saßen. Alle schwiegen, keiner gab einen Laut von sich. Es war gespenstisch.
Zögernd ging er in diese Helligkeit. Die Wärme der Sonne vermochte nicht die Kälte aus seinen Gliedern zu vertreiben.
Der Mönch bemerkte ihn als Erster. Sah zu dem bleichen DaiYoukai auf, erhob sich langsam und ächzend. Auch er hatte Wunden davon getragen.
Er ging auf den Lord zu, sah in dessen Augen und sah eine abgrundtiefe Leere. Sachte fasste er dem mächtigen Herrn auf die Schulter, bedacht darauf, diesem keine Schmerzen zuzufügen.
„Herr“, die leise und sanfte Stimme riss den Herrn des Westens aus der Starre.
Er blickte in das Gesicht des Mönches. Sah in dessen traurige Augen.
„Wo ist sie?“ Seine eigene Stimme klang furchtbar kraftlos in seinen Ohren.
„Herr, wir konnten ihr nicht helfen.“
Der DaiYoukai riss voller Entsetzen die Augen auf. Nein! Alles in ihm zog sich zusammen. Er spürte, wie etwas Kaltes nach seinem Herzen griff.
Der Mönch sah die Regung des Youkai vor sich. Überlegte, ob es klug sei, den Fürsten zu der Toten zu bringen.
Doch die Stimme des Lords riss ihn aus den Überlegungen.
„Bring mich zu ihr!“ Die Stimme klang befehlend, wenn auch leise und gepresst.
Langsam nickte der Mönch. Er sah den Schmerz, den der Youkai verspürte. Und respektierte den Wunsch, der hinter dem Befehl stand. Sie noch einmal zu sehen. Seufzend wandte sich der Mensch um. Und spürte mehr, als dass er es sah, wie der DaiYoukai hinter ihm taumelte. Schnell griff er nach dessen Arm, stützte ihn so, dass es keiner direkt sah. Wusste er doch, wie sehr der Dämon Schwäche verabscheute und nie welche zeigte.
Dieser sah den Mönch an. Er war dankbar dafür, dass dieser ihn so stützte, dass es niemanden auffiel. Er hielt dessen Hand, drückte sie leicht. Der Mönch verstand und setzte sich langsam in Bewegung, immer darauf bedacht, dass der Fürst nicht taumelte, stolperte.
Sie gingen zu einem Zelt, das etwas abseits aufgebaut war. Der Geruch verriet dem DaiYoukai sofort, dass hier der Tod hauste. Es roch schon leicht süßlich.
Wortlos schob der Mönch die Zeltbahnen auseinander. Und Sesshoumaru sah die toten Soldaten. Alle hatte er gekannt. Sie alle waren tapfere Youkai gewesen. Dann sah er unter ihnen auch Naoki. Er also auch? Er schüttelte den Kopf, ging kurz zu seinem langjährigen Waffengefährten. Berührte dessen Arm. So kalt. Er musste schon seit einer ganzen Weile hier liegen.
Er schloss kurz die Augen, sah sich dann weiter um. Noch immer stützte ihn der Mönch.
Dann sah er sie. In der Mitte des Zeltes lag sie auf einer Bahre. Ihr blauschwarzes Haar umrahmte ihr sanftes Gesicht. Langsam schritt er zu ihr hinüber, hatte den Mönch einfach stehen gelassen. Sah auf sie hinab. Sah wie friedlich sie wirkte. Sah das getrocknete Blut auf ihrer Brust, die Verbände an ihrem Körper. Alle waren mit ihrem Blut getränkt. Seine Hand zitterte stark, als er ihre Wange streichelte.
Er hatte nicht wahrgenommen, dass der Mönch gegangen war. Hatte nicht gemerkt, dass er nun allein war. Allein auf dieser Welt. Etwas zerbrach in tausend Stücke in ihm. Seine Beine gaben nach. Noch immer lag sein Blick auf ihr. Sie sah so friedlich aus, als würde sie nur schlafen.
Er kniete neben ihr. Spürte nicht die Tränen, die an seinen Wangen herab liefen. Noch nie zuvor hatte er geweint. Seit dem sein Vater umgekommen war, hatte er sich selbst verboten, jemals wieder diese Schwäche zuzulassen. Aber nun? Er nahm eine Strähne ihres Haares in seine Hand, strich ihr über den Kopf, über dieses unglaublich weiche Haar. Die Tränen ließen seinen Blick verschwimmen. Als er ihre kalte Hand in die seine nahm, brach er über ihr zusammen. Konnte nicht mehr. Weinte still und leise. Sie war tot!
Warum? Warum sie und nicht ich?
Sie hat doch niemanden geschadet?
Seine andere Hand verkrampfte sich in ihrem Gewand, strich ihr wieder zitternd durch das Haar.
Als er aufsah, ihr bleiches Gesicht sah, konnte er die Trauer nicht zurückhalten. Alles in ihm schrie. Und auch er schrie. Schrie laut auf. Sein an sich so kaltes Herz zerbrach. Er hatte sie, ohne es selbst zu bemerken, in sein Herz gelassen. Und nun sollte sie nie wieder zu ihm zurückkommen?
Nein, das durfte nicht sein!
Er schluchzte wie ein Kind.
„Komm zurück zu mir!“ sein mentaler Ruf. Die Antwort war nur Stille.
Es durfte nicht sein! Durfte nicht sein, dass er sie verloren haben sollte, ehe er überhaupt sie erleben konnte. Das ihm diese Chance genommen wurde.
Wieder schluchzte er auf. Seine Tränen liefen unaufhörlich.
„Das kann nicht sein! Das ist nicht mein Leben! Ich kann nicht so leben!“
Er war sich nicht bewusst, dass er diese Worte lauf geschrieen hatte.
Es war ihm nicht bewusst, dass sich Daisuke, der Mönch und auch Totosai vor dem Zelt befanden und seine Worte vernahmen. Mit gesenkten Köpfen sahen sie zu Boden. Sie wussten alle, wie es sich anfühlte, eine geliebte Person zu verlieren. Und sie wussten auch, dass sie dem DaiYoukai nicht helfen konnten in seiner Trauer.
Er wusste nicht, wie lange er nur so dagesessen hatte, ihre Hand gehalten hatte. Unfähig, sich zu bewegen. Immer wieder wurde er von Weinkrämpfen geschüttelt. Sein Kopf und sein Herz fühlten sich leer an.
„Du kannst nicht ohne mich gehen!“ Seine Gedanken versuchten noch immer ihre zu erreichen. Er wollte ihre Stimme wieder hören. Wollte, dass sie aufstand. Obwohl er nur zu gut wusste, dass das nicht passieren würde.
Wieder flossen seine Tränen. Noch immer hielt er ihre Hand. Wollte sie nicht gehen lassen. Wollte nicht, dass es so endete.
Vergaß alles andere um sich herum. Er sah nur noch ihr Gesicht. Spürte nur diesen Schmerz in seinem Herzen. Die Leere, die sie hinterlassen hatte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 27. Okt 2011, 17:21 
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Als InuYasha wieder in das Lager zurück kehrte war es bereits finstere Nacht geworden. Er hatte den Heiler gefunden und auf seinem Rücken hierher getragen. Zielstrebig lief er mit diesem auf das Zelt zu, in dem sein Bruder lag.
Aber dessen Lager war leer und kalt. Nein! Kam er etwa zu spät?
Er lief wieder hinaus. Sah sich suchend um. Da sah er den Mönch neben Daisuke vor dem Zelt mit den Toten stehen. Schnell sprang er zu den beiden.
„Mein Bruder, wo ist mein Bruder?“ fragte er atemlos.
Stumm zeigte Daisuke auf das Zelt.
„Nein“. Der HanYou hatte Tränen in den Augen.
„So ist es nicht. Er lebt. Aber er ist schon seit stunden in dem Zelt. Bei ihr.“ Der Mönch sprach leise. Sah aber neben der Trauer, die plötzlich in den Augen des HanYous stand, auch Erleichterung. Vielleicht konnte der Bruder des DaiYoukai diesen aus der Lethargie holen?
InuYasha ging leise in das Zelt. Und trotz der Dunkelheit konnte er die zusammen gesunkene Gestalt ausmachen, die neben der jungen Frau kagome am Boden kauerte.
Er wusste nicht, was er tun konnte. Leise, darauf bedacht, den Älteren nicht zu erschrecken, trat der Halbdämon näher. Sah, dass der Bruder die Hand der Frau hielt. Er atmete leise aus. Dann kniete er sich hinter den DaiYoukai und nahm diesen wortlos in die Arme. Dieser hatte wahrgenommen, dass der Bruder hinter ihm hockte, ihn in die Arme nahm. Schweigend ließ er sich gegen den Jüngeren fallen. Schloss die Augen und genoss die ungewohnte Nähe zu dem Bruder.
„Ich habe einen Heiler gefunden.“ Sanft sprach InuYasha den scheinbar kraftlosen Dämon an.
„Du solltest deine Wunden versorgen lassen.“
„Nein.“
InuYasha glaubte sich verhört zu haben. „Was?“
„Nein. Was hat es für einen Sinn, weiterzuleben…?“ Die Stimme des sonst so beherrschten Youkai war leise, zitternd.
„Du musst. Leben. Sonst wäre ihr Opfer umsonst. Und wenn du schon nicht für dich leben willst, tu es wenigstens für Rin. Sie braucht dich!“
Sesshoumaru wusste, dass sein Bruder auf der einen Seite Recht hatte. Aber andererseits sträubte sich alles in ihm, sie allein zu lassen, sie los zu lassen.
Wieder traten Tränen in seine Augen. Es brannte schon. Er hatte schon so viel geweint, er war sich sicher, dass er eigentlich keine Tränen mehr haben konnte. Und doch liefen sie über sein Gesicht. Er fühlte, wie sein jüngerer Bruder sie wegwischte. So sanft.
Die ungewohnte Vertrautheit zwischen ihnen war ihm peinlich.
Sesshoumaru seufzte, stand langsam auf. Noch hielt er ihre Hand. Sah noch einmal in ihr Gesicht. Fühlte den Schmerz wie ein riesiges Monster in sich wüten, nur konnte er nichts dagegen tun. Dann sah er seinen Bruder an. Dieser hatte sich ebenfalls erhoben. „Komm.“ Die warme Hand des Jüngeren löste seine eigene von der Toten. Führte ihn sachte durch die Dunkelheit, nach draußen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 27. Okt 2011, 20:33 
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Jinenji hatte alle Hände voll zu tun. Er versorgte die Verletzten, verband Wunden, reinigte Schnitte und nähte.
Dann sah er auf, als ein großer Youkai langsam auf ihn zukam, an der Hand eines jüngeren HanYou. Der Herr des Westens.
So geschwächt hatte ihn noch niemand gesehen. Und doch, es war verständlich. Jeder wusste, dass der Wahnsinnige den Herrn schwer verwundet hatte.
Nun ließ sich der Lord nieder, sah durch den Heiler hindurch. Dieser sah nachdenklich in das Gesicht des Herrn. Dann wandte er sich dessen Verletzungen zu. Seufzte auf und machte sich an die Arbeit.
InuYasha wich dem Bruder nicht von der Seite. Auch nicht, als der Heiler die Order gab, dass der Fürst nun ruhen sollte.
Als die beiden Geschwister in dem Zelt des Herrn verschwunden waren, kam der Mönch auf Totosai zu, der das Zelt nicht aus den Augen ließ.
„An was denkst du, mein Freund?“
Der Schmied sah den Mönch an, wandte sich wieder dem Zelt zu.
„Er leidet. Ich mache mir Sorgen, ob er die Verwundungen überleben wird. Sein Wille ist gebrochen. Das ist noch nie geschehen. Ich kenne Sesshoumaru seit seiner Kindheit, und ich schwöre bei meinem Hammer, so hab ich ihn noch nie gesehen. Noch nicht einmal, als damals die Sache mit seinem Vater geschah.“
Der Alte setzte sich schließlich. Er war erschöpft.
„Können wir nichts tun?“ Die Frage klang naiv, dass wusste der Mönch. Doch er musste es einfach wissen.
„Nein. Können wir nicht. Er muss es selbst herausfinden.“
„Herausfinden? Was denn?“
Doch der alte Schmied zuckte nur mit den Achseln.
Nach einigem Zögern sagte er:
„Der Herr muss es sich von ganzem Herzen aufrichtig wünschen, dann kann er die Macht der Klinge nutzen. Nur dann. Alle anderen Vorraussetzungen hat er schon erfüllt.“
Der Mönch verstand nicht, was der Alte meinte.
Stumm sahen beide zu dem Zelt. In dessen Inneren sich zwei Brüder leise unterhielten und so einträchtig nebeneinander saßen, als sei es schon immer so gewesen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 27. Okt 2011, 21:54 
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Er hatte sich schlafend gestellt. Um den Jüngeren nicht noch mehr zu beunruhigen. Ein bitteres Lächeln stahl sich in seine ansonsten leere Miene. InuYasha war neben ihm eingeschlafen. Endlich. Lautlos er hob sich der DaiYoukai, unterdrückte die Schmerzen und trat aus dem Zelt hinaus. Sterne funkelten über ihm. Einige kleine Feuer brannten in dem Lager. Darum saßen einige Soldaten. Er sah sie ruhig an. Dann drehte er sich um, wurde eins mit den Schatten.
Er ging zu dem Zelt, in dem sie lag. Jinenji hatte hier Kräuter ausgelegt, die den Geruch dämpften, der sich immer stärker ausbreitete. Leise trat er an sie heran. Sah in ihr Gesicht. Trotz der Dunkelheit konnte er sie sehen.
Wie gerne hätte er sie wieder lebendig gemacht. Gehofft, dass sie wieder lachte. Das er wieder sie in seinen Gedanken spüren konnte.
Wenig später saß er auf einem Felsen. Hielt ihren Körper in seinen Armen. Er hatte sie mitgenommen. Ein letztes Mal wollte er ihr die Sterne zeigen. Ein erstes und zugleich letztes Mal.
Es tat weh.
Das Lager hatte er hinter sich gelassen. Nur noch die Stille der Nacht umgab ihn. Er sah auf sie herab. Wieder füllten sich seine Augen mit Tränen. Wieder spürte er die Leere ganz deutlich in sich aufsteigen.
Eine Sternschnuppe fiel scheinbar zu Boden. Er schloss die Augen, wünschte, dass sie wieder bei ihm sein möge. Das sie nie wieder weg ginge.
Die Nacht schritt voran. Noch immer hielt er sie fest. Immer wieder tropften seine Tränen auf ihr Gesicht.
Er erkannte sich nicht mehr. In Gedanken fragte er sich, wer er jetzt war. Was war nur aus ihm geworden? Alles was er verabscheut hatte, traf nun auf ihn zu. Er hatte Gefühle zugelassen. Hatte Nähe zugelassen. Und alles was es ihm gebracht hatte, war Schmerz. Trauer. Schwäche!
Aber er konnte niemanden einen Vorwurf machen. Er selbst war Schuld daran. Hatte es zugelassen.
Und doch: er hatte nun einen Bruder. Freunde. War nicht allein. Das alles hätte er sich nie träumen lassen.
Nur wieso musste sie sterben? Und wieso musste sein Herz beschließen, ihr zu gehören? Ohne das er selbst es bemerkte.
Er legte sie auf den Boden, legte seinen Haori ab und faltete ihn sorgsam zu einem Kopfkissen, schob es unter ihre Haarflut. Dann stand er auf. Zog sein Katana. Das Erbstück seines Vaters. Es war ihm egal, ob es selbstsüchtig war oder nicht. Aber er konnte sich in seiner Trauer nicht vorstellen, wie es sein könnte, ohne sie. Woher sollte er noch die Kraft haben weiter zu leben? Ihre Verbindung, die so eng war, durch Gedanken, an der er fast verzweifelt war, fehlte ihm. Er war bereit, eher sich das Leben selbst zu nehmen, als weiterhin allein durch diese Welt zu gehen. Kurz dachte er an Rin. Das kleine Menschenmädchen. Er musste lächeln. Mit ihr hatte es begonnen. Aber die Miko würde auf das Kind achten. Sein Land konnte von dem Verwalter weiterhin betreut werden. InuYasha war der nächste in der Erbfolge. Sicherlich würde er seine Sache gut machen. Auch wenn er ein HanYou war, floss in seinen Adern doch auch das Blut des gemeinsamen Vaters.
„Vater!“ Sesshoumaru sah noch einmal auf die Sterne. „Endlich verstehe ich dich. Aber ich habe versagt. Ich konnte sie nicht schützen!“
Er schloss die Augen, bereit sich in die Klinge zu stürzen. Bereit, sein Leben zu beenden.
Doch bevor er sich in das Schwert warf, fühlte er etwas. Etwas was ihm fremd war. Das Schwert pulsierte…?


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 28. Okt 2011, 11:41 
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InuYasha wurde in dem Zelt wach. Etwas fehlte. Unruhig drehte er sich auf die Seite, sah neben sich. Sesshoumaru lag nicht mehr da. Erschreckt fasste der Halbdämon auf die Seite, wo sein Bruder gelegen hatte, stellte fest, dass sie kalt war. Er musste schon länger weg sein.
Er setzte sich auf, rannte aus dem Zelt raus. Es war noch Dunkel. Unschlüssig, ob er noch jemanden von dem Verschwinden des Älteren berichten sollte, zog er die Luft ein. Der Geruch das DaiYoukai lag noch schwach in der Luft. InuYasha knurrte auf, lief der schwachen Spur seines Bruders nach. Stellte fest, dass diese ihn zu dem Zelt mit den Toten führte. Verdammt. Was sollte das? Er ging hinein. Rechnete damit, den Bruder hier zu finden. Aber er war nicht da. Und dann fiel dem HanYOu auf, dass auch die Leiche von Kagome fehlte. Ihm wurde kalt. Was hatte er vor?
Schon stand er wieder vor dem Zelt. Entfernte sich ein paar Schritte von diesem, so weit, bis er wieder andere Gerüche wahrnehmen konnte. Und nach einigen Minuten fand er auch die Spur des Bruders wieder. Er hatte sie mitgenommen?
So schnell er konnte, rannte InuYasha der Witterung nach.
Erinnerte sich an die Verzweiflung des Bruders, die er in dessen ‚Augen gesehen hatte. Die Leere in seiner Stimme. Die Trostlosigkeit.
Er fluchte, als ein Verdacht in ihm keimte. Beschleunigte seine Schritte. Er musste sich beeilen, bevor sein Bruder etwas Dummes tat. Sonst war er doch auch nie so unberechenbar gewesen. Was war nur los?


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 28. Okt 2011, 20:35 
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Dem Halbdämon stockte der Atem, als er sah, wohin ihn die Witterung führte. Im Schein der kalten Sterne, inmitten der felsigen Einöde, stand sein Bruder. Neben ihm war ein Steinhaufen aufgetürmt. Und der DaiYoukai stand da, kehrte ihm den Rücken zu, hatte seine Klinge gezogen. InuYasha erkannte Tensaiga. Was sollte das?
Wie in Zeitlupe hob der Dämon vor ihm die Klinge. Sie blitzte für einen kurzen Moment auf. Wollte er etwa?
Schnell sprang InuYasha vor, hielt den Arm des Bruders fest, ehe dieser den Hieb ausführen konnte.
Erschreckt sah er in die Augen des Älteren, erkannte nur abgrundtiefe Leere in ihm. Wohin war der kühle, unnahbare Herr des Westens verschwunden?
Mit sanftem Druck nahm der HanYou das Schwert an sich, legte es beiseite. Wortlos umarmte er seinen Bruder. Doch dieser stand nur da, wie eine Statue. Als sei auch er tot.
Der Blick des Halbdämonen senkte sich zu dem Steinhaufen. Er roch die junge Frau. Sein Bruder hatte ihr hier unter den Sternen ein Grab bereitet.
Sesshoumarus Augen folgten dem Blick des Bruders.
„Ich konnte sie nicht einfach so zwischen den anderen liegen lassen.“ Seine Monotone Stimme war ebenso erschreckend wie sein leerer Blick.
„InuYasha, ich kann jetzt nicht wieder zurück.“ Seine Augen sahen den Jüngeren an. Er erwiderte zaghaft die Umarmung, ehe er weiter sprach.
„Ich möchte dich um etwas bitten, InuYasha“, er sah seinem jüngeren Bruder in die Augen.
„Bitte regiere statt meiner den Westen. Ich habe einen fähigen Verwalter, er wird dich in alles einweisen, was du wissen musst.“
InuYasha machte Anstalten, zu widersprechen.
Doch der DaiYoukai hob die Hand. Bat stumm den Jüngern weiter zu sprechen.
„Ich vertraue dir einstweilen das Reich unseres Vaters an. Ich möchte, dass du Rin beschützt. Nimm deine Freunde mit. Lebe glücklich dort.“
Er löste sich aus der Umarmung, sah wieder zum Firmament. Die Sterne begannen schon zu verblassen.
„Ich werde nicht vergessen, was du für mich getan hast, InuYasha. Aber ich kann nicht zurück. Nicht jetzt. Bitte versteh das. Halte mich nicht auf. Ich muss lernen.“
InuYasha schluckte. Tränen traten ihm in die Augen.
„Du kannst nicht gehen.“ Ihm brach die Stimme.
„Ich muss.“ Die Antwort traf den HanYou hart.
Er war glücklich gewesen, endlich seinem Bruder näher zu kommen. Nun sollte er wieder allein bleiben? Wieder allein ohne Familie?
Er spürte die kühle Hand des Älteren an der Wange, spürte, wie Sesshoumaru ihm sanft eine Träne wegwischte.
„Halte mich nicht auf, Bruder. Ich verlasse mich auf dich! Bring die Truppen heim. Erkläre es Daisuke. Er wird dir helfen.“
In der Hand des Bruders glänzte etwas, er hielt es dem Jüngeren hin.
„Hier, dass ist der Siegelring unseres Vaters. Damit bist du mir endgültig gleichgestellt. Lass mich nun gehen.“
Der Jüngere schluchzte auf.
Nahm nicht wahr, dass der Ältere ihm den Ring in die Hand legte, sich bückte und das Schwert aufhob.
Durch seinen Tränenverschleierten Blick sah er, wie sich Sesshoumaru umdrehte, und langsam dem neuen Morgen entgegen ging. Einfach so. Ihn allein ließ, an dem Grab der tapferen Kagome. An dem er sich eben noch selbst ein Ende setzten wollte.
Schon wurde seine Gestalt kleiner. Und als er hinter den Felsen verschwand, schrie der HanYou auf.
Ein weißer großer Dämonenhund stieg in den Himmel auf, immer in die Richtung der beginnenden Dämmerung.
Und InuYasha wandte sich ab, fiel auf die Knie.
So wurde er von Daisuke gefunden.
Als InuYasha alles berichtet hatte, sah der treue Waffengefährte Richtung Osten. Half dann dem Jüngeren aufzustehen und ging mit ihm zurück zu den Soldaten. Sie würden noch heute aufbrechen. Nach Hause.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 28. Okt 2011, 20:42 
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….

Alternatives Ende:

Das Schwert… was war mit dem Schwert los? Nachdenklich betrachtete Sesshoumaru die blanke Klinge in der Hand, spürte wie Energie wellenförmig durch sie strömte, sich in seinen Muskeln fortsetzte. Er sah zu der toten Frau vor ihm. Und erschrak. Wesen, bleiche, kleine Wesen kamen zu der Frau, hoben kleine sichelförmige Klingen. Wollten diese Gnome etwa die Leiche schänden und zerstückeln?!
Er wurde wütend. War es denn nicht schon schlimm genug, dass sie ihr Leben lassen musste? Wenigstens ihren Körper wollte er retten. Voller Entschlossenheit holte er mit Tensaiga aus, hieb auf die Wesen ein. Und staunte, als sie sich teilten und nur noch zerfasernden Nebel zurückließen. Erst jetzt merkte er, dass sich auch seine Umgebung verändert hatte. Alles war Schwarz. Nicht nur einfach dunkel, sondern Schwarz. Er schien in der Luft zu stehen, sie lag einfach nur da, als würde sie in der Unendlichkeit schweben.
Langsam löste sich die Schwärze auf, wurde wieder zu den Felsen. Den Bergen. Dem Sternenhimmel.
Er sah zu ihr, kniete sich neben sie, strich ihr über das Haar. Das blanke Schwert noch immer in seiner Hand.
„Kagome“, er rief wieder einmal mental nach ihr. Es schien ihm besser, als sie laut anzurufen und zu wissen, dass sie ihm nicht antworten würde.
Während er sie so da liegen sah, stiegen wieder einmal die Tränen in ihm hoch. Und er war unfähig, diese zurück zu halten.
Stumm bebten seine Schultern, lautlos rief er ihren Namen in das Dunkel der Nacht.
Irgendjemand berührte seinen Arm. Er spürte eine warme Hand auf sich liegen. Versuchte sich zusammen zu reißen.
Er sah auf die Hand, durch seinen Tränenverschleierten Blick konnte er nichts richtig erkennen. Er seufzte. Dann sah er noch einmal hin. Es war eine schmale, kleine Hand. Er folgte dem Arm, hinauf, sah wie sich die Brust hob und senkte, sah weiter hinauf in das Gesicht. In ihre Augen, die ihn mit so viel Wärme ansahen. Ihr Hand, die tröstend auf seiner zum liegen kam. Er schluckte. Ein Traum. Das musste ein Traum sein!
Zitternd berührte er sie, nahm ihre Wärme wahr. Schließlich zog er sie in seine Arme, verbarg sein Gesicht in ihrem Haar, wollte sie nicht loslassen. Und er weinte. Konnte nicht fassen, dass sie seine Umarmung erwiderte.
„Du warst tot!“
Sie hörte seine Stimme in sich, in ihrem Geist.
„Du warst wirklich tot, ich hab gesehen, wie Naraku dich verletzte, wie du zu Boden gingst.“ Er hatte sich von ihr gelöst, sah sie an.
Wortlos sah sie den großen DaiYoukai an. Tränen in den Augen.
Stumm beugte sie sich vor, zaghaft berührten ihre Lippen die seinen. Plötzlich umklammerte er die Frau. Und wusste, sie war der Teil der ihn vervollständigte, nach dem er unbewusst immer gesucht hatte.
Er erwiderte den Kuss sanft.
„Lass mich nicht noch einmal zurück.“ War alles was er sagen konnte.
Beide nahmen nicht wahr, dass der Halbdämon sie erreicht hatte und ungläubig dieses Bild sah. Die junge Frau, lebendig und in den Armen des stolzen Bruders.
Still ging er wieder zu den anderen zurück. Sein Bruder würde es ihm sicher später erklären.
Doch dieser Augenblick war nur für die beiden bestimmt. Für diese beiden, deren Liebe anscheinend auch den Tod überwunden hatte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Abstecher...
BeitragVerfasst: 28. Okt 2011, 21:01 
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Erläuterungen einiger japanischer Begriffe und Namen:

Hakama:
Eine Hose, getragen in sieben Falten, die für die sieben Tugenden der Samurai stehen, weiter Schnitt, oben am Bund enger.

Haori:
Westenähnliches Oberteil, meist reich verziert. Gab es mit und ohne Ärmel.

Obi:
Ein Gürtel.

Namen der von mir erfundenen Charaktere:

Daisuke:
„Große Hilfe“

Naoki:
„Ehrenwert, ehrliche Haut, gerader Baum“

Shou:
„Hochfliegen, Fliegen“

Kenshin:
„Herz des Schwertes“ (Ken -> Schwert und Shin -> Herz)

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